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Ausgabe:

1896 Nr. 1

Spalte:

265-266

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

M. M., Apantesis eis ten peri ton chorixoyson 1896

Rezensent:

Meyer, Ph. L.

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Seite 1

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265

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 10.

Zahl der Mönche foll nicht über 40 betragen. Unter
ihnen nehmen eine befondere Stellung ein die txxgixoi
adtlwei, die ich gleich nenne, und die 16, die für den
Kirchendienft benimmt find. Die übrigen verrichten die
Handarbeit des Klofters. Neben dem Hegumenos flehen
die untergeordneten dia/.ovrixai, : der nlxovnitog, der
ix/li oiöqyrig, der onysictging, die txxgixoi ddtlcpol, und
der »tklaglcrjg und (bgEiägmg, deren Aemter und Be-
fugnifse fehr genau angegeben werden. Die übrigen
Arbeiten der itcyEigoi, udyxinEg, ytiogyni, xrjnnvgyol,
nvlatgoi verrichten alle Brüder abwechfelnd. Das, was
die Mönche an Kleidung erhalten, wird genau beftimmt,
dagegen für den Gottesdienfl und innere Organifation
des Lebens auf das Typikon des h. Sabas verwiefen,
das in fpäterer Zeit die Gültigkeit des Typikon von
Studion ubetflügelt zu haben fcheint oder mit diefem
vielleicht zufammengearbeitet war, worüber noch eine
Unterfuchung fehlt. Ueber die Rechnungsablage durch
den Hegumenos, flets ein fchwieriges Gebiet in den
griechifchen Klöftern, werden ebenfalls genaue Benimmungen
getroffen. Intereffant ift die Bemerkung, dafs
das Klofler alle jährlichen Ueberfchüffe abgeben foll
und zwar zum Loskaufe von Gefangenen oder zur Erziehung
von Waifen. Das Hefychaftenwefen hält lieh in
den von Kaifer Juflinian vorgezeichneten Bahnen. Es
wird nur wenigen gemattet, neben dem Klofler in Kellien
zu leben. Von beginnender Idiorrhythmie findet fich
noch keine Spur. Die Neuaufgenommenen follen eine
Probezeit durchmachen, Frauen wird der Zugang zum
Klofler überhaupt verboten, nur die Kaiferinnen dürfen
in Begleitung ihres Gemahls zum Befuch kommen. Als
Hauptfefle des Kloflers gelten die Tage des Erzengels
Michael, dem das Klofler geweiht ift, der 8. November
und der 6. September, wo das Wunder des Erzengels
in Chonä gefeiert wird, ein bekannter Tag im griechifchen
Kalender. Ift dies der Hauptinhalt des Typikon, fo folgen
als Beigaben noch ein Hymnus des Kaifers an feinen
Heiligen, den Erzengel gleichen Namens und werthvolle
hiltorifche Anmerkungen des Verfaffers. Das ganze Werk
ill ein fehr dankenswerther Beitrag zur Gefchichte des
griechifchen Mönchthums, der die Reihe der bekannten
Typika um ein intereffantes Stück vermehrt.

Hannover. Ph. Meyer.

M. AI., 'AxävTTjOig eig xr,v xeqI xiüv ziooiq'ovaoiv rüg 6vo
t)xx).r}Oiaq diagpoguiv xaxgiaQXixrrv xal Ovvoöixrpv ey-
xvxkiov x/iq ixxXvaiaq KvJvozavzivovx62.eu>g. Ev Kiov-
oxaixivoinölEi, O. Keil, 1895. (179 S. 8.) 5 Piafler.

Als Motto über das Buch möchte ich das Wort des
Ecclefiafles fetzen: °0$ XaXyotl xal igst, "Ide xovco
xuivnv iaxiv. "Hdrj ytyovsv iv xnig alibai xoig yivoiitvoig
dreo tiuiQOoatv rjiläjv. Denn diefe Streitfchrift eines
Römifchen gegen die orthodoxe Kirche konnte, von
Wenigem abgefehen, fchon im 15. Jahrh. gefchrieben fein,
etwa um den mannhaften Marcus Eugenicus zu beugen,
oder den Dialektiker Jofeph Bryennios zu belauern. Sie
wird auch den gleichen Erfolg haben, wie alle Streit-
fchriften, die in dem Streit gewechfelt find: 'H trälaooa
oix inxiv iiinift/ikautvrj.

Auf die Encyklika Leo's XIII vom Juni 1894 hat
der jetzige Patriarch von Konftantinopel, Anthimos VII
im Augufl 1895 feinerfeits mit einer eyxvxXing smoxoXr'j
an feine Metropoliten und Bifchöfe geantwortet, die am
29. September des Jahres in der 'ExxlrjOiaoTixij Idkwlrsia
erfchien. In diefer erklärt der Patriarch, die anatolifche
Kirche fei zur Union bereit auf Grund der Kirchenlehre
der erflen acht Jahrhunderte. Er nimmt dabei felbft-
verftändlich an, dafs feine Kirche die Lehre diefer Jahrhunderte
für fich habe. Dagegen will die vorliegende
Streitfchrift ausführen, dafs die römifche Kirche das vom
Patriarchen Behauptete für fich in Anfpruch nehmen

müffe. Hat der Patriarch in einer längeren Reihe von
Capiteln die Härenen der römifchen Kirche aufgezeigt,
fo folgt der Anonymus in feiner Streitfchrift diefer Anordnung
, um das Gegentheil zu beweifen. Er zeigt fich
dabei als ein tüchtiger Theolog feiner Kirche, der die
bewährten Waffen aus deren Küflkammer wohl zu gebrauchen
weifs. Es ift nicht möglich, an diefer Stelle
eine völlige Inhaltsangabe der Schrift zu geben. Ich will
nur kurz darauf eingehen, um die Schrift als eine folche
zu kennzeichnen, die für die Beurtheilung des heutigen
Gegenfatzes zwifchen der römifchen und orthodoxen
Kirche wohl gebraucht werden kann. Zuerft kommt die
berühmte Differenz über den Ausgang des heil. Geifles
zur Sprache und über den Zu!"atz zum Symbol. Mit alter
Gefchicklichkeit wird den Orthodoxen vorgeworfen, fie
lehrten den Ausgang des Geiftes ix iiovov xnv naigög.
Dagegen wird dann eine Wolke von Vätern und Schrift-
fpruchen ins Feld geführt. Der Zufatz zum Symbol
aber wird damit gerechtfertigt, dafs die Kirche Recht
und Pflicht habe, den recht ausgelegten Glauben auch
im Symbol zum Ausdruck zu bringen. Sodann handelt
es fich um den Ritus beim Taufen. Mit Gefchick wird
dabei auch das Zeugnifs der didayi für das eventuelle
,Befprengen' benutzt, da gerade diefe Schrift von einem
griechifchen Metropoliten gefunden ift. Weiterhin kommt
die Rede auf die Euchariftie und zwar nach den Gefichts-
punkten des Gebrauchs der utvua oder e'vCvfia, des
Gebrauchs des Kelches für die Laien und der Worte,
die die uExoioiwoig veranlafsten, alles alte und bekannte
Dinge. Daran fchliefst fich der Streit über das Fegefeuer
und dielndulgenzen an. DieHauptdifferenzen bringen
die folgenden Capitel, wo die Weiterbildung der römifchen
Kirche befonders in Frage kommt. Hier handelt
es fich nämlich um die unbefleckte Empfängnifs Mariä
und den Primat des Papftes, deffen letzter und fchärffter
Ausdruck die Infallibilität desfelben ift. Sehr fchön
formulirt der Patriarch den Widerfpruch gegen diefe
römifche Lehre mit den Worten: 'H öo.'looofog dvaxo-
Ätxi) rni Xgiaxov 'ExxXrjai'a, exxbg xnv uopgcxatiog erav-
irgwiitjoavcog v'tnv xal Xoyov xnv ireov, ovdiva aXhov
yivwaxei dXäxhixov ircl xt)g yx)g vndgg~arxa. Der Römer
zieht fich dafür auf den Satz zurück: To uXätrijxov x.]g
ExxXtjOtac, ibg xal xov Piopiatov Ldgyjtgtiog, ovvioxaxai
ärrlwg elg xo tgiinvEveiv aifrtviixwg xal aXavtrüoxioQ
xt)v anal* yEvnuivrpv dnoxdXvxbiv. Ugng xnvxo di n
Xgiaxng iyaglaaxn xr, 'ExxlrjOiq avxov xal xüi TIetqüj
idtaixigog xn xnv dial}r]znv n'gnvouinv (S. 155). Am
Ende kommt der Anonymus natürlich zu dem Refultat:
ort r} l'wuaixlj ixxirjaia i'xei vjteq avxr]g irrl rtaatüv
xnvrviv (sc. xd>v diarpngwi') xipv dlrjd-Eiav xal xn dr/.amr,
und fordert auf zur Union.

Hannover. Ph. Meyer.

Douen, 0., La Revokation de l'edit de Nantes ä Paris d'apres
des documents ineklits. Tome 1—3. Paris, Fischbacher,
1894. (IV, 592, 609 u. 545 S. gr. 8.)

Im J. 1862 erfchien ein fchmächtiges Octavbändchen
von A. Coquerel fils Precis de Vhistoire de Feglise riformit
de Paris; bis zum J. 1598 hatte der gelehrte fleifsige
Prediger feine Darfteilung geführt; eine Fortfetzung bis
zum J. 1621 brachte das Bulletin de Phistoire du Protes-
tantistne. Mit Freuden begrüfsen wir nun in dem vorliegenden
grofsartigen Werk eine Fortfetzung diefer wichtigen
Gefchichte; fchon fo manche andere gröfsere oder
kleinere Stadt Frankreichs hat eine Gefchichte ihrer pro-
teftantifchen Kirche zu verzeichnen (es fei nur erinnert
an Montpellier, Lyon, Anduze, Montauban u. and.), da
wäre es als entfehiedener Mangel zu beklagen, wenn die
wichtigfte Stadt, die nach der Eroberung La Rochelle's
eine immer gröfsere Rolle in der Gefchichte des fran-
zöfifchen Proteftantismus fpielte, einer folchen entbehren