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Ausgabe:

1896 Nr. 1

Spalte:

14-15

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Boetticher, Carl

Titel/Untertitel:

Das Wesen des religiösen Glaubens im Neuen Testament 1896

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. I.

14

(was |.^a_*. wäre); 210 f. giebt f^sz] nur in der Bedeutung
,fich als Erftgebornen erweifen' einen Sinn (ähnlich
ys 10 f. 14); 511 find ]ziLz nicht die ,secret parts', fondern
die Sehnen. — Der index of syriac words and phrases
hätte einige bekannte Wörter übergehen dürfen (jjiiojoi,
l_L^S», päißh^ u. f.w.), dagegen andere aufnehmen follen,
wie 25, vaa] Ethpe. 41, ,Krume' 45, Lzza4 (syn.
Uaz) 197, r^1-^ Perf- 263> U°>-=' 27°- D'e maffenhaften,
des Reimes wegen gebildeten Nomm. agentis find mit
Recht übergangen.

Text und Ueberfetzungen find im Ganzen mufter-
haft; zum erfteren nur noch zwei Verbefferungen: 561 f.
lies ] /- .i bezw. «■ /- .i 538 wird amn«?? ft. ac-in ru?
zu lefen fein.

Göttingen. F. Schulthefs.

Mez, Adam, Die Bibel des Josephus, unterfucht für Buch
V—VII der Archäologie. Basel, [Jaeger & Kober],
1895. (84 S. gr. 8.) M. 3.-

Die in knapper Form gehaltene Unterfuchung bietet
mehr als ihr Titel vermuthen läfst. Sie ift ein werthvoller
Beitrag zur Gefchichte der Septuaginta. Denn der
Verf. Bellt fich nicht nur die Frage, ob Jofephus den
hebräifchen oder den griechifchen Text benützt hat,
fondern zugleich die fubtilere, welchen griechifchen
Text er benützt hat. Und es wird dabei ein umfangreiches
Material aufgeboten. Von den Septuagintatexten
find einerfeits Vaticanus und Alexandrinus, andererfeits
die fogenannte Lucian'fche Recenfion verglichen; aufser-
dem aber auch Vctus Latinus und Pefchito, gelegentlich
auch Targum, Hieronymus und die Onomaftica. Wie der
Titel fagt, befchränkt fich die Unterfuchung auf Buch
V—VII der Archäologie, d. h. auf denjenigen Abfchnitt
der jüdifchen Gefchichte, welcher in Jofua, Richter und
den beiden Samuelisbüchern erzählt wird. Sehr zweck-
mäfsig bringt der Verf. die in Betracht gezogenen Stellen
unter zwei Rubriken: 1) Die von Jofephus genannten
biblifchen Namen (S. 5—53) und 2) die bei Jofephus
abweichend vom maforethifchen Text oder von Septuaginta
berichteten pofitiven Angaben (S. 53—79)- Die
Refultate werden S. 79—84 kurz zufammengefafst. Es
wird zunächft feftgeftellt, dafs Jofephus in keinem Falle,
wo der Vaticanus von den anderen Zeugen abweicht,
mit jenem gegen diefe geht. Ein weiteres Refultat ift,
dafs er im Buch Jofua dem hebräifchen Texte folgt. In
den Samuelisbüchern dagegen geht er gegen den hebräifchen
Text und gegen Alexandrinus und Vaticanus ,mit
dem fogenannten lucianifchen Texte, deffen Fehlern er
folgt, und deffen Worte er zum Theil mifsverfteht'.
Weniger deutlich ift die Sache im Richterbuche, obwohl
auch hier Jofephus ,mit L in Verbindung fteht'. Hiermit
hält nun Mez die fchon von Anderen gemachte Beobachtung
zufammen, dafs auch Vetus Latinus oft mit
Lucian übereinftimmt, und die weitere, dafs dies nicht
feiten auch bei der Pefchito der Fall ift. Aus alledem
gewinnt er die Gewifsheit, dafs die Grundlage des fogenannten
Lucian'fchen Textes erheblich älter ift als
Lucian. Diefer Ur-Lucian hat nach Mez auch dem
Theodotion vorgelegen; und daraus erklärt es fich, dafs
fich manche Lesarten, die wir als folche des Theodotion
kennen, fchon im Neuen Teftamente finden.

Ref. begnügt fich mit diefem Berichte unter Verzicht
auf ein definitives Urtheil. Für einige Sätze des Verf.'s
ift die Bafis eine verhältnifsmäfsig fchmale, daher Vorficht
geboten. Denn die Deutung, welche das vorgelegte
Material erfährt, ift nicht in allen Fällen die einzig mögliche
. Aber auf Wahrfcheinlichkeit können die auf-
geftellten Hauptfätze m. E. allerdings Anfpruch erheben.
Es find wichtige Gefichtspunkte, welche fich für die
Gefchichte des Septuagintatextes von hier aus ergeben;

und es ift daher fehr zu wünfchen, dafs die von dem
Verf. in fo trefflicher Weife für Buch V—VII der Archäologie
geführte Unterfuchung auf den gefammtcn Umfang
derfelben, foweit er mit der Bibel parallel geht, ausgedehnt
werde.

Göttingen. E. Schürer.

Boetticher. Carl, Das Wesen des religiösen Glaubens im
Neuen Testament. Programm des Luifenftädtifchen
Gymnafiums zu Berlin, Oftern 1895. Berlin, R. Gaertner,
1895. (27 S. 4.) M. 1 —

Die Unterfuchung beginnt mit dem Glaubensbegriff
in den fynoptifchen Ausfprüchen Jefu. Verf. findet darin
drei Momente. 1) Der Glaube ift zunächft unbedingtes
Vertrauen auf die Wunderkraft Jefu, das nicht durch
Befürchtungen, Zweifel oder Sorge irgendwie beeinträchtigt
werden darf (S. 4). Diefes Vertrauen gilt in letzter
Li nie Gott (S. 5). 2) Der Glaube ift aber auch ,Hingabe
an das Evangelium oder vielmehr an feinen Inhalt,
das Himmelreich' (S. 6). Indem aber Jefus fich als den
Mittelpunkt, als den Herrn des Himmelreiches darftellt,
ift es feine eigene Perfon, auf die er jenes Streben und
Hingeben gerichtet wiffen will (S. 7). 3) Endlich ift aber
der Glaube auch ,eine thatenwirkende Kraft' (S. 9).
Diefe drei Momente .Vertrauen, Hingabe und Kraft'
find nicht felbftändig für fich, fo dafs das eine ohne das
andere auftreten könnte. Sondern ,in jedem einzelnen
diefer drei Momente find die beiden andern vorhanden,
und je nach den augenblicklichen Umftänden tritt diefe
oder jene Seite in den Vordergrund' (S. 11).

Mit diefem aus den fynoptifchen Evangelien gewonnenen
Refultate tritt der Verf. nun an die anderen
Schriften des N. T. heran und unterfucht der Reihe nach:
Apoftelgefchichte, Paulus, Jacobus, Hebräerbrief, I. Petrusbrief
, Johannes. Ueberall findet er das aus den fynoptifchen
Evangelien gewonnene Refultat über das Wefen
des Glaubens in der Hauptfache beftätigt. Es kommen
zwar Modificationen vor. Bei dem Einen tritt diefes, bei
dem Andern tritt jenes Moment zurück, vielleicht fo
fehr zurück, dafs es gar nicht zu beftimmtem Ausdruck
kommt. Aber im Ganzen ergiebt fich doch aus dem
Neuen Teftamente ein einheitliches Refultat. Der Glaube
ift 1) unbedingtes Vertrauen, eine Gemüths- oder
Willensftimmung, die darin befteht, dafs man in de-
müthigem Selbftverzicht Gott allein als dem Helfer und
Erretter die Ehre giebt, 2) völlige Hingabe, eine
Gemüths- oder Wilhnsrichtung, die in der Nachfolge
Chrifti, in dem Gehorfam gegen feinen Willen ihren
Ausdruck findet, 3) fieghafte Kraft, eine Gemüths-
oder Willensäufserung, die fich in wunderbaren Thaten,
im machtvollen Wort, im geduldigen Ausharren unter
Leiden und Anfechtungen u. f. w. kundgiebt (S. 27).

Es ift leicht zu fehen, dafs die Ausführungen des
Verf.'s relativ am richtigften bei ihrem Ausgangspunkte,
bei Behandlung der fynoptifchen Ausfprüche Jefu, find.
Wir würden zwar auch hier etwas andere Formulirungen
vorziehen; würden die beiden erften Momente nicht als
.Vertrauen' und .Hingabe' unterfcheiden, fondern nach
ihrem Objecte: 1) Vertrauen auf Gott, 2) Vertrauen zu
Jefus, durch welchen Gott uns feine Hülfe darbietet;
und würden das dritte Moment, die Aeufserung als
,Kraft' nicht zum Wefen des Glaubens rechnen (wenig-
ftens nicht den beiden erften gleichgeordnet). Aber in
der Hauptfache liegen hier doch richtige Beobachtungen
vor. Ein unglücklicher Gedanke war es aber, das ganze
übrige N. T. nun unter diefer Brille zu betrachten. Am
fchlimmften geht die Sache natürlich bei Jacobus in die
Brüche. Aber auch bei den Andern wird nur durch
künftliche Operationen das gewünfchte Refultat gewonnen
. Verf. wäre vor feinen Mifsgriffen bewahrt geblieben
, wenn er fich eine Frage beftimmter geftellt