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Ausgabe:

1895

Spalte:

162-163

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Maclean, Arthur-John

Titel/Untertitel:

East Syrian daily offices, translated from the Syriac with introduction, notes, and indices, and an appendix containing the lectionary and glossary 1895

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 6. 162

zwifchen Origenes und Gregor auf 233 und des Briefes
von Origenes an feinen .Herrn Sohn' (43, 12) zwifchen
238 und 243 laffen fich überhaupt nicht liefern. Doch
dürfte in den wefentlichen Punkten Koetfchau's Urtheil
anzunehmen fein, wie er auch die Dankrede ohne Voreingenommenheit
charakterifirt.

Den Text diefer Rede hat nun K. nicht blofs nach
älteren Ausgaben — unter denen die von J. A. Bengel
1722 die befte ift — fondern auf Grund der Handfchriften,
befonders des Codex Vaticanus gr. 386 (A) scli. XIII gegeben
. Sechs Handfchriften, die die Rede enthalten,
kennt er, aber die übrigen fünf find von A abhängig,
auch, wie er jetzt überzeugt ift — völlig einwandfrei find
allerdings die S. XXXIII angeführten Argumente nicht —
der Parisinus gr. 619 aus dem Jahre 1339; alfo kommt
als Textzeuge nur der ältefte in Betracht.

Schon nach dem oben Gefagten dürfte das Vertrauen
gerechtfertigt fein, dafs K. fich nichts hat entgehen laffen,
was zur Herftellung eines guten Textes erreichbar war.
Ueber den Wortlaut in der Handfchrift A wird man aufs
Genauefte unterrichtet; die Abweichungen der anderen
Manufcripte und der Ausgaben werden notirt, foweit fie
irgendwie bemerkenswerthe Verfuche bieten, die Lücken
in A auszufüllen oder deffen Fehler zu verbeffern. Kinige
Male hätte der Verf. freigebiger fein können, z. B. zu
34, 23 mittheilen, dafs G. Vofs und Bengel ftatt dxovovatv
den Conjunctiv lefen — was man zufällig auf S. 49 erfährt
. Dafs eine einzige Handfchrift des 13. Jhdts. ausreichen
könnte, um den IOOO Jahre älteren Urtext in
allen Stücken mit Sicherheit zu reconftruiren, wird freilich
Niemand erwarten; aber dem Ziele näher bringt uns K.'s
Recenfion; er hat das Verftändnifs des nicht gerade
durchfichtig gefchriebenen Büchleins gefördert durch um-
fichtige Benutzung des vorhandenen Materials, durch
eigene Conjecturen, z. B. eve/.a 14,19, fj 10, 8, durch eine
verftändige Interpunktion und durch die in den .Anmerkungen
zum Text' S.45—50 angeheilten Erörterungen,
die noch mehr exegetifchen als textkritifchen Charakter
tragen.

Im Allgemeinen hält K. fich vielleicht zu enge an
den Text des codex A; 9, 18 z. B. würde ich die alte
Conjectur (?) iieyat.tr/ogtiv unbedingt dem tieXrjyogeiv von
A vorziehen, ebenfo 20, i7 Bengel's iia&rjitdxiov (vg. 22,6)
dem .1 alt-, des cod. und 32, 28 xaxavxüv (fchon im Blick
auf 33, 6 et 7Cov xai hnarcijaat) dem zaf avxuiv in A.
Die Lefung d'/X ?; 10, 8 macht doch die Verbefferung
von av%i 10, 5 in ovy fj, die unter dem Text als Ver-
muthung vorgefchlagen wird, unentbehrlich; 25,14 fcheint
mir exnooiCofuvoig unhaltbar, und die erklärende Note
S. 47, es fei abhängig von 7ce7zeiassto Z. 12 hilft nicht
weiter: .1 tzreiatho (Subject Tic; Z. 9) ift dem iziovorjadxat
Z. 11 entgegengeftellt (= foll überzeugt fein) und regiert
einen Accus, cum Inf., deffen Subject Irfiag die Appofition
ecwzolg (ftatt t)uiv avxoig, vgl. 7, 24 avxov anltatt eitavxov
7, 22) i/.noQiLoiitvovg nöthig hat. Das diazcga^afievoig
14, 4 über alle zwifchen liegende Accufative mit dia-
vominhotg wlv 13, 25 zu verbinden, wie K. S. 46 vor-
fchlägt, ift unmöglich; er denkt auch felber an die
Aenderung in dia-vovg; mir fcheint diefe nothwendig,
nur würde ich gleich (neben yagiovLievovg 13, 28) das
Futurum herftellen und dianga^ouevovg in den Text aufnehmen
. Das y.axeyovxag 32, 6 wird durch die Erklärung
S. 49 als vitrans. = versautes noch nicht erträglich; mit
einer ganz geringfügigen Emendation ift Ordnung zu
fchaffen: ev aixut de avxovg xaxexovxng, was parallel
dem ov/.exi eojvxog . .. dtaoiol'eoxrai zu xevdyovg gehört.
Wenigftens vorfchlagen möchte ich, 31,4 oig el'neg eneiatltj
7iqlv (pi).ooorpi'ioei TTQooekireiv in befferes Verhältnifs zu
dem Parallelfatze ov yctQ av . . riexaeieiatreLr, xig 7100a-
iread-ai ... hegoig zu bringen und das Verftändnifs zu
erleichtern durch die Schreibung (fikoaocfffirj (vgl. 30, 6
■ igte iianqLvtj y.al eSexdatj): dann gehört 7TQoatld-üv zu
Ineiadij und' eng ift nicht'zu inshOr, fondern zu 7rgoael$.

zu ziehen. 25, 18 dürfte 1} ftatt i] zu accentuiren fein;
vor xovxo) 9, 19 ift das Komma zu entfernen, denn xovxm
gehört fo eng zu dem vorangehenden Genetiv xiöv 01»
(paivoiitvojv iiev etc. wie Z. 17 rCt dvdgl xtftde zu drtlgw-
71 wv 7xdvxiöv. Der Punkt hinter ogcöittv 24, 12 zerreifst
den Satz, der von Z. 6 bis 21 (beffer noch 24) läuft, und
ort 6ij Z. 12 ift ebenfo wie tag dt) 6 f. von 00 Xöyotg
duayyeWoiiEvoig avveittiCev abhängig. Sicher irrt fich K.,
wenn er S. 49 von 34, 22 f. (egiiryelg tlvat xiöv xov -3-eor
kdyiov Tigdg dvd-gcuxcovg, avvievat xct tleov iug lleov Xa-
Xovvxog zat dirjyeiaiXat avtrgi07ioig 10g uxovovoiv uvSgionoi)
behauptet, das wg habe an beiden Stellen verfchiedene
Bedeutung, vor tteov fei es = tamquam, vor cc/.ov. nicht
= iva, fondern = ore. Gleich i'va ift das wg allerdings
in keinem Falle, aber auch nicht fo viel wie ore, fondern
an beiden Stellen = sicuti, qua, dort fie verftehen es als
Gottes Worte, hier fie legen es aus wie es für Menfchen
verftändlich ift: bei demGegenfatz von avvievat und dxoüetv
fchwebt Matth. 13, 13—23 vor.

Doch ift zu folchem Widerfpruch gegen K.'s Auf-
faffung von dem Sinne des Textes verhältnifsmäfsig
feiten Anlafs; nichts liegt ihm ferner als die Gefahr, die
Pflichten des Herausgebers den Wünfchen des Commen-
tators zulieb zu vernachläffigen; hoffentlich danken ihm
mit uns Viele feine Mühen durch das Studium jenes
gerade in feinem Ungefchick befonders rührenden Zeug-
nifses einer innigen und treuen Liebe zu dem gröfsten
Theologen der griechifchen Kirche.

Marburg. Ad. Jülicher.

Maclean, Dean Arthur John, M. A., East Syrian daily
Offices, translated from the Syriac with introduetion,
notes, and indices, and an appendix containing the
lectionary and glossary. Published for the Eastern
Church Association. London, Rivington.Percival &Co.,
1894. (XXXI, 302 S. 8.) Geb. 8 s. 6 d.

Schon mehrfach hat Ref. beklagt, kein Werk zu
kennen, das über den Gottesdienft der fyrifchen Kirche
Auffchlufs geben würde. Das vorliegende Buch ift geeignet
, diefem Mangel abzuhelfen. Es ift das erfte in
einer Reihe von Veröffentlichungen, welche die wieder
ins Leben gerufene Eastern Church Association herauszugeben
gedenkt. Zweck diefer Gefellfchaft ift 1) von
Zuftand und Lage der Chriften im Orient Kenntnifs zu
geben, um durch den Einflufs der öffentlichen Meinung
ihnen zu helfen; 2) die Chriften im Often mit Lehre und
Principien der anglikanifchenKirche bekannt zu machen;
3) alle Gelegenheiten zu benützen, welche Gottes Vor-
lehung für Gemeinfchaft (intercommunion) mit der orthodoxen
Kirche, und für freundfehaftlichen Verkehr
(friendly intercourse) mit den andern alten Kirchen des
Oftens gewähren wird; 4) fo viel als möglich dieBifchöfe
der orthodoxen Kirche in ihren Anftrengungen zu unter-
ftützen, die geiftige Wohlfahrt und Bildung ihrer Herden
zu befördern. A. C. Headlam (Rev.) von All Souls College
in Oxford ift Secretär der Gefellfchaft. Als in
Vorbereitung ift angekündigt W. J. Birkbeck, Russia and
the English Church during the last fifty years. Die
Gefellfchaft fleht in Verbindung mit der vom Erzbifchof
von Canterbury beförderten Assyrian Mission, aus deren
Preffe in Urmia in letzter Zeit eine ganze Reihe kirchlicher
Bücher hervorging. Der Bearbeiter des vorliegenden
war felbft früher in Urmia thätig und hat es feinen
dortigen Mitarbeitern gewidmet. Der Band enthält den
nicht-liturgifchen Theil der täglichen Gottesdienfte nach
den beften Quellen, über welche eine forgfältige Einleitung
orientirt. Für den Liturgiker von Fach mag
diefe Veröffentlichung befonderes Intereffe haben, vielfach
aber auch nur pathologifches. Was foll man von
einer Frömmigkeit denken, die es heute noch das ganze
Jahr hindurch ungefähr fo hält, wie the Holy Eastern