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Ausgabe:

1896 Nr. 4

Spalte:

112

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Burnat, Eugènie

Titel/Untertitel:

Lelio Socin 1896

Rezensent:

Benrath, Karl

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111

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 4.

112

wäre der Titel nur einmal in extenso als Titel des Neudrucks
— und dann mit peinlicher Genauigkeit ■— wiedergegeben
und dann auch an diefer Stelle, wo man fie
jetzt vermifst, mit den fich S. 43 — allerdings auch da
nicht vollftändig — findenden bibliographifchen Angaben
verfehen. Den Neudruck giebt der Herr Herausgeber
ohne Auflöfung der Abkürzungen; gewöhnlich gilt heute
die Auflöfung als Regel. Man vermifst die Signaturen
oder, wenn diefe dem Original fehlen, die Angabe über
Anfang und Schlufs der einzelnen Seiten. Diefe Angaben
haben doch allein fchon für eine etwa nöthig werdende
Vergleichung mit dem Original ihre Bedeutung. Der
Herausgeber benutzt in feinem Neudruck nur runde
Klammern, auch für feine Zufätze, z. B. S. 154 Z. 2;
160, 4 v. u. Abgefehen davon, dafs es überhaupt als
Regel gilt, eigene Zufätze in eckige Klammern zu fetzen,
ift das vollends geboten, wenn, wie hier, im Original
runde Klammern fich finden (vgl. z. B. 100, 10; 106, 14;
130, 6). Durch diefe Ungenauigkeit entftehen denn auch
im vorliegenden Falle Mifsverftändnifse. S. 130, 8 weifs
man nicht, ob ,Genefis' Zufatz des Verfaffers oder des
Herausgebers ift; S. 125, letzte Zeile ift das ,(n)' unver-
ftändlich *). Leider find ziemlich zahlreiche Druckfehler
zu verzeichnen, die, wenn fie Druckfehler des Originals
find, als folche hätten angemerkt und verbeffert werden
follen: es ift zu lefen IOI, 15: nycht ftatt nvcht; IOI, 18:
vormytz ftatt vormtz (vgl. dafür 110, 5); 102, 4: fpreckt
oder fprekt ft. fprckt; 102, 5 v. u.: Chriftum ft. Chrftum;
103, 17: itlick ft. itlck (vgl. gleich darauf Z. 20); 106, 16:
betterynge ft. betleryge (vgl. Z. 14 u. 18); 106, 21: beuel
ft. beuet; 134, 12: moege ft. morge; 134, 19; duffer u. nu
de ft. uffer u. nude; 135, 4: kynder ft. kyder; 136, 5: en
mach; 154, 2: eebrekern (vgl. Z. 17); 106, 5 fehlt offenbar
ein nycht vor allene; 131, 4 wäre die in Klammer gefetzte
Erklärung richtiger fchon 108, 9 beigefügt, wo
queck fchon vorkömmt. Ift vne dafelbft Z. 6 wirklich
richtig, oder nicht vielleicht ve zu lefen? — 147, 6 ift ys
doppelt gefchrieben; 167, 1 hätte vader in eckigen Klammern
hinzugefügt werden follen, fein Fehlen im Original
ift offenbarer Druckfehler (vgl. 168, 8 v. u.). Endlich
vermifst man die genaue Angabe der Bibelftellen, fei es
am Rande oder in Fufsnoten, zumal der Text derfelben
oft bedeutend von Luther's Ueberfetzung abweicht.

Die Biographie Weftermann's, der, von feinem Klofter
Lippftadt nach Wittenberg zum Studium entfandt, dort
Luther's Gedanken kennen lernte, fie in fein Klofter
mitbrachte und für Lippftadt zum Reformator wurde —
ift ein intereffanter Beitrag zur Reformationsgefchichte,
in ihrem gröfsten Theil zur Gefchichte der Reformation
in Weftfalen. Dafs der Herr Verf. aus fchwer zugänglichen
älteren Quellenwerken die betreffenden Stellen
in extenso abdruckt, ift höchft dankenswerth. Die Auszüge
aus neueren Werken hätten wohl hier und da be-
fchränkt werden dürfen.

In der Einleitung macht Knodt auf eine intereffante
Stelle in einem Briefe Melanchthon's an den Breslauer
Domherrn Michael Vitiger {Corp. Ref. 1. S. 643 Nr. 261)
wieder aufmerkfam, von der übrigens nicht feftfteht, ob
fie wirklich — wie Bretfchneider annahm — dem Jahre
1523 angehört. Auch Zezfchwitz (Syftem der chriftlich-
kirchlichen Katechetik II, 1. 2. Aufl. S. 34) hat auf diefe
Stelle hingewiefen und hat auch, wie Knodt, unter den
dort genannten y.axrfyianoL Bücher vermuthet. Es ift auch
keine andere Deutung möglich, wenn man nicht vor:
,De superiore libro etc.1 einen Abfatz annehmen und
,Quod instanras ■/.air}yio/.iovg tuos, probo' als aufser Zu-
fammenhang mit dem übrigen ftehend faffen will. Die
Stelle fcheint mir aber eine ganz befondere Beleuchtung
zu erhalten, wenn man fie mit Worten in einem früheren
Briefe des Melanchthon an Vitiger {Corp. Ref. I. S. 614 h

1) Es foll doch nicht etwa bedeuten, dafs der Herausgeber fynen
ft. fyne8 wünfchtf

Nr. 242) vergleicht. Offenbar ift dort und hier von
demfelben Buche die Rede, das dem Melanchthon zur
Aeufserung darüber vorgelegt ift, ob es fich zum Drucke
eigne. Melanchthon erklärt die Arbeit für lobenswerth,
aber das Buch mufs gekürzt werden. So bearbeitet es
denn Vitiger von neuem, worüber Melanchthon in unferem
Briefe (Nr. 261) fich beifällig äufsert. Ift fo derZufammen-
hang, dann heifst das, was hier v.nxrfiiüuoi genannt wird,
in Nr. 242 commentarius, und es handelt fich offenbar
um eine Erklärung der gerammten res Christiana —
vielleicht in der Art der Loci Melanchthon's —, ohne
dafs dabei der eigentliche Katechismusftoff zu Grunde
gelegt zu fein fcheint. Ob alfo den berühmten Worten
in Luther's deutfcher Meffe (Erl. Ausg. 22. S. 231 unten);
die bisher für den Begriff und das Wort Katechismus im
feitdem gültigen Sinne als grundlegend angefehen werden,
durch unfere Briefftelle diefer Ruhm wirklich gefchmälert
wird, bleibt immerhin fraglich, auch wenn man annimmt,
dafs unter yarrj^iauot Bücher (oder ein Buch?) zu ver-
ftehen find. Es wäre fehr zu begrüfsen, fände jemand
das in Rede flehende Buch Vitiger's wieder auf"; doch
kann man zweifeln, ob es überhaupt zum Druck befördert
ift.

Weftermann's fogenannter Katechismus verdient als
Denkmal der älteften Reformationszeit, als bedeutfames
Zeugnifs des von Luther angeregten religiöfen Lebens
das Intereffe aller Freunde der Reformationsgefchichte.
Dem Herrn Herausgeber find wir herzlich dankbar, dafs
er ihn uns wieder zugänglich gemacht hat.

Markoldendorf (Hann.). Ferdinand Cohrs.

Burnat, Eugene, Lelio Socin. Vevey, impr. Klausfelder
Freres, 1894. (94 S. m. 1 Fkfim. 8.)

Der Verf. atteftirt feiner Schrift die Exiftenzberech-
tigung aus dem Gerichtswinkel, dafs die franzöfifch-
theologifche Literatur bisher keine umfaffende Darftellung
des Socinianismus befitze und des älteren Sozin Leben
wenig bekannt fei. Uebrigens befchränkt er fich darauf,
,die Hauptzüge feiner Phyfionomie' darzuftellen und thut
das in relativ felbftändiger Weife, d. h. im Anfchlufs an
Trechfel's II. Bd. und unter Berückfichtigung der im
Corpus Rcformatorum abgedruckten, zwifchen Sozin und
Calvin gewechfelten Briefe, auch der von Hottinger,
Bd. IX, gegebenen Stücke. Recht glatt, mehrfach etwas
flink, wird die Aufgabe erledigt, einige wenig bedeutende
Schriftftücke aus der Breslauer Stadtbibliothek (3 Briefe
von S. an Crato und Moiban, aus Zürich, von 1552 und
1560) hat B. im Wortlaut mitgetheilt.

Königsberg. Benrath.

Slee, J. C. van, De Rijnsburger Collegianten. Gefchied-
kundig onderzoek. Bekroond door Teyler's Godge-
leerd Genootschap. [Verhandelingen rakende den
natuurlijken en geopenbaarden godsdienst, uitgegeven
door Teyler's Godgeleerd Genootschap. Nieuwe Serie.
15. deel.] Haarlem, de Erven F. Bohn, 1895. [Leipzig,
O. Harraffowitz.] (XXI, 455 S. m. 4 Taf. gr. 8.)

Kart. M. 6.—

Die Teyler-Stiftung, deren Initiative man fchon zahlreiche
treffliche Monographien aus verfchiedenen Gebieten
der theologifchen Wiffenfchaft verdankt, hat in
dem vorftehenden Werke wieder einmal eine gefchicht-
liche Arbeit auf weniger bebautem Felde angeregt und
der vorliegenden Bearbeitung mit Recht den Preis zuerkannt
. Denn durch den Deventer'fchen Prädicanten
ift nicht allein das Material fo vollftändig wie möglich
benutzt, auch fofern es nur handfchriftlich vorhanden
war, fondern es ift auch diefe Bewegung fo eingehend
unterfucht, dafs hier ein ebenfo klares wie umfallendes