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Ausgabe:

1895 Nr. 25

Spalte:

637-639

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Casanowicz, Imman. M.

Titel/Untertitel:

Paronomasia in the Old Testament 1895

Rezensent:

Rahlfs, Alfred

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Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 25.

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hier (ganz wie in sflÖS, San?) die Feflhaltung des kurzen
Vocals bewirkt hat. Im biblifchen Aramäifch dagegen,
wo das zurückgeworfene i zu e gedehnt ift., zieht folgerichtig
die letzte Silbe den Ton an fich, während der
Vocal der Paenultima verflüchtigt wird. — S. 327, Z. 12
inf. ift mir der Satz ,die Nominalfuffixe werden dabei
verwandt' unverftändlich.

Von Druckverfehen mögen noch folgende berichtigt
fein: S. I, Z. 11 1. ylwzrav; S. 37, Z. 24 1. ftatt jVJiX;
S. 70, Z. 17 1. ■pin?; S. 195, Z. 13 1. an^-ri«; S. 317,
Z. 4 1. fpeifeft; S. 334, 4. Columne 1. in der 2 fem. PI.

■ßrrjnn.

Wir fcheiden von dem verdienftlichen Werke mit
dem Wunfche, dafs fich der Verfaffer nach Erledigung
diefer wichtigften Vorarbeit recht bald zu einer kritifchen
Ausgabe wenigftens des Onkelostargums mit oberer Punc-
tation entfchliefsen möge.

Halle a. S. E. Kautzfeh.

Casanowicz, Imman. M., Paronomasia in the Old Testament.

Differtation. Boflon, Maff., 1894. [Leipzig, Hierfemann.]
(VI, 94 S. gr. 8.) M. 3. 50

Diefe recht nützliche Arbeit enthält mehr, als der
Titel erwarten läfst. Cafanowicz hat nämlich den Terminus
,Paronomasia' der Kürze halber als allgemeine
Bezeichnung für ,tlie whole ränge of the figures of sonnd'
genommen (S. 4 Anm.) und begreift unter ihm auch
Allitteration, Reim und Affonanz. Eine folche Abänderung
des Sinnes eines Terminus technicus ift fchon an
lieh bedenklich, da durch fie nur zu leicht Verwirrung
angerichtet wird, fcheint mir hier aber um fo weniger zu
billigen, da Allitteration, Reim und Affonanz, obwohl fie
mit der Paronomafie gewiffe Berührungspunkte haben,
doch im Grunde von ihr recht verfchieden find. Denn
während die Paronomafie oder — fagen wir im Anfchlufs
an Caf. S. 12 ff. beffer — das Wortfpiell) von Einem
Worte ausgeht, aus dem durch eine kleine Veränderung
der Form oder auch nur durch veränderte Auffaffung
ein vom eigentlichen abweichender Sinn herausgebracht
wird, dienen Allitteration, Reim und Affonanz
dazu, zwei oder mehrere2) Worte oder Sätze, die
dem Sinne nach — eventuell auch antithetifch — zu-
fammengehören, durch ähnlichen Klang auch für das
Ohr mit einander zu verbinden. Natürlich ift auch zum
Wortfpiel Kla n g ähnlichkeit erforderlich, durchweg fogar
eine viel gröfsere als zur Allitteration etc., aber während
fie hier das Wefen der Sache ausmacht, ift fie dort
die conditio sine qua non und das Wefentliche ift die
Sinnverfchiebung. Caf. hat felbft diefen Unterfchied
ganz richtig herausgefühlt, wenn er S. 12 § 6 Allitteration,
Reim und Affonanz als sound-paronomasia von dem Wortfpiel
als sense-paronomasia unterfcheidet; um fo mehr ift
es Schade, dafs er nicht auf einen einheitlichen Namen
verzichtet und die verfchiedenen Erfcheinungen nicht
auch in feinen mit grofsem Fleifs angefertigten Liften
S. 44—94 getrennt behandelt hat. Namentlich die die
relative Häufigkeit der ,Paronomafie' in den einzelnen
Schriften des A.T.'s zeigende ftatiftifche Tabelle S. 93 f.
ift jetzt ganz unbrauchbar, da Allitteration etc. einer-
feits und das Wortfpiel andererfeits, wie Caf. felbft S. 13
§ 7 treffend darlegt, der Verfchiedenheit ihres Wefens
entfprechend auch verfchiedene Sphären der Anwendung

1) Wortfpiel und Paronomafie decken fich nicht völlig, f. Wölfflin
in den Sitzungsber. d. Münch. Akademie, Phil.-hift. Claffe 1887, II, S. 207
(Caf. citirt diefe Abhandlung S. 14 Anm. 37; überhaupt hat er fich in
der auch nicht fpeciell altteftamentlichen Litteratur fleifsig umgefehen).

2) Gerade dies ift wichtig. Ein Wortfpiel kann fehr wohl in einem
einzigen Worte decken, vgl. Caf. S. 14. 33 (§ n,), zu Allitteration etc.
dagegen gehören ftets mindeftens zwei Worte. Nach der Definition der
Alten gehören freilich auch zur Paronomafie flets zwei Worte (Wölfflin
a. a. O. S. 190), aber ihre Definition ift befchränkt (Wölfflin S. 204 ff.),
und deshalb fcheint es mir beffer, auch ihren Terminus zu meiden.

haben; die Procentfätze für die einzelnen Schriften würden
fich ganz anders (teilen, wenn man die Klangfpiele —
unter diefem Namen könnte man etwa Allitteration,
Reim und Affonanz zufammenfaffen — von den Wort-
fpielen fchiede.

Noch in einem anderen Punkte kann ich mich mit
Caf. nicht einverftanden erklären. Er hat unter den Titel
,Paronomafie' auch die etymologifchen Namenerklärungen
des A.T., die fich ja befonders in der Genefis fehr zahlreich
finden, mit aufgenommen. Er hat dies gethan, obgleich
er felbft fagt: These explanations are not properly
plays upon words, — at least, they are not intended as
such, and there would, therefore, be no reason to quote
them in a discussion of paronomasia1. Der Grund, weshalb
er fie doch aufgenommen hat, ifl ,the circumstance
tliat, in many instances, the relation between the proper
name and the appellative which should explain it is not
etymological, but consists in a mere similarity of sonnd
by means of which some sentiment or fact is brought
into connection with a name' (S. 36). Das ift ja richtig;
auch begreife ich, dafs es einem fchwer fallen kann,
etwa Gen. 3Q5 von Gen. 49,6 zu fcheiden. Aber in Wirklichkeit
liegt doch die Sache in beiden Fällen verfchieden:
das Wortfpiel ift eine Redefigur (ein ,devicc of style1 S. 4,

i ,artifice of style1 S. 26), mit ihm befinden wir uns auf
dem Gebiet der Rhetorik; die etymologifchen Erklärungen
dagegen find nicht rhetorifche Figuren, fondern gehören
zur Gefchichtserzählung, find alfo bei einer Arbeit über
die rhetorifche Figur der Paronomafie auszufchliefsen.

Abgefehen von diefen principiellen Differenzen, kann
ich aber den Fleifs und den Spürfinn des Verfaffers, der,
um möglichfte Vollftändigkeit zu erzielen, den hebrä-
ifchen Text des A.T.'s wiederholt von Anfang bis zu
Ende durchgelefen hat, nur anerkennen. Trotzdem würde
freilich eine Nachlefe noch nicht ganz unergiebig fein,
z. B. wären aus dem von Wortfpielen wimmelnden
1. Capitel des Buches Micha noch anzuführen v. 12:
Maroth hoffte auf Gutes (vgl. Ruth i20f.: nennt mich

i nicht Noomi, fondern Mara1)), Böfes fuhr herab
auf Jerufalem (IT aus n"1 abgeändert, ?T Gegenfatz
von Dbffi), v. 141: du mufst Morefcheth (als nipnfcen .Verlobte
' gefafst, f. Hitzig z. St.) die Entlaffung gehen, fowie
auch v. 15* Ob"!?, worin jedenfalls auch ein Wortfpiel
fteckt, wenn auch kaum ficher auszumachen ift, welches2).
Aus demfelben Capitel liefsen fich auch noch die Alliterationen
v. 4 -man Di-oa 21» und v. 6 p-ia» "ir-iaun

(zur Allitteration von to und to f. Caf. S. 29) nachtragen;
aber ich weifs nicht, ob Caf. diefe nicht vielleicht ab-
fichtlich übergangen hat, da er in ihnen nur zufällige
Klangähnlichkeiten fah, die noch keine Allitteration als
,an artifice of style* ausmachen (S. 26). Mit einer Statiftik
der Klangfpiele, befonders der Alliterationen, ift es
überhaupt eine mifsliche Sache. Die Abfichtlichkeit gehört
zweifellos zum Klangfpiel, aber auf die Frage: wann ift die
Klangähnlichkeit beabfichtigt, wann nicht? läfst fich keine
für alle Fälle paffende Antwort geben; ,in many instances
the decision will be a matter of tndividual feeling' (S. 27).
Beim individualfeeling wird es aber ftets heifsen: quot ca-
pita, tot sensus. Mir z. B. fcheint Micha i4 TVia? D"n5tt n^a
beabfichtigt (auf pna« iritoOl v. 61 möchte ich kein
Gewicht legen, obgleich es fich durch das parallele
iJib irnam v. 6*, das Caf. in feine Lifte unter Nr. 68 aufgenommen
hat, ftützen liefse), dagegen vermag ich etwa
in Ezech. 17,3 (Caf. Nr. 27) kein beabfichtigtes Klangfpiel
zu entdecken. Und fo liefse fich noch über manches

1) Caf. hat auffälliger Weife Ruth 120.21 auseinander geriffen und
unter zwei Nummern feiner Lifte (231, 312) vertheilt.

2) Da das Kommen ins nach Adullam vom atrzr naa ausgefagt
wird, möchte ich in Adullam einen Gegenfatz zu -.'.zz fuchen; diefer ift
vielleicht in oV* ,ihre Niedrigkeit' (mit Verfchwinden des » in der Aus-
fprache; vgl. -Sa v. 10, falls dies = -aya ift) von dem im A.T. nicht

S'

vorkommenden, aber correct gebildeten 5h (vgl. Jj>) zu finden.