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Ausgabe:

1896 Nr. 4

Spalte:

121-122

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smith, George

Titel/Untertitel:

Bishop Heber 1896

Rezensent:

Richter-Werleshausen, Paul

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 4.

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Hauptgegenftand' (S. 45) fein würde. In diefem Lebens- ! Werth haben und noch heute zu den beliebteflen Hymnen
alter find die armen jungen Leute folchen rohen An- der anglikanifchen Kirche gehören. Der Verfaffer fetzt
griffen auf Altes und Neues Teftament, wie fie die be- ! bei feinen englifchen Lefern die Bekanntfchaft diefer
rüchtigte .Bibel in der Weftentafche' aufweift, faft wehrlos ! Hymnen voraus, bringt darum keine derfelben zum

hingegeben.

Zuletzt wird (S. 46—52) die Frage erörtert, ob kri-
tifche Unterfuchungen und Streitigkeiten in den

Abdruck. Den deutfchen Lefern würde es jedenfalls lieb
gewefen fein, wenn anftatt anderer Gelegenheitsgedichte,
die das Buch enthält, die eine oder andere Hymne abReligionsunterricht
gehören? Sie wird mit vollften Rechte i gedruckt wäre, wenigftens die berühmte Miffionshymne

verneint. .Dagegen werden, foweit es fich um Ergeb
nifse der altteftamentlichen Wiffenfchaft handelt, wenn
der Stoff felbft und das Bedürfnifs der Schüler dazu
auffordern, gelegentliche Mittheilungen daraus der rechten
Würdigung des A.T.'s nur dienlich fein, vorausgefetzt,
dafs der Lehrer felbft auf dem Boden freudigen Chriften-
glaubens fteht, der Schrift eine aufrichtige Ehrfurcht
entgegenbringt, alles Polemifiren gegen andere Auf-

From Greenlands icy Mountains', damit auch fie fich
darüber ein Urtheil hätten bilden können.

Das 6. Capitel fchildert dann Heber's Beziehungen zur
Miffion. In den erften Jahrzehnten unferes Jahrhunderts
war in England die Miffion faft durchweg noch Secten-
fache, die Geiftlichkeit der Staatskirche, befonders die
höhere, hielt fich von der Miffionsbewegung noch fern.
In Heber fand diefelbe von Anfang an ihren wärmften,

faffungen vermeidet und die Entwicklungsftufe feiner ; beredtften und unermüdlichen Vertreter, und ihm gebührt
Schüler fowie die pofitive Aufgabe des Religionsunter- j vor allen das Verdienft, in der anglikanifchen Kirche das
richts ftets vor Augen hat. Es wird' — und Ref. kann I Vorurtheil gegen die Miffion befeitigt zu haben. Es war

darum nur natürlich, dafs bei Erledigung desBifchofsftuhles

das aus langjähriger Erfahrung als Religionslehrer am
hiefigen Gymnafium beftätigen — ,hierbei den Schülern
zum Bewufstfein kommen, dafs die wiffenfchaftliche Er-
forfchung der Bibel die Gewifsheit des chriftlichen Glaubens
nicht gefährdet, fondern fördert, infofern fie die
evangelifche Kirche veranlafst, fchärfer als bisher zu
unterfcheiden zwifchen Glauben und hiftorifchem und
literarhiftorifchem Wiffen'. Das ift es eben, darauf kommt
es an, dafs diefer Unterfchied, der nach feinem tiefften
Grunde nichts anderes ift, als der fchon von Schleier -
macher gemachte Unterfchied zwifchen Theologie und
Religion, auch in unferen Tagen wieder mehr zu berechtigter
Anerkennung gelangen mufs.

Crefeld. F. R. Fay.

Smith, George, Bishop Heber. London, J. Murray, 1895.
(370 S. 8.)

Verfaffer giebt im vorliegenden Werke die Biographie
Reginald Heber's, des zweiten Bifchofs von Calcutta
(1783—1826); faft ift es eine Autobiographie zu nennen.
Denn die Compofition des Buches ift der Art, dafs der

Hauptinhalt aus Ausfchnitten von Briefen und Tage- | Zufammenarbeiten mit ihnen an, was von diefen auch

von Calcutta aller Augen fich auf ihn richteten. Nur
2 '/2 Jahre hat er diefes Amt verwalten dürfen, 1823—26;
ein jäher Tod im Bade machte feinem arbeits- aber auch
fegensreichen Wirken in Indien nach menfchlicher Meinung
ein allzu frühes Ende. Bei der damaligen oft miffions-
ja chriftenthumsfeindlichen Haltung der Regierung der
oftindifchen Compagnie war die Stellung des Bifchofs
eine aufserordentlich fchwierige. Er verftand es, mit dem
allerfeinften Tactgefühl allenthalben die Behörden willfährig
zu machen, auf feine Anliegen einzugehen. Eine
weitere Schwierigkeit erwuchs aus dem Nebeneinanderwirken
der verfchiedenartigften evangelifchen Denominationen
auf dem indifchen Miffionsfelde. Sein Vorgänger
hat in diefer Hinficht durch Schroffheit viel zurückge-
ftofsen. Auch Heber war durch und durch Anglikaner,
und als folcher überfchätzte er nach unferm Gefchmack
wohl zu fehr die Vorzüge der anglikanifchen Ordination
und veranlagte fogar deutfche ordinirte Miffionare fich
nach anglikanifchem Ritus noch einmal ordiniren zu laffen.
Im Uebrigen wufste er aber den fonftigen Bekenntnisen
doch gerechter zu werden und ftrebte ein friedfames

büchern Heber's und feiner Freunde befteht, welche meift
nur durch die notwendigen Erklärungen und Ergänzungen
des Verfaffers zu einem harmonifchen Ganzen vereinigt
find. Der Werth des Buches kann dadurch nur gesteigert
werden, indem der Lefer fo den unmittelbarften Einblick
in die Wirkfamkeit und befonders in das reiche und
tiefe Geiftesleben Bifchof Heber's erhält. Die erften
Abfchnitte des Buches machen uns mit der Ausbildung

dankbar anerkannt wurde. Für Miff. Schwartz zeigte er
eine befondere Werthfehätzung. Mit warmem Verffänd-
nifs ging er, trotz feines kurzen Dortfeins, auf manche
befondere indifche Miffionsfragen ein, z. B. auf die Kaffen-
frage, in deren Auffaffung er wieder jene ihm eigentümliche
Weitherzigkeit bewies.

Seine Vifitationsreifen führten ihn auch zu den ver-
fchiedenften Baudenkmälern aus Indien's Vergangenheit,

des überaus begabten Knaben und Jünglings, fowie mit ; er befchreibt diefelben mit grofser Anfchaulichkeit, und die

der erften Amtsthätigkeit Heber's innerhalb der angli
kanifchen Landeskirche feiner Heimath bekannt. Wir
fehen den jungen Geiftlichen in feiner Pfarrei zu Hodnet
(Wales) mit aller Treue und Gewiffenhaftigkeit feines
Amtes walten, eifrig bemüht, das geiftige Leben in feiner

Urtheile, die er darüber fällte, hat eine fpätere Forfchung
faft durchweg beftätigt, ein gutes Zeugnifs für fein Kunft-
verftändnifs. Zahlreiche Abbildungen nach Skizzen von
feiner eigenen Hand, Land und Leute in damaliger Zeit
fchildernd, find eine willkommene Beigabe unferes Werkes.

Gemeinde zu heben. Wir fehen ihn, den gelehrten Theo- | Der Lefer wird es nicht aus der Hand legen, ohne viel
logen, in wiffenfchaftliche Studien fich verfenken und mit j fache Belehrung und reiche Anregung durch dasfelbe
geiftvollen Abhandlungen und Kritiken in den Kampf empfangen zu haben. Eine Verwechslung zwifchen

D. Grundemann und D. Wangemann ift dem Verfaffer
S. 316 Anm. 1 untergelaufen. Seite 266 befchreibt Heber
jenes eigenthümliche, in den buddhiftifehen Felfentempeln

der Geifter eintreten. Sich einer beftimmten kirchlichen
Partei anzufchliefsen, hinderte ihn feine auf umfaffendfter
theologifcher Gelehrfamkeit beruhende evangelifche Weit-

herzigkeit und Milde. Nicht als Arbeit, fondern als Er- j lieh befindende, kuppeiförmige Bauwerk, das man Tschaitya
holung fah er die Beschäftigung mit der Mufe der Dicht- 1 (chattah) nennt; er glaubt, dasfelbe mit dem Linga-SymhoX

kunft an, deren begnadeter Jünger er war. Schon auf
der Univerfität Oxford hat er durch ein Preisgedicht
,Palestinai allgemeine Bewunderung erregt. Jetzt führten
ihn praktifche Gemeindebedürfnifse darauf, fich der kirchlichen
Hymnendichtung zu widmen. Was er in der
anglikanifchen Kirche an Hymnen antraf, fand er feiner
.erotifchen, unziemlichen und läppifchen Natur' wegen für
den gottesdienftlichen Gebrauch meifst unverwendbar.
Er verfafste felbft 57 Hymnen, von welchen 21 bleibenden

des Äz-Ä-Dienftes in Beziehung fetzen zu müffen. Dem ift
nicht fo, die Tschaitya ift vielmehr nichts als der Reliquien-
fehrein des Buddhadienftes.

Rheinsberg. Paul Richter-Werleshaufen.