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Ausgabe:

1895

Spalte:

110

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutjahr, Emil

Titel/Untertitel:

König Gustaf II. Adolfs von Schweden Beweggründe zur Teilnahme am deutschen Kriege auf Grund besonders der schwedischen Quellen aus den Jahren 1629 und 1630 1895

Rezensent:

Virck, H.

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lex)

Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 4.

110

theca hagiographica ift der Pater Hippolyt Delehaye,
neben dem Pater Van den Gheyn, fo viel ich weifs,
jetzt der Leiter der Bollandiften.

Das vorliegende Werk enthält ein alphabetifch geordnetes
, genaues Verzeichnifs aller Viten von Heiligen,
die in griechifcher Sprache gedruckt find. Unter vollfter
Anerkennung deffen, was bisher auf diefem Gebiet ge-
leiftet ift {Fabr.-Hart. Bibl. Graec. X, 186—343) will der
Verf. das gefammte jetzt vorliegende Material verwerthen,
ohne Frage ein verdienftvolles und willkommenes Unternehmen
. Es find in dem Katalog enthalten, wenn ich
recht gezählt habe, 505 Heilige mit über cpo einzelnen
Nummern zufammen. Die meiften Bearbeitungen hat das
Leben der Jungfrau Maria erfahren, nämlich 65.

Wenn der Titel ,vitae sanctorum' fagt, fo ift dies der
allgemein umfaffende Ausdruck für alle Literaturgattungen,
die fich mit den Heiligen weitläufiger befchäftigt haben,
nämlich vitae im befonderen Sinne, passiones, encomia,
acta, vüracula, translationes reliquiarum, homiliae, apo-
calypses etc. Als Hauptgefichtspunkt ift bei diefer Auswahl
feftgehalten, dafs wirklich weitläufigere hiftorifche
Nachrichten in dem Stück über den fraglichen Heiligen
enthalten waren. Daher find die kurzen Viten, die fich
in den Menäen, Synaxarien und Akoluthien finden, nicht
aufgenommen. Ausgefchloffen find auch die Viten in
neugriechifcher Sprache. Man wird dies billigen, wo es
fich um Ueberfetzungen handelt aus vorhandenen alt-
griechifchen Drucken. Es giebt aber auch neugriechifche
Viten, die von nicht herausgegebenen griechifchen Hand-
fchriften gemacht find. Man kann fragen, ob folche
nicht aufzunehmen waren. Doch läfst der Verf. hoffen,
das einftweilen Unterbliebene fpäter in einem befonderen
Werke nachzuholen. Zu den Heiligen find auch gerechnet
der Herr und fein Kreuz, wie es das literarifche
Intereffe fordert. Gröfsere Sammlungen von Viten find
unter dem Namen Vitae patrum genannt. Die Heiligen
des alten Teftaments find nicht alle aufgenommen. Wo
es zweifelhaft war, ob nicht Heilige desfelben Namens
identifch feien, hat der Verf. dennoch gefchieden. Ebenfalls
hat er fich abfichtlich des Urtheils enthalten, ob die
Autorfchaft überall richtig angegeben fei. Symeon Me-
taphraftes ift als Verfaffer regelmäfsig nicht genannt, da
vollftändig unficher, was er gefchrieben. Der Tag, an
dem das Andenken des jedesmaligen Heiligen gefeiert
wird, ift nach beiden Kirchen angegeben, wo Verfchie-
denheit obwaltet. Wenn die Vita mehrfach herausgegeben
, find nicht immer alle Ausgaben genannt, jedenfalls
aber die neuere, kritifch befte. Auch find die
Handfchriften, nach denen die Ausgabe gefchehen ift,
angeführt, wenn diefelben wenigftens von den Herausgebern
angegeben find. Endlich ift bei jeder Vita Anfang
und Ende verzeichnet. Die ganze Anordnung ift fo,
dafs man fich fehr leicht zurechtfinden kann.

Wer überhaupt, auch nur oberflächlich fich mit der
griechifchen Hagiographie befchäftigt hat, der weifs, wie
zerftreut das dazu gehörige Material ift. Wohl haben
die Acta Sanctorum und Migne viel dahingehörigen Stoff
aufgeftaut, aber es giebt viele feltene Drucke von Venedig
, Wien, Leipzig und Moskau u. f. w., die im Abendlande
kaum bekannt worden find. Dazu haben in neuerer
Zeit die Ruffen und Griechen viel Neues auf dem Gebiete
geleiftet und für die erften Jahrhunderte ift bei uns
ja fehr viel Material zu Tage gefördert. Ich nenne nur
Tifchendorf, die Texte und Unterfuchungen von Harnack
und v. Gebhardt, die Arbeiten von Lipfius, Bonnet,
Ufener u. f. w. Dies ganze grofse Material fcheint mir
umfaffend bearbeitet zu fein, dazu unter grofser Ueber-
fichtlichkeit. Für alle Arbeiten in der griechifchen Hagiographie
fcheint mir daher in dem vorliegenden Werke
eine neue und fichere Grundlage gefchaffen zu fein.

Wenn ich mir zum Schlufs einige Ergänzungen erlaube
, fo möchte ich diefelben mehr als Anfragen auf-
gefafst wiffen, da es fehr gut möglich ift, dafs der Verf.

das Vorgefchlagene kennt und abfichtlich ausgelaffen
hat. Ich vermiffe zuerft den Bios xai nolixeia xCov bahov
xai t}av/.iaxovQyöjv nmdqfop r]uü>v Svfttcbv xai &£OÖojqov
xai xig boiag EvcpQoavvnq xxX., der Gründer des Klo-
fters xov ueydXov 2mnXaiov. Er ift herausgegeben, vielleicht
aber auch theilweife ergänzt von Konftantinos
Oikonomos in dem Kxtxooixöv des Klofters Megafpiläon
Athen qioii S. 37 ff. Anfang: Ol xgtaoXßioi xai -trencfngoi;
Ende: dnavxa xaxa xr)v iieyuXijv sntqpdvsiav aiixov' 01
tj dot-a xxX. Ferner hätte vielleicht zu den Patrum vitae
S. 102 angegeben werden können das Riefenwerk
Evvayüjyr) xwv ireowPoyycov grj/udxojv xai öidaaxaXuZv
xojv ■d-eoqjoquiv xai ay'aov naxigiov — naga IlaiXov xov
na. fiov. xal xxixogng uovijg xrjg inegayiag Osoxoxov xftg
Evegyixidng, herausgegeben aus der Bibliothek des Klofters
Kutlumufi auf Korten des Johannes Kaunas. Venedig
1783. fol. 1098 Seiten. Der Stoff ift zwar hier fyftema-
tifch geordnet nach Brauchbarkeit für das Mönchsleben,
die Viten find daher alle getheilt. Es wird hier aber
doch wohl noch manches Material liegen, das unbenutzt
ift, jedenfalls eine Menge Parallelen zu der Historia
Lausiaca und den übrigen Sammlungen, wie denn auch
Bruchftücke von apokryphen Acten fich dort aufgehoben
finden. Ich vermuthe faft, dafs diefes Riefenwerk durch
die Ungunft der Zeiten gar nicht bekannt geworden ift;
wenigftens habe ich es noch nie citirt gefunden, auch
hat es Migne nicht aufgenommen, foweit ich aus dem
Index erkennen kann.

Erichsburg. Ph. Meyer.

Gut jähr, Schuldir. Dr. Emil, König Gustaf II. Adolfs von
Schweden Beweggründe zur Teilnahme am deutschen
Kriege auf Grund befonders der fchwedifchen Quellen
aus den Jahren 1629 und 1630. Der evangelifchen
Schule ein Beitrag zur 300jährigen Gedenkfeier an
Guftaf Adolfs Geburt. Leipzig, Dörffling & Franke,
1894. (72 S. gr. 8.) M. 1.—

Vorliegende Schrift, die einen Vortrag wiedergiebt,
den der Verfaffer in der Pädagogifchen Gefellfchaft zu
Leipzig gehalten hat, wird allen denen eine willkommene
Gabe fein, die fich, ohne umfangreiche Studien zu machen,
ein felbftändiges Urtheil darüber bilden möchten, welche
Gründe Guftaf Adolf zur Theilnahme am deutfchen
Kriege bewogen haben. Um den Lefer hierzu in den
Stand zu fetzen, legt der Verfaffer ihm die wichtigften
der in Betracht kommenden Urkunden aus den Jahren
1629 und 1630 entweder vollftändig oder in forgfältigem
und genauem Auszug vor, namentlich diejenigen, die
Guftaf Adolfs Selbftbekenntnifse über diefe Frage enthalten
und 1861 von C. H. Styffe unter dem Titel
,Konrmg Gustaf den andre Adolfs Skriftcr' herausgegeben
find. Das Refultat der auf Grund diefer Quellen
vom Verfaffer geführten Unterfuchung lautet: ,Guftaf
Adolfs Beweggründe zur Theilnahme am deutfchen Kriege
waren fowohl politifche wie religiöfe, aber die religiöfen
waren die massgebenden'. Auch derjenige, der diefem
Refultat nicht ganz beizuftimmen vermöchte, wird doch
zugeben müffen, dafs Droyfen's Behauptung: Guftaf Adolf
fei lediglich durch Gründe durchaus politifcher Natur
zu feinem Zuge nach Deutfchland bewogen worden,
fchlechterdings unhaltbar ift. Die von Gutjahr zufammen-
geftellten Quellen laffen vielmehr darüber keinen Zweifel,
dafs der Wunfeh des Königs, die evangelifche Kirche
zu retten, feinen Entfchlufs in nicht geringerem Grade
beftimmt hat, als rein politifche Erwägungen.

Weimar. Virck.