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Ausgabe:

1896 Nr. 1

Spalte:

449-450

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Festschrift zum 80. Geburtstage Moritz Steinschneider‘s 1896

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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449

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 17.

das paulinifche ,thut dies zu meinem Gedächtnifs' ent-
ftanden, welches ^125? vorausfetzt.

Leipzig. G. Dalman.

Festschrift zum 80. Geburtstage Moritz Steinschneider's.

Leipzig, Harraffowitz, 1896. (XXXIX, 244 u. 219 S.
gr. 8.) M. 15. -

,Und wenn's hoch kommt, fo find's achtzig Jahre,
und wenn's köftlich gewefen ift, fo ift's Mühe und Arbeit
gewefen'. Mühe und Arbeit hat den Inhalt des Lebens
Moritz Steinfchneider's gebildet. Und unter welchen
Lebensbedingungen! Das .Biographifche Lexikon' von
v. Wurzbach, Band 38, S. 161, berichtet, dafs der am
30. März 1816 zu Profsnitz in Mähren geborene M. St.
1836—39 in Wien gefchichtliche und damit verwandte
Studien betrieb: .Seine Abficht, in die orientalifche Akademie
einzutreten und fich in derfelben gründlich in
orientalifchen Sprachen auszubilden, fcheiterte daran,
dafs man ihm als Juden den Eintritt . . vertagte. Ja
nicht einmal Auszüge aus dem hebräifchen Katalog der
k. k. Bibliothek durfte er fich machen. Um feinen Aufenthalt
in Wien verlängern zu können, mufste er Vorträge
an dem polytechnifchen Inftitute hören'. Während er bei
dem Theologieprofeffor Kärle Vorlefungen über Hebrä-
tfch, Syrifch und Arabifch hörte, erwarb er fich den
Lebensunterhalt durch Unterricht in italienifcher Sprache
und in anderen Gegenftänden. Ueber die Zeit der
öffentlichen Studien hinaus in Wien zu bleiben wurde
ihm feitens der Polizei unterfagt. Daher ging er nach
Leipzig, um fich von H. L. Fleifcher tiefer in die Kennt-
nifs des Arabifchen einführen zu laffen. Dort veröffentlichte
er mit Franz Delitzfch zufammen des Karäers
Ahron ben Elia aus Nikomedien 'Ec chajjim; ,die öfter-
reichifchen Cenfurverhältnifse aber hinderten ihn, fich
offen als Mitherausgeber zu nennen'. In Berlin ift er
viele Jahre hindurch Rector der Töchterfchule der ifraeli-
tifchen Gemeinde gewefen; aufserdem arbeitet er feit
1869 in der Königl. Bibliothek an Katalogen der orientalifchen
Bücher. Und erft nach einem Vierteljahrhundert
diefes letzterwähnten Arbeitens hat man ihm den Titel
.Profeffor' gegeben, den für feine wiffenfchaftliche
Thätigkeit ihm zu verfchaffen Juftus Olshaufen und der
Unterzeichnete viele Jahre früher vergeblich fich bemüht
haben! Obwohl materiell oft in fehr ungünftigen Ver-
hältnifsen lebend, hat M. Steinfehneider die Wiffenfchaft
oder das literarifche Wirken nie als Milch gebende Kuh
betrachtet, fondern ift theils ganz ohne Entgelt, theils
für fehr ungenügende klingende Anerkennung feiner
Leiftungen thätig gewefen. Und wie umfaffend war dies
fein literarifches Wirken! Infonderheit der ,Catalogus
librorutn hebraeorum in B ibliotlieca Bodleiana1, (1852—60),
die Kataloge der hebräifchen Handfchriften in Leiden,
München, Hamburg, Berlin und ,Die hebräifchen Ueber-
fetzungen des Mittelalters' (1893) find für Jeden unentbehrlich
, der auf dem Gebiete der jüdifchen Literatur
wiffenfchaftlich arbeiten will. Das von G. A. Kohut zu-
fammengeftellte Verzeichnifs der Schriften, Auffätze und
Recenfionen M. St.'s füllt mehr als 31 enggedruckte Seiten
am Anfange der ,Feftfchrift zum achtzigften Geburtstage'.
— Materieller Lohn und Auszeichnung feitens der Behörden
find dem jetzigen Altmeifter der hebräifchen
Bibliographie nicht zu Theil geworden, wohl aber verehrungsvolle
Anerkennung feitens Aller, denen feine
reiche Gelehrfamkeit eigenes Forfchen ermöglicht oder
doch erleichtert hat. Dafür legt die Feftfchrift vollgültiges
Zeugnifs ab, deren Theile in fünf Sprachen (deutfeh,
hebräifch, englifch, franzöfifch, italienifch) verfafst find
und zwar von Gelehrten Oefterreich-Ungarns, Englands,
Deutfchlands, Frankreichs, Amerikas, Dänemarks und
Italiens.

Den mannigfaltigen Inhalt der, von Kohut's biblio-
graphifcher Arbeit abgefehen 29 Beiträge hier zu beur-

theilen oder auch nur zu charakterifiren ift nicht angängig.
Ich mufs mich begnügen, die für chriftliche Theologen
mehr in Betracht kommenden Auffätze zu erwähnen.
D. H. Müller befpricht in Ergänzung feines Buches ,Die
Propheten in ihrer urfprünglichen Form' (über das ich
etwas anders urtheile als R. Smend in Nr. 9 d. Bl.) die
ftrophifche Gliederung von Arnos 1. 2. — S. Kraufs-
Budapeft ftellt die wirklichen und die vermutheten Refte
der griechifchen Bibelüberfetzung des Profelyten Akylas
aus der jüdifchen Literatur zufammen; die Arbeit ift
zeitgemäfs, da gerade jetzt die Zuverficht gehegt werden
darf, dafs unfer Wiffen um die Hexapla durch hand-
fchriftliche Funde Bereicherung erfahren wird. — Der
fcharffinnige M. Lambert-Paris fucht zu zeigen, dafs das
Adjectiv im Arabifchen und auch im Hebräifchen ur-
fprünglich durch Bildung wie durch Beugung ftärker
vom Subftantiv gefchieden war. — M. Güdemann-Wien
befpricht die fuperftitiöfe Bedeutung des Eigennamens
im vormofaifchen Israel, nicht ohne dafs er fpätere oder
doch erft fpäter nachweisliche Vorftellungen in alte und
ältefte Zeiten überträgt. — Ad. Büchler-Wien erläutert
die in den Erlaffen Cäfar's (bei Jofephus, Archäologie XIV,
10, 2 ff.) enthaltenen Beftimmungen betreffs der den
Prieftern zu liefernden Zehnten und der Steuern, welche
etliche Städte theils an Hyrkan, theils an Sidon zu entrichten
haben. Sein Ergebnifs ift, dafs Cäfar's Blick tief
in das Denken und Fühlen der Juden drang, und er
trefflich verftand, alles und und alle in den Dienft feiner
grofsen Pläne zu ftellen. — S. Poznahski-Berlin berichtet
nach den Handfchriften im Britifchen Mufeum über des
Karäers Qirqifäni Kitäb al-anwär, d. i. die im J. 937
verfafste Einleitung zu desfelben umfangreichem Penta-
teuchcommentar. — H. J. Mathews veröffentlicht nach
einem Codex der Bodlejana (Neubauer Nr. 1465) einen
anonymen Commentar zum Hohenliede, vgl. Salfeld,
Magazin für die Wiffenfchaft des Judth. 1878, S. 177.
Der Verfaffer, ein franzöfifcher Rabbi des 13. Jahrh., ift
einer der fehr wenigen mittelalterlichen jüdifchen Gelehrten
, welche das Hohelied ohne Allegorifiren als ein
Liebeslied erklärten. — L. Blau-Budapeft bietet Beiträge
zur Erklärung der Midrafche Mechilta und Sifre. — Ph.
Bloch-Pofen hat einige Stücke aus der Pefikta de-Rab
Kahana überfetzt. — A. Epftein-Wien beweift, dafs der
dem Gerfchom Meor ha-gola zugefchriebene Talmud-
commentar fpäter entftanden ift, ein Product des Mainzer
Lehrhaufes des Ifaak ben Jehuda (des bekannten Lehrers
Rafchi's). — Dem Gebiete der Religionsliteratur gehören
an: Ignaz Goldziher, Sa'd b. Mansür ibn Kammünas Abhandlung
über die Unvergänglichkeit der Seele; Wilh.
Bacher, die zweite Verfion von Saadja's Abfchnitt über
die Wiederbelebung der Toten. Hermann Adler-London
giebt Auszüge aus dem "Eq chajjim das Jacob ben
Jehuda Chafan aus London, einem im J. 1287 verfafsten
Werke über jüdifche Gefetze und Riten. — Möge der
würdige Greis, den zu ehren das hier angezeigte Sammelwerk
beftimmt ift, fich noch eines forgenfreien Lebensabends
in geiftiger Frifche und körperlicher Gefundheit
erfreuen! Das ift der Wunfeh auch des Unterzeichneten.

Grofs-Lichterfelde. d. Herrn. L. Strack.

1. Callinici de Vita S. Hypatii über. Ediderunt seminarii

philologorum Bonnensis sodales. Leipzig, Teubner,
1895. (XX, 188 S. 8.) M. 3. —

2. Marci diaconi vita Porphyrii episcopi Gazensis, ediderunt

societatisphilologae Bonnensis sodales. Leipzig, Teubner
, 1895. (XIV, 137 S. 8.) M. 2. 40

Die Mitglieder des Bonner philologifchen Seminars
einerfeits, der Societät andererfeits haben fich vereinigt,
ihrem Lehrer Buecheler zu deffen 25jährigem Pro-
| fefforenjubiläum literarifche Gaben darzubringen. Was
fie bei diefer Gelegenheit geboten haben, geftaltet fich