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Ausgabe:

1895 Nr. 24

Spalte:

616-617

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Starck, E. v.

Titel/Untertitel:

Palästina und Syrien von Anfang der Geschichte bis zum Siege des Islam. Lexikalisches Hilfsbuch für Freunde des Heiligen Landes 1895

Rezensent:

Furrer, Konrad

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6i 5 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 24. 616

derbten Lateiner in den äthiop. Text das Verbum fetzen
will: kama k"annana lasadöm ,wie er Sodom richtete'.
Könnte nicht die gleiche griechifche Vorlage hier nominal,
dort verbal wiedergegeben fein? Könnte nicht auch das
latein. sie judicabit aus secundum Judicium (vgl. Vers 9)
verderbt fein? Wozu ift ferner die Veränderung des
überlieferten welttda 19, 11 ,Kinder' in awaleda Töchter
' nach dem latein. filiabusl Und wenn 20, 9 das von
fämmtlichen Handfchriften gebotene yeftaw la lekemmü
,dafs er an euch Gefallen finde' gewaltfam in yarte1
re esakemmu ,dafs er euch lenke' geändert ift, lediglich
wegen des beim Lateiner entfprechenden ut dirigat vos,
fo denke ich, lag hier die Veränderung in diligat fehr nah.

Noch weniger möchte ich ohne hinreichenden Grund
die übereinftimmende Lefung der Handfchriften da abändern
, wo die lateinifche Ueberfetzung nicht erhalten ift.
Wenn die Handfchriften z. B. Cap. 14, 12. 17. 19 überein-
ftimmend sefk, sefhät, sufähe haben, halte ich es für
unrichtig, mit Ch. dafür keß, keflät einzufetzen; denn
felbft wenn jene Lesarten dem von Ch. auf S. 49 Anm. 28
vermutheten Mifsverftändnifse des griechifchen Textes
entfprungen fein follten (was ich nicht für fo ficher halte),
würden fie immerhin als vom äthiop. Ueberfetzer herrührend
beizubehalten fein. Für einen hinreichenden
Grund, die übereinftimmende Lefung der Handfchriften
zu ändern, kann ich aber auch hier nicht den abweichenden
Text in biblifchen Parallelftellen halten; ich
würde nicht glauben, Cap. 1, 3 handfehriftliches bama kala
,inmitten' in emma kala ,aus der Mitte' ändern zu dürfen,
weil in der entfprechenden Bibelftelle 5pPßS, sz utoov
fteht, und noch entfehiedener nehme ich ebenda das
handfehriftliche zayenaded .brennend' gegen die gleicher
Rückficht entfprungene Aenderung in zayänaded .verbrennend
' in Schutz.

Dafs der Herausgeber beim Schwanken der Handfchriften
zuweilen in der Auswahl der Lesart fehlgegriffen,
möchte ich beifpielsweife annehmen I, 8 tesMä, wo
Dillmann's tessamd richtig fcheint. Ebenfo im folgenden
Verfe das zweite kuellö, das in Dillmann's Handfchriften
wohl richtig fehlt. Ebenfo fehlt in den letzteren 13, 8
baza nach warft ficher mit Recht. Von den drei 14, 7
handfehriftlich gebotenen Lesarten lakawlna, lakawtnöt,
ckawenaka hat Ch. die erfle, auch grammatifch bedenkliche
in den Text gefetzt; die von den Dillmann'fchen
Handfchriften gebotene Lesart ekawenaka fcheint die
urfprüngliche zu fein, jedenfalls ift fie grammatifch richtig.
13, 8 fetzt Ch. sazuweta lasema egzt abeher in den Text
auf die Autorität der einen der beiden neuen Handfchriften
hin, während die drei anderen säwwe ö basema
egzt'abcher lefen. Diefe letztere Lesart würde ich vorziehen
, da Vers 16 in fämmtlichen Handfchriften in ganz
paralleler Stelle wiederkehrt sawwe a basema egzt abcher,
das hier durch den Lateiner beftätigt wird {invoeavit in
nomine Domini). Dillmann bereits hat den Urfprung
diefer letzteren Stelle auf Maf. Text Gen. 13,4 zurückgeführt
n©3~inpin; für die von mir gewünfehte Lesart
Jubil. 13, 8"fpricht Maf. T. und wohl auch Sept. Gen. 12, 8.

Beim Schwanken der Handfchriften ift Ch. dann
natürlich auch leicht bei der Hand, alles handfehriftlich
Ueberlieferte über Bord zu werfen. So verwirft er 19, 13
fämmtliche drei Lesarten fest/h, hesitm und fesum und
fetzt die Conjectur lemüs ,glatt' in den Text'. Da er
das beim Lateiner entfprechende lenis felbft glücklich
in levis verbeffert hat, fo glaube ich, war nur noch ein
kurzer Schritt bis zu der Vermuthung, dafs in der griech.
Vorlage Ästog ftand, das der Aethiope in releiog verlas
oder fo verfchrieben vorfand, und dafs fomit der urfprüngliche
Text der äthiop. Ueberfetzung in dem von
zwei Handfchriften feftgehaltenen fesum ,vollkommen'
ftecken würde. Unverftändlich ift mir die Conjectur 13, 5
dabr mesla belli, um fo unverftändlicher, als fich Ch.
dabei auf Gen. 12, 8 beruft; ich glaube, dafs das von
drei Handfchriften gebrachte dabra betel vollftändig befriedigen
kann. Ebenfo hat Ch. 26, 15 alle drei Lesarten
rade^ani, arkabani, arayani verworfen und dem latein.
direxit zu liebe arte ani in den Text hineinemendirt
(wie 20,9); aber ich denke, das von zwei Handfchriften
gebrachte arkabani hätte beibehalten werden können.

In rein fprachlicher Hinficht ilt mir aufgefallen ein
kleines Verfehen des Herausgebers S. 49 Anm. 20; dann
aber wiederholt vom Herausgeber beliebte Abfonder-
lichkeiten in Setzung oder Weglaffung des anteeipirenden
Pronominalfuffixes, wie 17, 2 wald lalagär, 13, 13 hedä
Söräy, verdächtig auch 18, 8 safeltd edehtt.

Halle. F. Praetorius.

Schneider, P., Text und kurze Erklärung des Römerbriefes.

Güterloh, Bertelsmann, 1895. (129 S. 8.) M. 1.50;

geb. M. 2 —

Verf. hat ,verfucht, auf Grund des Commentars, den
er für den zur Zeit betten und inhaltlich tiefften hält,
des Beck'fchen, unter Anlehnung an die Ueberfetzungen
Beck's, doch öfter abweichend und eigene Gedanken
bietend, in kurzer Form, unter dem revidirten Texte, zu
deffen anfehaulicher Erläuterung, eine zufammenhängende,
dem Gedankengange des Briefes entfprechende Erklärung
desfelben zu geben, und bittet die, welche von dem
Verbuche Nutzen ziehen wollen, fich eingehendere Erkundigungen
über das Philologifche des Briefes in den
Commentaren von Otto und Fritzfche holen zu wollen,
Vorftehendes aber dabei immer durch Einficht in den
Beck'fchen Commentar zu bereichern'.

Man braucht wohl zu diefer umftändlichen Selbft-
charakteriftik des Verfaffers kaum noch ein Wort hinzuzufügen
. Nur noch eins: eine befonders anfehauliche
Erläuterung fcheint uns die Erklärung nicht zu fein.

Crefeld. O. Everling.

Starck, Paft. IL v., Palästina und Syrien von Anfang der
Gefchichte bis zum Siege des Islam. Lexikalifches
Hilfsbuch für Freunde des Heiligen Landes. Berlin,
Reuther & Reichard, 1894. (VII, 168 S. gr. 8.) M.4.50.

Die Aufzählung und Erläuterung auch nur der biblifchen
Ortsnamen gemäfs dem jetzigen Stande der
Wiffenfchaft wäre ein grofses Werk; aber der Verfaffer
hat fich eine viel umfaffendere Aufgabe geftellt. Alle Orte
von Paläftina und Syrien, welche einer mehr als 2000
Jahre langen Gefchichte diefer Länder angehören und
irgend wie aus diefer Zeit einmal erwähnt worden find,
will er in lexikalifcher Ordnung beleuchten. Wer diefe
Aufgaben löfen will, mufs folgende Hauptquellen er-
forfchen: Die in Steininfchriften und Papyrusrollen erhaltene
ägyptifche Ueberlieferung, die Alabafter- und
Ziegelurkunden von Babylon und Affyrien, die Bibel,
die der claffifchen Periode angehörenden griechifchen
und römifchen Schriften, die von einzelnen Orten Pa-
! läftinas und Syriens Kunde geben, fpeciell die Schriften
von Jofephus, die in beiden Ländern erhaltenen Stein-
1 infehriften, die rabbinifche Literatur, vor Allem den
| Talmud, die betreffenden geographifchen Befchreibungen,
Gefchichtswerke und amtlichen Urkunden der fpäteren
römifch-griechifchen Kaiferzeit. Bis jetzt befafsen wir
für keine Periode des Alterthums ein ganz genügendes
Ortslexikon des h. Landes. Wohl fehlen für die in der
Bibel erwähnten Orte treffliche Werke nicht, wir erinnern
nur an die forgfältige Arbeit von R. von Riefs. Auch
für Jofephus und den Talmud liegen Arbeiten vor. Das
ägyptifche Material hat M. Müller in dankenswerther
Weife gefichtet, die babylonifchen und affyrifchen Urkunden
F. Delitzfch für diefen Zweck eifrig durchforfcht.
Nur für die quellenmäfsige Bearbeitung der zwifchen
den Jahren 100—636 n. Chr. erwähnten Ortsnamen fehlt
es noch an jedem zufammenfaffenden Werke. Nach