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Ausgabe:

1896 Nr. 19

Spalte:

503-504

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Carroll, H. K.

Titel/Untertitel:

The religious forces of the United States 1896

Rezensent:

Eck, Samuel

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Seite 1

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503 Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 19. 504

und vor allem auch den niederen Adel hierfür zu ge- I Neger in den Unionsftaaten find Baptiften oder Metho

Winnen fuchten, und fehen endlich, wie alle diefe An
ftrengungen auf das kläglichfte fcheitern. — Von den
katholifchen Fürften feffelt Herzog Albrecht von Bayern
am meiften die Aufmerkfamkeit. Seine nahen Beziehungen
zum Kurfürften Auguft, feine Reife zu diefem
während des Regensburger Reichstages, auf der es ihm
gelingt, den Kurfürften ganz von feinen Glaubensge-
noffen zu trennen, feine Thätigkeit auf dem Reichstage
felbft erfahren eine eingehende Behandlung, durch
welche die Verdienfte des Herzogs um die katholifche
Sache in das gebührende Licht geftellt werden. Die
Politik der Curie konnte der Verfaffer vor allem auf
Grund der vor kurzem veröffentlichten Nuntiaturbe-
richte vom Regensburger Reichstage klarlegen. Aus
feiner Darftellung erhellt, dafs der für die Katholiken
fo glückliche Ausgang der Verhandlungen nächft dem
Bayernherzog vor allem dem Gefchick und dem Eifer
des päpftlichen Legaten Morone verdankt wird. Nicht
ohne Erftaunen nimmt man wahr, ein wie grofses Entgegenkommen
der päpftliche Legat bei den katholifchen
Fürften findet. Von Anfang an bildet er den Mittelpunkt der
katholifchen Partei; bald nach feiner Ankunft erhält er von
den geiftlichen Fürften das Verfprechen, dafs fie in den
auf die Religion bezüglichen Angelegenheiten nichts ohne
ihn thun wollen. Selbft der Kaifer erklärt auf feinen
Wunfeh, dafs er ihm nichts von den Dingen verheimlichen
wolle, die auf dem Reichstag vorgehen! Diefe That-
fachen zeigen deutlich, wie fehr das Anfehen der Curie
feit dem Tridentiner Concil, vor allem aber feit dem
Regierungsantritt Gregor XIII gewachfen war. Sehr
eigenthümlich ift die Stellung des Kaifers. Scheinbar
neutral, hat er doch die katholifche Partei durch fein
Verhalten wefentlich gefördert, und geradezu zum Wider-
ftand gegen die Forderungen der Proteftanten ermuthigt.
Erklärte er doch dem Herzog Albrecht, er werde die
Forderungen der Proteitanten unter keinen Umftänden

diften: 1,403, 599 und 1,190,638 Communicanten bei einer
Bevölkerung von 7,470,000. Dabei hat fich die Zahl
der nachweisbar chriftlichen Neger feit der Emancipation
alfo in 30 Jahren unglaublich vermehrt: bei den Metho-
diften von 275,000 um 900,000, bei den Baptiften von
250,000 um 1,150,000. Die erfteren Zahlen find allerdings un-
ficher ,as nearly as I can ascertaini.—DerText felbft S. 1 —
376 ift unverändert geblieben. Hingegen haben die
Statiftifchen Tabellen auf S. 441—457 Zufätze für die
letzten 5 Jahre erfahren. Diefe Tabellen find in der Chronik
der Chr. W. 1896 Nrn. 7—9 ,nach dem Independent vom
2. Januar' zum Abdruck gekommen.1) Da nämlich diefe
bis auf die Anmerkungen mit denjenigen des Carroll'schen
Buches übereinftimmen, fo wird der Herausgeber des
Independent als der Verfaffer derfelben anzufehen fein.
Niemand anders wird das Material in gleicher Voll-
ftändigkeit beherrfchen. Für Baptiften, Katholiken, Me-
thodiften, Reformirte find die Angaben des Buches genauer
als diejenigen der Chronik, fo dafs fich bei der
Gefammtfumme der Communicanten ein Plus von 439,254
ergiebt. Ein Appendix S. 469—478 bietet graphifche
Darftellungen der Vertheilung der verfchiedenen Denominationen
in den Staaten. — Das Buch fei wiederholt
dringend empfohlen, auch den gelehrten Lefern diefer
Zeitung. Denn dafs eine gröfsere Berückfichtigung der
kirchlichen Verhältnifse Amerikas auch auf andere Gebiete
Licht wirft, hat jüngft in geiftvoller Weife F. Loofs
gezeigt (f. Chr.W. 1896, S. 326 f.).

Rumpenheim. S. Eck.

Dreyer, Friedr., Studien zur Methodenlehre und Erkenntnisskritik
. Leipzig, Engelmann, 1895. (XIII, 223 S. gr. 8.)

M. 4.—

Die Bedeutung diefes Buches liegt in der nüchternen
und fcharfen Unterfuchung der Methoden und Grenzen
bewilligen. Wenn man diefe Erklärung zufammenhalt , ^ Erkennens von naturwiffenfchaftlicher Seite und in

mit feinen Bemühungen, die Evangelifchen in der De-
clarationsangelegenheit zum Nachgeben zu bewegen, fo
erfcheint feine von Manchen angenommene evangelifche
Gefinnung in etwas wunderbarem Licht. Moritz vermeidet
es, ein klares Urtheil über die religiöfen Anflehten des
Kaifers abzugeben. Er fcheint der Meinung zu fein, der
Kaifer habe einem über dem confeffionellen Standpunkt
erhabenen Chriftenthum gehuldigt. Vielleicht würde er
fich für die von Hopfen vertretene Anficht über den
Compromifskatholicismus Maximilian's ausgefprochen
haben, wenn ihm deffen Buch nicht erft während des
Druckes zugegangen wäre. Referent bekennt, dafs er
durch die Arbeit von Moritz in feiner Ueberzeugung
von der Richtigkeit der Auffaffung Hopfen's beftärkt
worden ift.

Weimar. H. Virck.

Carroll, H. K., LL. D., The religious forces of the United
States enumerated, classified, and described on the
basis of the government census of 1890. With an
indroduetion on the condition und character of American
christianity. Revised, January 1896, with addi-
tional tables of statistics for the five years since the
census of 1890. [The American church history series,
vol. I.] New York, The Christian Literature Co., 1893
(sie). (LXVI, 478 S. gr. 8.) Geb. # 3. —

Im vorigen Jahrgang diefer Zeitfchrift (1895, S. 544 ff.)
habe ich die erfte Auflage diefes ausgezeichneten Buches
angezeigt. Die vorliegende 2. Auflage — die Jahreszahl
1893 ift ein Druckfehler — ift in der Einleitung p. LIII—
LVIII durch einen Abfchnitt vermehrt: The negro in his
relations to the church. Die überwiegende Mehrzahl der

der Anwendung diefer methodologifchen Grundfätze auf
den centralen Begriff der ,Lebenskraft'. Im Gegenfatz
zu manchen feiner Fachgenoffen, welche die Erklärungsprinzipien
und Ergebniffe ihrer Einzeldisciplin ohne
Weiteres zu einer Weltanfchauung erweitern möchten,
ift der Verf. redlich bemüht, jeden voreiligen Schlufs
von den bisherigen Ergebniffen auf deren Giltigkeit für
neue, andersartige Gebiete auf das richtige Mafs zurückzuführen
und jeden zuviel fagenden terminus genau zu
umgrenzen. Der Verf. findet auch manchen treffenden
Ausdruck für das, was er fagen will. Wenn er aber im
Vorwort fich äufsert: ,Auf die Darfteilung wurde Sorgfalt
verwandt' (VII), fo lenkt er damit die Aufmerkfamkeit
auf die im Ganzen doch fchwerfällige Form des
Buches, die fich unter anderem in den Anmerkungen zu
zu den Anmerkungen (118 137 u. a.) oder in Ausdrücken
wie ,aufserorganismifch' (96), ,andeutungsweifer
Gebung' (105), in der Mehrzahl: ,die Gefchehen' (97),
,die Auffaffungsfchiefen' (137) zeigt. Man braucht noch
nicht für den von dem Verf. verfpotteten ,eleganten Stil'
zu fchwärmen, um einem Werke deutfeher Wiffenfchaft
mehr klaren Flufs und mehr Rückficht auf das Sprachgefühl
zu wünfehen.

Ein erfter allgemeiner Theil mit der Ueberfchrift:
,Ziele und Wege. Eine einleitende Betrachtung über
den Wiffenfchaftsbetrieb' geht aus von der ,Thatsache,
dafs jedes Forfchungsgebiet durch das Zufammenkommen
von zwei Factoren zu Stande kommt, eines objektiven
und eines fubjektiven, des Thatfachenmateriales und
der allgemeinen Forfchungsidee, die fich der Forfcher
diefem gegenüber gebildet hat und mit der er zu feiner
Bearbeitung an es herantritt' (7). Diefer leitenden wiffen-

1) S. 91 der Chronik ift die Ueberfchrift von Tabelle II zu ändern,
in „Summarifche Ueberficht für 1895".