Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1896 Nr. 2

Spalte:

40-41

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brinkmann , Aug. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Alexandri Lycopolitani contra Manichaei opiniones disputatio 1896

Rezensent:

Krüger, Gustav

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

39

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 2.

40

lorenen Sohne das Verhalten nicht nur Jefu, fondern i biegen vermocht, dafs es fich zu dem beabfichtigten
Gottes felbft abgebildet zu fehen, fo ift dies doch nur j Gefammtbaue zufammenfügte. Der naive Mangel an Selbft-
infofern richtig, als in dem Verhalten Jefu das Verhalten kritik, den er hierbei bewährt, die durch keinen Gedanken
Gottes offenbar ift. Wenn Jefus feine Jünger anleitet, an andere Möglichkeiten, durch keine Berückfichtigung
Gott um Vergebung zu bitten, fo gilt dabei die Voraus- , anderer Auffaffungen getrübte Sicherheit, mit der er
fetzung, dafs fie eben im Jüngerverhältnifs zu Jefu flehen ; feine Exegefe, auch die fo bedeutender und fchwieriger
(S. 25). ,Es ift ausgefchloffen, Jefus als den zu verliehen, Stellen, wie der vom Ivxgov und der Abendmahlsworte
der eine neue Gotteserkenntnifs gebracht hat. Nicht (S. 42 f.), kurz abmacht, die Leichtigkeit, mit der er folche
diefe, fondern ein neues Verhältnifs zu Gott will er Schwierigkeiten und Einwendungen, die Anderen als gebringen
' (S. 26). Weil Jefus die Sündenvergebung felbft i wichtigfte erfcheinen möchten, abfchüttelt (z. B. S. 24.
vollzog, deshalb tritt fie in feiner Verkündigung nicht ' 29f. 41), die Sorglosigkeit, mit der er feine Confequenzen
ebenfo in den Vordergrund, wie in der apoftolifchen I zieht und feine allgemeinen Behauptungen aufhellt, haben
(S. 29 f. 39 f.). Und dafs er von dem Heilswerthe feines mich bei der Leetüre in ftetem Staunen erhalten. Gevvifs
Todes nur feiten fprach, ,das ift leicht verftändlich aus | wird der Verf. für das Zeugnifs, das er durch diefe Schrift
der Situation, in der er fich befand; er konnte keinen gegen Ritfehl abgelegt hat, reiche Anerkennung be
Anlafs haben, fich über einen Gegenftand eingehender ! feinen Gefinnungsgenoffen finden. Aber dafs feine Arbeit
zu äufsern, der überall nur Gegenftand des Anftofses j den Werth einer wiffenfehaftlichen Unterfuchung habe
war' (S. 41). In Mt. 20, 28 u. 26, 28 hat er doch ausge- j und dafs ihre Darlegungen für irgend Jemanden ein-
fprochen, ,dafs die Vergebung der Sünden, die er fonft leuchtend wären, der nicht fchon im Voraus von den
ertheilt hat, an feinen Tod gebunden fei' (S. 43). ,Der I Refultaten überzeugt ift, das möge er fich nicht einbilden
.

Jena. H. H. Wendt.

Tod Jefu ift darum nothwendig, damit es bei der Vergebung
, die Jefus fchon vorher ertheilt hat, bleibt' (S. 49).
Jefus konnte überall nur Vergebung üben, als der, der
fterben wollte' (S. 53). ,Ift der Tod Jefu als ein Eintreten
für die Sünder zu beurtheilen, fo ergiebt fich auch, dafs | Alexandri Lycopolitani contra Manichaei opiniones dispu-
dies Eintreten ein ftellvertretendes ift' (S. 51). Von dem J tatj edk]it A Brinkmann. Leipzig, Teubner,

Tode Jefu aus wird nun erft recht feine Verkündigung
verftändlich; er giebt erft Antwort auf die Frage, welche
feine Verkündigung felbft nicht beantwortet: warum denn
die Vergebung der Sünden in Jefu vorhanden ift, warum
es der Gottesthat der Sendung des Sohnes bedarf. —

1895. (XXXI, 50 S. 8.) M. 1 —

In Cod. Medic. plut. IX 23 saec. IX (X?) fleht hinter
der Schrift des Didymus gegen die Manichäer und vor
dem Fragment aus des Methodius Abhandlung vom freien

Darum bedarf es der Sendung des Sohnes, weil es folcher Willen ein Tractat mit dem Titel: 'slXe^ctvögov yIvy.o-
Vergebungsthat bedarf, weil der, der Macht hat, zu ver- | itoIIxov eniaxgtÜJavxog idvcöv 7rgng rag Marf/aim
geben, diefelbe nicht anders ausüben kann, als wenn er ! dög~ag. Vom Verfaffer weifs man nur, dafs er (vgl. Cap. 2)

den Tod auf fich nimmt' (S. 55). .Das Kreuz begründet
erft die Bedeutung feiner Perfon' (S. 56). So ergiebt fich,
,dafs es die Perfon Jefu ift, an der wir die Vergebung
der Sünden haben'. ,Die eigentliche Bedeutung der Auf-

nicht lange nach Mani's Auftreten, wahrfcheinlich als
Zeitgenoffe der erften Manichäer- Apoftel, die nach
Aegypten kamen, alfo +300, gefchrieben hat. Photius
(c.Manich. I Ii) erwähnt ihn mit Serapion von Thmuis

erftehung Jefu ruht darin, dafs fie die Wiederherftellung 1 und Titus von Boftra als Beftreiter der Manichäer und
der Perfon Jefu ift, dafs fie verbürgt, dafs der Jefus, der j macht ihn zum Metropoliten (0 xe trjg noXswg sIlmov
am Kreuz geftorben ift, ewig lebendig ift. An diefem j ldXtS.avdgng xoig dgyiegaxiYOvg ay-Ysyeigiaittvog vouorg).
Jefus haben wir die Vergebung der Sünden' (ibid.). Bei Funk (Kirchenlexikon I 501 s.v.) lefe ich, dafs er
,Darin befteht die Bedeutung des gefchichtlichen Jefus, ,wahrfcheinlich der Vorgänger des Meletius war, der das
dafs er ein Verhältnifs zum übergefchichtlichen Cliriftus 1 bekannte Schisma in Aegypten hervorrief. Aber fchon
ermöglicht. — — Nicht im Verhältnifs zum gefchicht- I Tillemont in den Memoires, Beaufobre (Histoire
liehen Jefus ruht unferHeil; von einem folchen Verhältnifs, critique de Manichee et du Manicheisme) und nach ihm
von „Glauben" an ihn zu reden, ift ein Nonfens; nur Baur (Manich. Religionsfyft. 7) find dafür eingetreten,

im perfönlichen Verhältnifs zu dem lebendigen Chriftus
haben wir unfer Heil, und dazu ift uns die Kunde vom
gefchichtlichen Jefus überliefert, damit fie uns zu folchem

dafs Alexander ,ein heidnifcher Philofoph' war, ,der vom
Chriftenthum eine höchft nüchterne Anficht' hatte. Auch
dafs er, wie aus dem Titel nur bei gezwungener Aus-

Verhältnifs, zum Glauben führe (Joh. 20, 31). Das ift die legung zu folgen fcheint, eine Zeit lang Manichäer geBedeutung
der „Thatfachen", befonders die Bedeutung wefen, wäre zu beanftanden.

der Thatfache feines Todes, dafs fie ein folches Verhält- Brinkmann fchliefst fich in (einer Ausgabe diefer

nifs begründen foll' (S. 57). — Durch diefe ganze Dar- j Meinung an: Piatonis diseiplinam professus non Manichaeo-
legung meint der Verf. die Anfchauung Ritfchl's wider- rum modo strenuus extitit (seil. Alexander) adversarius,
legt zu haben, dafs Jefu felbft der Gedanke eines (teil- sed Christianae quoque ,philosophiaei iudex Severus sane
vertretenden Strafleidens ferngelegen habe, und dafs die nec tarnen infensus. Diefe Anficht dürfte richtig fein. In
Heilsbedeutung Jefu darin zu fuchen fei, dafs er in feiner der That läfst keine Zeile des Buches auf einen Chriften
Perfon die fündenvergebende Liebe Gottes offenbare, fchliefsen, und die Ueberfchrift beweift nichts. Brinkin
der Schätzung der Perfon Jefu fei freilich Ritfehl über ! mann macht ferner auf Grund des Dedicationsgedichtes

den Rationalismus hinausgegangen. ,Aber indem Ritfehl
in der Perfönlichkeit Jefu doch nur die Erklärung und
Bürgfchaft feiner Gotteserkenntnifs findet, ift fein Fort-
fchritt nicht ein Fortfehritt über den Rationalismus
hinaus, fondern nur ein Fortfehritt innerhalb des
Rationalismus felbft' (S. 36).

Nach meiner Auffaffung ift diefe Arbeit, die der
Verf. auf dem Titel als eine ,biblifch-theologifche Unter-

im Codex wahrfcheinlich, dafs das im Mediceus zufammen-
geftellte antimanichäifche Corpus — Methodius konnte
mitgezählt werden — dem Kaifer Bafilius Macedo zwifchen
867 und 871 als Aufmunterung zum Kampfe gegen die
Paulicianer überreicht worden fei. Seiner Meinung nach
enthielt der Codex damals auch die Schriften des Serapion
und Titus, und es fcheint ihm möglich, dafs der
exilirte Photius der Urheber diefer Zufammenftellung war.

fuchung' bezeichnet, in Wirklichkeit eine bibl.-theol. ; Auffallend wäre dann freilich, dafs Photius in Cod. 85
Conftruction. Wie fich der Verf. gleich anfangs feine feiner Bibliotheca des Didymus nicht gedenkt. Auch
Deutung des Täuferwortes und des Taufens Jefu paffend ! dafs er oder der Schreiber des Codex die Notiz erttaxgl-
zurechtgemacht hat, fo hat er auch weiterhin das biblifche xpavxog sd-voiv hinzugefügt habe, ne offenderet pagam
Material, das er verwenden mufste, fo zu drehen und zu ; hominis Uber cum Christianis coniuhetus, fcheint uns nicht