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Ausgabe:

1895 Nr. 6

Spalte:

160-162

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krüger, G. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellenschriften, als Grundlage für Seminarübungen. 9. Hft 1895

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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159 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr 6. 160

tifchenKunit und feines Bibelverftändnifses zu conftruiren; Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher

er verwendet die Bibelftellen rein advocatorifch nach Quellenschriften, als Grundlage für Seminarübungen

dem jedesmaligen BedüHnifs Manches in den bezüg- h unt£r Ldt VQn prof D G Kru Hft

liehen Beobachtungen N.s ruht obendrein auf falfcher „ °, .._ T „ <* . . 0. .g „

Exegefe; fo fällt Tein Einzelzug von echtefter Beweis- , Freiburg i/B., J. C. B. Mohr, 1894. (gr. 8.) M. 1. 80
kraft' in fich zufammen, weil weder adv. lud. 14 noch j Inhalt: Des Gregorios Thaumaturgos Dankrede an Origenes,

üdv. Marc. III 7 VOn einer Verfuchung des getauften als Anhang der Brief des Origenes an Gregorios Thaumaturgos. Hrsg.

Verräthers Judas durch den Teufel die Rede ift, fondern von Gymn.-Lehr. Dr. Paul Koetfchau. (XXXVI, 78 s.)
von der berühmten Gefchichte der Verfuchung Jefu. Das vorliegende Heft, einer der intereffanteften Re-

Und kaum begreiflich ift der Einfall, auf den Noeld. liquien aus der Literatur des 3. Jhdts. gewidmet, enthält
S. 87—89 befonders ftolz ift, das Gefpräch des kartha- , eine durch die peinlichfte Sorgfalt ausgezeichnete Arbeit,
gifchen Frofelyten mit Tert. werde in urfächlichem Zu- Druckfehler find faft nirgends ftehen geblieben: S. VI, 2
fammenhange ftehen mit dem Gerücht von einem — ift VII, 30 in VI zu verbeffern, S. XXXI ,itcwrvg' in ttdp-
nach Spartianus, Anton. Carac. I auf etwa 195 anzu- cvg, S. 10, 22 ,öie-i;i£vai' in öietg-uvut, S. 31, 20 ,o<g' in
fetzenden — Ereignifs, dafs nämlich der junge Caracalla nig, S. 34,8 ,ärrsfpfjvaTO' in anetp'qvaxo, S. 35,2 ,t1jv' in xijv,
tief gekränkt gewefen fei über die an feinem Spielge- S. 47, 9 ,Z. 21' in Z. 20, S. 57a piguötirig' in figud'vir'jg. Das
fährten wegen Judaifirens vorgenommene fcharfe Züch- j Namen- und Sachregifter (S. 52—76 über die kaum 39 S.
tigung! .Nicht gerade, dafs der Judengenoffe erft frifch umfaffende .Dankrede') ift nicht blofs abfolut zuverläffig
auf den Eindruck der Nachricht von dem „Judenfreund" — mir ift nur bei ox.otuog 33, 7 ft. 6 und bei <ptloooq>eiv
Caracalla zum Judenthum convertirt war, wohl aber, dafs er 16, 12 ft. 11 aufgefallen — fondern faft fo vollftändig
fich vorwagte (!), während jenes Gerede noch frifch war', wie eine Concordanz; nur die Partikeln, die bei Gregor
Von gröfster Wichtigkeit würde eine peinlich durch- fo reichlich vertreten find, z. B. ou iirv allä, oux, dij
geführte Vergleichung der Parallelen zwifchen adv. Marc, nvv hätten wohl noch Berückfichtigung verdient; eine
und adv. lud. fein. Aber fchon dafs Noeld. hier über Beobachtung ihres Gebrauchs liegt mehr ,im philolo-
die zahlreichen Bibelcitate faft fpielend hinweggleitet, gifchen Intereffe' als Notizen über die Verwendung von
beweift, dafs man bei ihm nicht eine Erledigung der ivsiv, iieveiv und fteaog. Auch der als Anhang der
vorliegenden Frage erwarten darf. Es bleibt dabei, dafs j Dankrede Gregor's beigegebene Brief des Origenes an
in der Schrift gegen die Juden Sätze ftehen, deren Spitze Gregor hat fein befonderes Regifter erhalten (S. 76—78);
gegen Marcion gerichtet ift, vor Allem das boshaft hier könnte fo gut wie nagoixia auch nuQoixelv 41, 24.
Icherzende (c. 9 = adv. Marc. III 13): aliud est, si penes : 42, 10 feinen Platz haben, aufserdem illoyiiiog 40, 8,
vos infantes in proelium erumpunt, credo ad solem tmeti o 'Irfiovg 43, 18 und igdne'Ca 41, 20; bei ayye'kog ift 41, 6
ßrius, deliinc pannis armati et butyro stipendiati etc. Das in 16 zu verbeffern, bei öiip/rpig und bei legbg 40, 2 in
dürfte auf die Juden auch nach ihren verzweifelten 41, 2, bei trsog 44, 2 in 2. 3., bei 6 treög fehlt 44, 5 und
Freiheitskämpfen fchlecht paffen, auf die Pontici, bar- bei ^Iryaoig Navrj ein xov vor Navij; bei svösyöiievov ift
barica gens, wie Tert. fie gefchildert hat, um fo beffer: | ,(iilogy zu ftreichen.

nur heifst ad solem uneti natürlich nicht wie bei Noeld. I An dem Hauptregifter ift ferner rühmend hervorzu-
,von der Sonne gebräunt ftatt des Salböls', fondern ift j heben, dafs der Verf. durch verfchiedene Zuthaten deffen

ironifch — man beachte credo! — zu nehmen, an Eurer
ja fo mächtigen Sonne gefalbt (oder: für Eure fonft ja
förmlich gefährliche Sonne). — Die Klammern und Bänder
zwifchen Jud. 1—8 und 9—14 find für andere Augen nur

Verwerthung zu erleichtern gewufst hat; wo ein Wort
in einem Citat vorkommt, wird dies regelmäfsig vermerkt
, Notizen wie bei öevaojcoiog ,[vgl. Plato, Polit. IV
429 E—430Aj' oder bei ävimng .[Origen. in Mt. XI 15]'

foweit wahrnehmbar, als fie zwifchen Verfuchen anti- : zeigen, aus welchen Quellen Gregor feinen Sprachftoff
jüdifcher Polemik, die mit tertullianifchem Material ge- ' fchöpft, die Auszeichnung von ganz feltenen Worten wie
führt wird, nothwendig da fein müffen. Schwerlich wird evvoryci/.ög, tvoyog durch einen vorgefetzten Stern wird
Noeld. durch diefe Vertheidigung feiner Thefe viele An- ' allerwärts Beifall finden, und der minder gefchulte
hänger gewinnen. Er macht dem Lefer das Mitarbeiten ! Lefer wird für die öfters beigegebenen Ueberfetzungen —
auch zu fchwer; oft genug bezeichnet er die in Betracht i z. B. £X7ioA£f.isiot)ai = expugnari, hilyeiv — hemmen'
kommenden Stellen nur mit der Seitenzahl von Öhler's ! — dankbar fein. Freilich find diefe Ueberfetzungen mit
editio maior, fodafs der Befitzer einer anderen Ausgabe 1 einer gewiffen Willkür vertheilt, fie find zum Theil in
ihm nicht folgen kann. Wo er aber ein Textftück mit- ' lateinifcher, zum Theil in deutfeher Sprache gegeben,
theilt, behandelt er den Text Öhler's wie einen infpirirten; i einzelne wohl auch angreifbar wie vixoTvnovolrat = re-
84 n. 1 z. B. hätte er wahrlich in dem Citat aus de idol. 19 ; praesentare, ögay/.iig — Aehre, äveileiv — entwickeln,
nach van der Vliet populus in Petrus verbeffern follen — aber der Verf. wird Gründe für fein Verfahren: gehabt
wodurch freilich die Stelle für feine Zwecke unbrauchbar
würde. Andererfeits find wieder die Citate nicht correct
genug gegeben; z. B. S. 59 n. 2 Z. 7 fleht ftatt virum facere
(worauf es ankommt): vivere. Wird der Verfuch, die
14 Capitel adversus Iudaeos als von Tertullian in einem
Zuge niedergefchrieben, aber nur theilweis ftiliftifch geglättet
zu erweifen, wiederholt, fo mufs der Inhalt der
bezweifelten Abfchnitte genauer analyfirt und ihr Ver-
wandtfchaftsverhältnifs zu den ficher tertullianifchen
Parallelen, aber auch zu anderen Bibeltexten in allen
Einzelheiten erwogen werden: die Gegenpartei wird das
Verfahren des Falsarius anfehaulich und im Ganzen wie
im Detail pfychologifch wahrfcheinlich zu machen haben.

Marburg. Ad. Jülicher.

haben. Bemängeln würde ich nur, dafs in der Regel die
Media von den Activa unterfchieden find, in mehreren
Fällen aber, z. B. bei iticpogtiv, svvinovv, anocpcdveiv,
ngaauidysiv, dcogelv der Lefer veranlafst wird zu glauben,
er habe eine Activform vor fich, während es fich um
mediale oder paffive Formen handelt.

Die Einleitung (S. V—XXXVI) ftellt zufammen, was
wir über das Leben und die Schriftftellerei des Gregorius
Thaumaturgus wiffen, der letzte Abfchnitt (S. XXVI ff.)
befchäftigt fich fpeciell mit feiner Dankrede an Origenes,
ihrem Inhalt, der Form, der handfehriftlichen Ueber-
lieferung und dem Verhältnifs diefer neueften Ausgabe
zu den früheren. Die Informationen, die man hier empfängt,
find gut, nur dafs der Verf. manchmal feine Thefen
etwas zu fcharf zuzufpitzen fcheint. Wenigftens der Ausdruck
ift doch nicht ganz glücklich in dem Satz S. VI,
dafs dem Gregor von Nyffa in feiner Lobrede auf den
Thaumaturgen .nichts ferner lag als rein gefchichtliche
Wahrheit bieten zu wollen'; und ftringente Beweife für die
Datirung der Dankrede auf 238, der erften Begegnung