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Ausgabe:

1896 Nr. 7

Spalte:

195-196

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Monod, Leopold

Titel/Untertitel:

Im ewigen Licht. Betrachtungen. Autor. Übersetzung 1896

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Seite 1

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195

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 7.

196

Einzige, was etwa zu beanftanden fein dürfte, ift der
Titel des Werkes. ,Gefchichte des evangelifchen Kirchenge
fanges' kündet eine mufikalifche Arbeit an; es ift
aber eine literarhiftorifche Arbeit, nicht Kirchengefang,
fondern Kirchenlied ift ihr Inhalt.

Marburg. E. Chr. A che Iis.

Wirth, Pfr. Karl Volkmar, Der evangelische Liederschatz,

feine Entftehung und feine Verwertung für unferen
evangelifchen Chriftenftand. 2. Tl. Nürnberg, Korn,
1894. (V u. S. 273—608. gr. 8.) M. 3. 50

Der erfte Theil diefes in feiner Art werthvollen j
Werkes (1893) ift in der Th. Lit.-Ztg. 1893 Nr. 24 einer
eingehenden Befprechung von mir unterzogen worden.
Diefelben Vorzüge, die dort zu rühmen waren, zeichnen
auch diefen zweiten Theil aus: Sorgfamkeit der Arbeit,
innige Verfenkung in Geift und Wort der behandelten
Lieder, warmherzige Freude an der Sache, die fich dem
Lefer zu gleicher Freude mittheilt. Manche der dort
bemerkten Verfehen find unter dem Titel ,Verbefferungen'
(S. 406f.) berichtigt worden, und im Fortfehritt der
Arbeit ift die Umficht und Sorgfalt gewachfen, auch der
kritifche Muth. Dies letztgenannte Moment tritt befonders
in dem Urtheil des Herrn Verfaffers über die Verfaffer-
fchaft des den Namen des Markgrafen Albrecht II. Alci-
biades von Brandenburg-Kulmbach tragenden Liedes:
,Was mein Gott will, das g'fcheh' allzeit' hervor. Für
die Tradition wird der Strophenbau und die Melodie eines
franzöfifchen Liebesliedes, das zuerft 1529 begegnet,
geltend gemacht; Albrecht habe es während feines
Aufenthaltes in Frankreich kennen gelernt und den Bau
des geiftlichen Liedes jenem nachgebildet; gegen die
Tradition fpricht mit gröfstmöglicher Entfchiedenheit der
Charakter und die Lebensführung des Markgrafen. Das
Lied wird dadurch allerdings incerti aidoris. Eine etwas
gröfsere kritifche Schärfe wäre wohl den vielen Anekdoten 1
gegenüber, die von der Wirkung der Lieder berichten,
am Platz gewefen, auch im Intereffe der Raumerfparnifs.

Im zweiten Theil kommen 14 Lieder zur Befprechung: i
6 von Luther, ferner: Es ift das Heil uns kommen her, :
Nun lob, mein Seel, den Herren, Wenn wir in höchften
Nöthen fein, In Chrifti Wunden fchlaf ich ein, die beiden
Lieder von Nie. Decius, Was mein Gott will, O Welt,
ich mufs dich laffen. Die Auswahl ift augenfeheinlich
recht glücklich; allein dafs Lieder überhaupt ausgewählt
find, entfpricht fchon nicht dem Titel des Buches: ,Der
evangelifche Liederfchatz', noch weniger, dafs der ganze
Abfchnitt des Reformationsliedes nur durch 17 (von diefen
3 im erften Theil) vertreten ift. Und doch umfafst die
Behandlung diefer 17 Lieder nicht weniger als 608 Seiten.
Der Herr Verfaffer fpricht fich nicht darüber aus, ob er
eine Fortfetzung des Werkes beabfichtigt. Unfer Wunfeh
ift, dafs die hoffentlich recht zahlreichen Lefer nicht ermüden
, und dafs ihrer Freudigkeit nicht zu viel zuge-
muthet werde.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Monod, Leop., Im ewigen Licht. Betrachtungen. Autori-
firte Ueberfetzung. Heilbronn, Salzer, 1896. (VIII,
164 S. 8.) M. 2. —; geb. M. 3. —

Das hübfeh ausgeftattete Büchlein ift die Ueberfetzung
einer kleinen, von dem auch unter uns bekannten Geiftlichen
der £glise libre zu Lyon verfafsten und feiner
Gemeinde zur Erinnerung an eine 25jährige Wirkfamkeit
in ihrer Mitte gewidmeten Schrift, die den Titel führt
,Esquisses de morale evangeliqite'. Faft möchte man bedauern
, dafs der Ueberfetzer, der die deutfehe Ausgabe
feines Büchleins Herrn Dr. Hermann Oefer in Karlsruhe
widmet, die zwar perfönlich gehaltene, aber ebenfo be-

fcheidene als herzliche Widmung des franzöfifchen Büchleins
an die Glieder der evangelifchen Kirche zu Lyon
feinen deutfehen Lefern vorenthalten hat: die fchlichten,
innigen Worte, in denen der Verf. auch auf die Ergebenheit
und Tapferkeit anfpielt, mit welcher die Gemeinde
für die pietätvolle und unabhängige Haltung ihres vor
fünf Jahren heftig angefochtenen Führers (vgl. Theol.
Literaturzeitung 1892, Nr. 8) eintrat, diefe Worte bringen
die Gefinnung, aus welcher die kurzen, geiftvollen, herzandringenden
Betrachtungen geboren find, zu klarem
Ausdruck; dasfelbe gilt von dem aus Vinet entlehnten
Motto: ,Es giebt nur einen Weg, die Wahrheit zu erkennen
, der ift in der Wahrheit zu fein'. In diefen
Effais tritt der innige Zufammenhang des chriftlichen
Heilsftandes mit dem fich darauf erbauenden fittlichen
Leben fowie die praktifche Bedingtheit der evangelifchen
Wahrheit mit fchlagender Evidenz zu Tage.
Im Gegenfatz zu vielen unferer ,Gläubigen', welchen die
chriftliche Sittenlehre trivial vorkommt, wenn fie nicht
mit allerlei dogmatifchem Beiwerk aufgeputzt wird, verlieht
es M., die wunderbare Originalität, die oft genug
überrafchende Neuheit der Moral des Fdvangeliums feinen
Zeitgenoffen klar zu machen. Und er thut dies, ohne
jemals in den Ton des Moralpredigers zu verfallen: es
ift der einfache und aufrichtige, jedem Pharifäismus der
Sitte und der Frömmigkeit, der Schulen und der Parteien
abholde Chrift, der zu feinen Brüdern redet, in einer
von fcholaftifchem Ballaft und von rhetorifchen Floskeln
durchaus freien Sprache, aus dem Schatze einer aus dem
Evangelium fchöpfenden und über alle Bildungselemente
der Gegenwart verfügenden Erfahrung, manchmal an
Ausfprüche aus älteren und neueren Schriftftellern anknüpfend
, öfters einzelne Bibelftellen in ein nicht feiten
überrafchendes Licht Hellend, zweimal (Nr. 21. 32) wider-
fprechende Worte neben einander anführend, um durch
den Gegenfatz dem Lefer zur Löfung des vorgelegten
Problems zu verhelfen. Es wäre fehr verlockend, aus
der reichen Sammlung einige Bilder hervorzuheben: die
in der Chriftlichen Welt (1895, S. 601. 697. 1089) erfchie-
nenen Stücke geben nur einen fehr unvollständigen Begriff
von der die mannigfachsten Töne anfchlagenden Art
Monod's. Man vgl. z. B. die ergreifenden Nummern über
die Feinde des Kreuzes Christi (26), oder über das dumm
gewordene Salz (25), die finnigen Stücke über unfere
Vifionen (2—3), die beherzigenswerthen Ermahnungen
betreffs der Gebetsgemeinfchaft (30), die neun Stucke
über das Gleichnifs vom Säemann (5 — 13). Die Ueberfetzung
ift im Ganzen als wohlgelungen zu bezeichnen,
und wird Allen, denen der Genufs der edeln und an-
fpruchlofen Sprache des Originals nicht zugänglich ift,
gewifs willkommen fein.

Strafsburg i. E. P. Lobftein.

Zur gef. Notiz.

Vom 27.März an ift meine Adreffe: Friedländerweg 56.
Göttingen. E. Schür er.

Bibliographie

von Cand. theol. Paul Pape, Zehlendorf bei Berlin.
jDcutfcbc fidteratur.

Tiele, C. P., Gcfchichte der Religion im Altertum bis auf Alexander

den Grofsen. Deutfch v. G. Gehrich, i. Bd. 2. Hälfte. Gefchichte

der Religion in Vorderafien. Bibliograph. Anmerkgn. Gotha, F. A.

Perthes, 1896. (XX u. S. 217—445. gr. 8.) 4. —

Pfeiffer, F., Vorausfetzungen der Wellhaufenfchen Theorie. [Aus: .Beweis

des Glaubens1.] Gütersloh, Bertelsmann, 1896. (43 S. gr. 8.) —. 60
Oettli, S., Der gegenwärtige Kampf um das Alte Teftament. Vortrag.

Gütersloh, Bertelsmann, 1896. (23 S. gr. 8.) —. 40

Holzhey, C., Der neuentdeckte Codex syrus Sinaitieus, unterfucht.

Mit e. vollftänd. Verzeichnis der Varianten des Cod. Sinaitieus u.

Cod. Curetonianus. München,Lentner, 1896. (III, 59 u. 89 S. gr. 8.) 5. —