Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1896

Spalte:

33-36

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wittrich, Hugo

Titel/Untertitel:

Juden und Griechen vor der makkabäischen Erhebung 1896

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark,

N°- 2. 18. Januar 1896. 21. Jahrgang.

Willrich, Juden und Griechen vor der makka-

bäifchen Erhebung (Schürer).
Bardenhewer, Der Name Maria (Schürer).
Jäger, Gedanken und Bemerkungen zur Apoflel-

gefchichte, 3. Hft. (Holtzmann).
Cremer, E., Die Vergebung der Sünden durch

Jefus (Wendt).

Alexandri Lycopolitani contra Manichaei opi- I '^"en T^1^767^).
niones disputatio ed. Brinkmann (Krüger). |

Lipfius, Lehrbuch der evangelifch-proteftan- Heft<i ?ur .O»*««*« Welt' Nr. 18-20 (Lob-
tifchen Dogmatik, 3. Aufl. (Reifchle). Vorbrodt, Pfychologie des Glaubens (Ritfehl).

Holzhey, Die Infpiration der hl. Schrift in
der Anfchauung des Mittelalters (Lobftein).

Kaehler, Unfer Streit um die Bibel (Derf.).
Koehler, Ueber Berechtigung der Kritik des

Kirn, Schleiermacher und die Romantik (Ritfehl).
Bechtel, Die pofitive Theologie und der moderne
Rationalismus (Drews).
Loofs, Das Apoftolikum, in drei Predigten

ausgelegt (Drews).
Oettli, Ideal und Leben, Vorträge (Drews).

Willrich, Dr. Hugo, Juden und Griechen vor der makka- diefe Hafenftädte politifch den Juden gehörten, fondern
bäischen Erhebunq. Göttingen,Vandenhoeck&Ruprecht, nur dafs das Land fich vortrefflich zum Handel eigne,
1895 (X 176 S gr 8) M 4 — wel1 es uber le Hafen von Askalon, Joppe, Gaza und

Ptolemais reichlich die überfeeifchen Waaren erhalte (dies

Ueber die Gefchichte des jüdifchen Volkes von fcheint mir die richtige Auffaffung), oder er hat den
Alexander dem Grofsen bis zur Makkabäerzeit ift be- ;Juden einen politifchen Befitz zugefchrieben, den fie nie-
kanntlich die Ueberlieferung bei Jofephus und anderen | mals gehabt haben. Im letzteren Falle ergiebt fich aber

Schriftftellern eine äufserfl dürftige. Diefe dürftige Ueber
lieferung zu prüfen ift die Abficht des vorliegenden
Buches, Und das Refultat ift, dafs auch das Wenige, was
man bisher zu wiffen geglaubt hat, auf Erfindung beruht.
Wir wiffen über jene Periode fo gut wie gar nichts.

Verf. unterfucht zunächft die Legende von Alexander's
des Gr. Befuch in Jerufalem (S. 1 —13). Sie (lammt nach

für die Beftimmung der Abfaffungszeit ebenfowenig ein
Anhaltspunkt wie im erfteren. Für die Anfetzung in
römifcher Zeit habe ich auch bei Willrich keinen reichhaltigen
Grund gefunden.

Ein weiterer Abfchnitt unterfucht die Nachrichten
der griechifchen Schriftfteller über die Juden bis
auf Antiochus Epiphanes (S. 43—63). Auch durch fie

ihm aus einer apokryphifchen Schrift recht fpäten Ur- j erfahren wir nicht viel. Der erfte, der etwas von ihnen
fprungs. Denn die hiftorifchen Motive der Legende find 1 wufste, ift Hekataios von Abdera (bei Diodor. XL, 3).
nicht nur der Befuch des M. Agrippa bei Herodes im Der folgende Paragraph ift überfchrieben Jafon von

J- 15 vor Chr., fondern auch der Conflict der Juden und Kyrene' (S. 64—77), handelt aber nicht nur über diefen,
Samaritaner unter Cumanus und Ummidius Quadratus fondern auch über das erfte Makkabäerbuch (S. 69fr.).
52 nach Chr. Die Schrift, aus welcher Jofephus hier | Letzteres ift zwar feiner Grundlage nach ein zuverläffiges
gefchöpft hat, ift alfo erft zu feinen Lebzeiten gefchrieben. ; Werk, aber die meiften Briefe und Actenftücke, welche
Eine andere, und befonders wichtige Quelle für Jo- j darin mitgetheilt werden, find freie Erfindungen des grie-
fephus war Pfe'udo-Hekatäus (S. 20—33). Er fetzt j chifchen Bearbeiters. Diefer hat auch die angeblichen
bereits die Ereignifse der Makkabäerzeit voraus, und ! Bündnifse der Römer mit den Makkabäern Judas und
fchrieb .früheftens um 100 vor Chr.' (S. 25). Aus ihm Jonathan erfunden. Die römifche Urkunde für Simon
flammt die Nachricht, dafs fchon Ptolemäus I. zahlreiche I Makk. 15, 15—24, vgl. 14, 24 ift freie Nachbildung der
Juden in Aegypten angefiedelt habe; überhaupt alles, was ; Urkunde für Hyrkan II bei Joseph. An/. XIV, 8, 5. Das
fpätere Schriftfteller (Pfeudo-Arifteas und Jofephus) über Verzeichnifs der Länder und Städte, in welchen Juden
das Auftreten einer jüdifchen Diafpora in Aegypten in ' wohnten, denen die Römer ihren Schutz zu Theil werden
vormakkabäifcher Zeit fabeln. Eine folche ift erft feit liefsen, I Makk. 15, 23, ift angefertigt unter Benützung
der Makkabäerzeit nachweisbar. der Urkundenfammlung Joseph. XIV, IO (S. 75; leider find

An Pfeudo-Hekatäus knüpft Pfeudo-Arifteas an die fraglichen Länder und Städte in beiden Sammlungen
(S. 33 fr.), ebenfalls ein Haupt-Gewährsmann für Jofephus. j recht verfchiedenel). Die Beziehungen der Juden zu den
Er fchrieb erft in römifcher Zeit, wie Grätz gezeigt hat betreffenden Städten gehören aber erft der Zeit des
(S. 34), und war wohl ein Zeitgenoffe des Herodes und 1 Herodes oder kurz vor Herodes an (S. 75). In die Zeit
Auguftus (S. 36). Jedenfalls genügt die Erwähnung, dafs , des Herodes führt auch die Gefchichte von der Verwandt-
die Juden Häfen befäfsen, vollkommen, um Schürer's fchaft der Juden und Spartaner. Denn am Hofe des He-
Anfetzung des Pfeudo-Arifteas als falfch zu erweifen, rodes lebte der fpartiatifche Glücksritter Eurykles. ,Was
denn in der Ptolemaicrzeit haben die Juden überhaupt , konnte aber für die Juden ehrenvoller fein, als wenn der
keinen Hafen gehabt' (S. 35). Ich habe geglaubt, diefen vornehme Spartiate fie als liebe Vettern begrüfste?'
Punkt durch eine Anmerkung (Gefch. des jüd. Volkes II, (S. 76). Die griechifche Bearbeitung des erften Makka-
822) hinreichend erledigt zu haben; fehe aber, dafs ich bäerbuches hat alfo ,früheftens in Herodes'letzten Jahren
mich getäufcht habe. Die Stelle lautet (ed. Moritz Schmidt 1 ftattgefunden' (S. 76). Da fie aber von Jafon von Cyrene
in Merx Archiv I, 274): egyaoinog yctg xai ngbg zfjv in- I benutzt worden ift, fo hat diefer ,in den erften Decennien
noQiav iaziv 1) yd,Qtt xazzoxEvaonivri, xai nolvzEyyog t) [ unferer Zeitrechnung gefchrieben' (S. 76).
nolig, ov anaviXti d' ovdiv ziöv öiaxouiConivwv dia rijg Aufser dem erften Makkabäerbuch hat Jafon auch die

Jaldooijg. i'yez ydg xai liuivag evxaigovg, yogryyovvzag 1 ,Oniaden tradition' benützt (S.77ff.),aber nicht die echte,
zd re xazd zy Idoxaluiva xai 'lönnrjv xai räCav, bnoloog wie fie uns im Bellum Iudciicum des Jofephus vorliegt, fon-
6e I7tolsfiaida zzv vnb zov ßaoilttog ixziäuivrjv. Da | dem eine jerufalemifche Bearbeitung derfelben'. Diefer
Askalon undPtolemais niemals zum jüdifchen Lande j jerufalemifchen Bearbeitung der Oniadentradition folgt
gehört haben, fo find nur zwei Auffaffungen möglich: auch Jofephus in feinen Antiquitates, und auf ihr fufst
entweder der Verf. hat gar nicht fagen wollen, dafs auch die .Tobiadenfage' (f. den Stammbaum S. 106).

33 34