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Ausgabe:

1895

Spalte:

657-660

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seeberg, Reinhold

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der Dogmengeschichte. 1. Hälfte: Die Dogmengeschichte der alten Kirche 1895

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Heraus-e^eben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Güttingen.

ErfCheint p .

alle )4 tagp. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°- 26.

21. December 1895.

20. Jahrgang.

Oriental Studies (Ohlenberg).

Neeberg, Lehrbuch der Dogmengefchichte,

t. Hälfte (Jülicher).
Kunze, Marcus Eremita (Harnack).
Cielzer, Die Anfänge der armenifchen Kirche

(Kattenbufch).

Häring, Die Lebensfrage der fyftematifchen
Theologie die Lebensfrage des chriftlichen
Glaubens (Wendt).

Ewald, Ueber das Verhältnifs der fyftematifchen
Theologie zur Schriftwiffenfchaft (Derf.).

K ö 11 i n g , Pneumatologie oder die Lehre
von der Perfon des heiligen Geiftes (Joh
Weifs).

Frantz, Gefchichte der chriftlichen Malerei,
2 Thle. (Joh. Ficker).

Oriental Studies. A selection of the papers read before der alten Kirche umfaffend; das Erfcheinen des zweiten
the Oriental'Club of Philadelphia 1888-1894. Boston, , abfchliefsenden ift in baldige Ausficht geftellt; der Umfang
„. „ n „ ,« K „r ^ <qeb 2 s 1 des Werkes wird dann etwa 660 Seiten betragen, alfo

G.nn & Co., 1894. (278 S. gr. 8.) Lreo. e s. . ^ Briüel mehr als die neuefte Auflage des

Eine Anzahl von Gelehrten fchlofs fich 1888 in Loofs'fchen Leitfadens zum Studium der Dogmenge-
Philadelphia zu einem orientalifchen Club zufammen, fchichte. Die Ausftattung des Buches ift — mit Ausnahme
Profefforen der University of Pennsylvania und des Bryn der fchlechten hebräifchen Typen, die aber feiten ge-
Mawr College neben Privatleuten; bald vergröfserte fich braucht werden — eine vorzügliche, an die häfsliche und
der Kreis; zu den Orientaliften trat auch eine Orienta- j befonders in der Wiedergabe fremder Namen inconfe-
liftin, Mrs. Stevenfon: jetzt veröffentlicht der Club, ,to quenteOrthographie gewöhnt man (ich rafch, Druckfehler
mark tlic snccessful terminalion of the first five years of fmd nicht häufig und ftören kaum je die Leetüre (ein
its existence', eine Anzahl der in feinen Sitzungen ver- j omnis st. omne 257 n. 1 und ein monagamia S. 66,2 oder
lefenen Vorträge. In denfelben find, abgefehen von , chartniatum 66,39 gehören fchon zu den fchwerften);
der arabifchen und iranifchen Philologie, alle Haupt- 1 der Stil ift glatt und klar, ein paar Eigenheiten wie der
zweige der orientaliftifchen Forfchungen und dazu die häufige Gebrauch von ,diefes' ftatt ,dieV und vereinzelte
vergleichende Grammatik der indogermanifchen Sprachen Mifsgriffe im Ausdruck wie gleich auf S. i: ,Nicht
vertreten, fo dafs kein einzelner Berichterftatter es irgendwelche theologifchen Sätze oder Formeln
unternehmen könnte, Allem gerecht zu werden. Als dem > des kirchlichen Gemeinbewufstfeins nennen wir Dogmen,
Gebiet der Theologie und Religionswiffenfchaft zuge- , fondern nur folche theologifche Sätze, die zu
hörig ift hier hervorzuheben der Vortrag von Barton kirchlichen Sätzen geworden find' wird man dem Verf
,Native Israelitish Deities1, den native polytheism of pri- gern zu Gute halten. Die Geftaltung des Stoffes, in
mitive Israel behandelnd (S. 86 f.), weiter Marcus erfter Linie die Auswahl des wörtlich aus den Quellen
Jaftrow's Erklärung der Pfalmen 73 und 90 (S. 35 f.), i Mitgetheilten und des in das Referat Eingeflochtenen
und P. Haupt's Auffatz , The Book of Ecclesiastes' (S. ! entfpricht dem Zwecke des Buchs ,fowohl als Grundlage
242 ff). Dem Arbeitsgebiet des Ref. näher liegt der für die akademifchen Vorlefungen des Verf.' zu dienen
Auffatz von Hopkins ,The holy numbers of the Pagvedal ; wje auch ältere Theologen bei gründlichen docrmeno-e-
(S. 141 ff.). Derfelbe foll an anderer Stelle weitere Er- : fchichtlichen Studien zu unterftutzen; auch die Anordnün»
gänzungen erhalten, und fo kann er vorläufig nur unter [ jft meift gefchickt getroffen; in einigen Fällen begreift
aller Referve kritifirt werden. Doch werden einige Be- man freilich das Motiv für eine ganz abfonderliche&Dis-
denken fchon jetzt ausgefprochen werden dürfen: fo vor , pofition nicht, z. B. wenn im IV. Capitel (Die Lehre Au-
Allem gegen die faft durchgehende Befchränkung der guftjn's) der Kampf Auguftin's gegen den Pelagianismus
Unterfuchung auf die rgvedifchen Materiahen; gegen die j in $ 30 vor dem donatiftifchen Streit ($ 31) behandelt
Abneigung des Verfaffers, die Siebenzahl — deren mög- w[r^ Und gar innerhalb des § 2o an 1. Stelle Arius an
liehe Beziehung auf die Planeten für ihn nicht dazufein 2. Alexander, an 3. Athanafius und zwar der Gefammt-
fcheint — in Bezug auf himmhfche Wefenheiten gelten inhalt feiner Lehre, felbft feine Stellung zur Homoulie
zu laffen; gegen die Nichtberuckfichtigung der fo ge- des Geiftes, zur Befprechung gelangen, nun erft 4) Nicäa
läufigen Parallelifirung der Gotter und der Metra bei Parteien, Eufebius, das Bekenntnis'. Bis zu einem gewiffen
der Erklärung der (jüngeren) Zwölfzahl der Adityas, u. A. Grade nachläfiig verfährt Seeberg an einem Punkte der
mehr. — Mrs. S. Y. Stevenfon verfolgt die Rolle von j in folch einem Lehrbuch m. E. befondere Sorgfalt'ver-
,the feather and the wing in early mythology1, in einem ■ dient, bei den Literaturangaben, oft werden die Titel
ideenreichen Auffatz (S. 202f.), in dem fie doch vor der nur theilweife z. B. S. 12 ,vgl. Weifs, Bibl Theol
Gefahr, in den ungeheuren Weiten der Mythologie der 4. A. 1884', der Ort des Erfcheinens faft nie, das Jahr
gefammten Erde lieh vielfach zu verirren, kaum be- • zu häufig nicht genannt; dafs die Vornamen fehlen, ift
wahrt bleibt. ' j in einigen Fällen ficher ein Mangel, wenn z. B. in FoDe
Sei der rüftig arbeitenden Schaar alles Befte für den j davon der Lefer keine Ahnung bekommt, dafs der Dorner,
Fortgang ihrer Forfchungen gewünfeht! der über Auguftin gefchrieben hat, von dem Verfaffer
Kiel H. Oldenberg. der Entwicklungsgefchichte der Chriftologie zu unter-

* ' -----_,- 1 fcheiden ift; auch Abkürzungen wie S. 8 die Theologie

Seeberq Prof Df Rhold Lehrbuch der Dogmengeschichte. der CF.1 und .Artikel der PRE.' find in diefem Buche

1 Hälfte- Die Dogmen-efchichte der alten Kirche. ! entfchieden nicht angebracht. Die Grundfätze, nach denen

1 muk. g b die Auswahl bei diefen Verzeichnifsen getroffen worden,

Leipzig, DeichertNachf., 1895. (XH,332b.gr.8.) M. 5.40 find mif oft rathfdhaft geblicb Wichtiges fehlt und

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Es wird uns hier der erfte Halbband eines Lehrbuchs

recht Vergängliches, wozu ich die fehr fleifsig erwähnten

der Dogmengefchichte geboten, die Dogmengefchichte früheren Arbeiten Seebergs nicht rechne, findet Platz.
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