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Ausgabe:

1895 Nr. 2

Spalte:

42-44

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Catergian, P. Jos.

Titel/Untertitel:

De Fidei symbolo quo Armeni utuntur observationes 1895

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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4i Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 2. 42

vorliegen; dafs Pr. von den 23 Stücken Zahn's die wich-
tigften herausgegriffen hat, wird man wohl nicht beftrei-
ten, wenn man auch z. B. den Catalogus Bobbiensis und
Auguftin's fowie Caffiodor's Mittheilungen über den Umfang
des N.T.'s ungern vermifst; dafür fügt Pr. als Nr.
10—12 Eufeb. KG. VI, 25, III, 25 (Kanon des Origenes
und des Eufebius) und des Hieronymus Prologus quatuor

gründet zu halten geneigt fein und fich billig über eine
flüchtige und willkürliche Behandlung der Texte beklagen.

Dagegen für folch ein vereinzeltes Verfehen wie es
S. 31 dem Verfaffer paffirt ift, die vita des Septiinius
Severus mit der des Alexander Severus zu verwechfeln
und dadurch eine intereffante Notiz an falfcher Stelle
unterzubringen, möchte ich auf freundliche Entichuldigung

evangeliorum bei. Befonders dankenswerth ift noch der , plädiren: da liegt ficher nur ein Mifsgefchick vor, nicht
Abdruck des gefammten decretum gelasianum nach dem I Unkenntnifs oder Urtheilslofigkeit. Wir vermifien an dem

Berliner Codex Phillipps 1743 sei. VIII S. 147—155, wie
denn auch fonft hin und wieder durch den Herausgeber
oder durch Freunde von ihm die Handfchriften — fo bei
den Philosophuviena und dem Muratorianum — zur Ver-
befferung des überlieferten Textes herangezogen worden
find. Einleitende Bemerkungen hat Pr. mit Recht über-
flüffig gefunden, ein längeres Vorwort (S. III—XII) giebt
den etwa nöthigen Erfatz dafür. In diefem wird S. IV
über Giefeler's Lehrbuch auffallend hart geurtheilt; dafs
dies ,in jeder Hinficht veraltet' ift, lefe ich mit Staunen.
Wegen mangelhafter Angaben über die neuere Literatur
zu den gebotenen Texten hätte fleh der Verf. aber nicht
zu entfchuldigen brauchen; follten feine umfänglichen
Bücherkataloge blofs Schriften enthalten, ,die genauer
zu ftudiren für den Studenten empfehlenswerth erfcheint'?

Herausgeber Preufchen nur eins, die Genauigkeit und
Zuverläfflgkeit im Einzelnen; wahrfcheinlich hat er fleh
gewöhnt, folche Arbeiten zu fchnell zu erledigen, dadurch
fchmälert er fein fonft unbeftreitbares Verdienft.

Marburg. Ad. Jülicher.

Catergian, P. Jof., C. Mechith., De Fidei symbolo quo Armeni
utuntur observationes. Opus posthumum. Wien, [H.
Kirfch], (1892). (53 S. gr. 8.) M. 3.60

Diefe Abhandlung ift unterzeichnet mit ,Romae,
Mense Martio i8jo'. Nur der Titel verräth, dafs der
Verf. verftorben ift. Keinerlei Vorrede giebt an, warum
die Abhandlung fo lange zurückgehalten fei und warum
Recht brauchbar für Lernende ift die chronologifche j fie nun fo fpät doch noch edirt werde. Eine andere

Tabelle über die Zeit von 284 bis 325 (S. 172 f.), und die
Tabelle S. 185, die die im Mommfen'fchen Verzeichnifs
auf S. 140f. aufgeführten Schriften Cyprians mit den
Tractaten und Epifteln der HarteTfchen Cyprianausgabe
identificirt, kann auch gelegentlich nutzbar gemacht
werden. Entbehrlich erfcheinen mir die beiden Regifter,
das der Eigennamen zum I. Theile S. 174—180 und das
zum II. Theile S. 181—184; da man fle wenig gebrauchen
wird, will ich auf die Fehlerhaftigkeit ihrer Angaben
und auf fo auffallende Lemmata wie Athena, Gothae,
Jordanis, Leonidas (ftatt des) kein Gewicht legen.

Nur der eine, allerdings gewichtige Vorwurf kann
Pr. nicht erfpart bleiben, dafs er bei dem Abdruck feiner

Schrift von Catergian (lateinifche Ueberfetzung der arme-
nifchen Recenflon der itexdOzaütg^Iaäwov) erfchien 1877.
Natürlich ift die jetzt veröffentlichte Schrift zum Theil
antiquirt, zum Theil ift fle aber doch noch werthvoll.
Sie bietet vielerlei Notizen aus armenifchen Schriftftellern,
zum Theil aus folchen, die als unedirt bezeichnet werden.
Vor Allem ift die Schrift durch eine gute Forfchungs-
methode ausgezeichnet. Einzelnes hätte der Verf. fchon
i87o beffer wiffen können, wenn er Kenntnifs gehabt
hätte von den bis dahin bereits erfchienenen Arbeiten
Caspari's.

Ueber das armenifche Symbol ift fchon viel ge-
fchrieben worden und wird wohl noch Manches ge-

Texte — foweit man ihn aus den älteren Druckausgaben ' fchrieben werden. Im !. Cap. zeigt Cat., dafs man es in

controlliren kann, aber wird es bei den von ihm colla
tionirten Handfchriften anders flehen? — mit fehr geringer
Akribie verfahren ift. Nach S. VIII will er in der
Regel die Texte den bellen kritifchen Ausgaben, die
jedesmal auch angegeben feien, entnommen haben; nur
m einzelnen Phallen habe er andere Lesarten aus dem
Apparat in den Text eingeftellt. Diefe Fälle find aber,
fo viel ich fehe, merkwürdig zahlreich; z.B. S. 118—120
bei den Luciantexten weicht er von feiner Quelle, der
Ausgabe Fritzfche's faft überall ab, wo es möglich ift.
Wo er unnöthige Conjecturen zu Gunften der Textüberlieferung
befeitigt, wird man ihm ja beipflichten, aber
wenn er S. 118, I Talza ft. zuiza ftiv Z. 12 nai ft. xat

Armenien lange einfach für die Phormel von Nicaea hielt.
(Cat. überfetzt den Ausdruck, den man anfeheinend für
die technifche Bezeichnung des Symbols halten mufs,
durch .fides1; diefer Name ift derjenige, der auch im
griechifchen Orient der geläufigfte war bis auf die Zeit
Juftinian's und deutet darauf, dafs, wenn nicht die Formel,
fo doch überhaupt der Brauch ein Symbol bei der Taufe
zu recitiren und dasfelbe als Glaubensregel zu benutzen,
aus der griechifchen Kirche übernommen wurde.) Neuerdings
hat man doch zu genaue Kenntnifs von N erhalten,
um diefe Betrachtung fortfetzen zu können. Die Formel
wird alfo jetzt ,officiell' hingeftellt als eine von Gregor
dem Erleuchter abdämmende Bearbeitung von N. Allen-

Z. 27 dicKplttigovzeg ft. -gavieg 119, 1 iaiiv ft. i'oziv Z. 4 >. falls denkt man auch noch daran, dafs die proxinii suc-
iruOHXVVvai ft. izudtt/.rvvzai Z. 24 anoXlnoi ft. /.azallnoi j cessores Gregor's Zufätze eingefügt haben. Von der Zeit
Z. 27 di^gzrdaazo ft. dzrgnaazo Z. 33 (avifj ft. avzfj) | des Epheflnifchen Concils ab gilt das Symbol für un-
yeizvuÖaag ft. -lüoag, nOQa&eir ft. ngudth; 120, 13 öia- 1 verändert. Cat. glaubt der letzteren Anfchauung zunächft
[toi'dg ft. öiavoiiag fchreibt, wo überall Fritzfche zweifei- j widerfprechen zu müffen. Er theilt die inter Catholicos

los das Richtige hat, fo find das ficher zu viel Ab-

aeque ac Acatholicos Armenos übliche Formel — fle wird

weichungen, die aus keinem Apparat gefloffen find, bei der Taufe und täglich bei der Meffe gebraucht, S. 3;
Accentfehler begegnen durchweg häufig, z. B. 3 auf S. j gewiffe Auflagen, die die Congregatio de Propaganda
166: Z. 1 hrtgoy/.üv Z. 4 ngoffrjztiav Z. 29 xadtog; auch fide den unirten Armeniern gemacht hat und die zwar
die Interpunktion könnte correcter fein. Aber erheb- | nicht in der Sache, doch aber einige Male im Ausdruck
liehe, oft flnnftörende Fehler find beinahe auf jeder Seite die Formel der Catholici anders erfcheinen laffen, find

beleuchtet S. 41 ff. — armenifch und lateinifch mit und
vergleicht fie im 2. Cap. mit einer anderen, von der er
nicht fogleich fagt, woher er fie habe und wofür fie fonft
gilt, die aber dem Kundigen fofort erkennbar wird als
die fog. i-guqvtla elg zb Ovußokov, die dem Athanafius
zugefchrieben wird. Cat. glaubt zeigen zu können, dafs

zu finden, z. B. S. 46, 15 L koga/.nzag ft. -zsg, Z. 24 fehlt
hinter ötioyiibr ein v.azu, S. 56, 6 ift ein idolis vor uide-
rentur ausgelaffen, Z. 11 obtendere ft. ost. und Z. 22 in-
portas ft. inponis zu lefen, S. 60, 3 susceptuvi ft. tarn
Z. 17 rescriptum ft. recripttem, 61, 14 ut sz qui ft. « quis,
63, 26 nobis ft. vobis. Formen wie Misccllanorum S. 67

und tvöeivozäi^g 86, 8 müfsten gar nicht gefchrieben f der jetzt gültige Text^ nur eine im Laufe der Zeit ent
werden können: find zweifellofe Fehler diefer Art nichts j ftandene Abart diefer hgiitjvaia fei. Der Unterfchied des
Seltenes, fo wird man auch unerheblichere Differenzen jetzigen Bekenntnifses der Armenier und jener Ip/i. habe
Pr.'s von feiner Vorlage nicht mehr für irgendwie be- ! keine andere Bedeutung als die von ,/ectzones variantes'.

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