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Ausgabe:

1895 Nr. 5

Spalte:

124-126

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Giesebrecht, Friedrich

Titel/Untertitel:

Das Buch Jeremia, übersetzt und erklärt 1895

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 5.

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Luc. 3, 1 zu verliehen fei, neigt aber zu der Anficht, dafs
,das ituräifche Land' nur ein anderer Name für Trachonitis
fei, indem die Ituräar vom Libanon aus dorthin ausgewandert
feien und der Landfchaft den neuen Namen
gegeben hätten, eine Meinung, die nur das fchwache
Zeugnifs des Eufebius für fich und fehr gewichtige Gründe
gegen fich hat, wie dem Verf. auch nicht verborgen geblieben
ift). — S. 568 Anm. 5 werden als the best accounts
of 'Arak el Emir nur folgende drei genannt: MerrilPs
East of Jordan 106 ff.; Triftram, Land of Israel 520 und
Conder, Heth and Moab 168 ff.; hier hätten doch die
werthvollen Arbeiten von de Vogüe, de Saulcy und dem
Duc de Luynes nicht unerwähnt bleiben dürfen (f. meine
Gefch. II, 32, engl. Ausgabe Div. II, vol. I p. 36), desgleichen
The Survey of Easiern Palestine I, 1889,^.65—87.
— S. 569 wird richtig bemerkt, dafs Machaerus zur Zeit
des Herodes Antipas nicht dem Aretas gehört haben
kann; doch hätte hierNiefe's Jofephus-Text berückfichtigt
werden müffen (f. Theol. Litztg. 1890, 644; die Möglichkeit
von Niefe's Lesart wird freilich von Straatman,
Theol. Tijdschr. 1891, 237 beftritten; vgl. auch Clemen,
Chronologie der paulin. Briefe 1893,8.182). — S. 591—608:
über die Dekapolis. — S. 609—638: über die Cultur der
Haurangegend. — S. 665—667: Bibliography of Eastern
Palestine. — S. 617 glaubt Smith meine Zählung der
arabifchen Könige Namens Malchus berichtigen zu müffen;
ich mufs fie aber fefthalten, da der von Gutfchmid auf
Grund einer Münze angenommene Malchus I äufserft
problematifch ift.

Die Karten, welche dem Werke beigegeben find,
zeichnen fich durch Klarheit und Anfchaulichkeit in der
Schilderung der Terrainverhältnifse aus.

Kiel. E. Schür er.

Kommentar, kurzgefasster, zu den hl. Schriften Alten und Neuen
Testaments, fowie zu den Apokryphen. Unter Mitwirkung
von Ob.-Konfift.-R. Burger, Proff. DD. Klofter-
mann, Kübel etc. hrsg. von Proff. Herrn. Strack u.
Konfift.-R. OttoZöekler. A. AltesTeftament. 1. Abtig.
3. Lfg. München, Beck, 1894. (gr. 8.) M. 3. 50

(1. Abtlg. cplt.: M. 8. 50; 1. u. 2. Abtlg. in 1 Halbfrzbd.

M. 16. 50)

Inhalt: Genefis, Exodus, Levitikus und Numeri, ausgelegt von
Prof. D. Herrn. L. Strack. 3. Lfg. (XX u. S. 305— 476.)

Wir haben uns offen und unbefangen ausgefprochen
über den Standpunkt der Beurtheilung, den wir gegenüber
den exegetifchen Arbeiten des Verfaffers einnehmen (vgl.
diefe Blätter Jahrg. 1893 Nr. 4 über die erfte Lfg. des
angezeigten Werks, Holtzmann, Theol. Jahresber. Bd. 13
S. 55 über die zweite Lfg.). Der jetzt vorliegenden dritten
Lfg. gegenüber ift die Lage des Unterz. allerdings einiger-
mafsen dadurch erfchwert worden, dafs der Verf. im
Vorworte zu der ganzen Abtheilung, welche die Erklärung
der Bücher Genefis bis Numeri umfafst, auf S. VII
ihn als eine Art vorbildlichen Recenfenten hingeftellt hat.
Indeffen, wie es fchon im gewöhnlichen Leben fich nicht
empfiehlt, fich von der Sorge darüber, was die Leute
fagen werden, in feinen Handlungen beftimmen zu laffen,
fo dürfte noch weniger ein Recenfent feines Amtes warten
können, wenn er von derartiger Gedanken Bläffe
fich ankränkeln liefse. — Wir wiederholen daher ohne
Scheu unfere Meinung, dafs für einen Anfänger Strack's
Commentar als Einführung in die Pentateucherklärung
wohl zu empfehlen ift. Auch ift nicht zu erfehen, warum
ein Anhänger der neueren Kritik etwas hiergegen haben
follte. Der Verf. erkennt die Quellen J. E. D. H. Q. P an.
Da er über ihre Reihenfolge nichts entfeheidet, fondern
in diefer Beziehung auf die bevorftehende neue Auflage
feiner Einleitung in das A.T. verweift, fo ift vorläufig
keine Veranlaffung fich aufzuregen. Man wird allerdings

öfter zweifeln dürfen, ob die Verfuche, die Widerfprüche
zu befeitigen, die zwifchen P und der älteren Ueber-
lieferung hervortreten, geglückt feien. Der Verf. legt
z. B. befonderen Werth auf feine Ausführungen zu
Nu. 14, 44 u. Ex. 35—40 (S. 408. 285 f.). Aber mit der
Annahme eines interimiftifchen Offenbarungszeltes in
33> 7—11 kommen wir fo recht aus dem Regen in
die Traufe, und die Vorausfetzung, dafs auch nach JE die
Lade ,ein würdiges Obdach' gehabt haben müffe, fchafft
uns noch lange keine ,Stiftshütte'. — Nach dem Nachweis
, dafs P glaubwürdige Nachrichten über die Zeit und
das Wirken Mofe's' (S. XVII) enthält, haben wir uns vergebens
umgefehen. — In der Exegefe hat der Verf. das
Gute feiner Vorgänger mit Sorgfalt genutzt; dafs er fie
blofs ausgefchrieben habe, wird man nicht mit Fug behaupten
können. Gelitten hat die Erklärung bisweilen
durch den Mangel an hiftorifchem Sinn. Dafs die eherne
Schlange ,Symbol des Ueberwundenfeins . . . des Uebels
durch Jahve's Macht und Gnade für jeden Glaubenden'
gewefen fei (S. 426), ift ein unglückliches rabbinifch-

! theologifches Fündlein, das die damaligen Israeliten wohl

! kaum begriffen haben würden. Sehr wenig glücklich ge-
räth auch die Erklärung der Bileamsgefchichte. Dafs
auch die Thiere ein Gefühl für die Nähe Gottes haben
füllten (S. 432), erfcheint uns als eine finnlofe Phrafe, und
wie Bileam durch die Art, wie feine Efelin die Schläge
erträgt, zur Befinnung kommen konnte (S. 433), vermögen
wir uns nicht vorzuftellen. Wenn man, wie der Verf. fich

j nicht entfchliefsen kann, fie fprechen zu laffen, aus
Rationalismus d. h. aus Unglauben, dann hat die Efelin
nichts anderes gethan, als was jeder geprügelte Efel thut.
Sie hat fich nach der bekannten Leffing'fchen Fabel auf
ihre dicke Haut verlaffen. Abgefehen von dergleichen
apologetifchen Wallungen ift aber die Exegefe des Verf.
einfach, klar, das Nöthigfte der Erläuterungen kurz und
beftimmt zufammenfaffend. Auch die wichtigfte neuere
Literatur ift forgfältig angegeben. Auf S. XX durfte
neben Kittel Stade's Gefch. d. Volkes Israel nicht fehlen.

j Transfcription des tl in th nach dem Artikel (S. 406)
halten wir für nicht zuläffig.

Jena. C. Siegfried.

1. Giesebrecht, Prof. D. Frdr., Das Buch Jeremia, überfetzt
und erklärt. [Handkommentar zum A. Teft., hrsg.
v. W. Nowack, III. Abth., 2. Bd. 1. Thl.] Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht, 1894. (XXXVI, 268 S. gr. 8.)
M. 6. 40; mit Lohr, Klagelieder in 1 Bd. geb. M. 8. —

2. Lohr, Prof. Lic. Dr. Max, Die Klagelieder des Jeremia,
überfetzt und erklärt. [Handkommentar zum A.Teft.,
hrsg. v. W. Nowack, III. Abth., 2. Bd. 2.Thl.] Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht, 1894. (XX, 26 S. gr. 8.) M. 1. -

Giefebrecht's Arbeit ift befonders werthvoll durch
die gründliche Reproduction der gefammten Textüberlieferung
. Dem wichtigften Textzeugen, der Septuaginta,
hat er, wie im Commentar die gröfste Aufmerkfamkeit,
fo in der Einleitung S. XIX—XXXIV eine fehr eingehende
Unterfuchung gewidmet. Es galt hier manche
Klippen zu umfehiffen und Einfeitigkeiten in der Erklärung
der Abweichungen der LXX zu vermeiden. Wir
haben den Eindruck empfangen, als habe der Verf. im
Wefentlichen nach allen Seiten hin die richtigen Gefichts-
punkte getroffen, wenn man auch in einzelnen Fällen
manchmal zu andern Entfcheidungen kommen wird.
Jedenfalls aber ift zu rathen, dafs man, ehe man daran
geht, ihn zu verbeffern, fich in ähnlicher Weife gründlich
zur Sache präparire, wie er es gethan hat. Er hat fo-
wohl die hexaplarifche als auch die Lucianifche Tradition
nach den diefer zugehörigen Handfchriften zu Rathe
gezogen. Aber auch die andern Textzeugen bis auf
Hieronymus und das Targum find forgfältig berückfich-