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Ausgabe:

1895 Nr. 23

Spalte:

594-597

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesammtausgabe. 14. Bd 1895

Rezensent:

Kawerau, Gustav

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5g3 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 23. 504

eine Form zu gewinnen, die wirklich Allen gerecht wird Ganzen ab — einen gekünftelten Eindruck. Die chrift-
und fich doch jeder Polemik enthält. Denn die Befchäf- liehen Gemeinden verfammelten (ich zuerft in Privat-
tigung mit der chriftlichen Archäologie geht bei Manchen J häufern, die ihnen irgendwie zur Verfügung ftanden,
noch immer von der Hoffnung auf vorher feftftehende Re- fpäter bauten fie fich befondere Verfammlungslocale —
fultate aus, und mehr als anderswo ift die Arbeit er- alfo ift die chrifüiche Bafilika aus dem antiken Haufe
fchwert durch Mitfprechen von Liebhabern. — Das Buch j entftanden. Das ift der feit W. Weingärtner beliebte
ift vortrefflich ausgeftattet. Die 120 Abbildungen find 1 Schlufs, und darauf hin wird eine Genefis der chriftlichen
praktifch ausgewählt, nach den beften Vorlagen — häufig Bafilika conftruirt, als wenn die Architekten der römifchen
Photographien — hergeftellt und faft ohne Ausnahme Kaiferzeit nichts als fimple Wohnhäufer gebaut und
gut gelungen. Hallenbauten gar nicht gekannt hätten. Aber fchon der

Zu gleicher Zeit mit diefem Buche war ein Lehr- diefer Theorie zu Grunde liegende Schlufs von der Ge-
buch der chriftlichen Archäologie von Franz Xaver Kraus 1 fchichte des Gottesdienftes auf die Gefchichte des Kir-
anrrekündigt. Gewifs haben Manche diefem a tempo mit 1 chenbaues ift ein Trugfchlufs. Wenn Jemand früher ein
Spannung entgegengefehen. In der That wäre nichts Zimmer bewohnte, fpäter in der Lage ift, fich ein Haus
förderlicher gewefen, als wenn von beiden Seiten gleich- zu bauen, wird er das Haus doch nicht nach dem Mufter
zeitig eine Darfteilung gefchrieben wäre. Man hätte feines ehemaligen Zimmers, fondern nach dem Stile der
endlich einmal deutlich gefehen, wie weit die Ueberein- j modernen Wohnhäufer einrichten. Als die chriftliche
ftimmung reicht, an welchen Punkten am meiften Un- Gemeinde fich grofse Kirchen zu bauen anfing, richteten
klarheiten herrfchen, wo mit der Arbeit zunächft einzu- ; fich ihre Architekten nach den bereits vorhandenen grofsen
fetzen ift. Leider höre ich, dafs Kraus fein Vorhaben 1 Verfammlungslocalen. Die antiken Bafiliken bedurften
hinausgefchoben hat, fodafs ein Vergleich nicht möglich : nur geringer Veränderungen, um chriftliche Bafiliken zu
ift. Es fei mir daher geftattet, an der Hand von Schultze's werden. Ich kann nur lebhaft wünfehen, dafs diefe Seite
Buch einige Punkte hervorzuheben, an denen mir eine j der Unterfuchungen K. Lange's und H. Holtzinger's
Discuffion befonders wünfehenswerth erfcheint. 1 gegenüber denen G. Dehio's mehr Beachtung finden.

Am meiften Einwendungen habe ich gegen § 2, die Die ,Chriftusftatue' in Paneas (Eufebius h. c. VII 18)

,Gefchichte' der chriftlichen Archäologie, zu erheben. Ich , hält Schultze noch immer für echt (S. 285 f.). Die ftatu-
meine, dafs hier manche Namen mit Unrecht gefperrt arifche Gruppe einer knieenden Frau vor einem aufrecht
find, während andere einer unverdienten Vergeffenheit flehenden Manne, neben dem eine fremdartige Pflanze
anheimfallen. Wenn Schultze die Gefchichte der Dis- auffprofst, foll wirklich von dem blutflüffigen Weibe des
eiplin — ich meine, mit Recht — mit Onofrio Panvinio Evangeliums aus Dankbarkeit gegen Chriftus errichtet
anfängt, dürfte er nicht deffen Werk De ritu stpdicndi fein. Ich meine aber, damit wird den chriftlichen Panea-
mortnos apud veteres christianos, et eorundem coemete- ten des vierten Jahrhunderts, welche diefe Anficht ver-
rüs Uber. Coloniae ij6S vergeffen. Denn Cap. 12 j traten, zu viel Ehre angethan; wir brauchen nicht zuhandelt
De coemeteriis urbis Romae. Panvinio kennt 1 traulicher zu fein als Eufebius, der die Deutung der
die Cömeterien ganz gut; er nennt ausdrücklich zwei, Statue auf Chriftus und die Blutflüffige durchaus als
S. Sebastiano und S. Valentino, die er felbft gefehen , Localtradition behandelt. Und welchen Werth paläftinen-
hat. Es ift doch recht wefentlich, das in einem Buche fifche Localtraditionen für die heilige Gefchichte haben,
von 1568 zu lefen; denn bis jetzt feiert man den j weifs man doch. — Ochs und Efel bei der Darftellung
31. Mai 1578 als fclntdeckungstag der Katakomben. — der Geburt Chrifti flammen wahrfcheinlich aus der exe-
Es fehlt in $ 2 völlig der Name des Deutfch- ; getifchen Tradition über Jef. 1, 3, welche die Stelle auf
Dänen Friedrich Münter. Aber feine zahlreichen Ab- j die Geburtsgefchichte bezog. — Das Bild von der ,Hei-
handlungen über Gegenftände der chriftlichen Archäolo- j lung der Blutflüffigen' in S. Preteflato S. 342 Fig. 106,
gie find noch immer recht lefenswerth, keineswegs durch- j auf das Schultze auch fonft fchon viel Werth gelegt hat,'
weg veraltet. Dagegen könnten die Namen E. S. Cy- j halte ich für eine heidnifche Darftellung, wie auch das
prian's, der die Katakomben nur aus Aringhi und den ganze Cubiculum, in dem es fich befindet, wohl urfprüng-
Erzählungen feines Helmftädter Collegen F. U. Calixt lieh heidnifch war (vgl. J. H. Parker a. a. O. /V. 14).

kannte, und des eifernden Peter Zorn, der die Katakom-

Aber das find Einzelfragen, über die man noch ver-

bengemälde in die Normannenzeit verlegte, unbefchadet fchiedener Anficht ift. Die wiffenfehaftliche Behandlung
der Vollftändigkeit fehlen; auch A. G. Fehmel's Differ- der chriftlichen Archäologie hat eigentlich erft begonnen
tation gehört eher in eine Gefchichte der Polemik, als 1 mit dem im vorigen Jahre verftorbenen G. B. de Roffi,
der chriftlichen Archäologie. Viel Werth legt ihnen auch I und es ift noch viel Arbeit nothwendig, ehe man auf
Sch. nicht bei. — Wenn die Treue Ferdinand Piper's 1 allgemein anerkannte Refultate im Einzelnen und auf
(mitRecht) hervorgehoben wird, follte der Berliner Paftor j weitreichende Gefammtergebnifse wird hoffen können.

Möge das Buch Schultze's Viele zur Mitarbeit anregen.
Göttingen. Hans Achelis.

Chriftian Friedrich Bellermann mit feiner Arbeit über die
Neapler Katakomben nicht vergeffen werden; viel eher
könnte der Canonicus Carlo Celano fehlen. — Ungern
vermiffe ich in $ 2 das grofse Katakombenwerk Theophile
Roller's, fchon feiner ausgezeichneten Abbildungen Luther, D. Martin, Werke. Kritifche Gefammtausgabe.
wegen. Und gar nicht erwähnt finde ich das Buch John I4. Banrj. Mit Nachbildungen zweier Seiten einer

Henry Parker's, The archaeology of Rome. Part XII.
The Catacombs. Oxford- London tZff , aus dem
recht viel zu lernen ift. Auch die Parker'fchen Photographien
verdienten mehr hervorgehoben zu werden; fo
lange es keine befferen giebt, find fie völlig unentbehr-

Lutherhandfchrift. Weimar, Böhlau Nachf., 1895.
(XIX, 761 S. Lex.-8.) M. 19.60

Den neuen Band füllen die Predigten über 2. Petrus
und Judasbrief (1523/24), die Predigten über das 1. Buch

lieh. — Sonft ift überall die wichtigfte Literatur genannt; ; Mofe (1523/24) und die Deuteronomium-Vorlefung (1523 24)
und wo man einen Titel vermifst, wird ihn der Lefer an unter gleichzeitiger Berückfichtigung der Druckausgabe

der Hand der angeführten Werke leicht finden. S. 180
zweiter Abfatz ift Theodor Birt's Auffatz in der ,Deut-
fchen Rundfchau' 1892/93 Bd. 2 ,Wer kauft Liebesgötter'
hinzuzufügen.

Die Ausführungen Schultze's über die Entftehung
der chriftlichen Bafilika S. 37—46 machen auch in diefer

von 1525. Die Predigten find von Buchwald bearbeitet,
die Vorlefung von Koffmane; zu allem hat P. Pietfch
feinen Antheil nicht allein in der Oberleitung, fondern
auch in zahlreichen Anmerkungen und Nachträgen bei-
gefteuert. Bei fämmtlichen Stücken diefes Bandes find
Buchwald's Handfchriftenfunde zur Verwerthung gelangt.

Form — er leitet fie aus dem antiken Wohnhaus im [ Aus dem Rörer'fchen Handfchriftenfchatz, den B

in