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1896 Nr. 10

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263

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Annales du Musée Guimet. Tome XXV 1896

Rezensent:

Harnack, Adolf

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263

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 10.

264

Annales du Musee Guimet. Tome XXV. Paris, Leroux,
1894. (gr. 4.) Fr. 40.

Monuments pour servir ä l'histoire de l'Egypte chretienne. Hi-
stoire des monasteres de la Basse-Egypte. Vies de Saints Paul,
Antoine, Macaire, Maxime et Domece, Jean le Nain, etc. Texte
copte et traduction frangaise par E. AmeTineau. (LXIII, 431 S.)

In diefem Bande find acht ziemlich umfangreiche
koptifche Stücke (mit franzöfifcher Ueberfetzung) vereinigt
. Merkwürdig — der Herausgeber fpricht p. IV von
fechs Stücken, die er hier vorlege, zählt aber gleich
darauf fieben auf und bietet in Wahrheit acht, hat jedoch
vergeffen, zum fechsten eine Einleitung zu fchreiben.

Die Stücke find: 1. Vie de S. Paul, premier ermite,
2. Apophtliegmes sur S. Antoine, 3. Vie de Macaire de
Seite, 4. Vertus de S. Macaire, 5. Apophtliegmes sur S.
Macaire, 6. Vie de Macaire d Alexandrie, 7. Vie des SS.
Maxime et Domece, 8. Vie de Jean Kolodos. Alle diefe
Abhandlungen haben faft ausfchliefslich den Werth, den
Geift des ägyptifchen Mönchthums im 5. Jahrh. und ff.
kennen zu lehren, als hiftorifchen Urkunden kommt ihnen
kaum irgend welche Bedeutung zu. Einiges von dem
Mitgetheilten ift bereits griechifch bekannt, aber die
gröfsere Hälfte ift neu. Am meiften intereffirt, literarifche
Fragen anlangend, das Verhältnifs der koptifchen Vita
Pauli Eremitae zu der von Hieronymus erzählten Vita.
Amelineau will nachweifen, diefe koptifche Vita habe
dem Hieronymus bereits vorgelegen, refp. er habe fie fich
ftückweife überfetzen laffen und auf ihrem Grunde feine
ftark abweichende, ausgefchmückte lateinifche Erzählung
verfafst. Allein die koptifche Vita fchliefst mit den
Worten (S. 14): ,Et moi, Jerdme le pecheur, je prie
quiconque lira ce livre etc.' und beginnt mit den Worten
(S. 2): ,Au temps de Decius le perseeuieur et de Valerianus,
(que) Cornelius acheva son martyre a Rome etc.'
Der Herausgeber mufs annehmen, dafs diefe Sätze fpäter
dem koptifchen Text hinzugefügt worden leien. Wie
mifslich diefe Annahme ift, braucht nicht erft auseinandergefetzt
zu werden. Nicht klar ift mir der Ausdruck in
der Vita des Johannes Kolobos (die übrigens fehr jung
ift), Jofua fei dem Mofes gefolgt, Elifa dem Elias, Baruch
dem Jeremias, die Apoftel dem Gott Logos und ,ceux de
la maison de Clement' den Apofteln. Sollen damit die
Bifchöfe überhaupt bezeichnet fein? Das ift doch kaum
anzunehmen.

P. LXII f. findet fich ein fcharfer Angriff auf die
Bollandiften, refp. auf ihren Artikel über Johannes Kolobos
im 8. October-Band. ,Üautoriti d'un Jesuite ne peut
contre-balancer celle des documents originaux'. Das glauben
doch jene Väter felbft nicht — für's Koptifche.

Berlin. A. Harnack.

red'ewv, Mavoviß. Alu., TlQOixövvnOog, sxxi.^aiaanxfj
uctQoixia, vctol xai jxovai, (.irjXQOTiollxai xai erxiaxo-
noi. 'Ev Kuvozuvzivovnölei, O. Keil, 1895. (233 S. mit
4 Taf. 8.) M. 6. —

Die vorliegende Schrift befchäftigt fich mit den
früheren und heutigen Verhältnifsen des Erzbisthums
Proikonnefos, das vier Infein umfafst, nämlich Avluivia,
jetzt Mhwvi] genannt, lAiiovoia, KovxaXig und IIqoxov-
vrtaog, wie der Verf. die Infel im Unterfchied von der
fie umfaffenden Parochie nennt. Der Verf. hat diefe
fchönen Stätten des Marmarameeres im Jahre 1892 auf
einer Studienreife befucht. Bei feiner Landeskunde, feinem
reichen Wiffen und den guten Empfehlungen, die er hatte,
wird ihm kaum etwas verborgen geblieben fein, was des
Wiffens werth war. Die Refultate diefer Reife bekommen
wir in diefem Buche zu hören. Sie werden aber zugleich
in den Rahmen der gefchichtlichen Betrachtung eingefügt
. Das Buch zerfällt nach den befuchten Stätten in
vier Haupttheile. Jede Infel wird aber fo befprochen, |

dafs zuerft die Reife befchrieben und was der Verf. an
Alterthümern aus allen Zeiten angetroffen, fodann folgt
eine fehr forgfältige kurze Gefchichte jeder einzelnen
Infel von den älteften Zeiten bis auf die Gegenwart.
Zwei Anhänge hat der Verfaffer angefügt, die er auch
als Theile 5 und 6 bezeichnet, nämlich einen Bericht

j über die officiellen Codices des Erzbisthums mit Beifügung
verfchiedener intereffanter kirchlicher Erlaffe, fodann
ein Verzeichnifs der Bifchöfe, Erzbifchöfe und Metropoliten
von Proikonnefos. Ich kann es hier nicht als
meine Aufgabe betrachten, den bunten Inhalt des Buches
wiederzugeben, da fehr viel auch drin fleht, was die
Theologie nicht berührt. Der Hauptwerth des Buches
befteht in einem gründlichen Bericht über das, was noch
auf den Infein für die Wiffenfchaft zu finden ift. Das
ift leider nicht viel. Die noch beftehenden Klöfter find
jung und unbedeutend in Architektonik und Malerei.
Handfchriften giebt es nur wenige dort und auch von
nicht grofsem Werthe. Für die Localgefchichte aus den
letzten beiden Jahrhunderten ift mancherlei dort zu

| lernen. Von allgemeinem Werthe ift indeffen das faubere
Verzeichnifs der Bifchöfe, Erzbifchöfe und Metropoliten,
das von den älteften Zeiten bis auf die Gegenwart
durchgeführt ift. Der Verf. hat Lequien, oriens christianus
verglichen, fo dafs die abendländifchen Forfchungsreful-
tate berückfichtigt find. Für die Zeiten nach Lequien
haben dann die Codices von Proikonnefos noch befon-
deren Werth. Es fei bemerkt, dafs der Verf. annimmt,
Proikonnefos fei bis ins achte Jahrhundert Bisthum ge-
wefen, dann Erzbisthum, das 1823 in die Reihe der Metropolen
erhoben wurde. Die Inhaber führen den Titel
vntQTiLioL xai i'^agxoi adaxjC HoonoYiidog. Sie haben
den 67. Platz in der Ranglifte. Die Tafeln am Ende
des Buchs bringen die Abbildungen von Infchriften alter
und neuer Zeit und einigen Münzen, die der Verf. an
Ort und Stelle gefunden.

Hannover. Ph. Meyer.

rsösoiv, Mavovröi ' Iio., Mixaijx rov IlaXaioXöyov Tvici-
xov rijS snl tov ßovvov vov Av§evziov aeßaaiiiag
fiovijs Mixarj). rov 'Aqxayyi^ov- 'Ev Kiovoxavxivov-
nölei, O. Keil, 1895. (80 S. 8.) M. 3. —

Der ßovvds rov AvS,evxiov ift der heutige Ka-ifch-
dagh in Bithynien, genannt nach dem hl. Auxentios, der
im 5. Jahrhundert dort lebte und dort ein Klofter gegründet
haben foll, das in den Bilderftreitigkeiten zer-
ftört, von dem Grofsvater des Kaifers Michael Paläologos
wieder erbaut, fpäter noch einmal zerftört wurde. Nun
hat es der Kaifer Michael, wahrfcheinlich um 1280, wieder
erbaut, und aus diefer Zeit flammt das vorliegende
Typikon.

Der Text ift von dem Herausgeber genommen aus
Cod. Nr. 160 der koftbaren Bibliothek des hl. Grabes in
Konftantinopel. Er ift erhalten bis auf das, wahrfcheinlich
letzte, Capitel, das von den xxijiiaxa des Klofters
handelte. Der Inhalt des Typikon ift intereffant genug,
dafs ich eine kurze Inhaltsüberficht gebe.

Das erfte Capitel enthält wie gewöhnlich eine hifto-
rifche Einleitung, in dem der Kaifer, der in dem Typikon,
wie ftets in folchen Schriften, felbft redet, die Thaten
feines Lebens mit Dank gegen Gott erzählt und damit
den Grund der Gründung angiebt. Vom 2. Capitel an
beginnen die Beftimmungen. Das Klofter foll ein ßaai-
It/.nv fein, daher avxodionnxov und avxel-ovoiov, doch
foll es daneben im Kirchengebet des Namens des Metropoliten
von Chalcedon gedenken und diefem jährlich
eine geringe Abgabe von Geldeswerth und Wachs geben.
Dafür vollzieht der Metropolit die nöthigen Weihen im
Klofter. Der Hegumenos foll von der ganzen Brüder-
fchaft gewählt werden, und nur, wenn fich die Brüder
nicht einigen können, ernennt der Kaifer denfelben. Die