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Ausgabe:

1895 Nr. 6

Spalte:

150-153

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klostermann, Erich

Titel/Untertitel:

Analecta zur Septuaginta, Hexapla und Patristik 1895

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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149

Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 6.

150

S. 1245, die erften 10 Seiten des Matthäus bilden die
zweite Hälfte des letzten Heftes der Propheten: zwifchen
Daniel und Matthäus hat nie etwas geftanden.

Weiter auf die Hdf. felbft einzugehen, ift hier nicht
möglich oder nöthig. Nur eine bibliographifch genaue
Befchreibung der einleitenden Beigaben der Ausgabe wird
erwünfcht fein.

Der erfte (Schmutz-)Titel lautet mit Rückficht auf
den fchon 1889 ausgegebenen neuteftamentlichen Theil
SACRORUM BIBLIORUM | VETUS ET NOVUM
TESTAMENTUM | E CODICE | GRAECO VATI-
CANO 1209.

Rückfeite: Exemplar N., in diefem Falle 5.

Der Haupttitel (f. o.) ift auf farbigen, Pergament nachahmenden
Untergrund gedruckt, und auf den einzelnen
Mappen wiederholt; Rückfeite weifs.

Bl. 3r (v weifs) enthält die Widmung an den Papft,
cuius auspiciis et Providentia sacronun bibliorum excmplar
graecum vaticannm omnibus vetustate pracstans ope fide-
lissiina solaris himinis mirifice repetititm oculis omniitm
subiectuni est.

Bl. 4. 5 geben das Facfimile eines päpftlichen Schreibens
an den Herausgeber vom 25. Januar 1889, quibus de
codi cum vatic. 1209 rY2i25 editione phototypica gratulatur.
Letzteres ilt der berühmte codex Marclialianus, über
deffen photographifche Vervielfältigung auch noch kein
deutfches Literaturblatt berichtet hat (f. jetzt Swete 3)').

Auf Bl. 6 folgt in 3 Spalten lithographirt ein Monitum
des Herausgebers. Ein folches Werk fei mit Recht verum
rfjiMii aialii^ta zu nennen, ut Tullius dixerat de cimcliö
bibliotliecae sitae2); bei feinem Anblick könnten mit
Recht alle die Virgilifchen Worte anwenden (Georg. 463):
Sol tibi signq dabit. Solem quis dicere falsum
Audeat.

Datum und Unterfchrift fehlt.

Bl. 7 u. 8 geben je auf der erften Seite (Rückfeite
bleibt weifs) den Index, das Verzeichnifs der in der
Handfchrift erhaltenen biblifchen Bücher, griechifch und
lateinifch, mit den gegenwärtigen Seitenzahlen. Dann
folgt die Photographie mit dem erften Blatt der alten
Handfchrift. Gerne hätte man bei einem folchen Prachtwerk
auch die 20, im Pfalter die 5 Blätter des mittelalterlichen
Ergänzers hinzubekommen.

Ueber die Handfchrift felbft fei nur fo viel bemerkt,
dafs das Accentuationsfyftem des Erneurers viele inter-
effante Abweichungen von dem jetzt gebräuchlichen aufweift
und dafs die Photographie die fchon von dem
trefflichen Ezra Abbot aus dem Druck erfchloffcne Beobachtung
zur Gewifsheit erhebt, dafs mit den Worten
zig or/.m- efaveid 1 Regn 19,11 mitten im Satz — aber
mit Anfang einer neuen Seite und eines neuen Heftes
(S. 335 Heft 18); man fieht die Wichtigkeit richtiger
Heftung — ein neuer Schreiber einfetzte. Endlich ift
noch eine Aufklärung nöthig über das Verhältnifs der
Hdf. zum angeblichen Facfimiledruck von 1868—1881.

In einer eigenen Brofchüre haben die Römer die
Vorzüge jener Ausgabe, über welche Ref. auf feine Anzeigen
in diefer Zeitung 1882,6 und im Lit. C.-Bl. 1882, 4
verweift, gegenüber von Tifchendorf's Bearbeitung hervorgehoben
und find mit letzterem fcharf in's Gericht
gegangen; v. Gebhardt hat bei der oben erwähnten Anzeige
darauf Rückficht genommen, der Unterzeichnete
hatte fie fchon in diefer Zeitung 1882, 9 behandelt. Die
Photographie erweift nun, dafs der fo hoch gepriefene,
720 M. koftende fogenannte Facfimiledruck, zumal der
ihn begleitende Commentarband, der übrigens
auch neben der Photographie ftets benützt werden mufs,

noch ungenügender war, als Ref. feiner Zeit geahnt hatte.
Dafs bei fchwierigen Stellen die früheren Herausgeber
Vercellone — Cozza — Fabiani das Richtige nicht fanden,
wird niemand verargen:

Zu Lev. 10, 19 z. B. (S. Iii a. 12) zavza drucken fie

im Commentar jTAfY" sie Spiritus et accentus est': einem
fchärferen Auge wird nicht entgehen, dafs, was fie für
Spiritus und Accent hielten, die minutiöfen Buchftaben
01 find, der Corrector alfo, wie Codex F, zotavza ftatt
zavza gelefen wiffen wollte.

S. 249 Col. 2 glaubten fie am obern Rand quaedam
paene evanida scripta Kai..Co.....Ta zu lefen. In Wirklichkeit
ift dies einfach Abklatfch der Columnenüber-
fchrift von S. 248, und was dergl. Kleinigkeiten mehr find.

Was fagt aber der Lefer zu folgender Lifte, bei
welcher in der erften Spalte die Lefung der Sixtina von
1586/7 fleht, die Tifchendorf repetirte, in der zweiten die
des Facfimiledrucks, nach welchem der Unterzeichnete
Tifchendorf zu corrigiren, und Swete feine beiden erften
Bände zu geftalten hatte, in der dritten die Lefung der
Handfchrift?

I587. Facfimile Photographie

Jef. 51, I a/.ova. uov av.ovo. tis axova. uoe
— 13 sxelaÜ-ov artElairnv EnsXa'tur
60,15 zvqtooavvi] tviponoirry BvcpQOOVTT.

Hag. 2, 8 7TaVZOY.QUlWQ TTaVTW/.QULOIQ naVZOY.(>UtlOQ
l6 OTE OTl OCE

etc. etc.
Die Lifte kann beliebig verlängert werden. In all
diefen Fällen hatte die Sixtina vor 300 Jahren das richtige
, das angebliche Facfimile, das der Drucker aus
dem ihm unter Glas vorgelegten Original fetzte und das
die römifchen Gelehrten doch vor und nach dem Reindruck
revidirten, —■ 9 Jahre nahmen fie fich Zeit, bis fie ihren
kritifchen Commentar veröffentlichten — hatte das
Falfche, und das nicht an Stellen, wo man wegen Cor-
recturen irgend welchen Zweifel haben kann! Wie das
zugeht, begreife ein anderer; welche Stimmung das erweckt
, weifs nur der, der fich durch die 5 Folianten des
Facfimiledrucks, und nun wieder durch die 4 der Photographie
durchgearbeitet hat. Warum es aber veröffentlicht
wird? Einzig und allein, um allen Behörden, Akademien
, Privaten, welche über die Herausgabe von
Texten, Handfchriften, Infchriften u. f. vv. zu entfeheiden
haben, die Werthlofigkeit, vielmehr den Schaden folcher
theueren Prachtausgaben ad oculos zu demonftriren. Was
hätte mit dem Geld geleiftet werden können, das allein
für die Herftellung von Baber's Alexandrinus, Tifchendorf
's Sinaiticus und Monumenta, des Vaticanus von
1868—81 ausgegeben wurde, das noch heute für ein
einziges Exemplar diefer Veröffentlichungen ausgegeben
werden mufs! Wo rein mechanifche Vervielfältigung
nicht möglich ift, da ift aller Luxus vom
Uebel. Ref. fchliefst feine Anzeige diefes richtigen
Facfimiles mit den Worten des Hieronymus, mit denen
er vor 12 Jahren feine Anzeige des angeblichen in diefer
Zeitung begann (1882 Sp. 119): Habeant qui volunt veteres
libros uncialibus, ut vulgo aiunt, litteris onera magis exarata
quam Codices; dummodo mihi meisquepermittantpauperes
habere scliedulas et tum tarn pulchtos Codices quam emeu-
datos.

Ulm. E. Neftle.

1) Nach einer Mittheilung von Kloftermann in Stade's Z. f. altt. W.
1893, 3°6 hortet die Photographie des Marchalianus (Q) 320 Lire, mit dem

A. T. von B zufammen 1120 L., vom neuteftamentlichen Theil von B | der Unterzeichnete fr^m^lVr Zeitung 1892" Nr. 2C anzeieen

fpif»n nur nnrli vpnitTf» KypITIT»:larp vorrüthio- « * _ - - S? . . - •* _ . _ D

Klostermann, Dr. Erich, Analecta zur Septuaginta, Hexapla
und Patristik. Leipzig, Deichert Nachf., 1895.(VIII, 128 S.

gr. 8.) M. 3. -

Der Verfaffer diefer Analecta, deffen Erftlingsfchrift

feien nur noch wenige Exemplare vorräthig. I i____, ____ j____. • n c c a A v r r r

2) Wo das im Cicero fleht, unterläfst der Herausgeber zu citiren; ! Wante, .Wat durch einen Zufchufs des K. preufsifchen
in den neueren kritifchen Ausgaben lieft man es jetzt nicht mehr. I Gultusminifteriums in der glücklichen Lage, eine Studien-