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Ausgabe:

1895

Spalte:

649-652

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dalton, Herm.

Titel/Untertitel:

Auf Missionspfaden in Japan 1895

Rezensent:

Wurm, Paul

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Bedeutung und der Functionen des Glaubens, wie fie K. j Miffionsblätter feitdem Günftiges berichtet haben, ift noch
in diefem Werke gegeben hat, gerade für unfere Gegen- ! nicht erwähnt.

wart ift, bedarf keiner Ausführung. Die befonnene und Die Miffionare der verfchiedenen englifchen und

im beften Sinne vermittelnde Art und Weife, wie K. die amerikanifchen Gefellfchaften, welche zuerft in die Arbeit
brennenden theologifchen und kirchlichen Streitfragen , eingetreten find, haben das Bedürfnifs einer gegenfeitigen
behandelt, wie er überall den vollen, warmen Ausdruck ! Verftändigung gefühlt, zunachft für eine gemeinfame
feiner pofitiven chriftlichen Glaubensüberzeugung mit Ueberfetzu ng der Bibel, von welcher die Jefuiten im
verftändnifsvoller Würdigung der modernen wiffenfchaft- 16. und 17. Jahrhundert auch nicht einen Bruchtheil dem
lich-theologifchen Arbeiten und ihrer Refultate zu ver- | japanifchen Volk in feiner Mutterfprache geboten hatten
binden weifs, ift m. E. wahrhaft vorbildlich. So kann j (S. 133). Im J. 1888 wurde die Ueberfetzung auch des
ich nur den Wunfeh ausfprechen, dafs diefes treffliche, ; A. T. vollendet. Im übrigen gelang die Einigung nicht
lehrreiche Werk K.'s gebührende Beachtung finden möge, fo weit, dafs man nicht auch jetzt noch bei den Miffions-
und zwar nicht nur bei Theologen, fondern auch bei anftalten Presbyterianer, Congregationahften, Anglikaner
Laien. Denn das Buch ift, bei feinem Freifein von ge- und Methodiften unterfcheiden müfste. Die Congre-
lehrtem theologifchem Apparat und theologifcher Polemik, ; gationaliften fcheinen den gröfsten Einflufs gewonnen

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auch für gebildete Laien durchaus verftändlich
Jena. H. H. Wendt

zu haben durch den Japaner Nifima, welcher 1864 als
zwanzigjähriger Jüngling, durch dasLefen eines chinefifchen
N.T. von der Wahrheit des Chriftenthums überzeugt, aus
1 Japan nach Amerika geflohen war, in Bofton Theologie
Dalton, Herrn., Auf Missionspfaden in Japan. Bremen, C. Ed. | hatte und ^ *ach feinerRückkehr m die Heimath

Müller, 1895. (XV, 446 S. 8.) M. 5. 40; geb. M. 6. 60. nicht englifirt, fondern Japaner geblieben war. Durch
Ein Werk über Japan, das die gegenwärtige nationale, feine Bemühungen hauptfächlich kam die Dofchifcha,
culturelle und religiöfe Bewegung in dem fo lange ver- eine chriftliche Hochfchule mit den vorbereitenden An-
fchloffenen und nun fo überrafchend fchnell der euro- : ftalten, in Kioto zu Stande, durch ihn entftanden die
päifchen Cultur nahegerückten Infelreich aus eigener Kumi-ai-Gemeinden, deren Grundfatz ift, fich felbft zu
Anfchauung fchildert und in gefchichtlichem Zufammen- regieren, fich felbft zu erhalten und alsbald zu evan-
hang zu verliehen fucht, namentlich auch die von andern gelifiren. Die Presbyterianer, deren! erfter Miffionar
Reifenden weniger beachtete chriftliche Miffion überficht- : Dr. Hepburn zu den Bahnbrechern in Japan gehört,

lieh darftellt, darf gewifs auf das Intereffe vieler Lefer
rechnen. Dalton, der in und um Europa fchon viel

haben ihre theologifche Schule in Tokio, und ihre Gemeinden
bilden die ,Vereinigte Kirche Chrifti in Japan

gefehen, hat auf feiner Reife nach dem Lande der auf- I (Kiyo Kuwai)'. Die Epifkopalen
gehenden Sonne fein Augenmerk ganz befonders auf j fellfchaften vertreten find, haben eine "emeinfchaftlirhe
die Ausbreitung des Chriftenthums unter jenem merk- j Synode, aber noch keine eigene theoloeifche Schule
würdigen Volke gerichtet, nachdem er vorher die ein- j Die Methodiften find ebenfalls durch verfchiedene Ge
fchlägige Literatur ftudirt hatte, ,um auf den immerhin fellfchaften vertreten und haben eine grofse ErziehunoT
rafch durcheilten Miffionspfaden fich bald zurechtzufinden' anftalt in der Nähe von Tokio

(f VoT- -Es ^fordert ja fchon einiges Studium, um die Dem Evangel.-proteftan'tifchen Miffionsverein

alte Religion diefes Landes, der Schintoismus, und den widmet Dalton ein eigenes Capitel (S 207—26L Fr hl
darauf gepfropften Buddhismus richtig zu verliehen, und fehreibt die Entftehung diefes Vereins infolee der Schrift
fodann handelt es fich bei der Ausbreitung des Chriften- j von Bufs: .Die chriftliche Miffion, ihre pr.ncipielle Bo
thums nicht nur um romiRh-kathol.fche, evangelifche und , rechtigung und praktifche Durchführung' die Wahl Lan«
griechifch-orthodoxe^Miffionen, fondern unter den evan- j als Erftlingsfelds für den neuen Verein, die AusfenE

gelifchen find es nicht weniger als 37 Gefellfchaften und
Vereine, welche die Arbeit in Japan begonnen haben,
aufser dem allgemeinen evangelifch-proteftantifchen Miffionsverein
fämmtlich amerikanifche und englifche Gefellfchaften
(S.379f). Nach einer etwas breit getretenen Einleitung
: ,Warum auf Miffionspfaden in Japan?' wird der
Schintoismus und der Buddhismus befchrieben. Dafs letzterer
in feinen Wandlungen klar dargeftellt fei, wird man
nicht fagen können, denn der Grundgedanke, welcher den
Buddhismus zur Religion gemacht hat: ,Die Welt braucht
einen Erlöfer, und diefer Erlöfer ift gekommen im Buddha,
der den Pfad gezeigt hat' — ein Gedanke, der allerdings
auch in vielgelefenen Büchern über diefe Religion nicht

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Spinner's (1885), die Verbindung der Miffionarsftelle mit
der deutfehen Predigerftelle in Tokio, die Lehrthätigkeit,
die Gründung der Akademie und die Wirkfamkeit auf
literarifchem Gebiet. Spinner's Thätigkeit wird anerkannt,
nur als eine zu überhaftete bezeichnet (S. 232). Aber das
Urtheil über die ganze Wirkfamkeit des Vereins in Japan
ift ein fehr fcharfes: ,Das Endergebnifs unferes langen
Ganges ift tief fchmerzlich; um fo peinlicher, weil das
Urtheil über eine deutfehe Miffionsarbeit gefällt werden
mufs. Es wurde — man kann defs verfichert fein und die
bisherige Darftellung darf als Zeuge dafür angerufen werden
— kein Mittel und Weg verfäumt, ein felbftändiges, aus
eingehenden Studien erworbenes Urtheil zu gewinnen.

in den Vordergrund geftellt wird, kommt nicht zum Aus- j Nach langem und reiflichem Erwägen kann und darf
druck, und die Erfetzung desNirväna durch das weltliche j ich die Ueberzeugung nicht verhehlen, auf der einen Seite
Paradies unter Amitäbha, welche dem nördlichen Budd- den Miffionsverfuch diefes Vereins in Japan als ge

hismus gemeinfam ift, wird als eine Eigenthümlichkeit der
Schin-Secte bezeichnet (S. 339). Als das Charakteriftifche
für die gegenwärtige Lage des Buddhismus in 'Japan wird
die Entftaatlichung und das Auftreten der fanatifchen
Schin-Secte angegeben, welche den europäifchen Peffi-
mismus für ihren Kampf gegen das Christenthum zu
verwerthen fucht (S. 99).

Dalton befchreibt fodann die Auffchliefsung des
Landes in unterem Jahrhundert, den Eintritt der erften

fcheitert, andererfeits aber auch die Wirkfamkeit des
Vereins wie die feiner Glaubensverwandten, der Unitarier
und Univerfaliften, als einen beforgnifseinflöfsenden
Hemmfchuh in der Chriftianifirung des hochbegabten,
für die Miffion fo hoffnungsvollen Volkes zu bezeichnen.
Die kleine bis jetzt gewonnene heidenchriftliche Gemeinde
fiecht in langfamen Schwinden dahin zwifchen Leben und
Sterben und ift, wenn nicht ein völliger Umfchlag eintritt,
dem Erlöfchen nahe. Die andern gar geringen Anfätze

evangelifchen Miffionare, die Schwierigkeiten der Sprache, zu Gemeindebildungen find wenig ausfichtsvoll und zeigen
den oolitifchen Umfchwung, das Jahrzehnt beginnender 1 keine lebensfähigen Züge. — Von den vielerlei Grün-

Ernte (1873—1883.) und das letzte Jahrzehnt, wo die
Chriftianifirung durch politifche und religiöfe Bewegungen
wieder etwas aufgehalten wurde. Die Stellung des Chriftenthums
im japanifch-chinefifchen Krieg, über welche die

düngen und buntfeheckigen Unternehmungen der erften
Zeiten ift die Akademie bis auf unfere Tage gekommen;
aber wie von Anfang an, fo auch heute noch mit völlig
unzureichenden Lehrkräften und Lehrmitteln ausgeftattet