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Ausgabe:

1895 Nr. 22

Spalte:

563-565

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Patrologia Syriaca complectens opera omnia ss. patrum, doctorum scriptorumque catholicorum quibus accedunt aliorum acatholicorum auctorum scripta quae ad res ecclesiasticas pertinent quotquot syriace supersunt

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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563 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 22. 564

pädagogifches Gefchichtsbuch (z. B. I Cor. 10, 1 —11), als
direct ausgefprochene Lebensnorm (z. B. ICor. 9,9, womit
Paulus übrigens ungeachtet des S. 65. 68 Bemerkten die
philonifche Allegorefe noch überbietet), endlich alsVer-
heifsungscodex oder ,latentes Evangelium' (S. 78).

Der gleichzeitig erfchienenen Erörterung der pauli-
nifchen Citate durch Auguft Clemen (Der Gebrauch des
Alten Teftamentes in den neuteftamentlichen Schriften
S. 158—224) ift vorliegendes Werk durch Geltendmachung
umfaffender Gefichtspunkte und fcharfe Hervorhebung
des zeitgefchichtlich bedingten Momentes der paulinifchen
Auslegung überlegen.

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

|H»a» lioisfj liaiaSlc Patrologia Syriaca complectens
opera omnia ss. patrum, doctorum scriptorumque catho-
licorum quibus accedunt aliorum acatholicorum aucto-
rum scripta quae ad res ecclesiasticas pertinent quot-
quot syriace supersunt secundum Codices praesertim
Londinenses, Parisienses, Vaticanos accurante R.
Gr affin ph, ac th. doctore, linguae Syriacae in facul-
tate theologica instituti catholici Parisiensis lectore
Pars prima ab initiis usque ad annum 350 Tomus
primus cuius textum syriacum vocalium signis in-
struxit, latine vertit, notis illustravit D. Ioannes Parisot
presbyter et monachus congregationis Benedictinae
Galliarum [Vignette: Institut de France]. Paris, Firmin
Didot et Co., MDCCCXCIV. (LXXX S., 1 Tafel,
1050 Spalten, dann I Seite Errata, 2 Seiten Index,
deren letzte als 1053 beziffert ift! Lex.-8.) 30 frs.

Schon oft hat der Unterzeichnete als eines der
dringendften Bedürfnifse der Theologie und theologifchen
Philologie die Schaffung einer Patrologia Syriaca hervorgehoben
; nun liegt ihm der erfte Band zur Bericht-
erftattung vor. Seine Freude über das endlich erfchienene
Werk ift etwas getheilt; denn wenigftens in äufserlichen
Dingen fcheint das Unternehmen nicht mit der Umficht
geplant, welche für ein folches nöthig ift. Um mit dem
Aeufserlichften zu beginnen: Dafs als Format das von
Migne gewählt wurde, ift ganz in der Ordnung. Aber
nun der Titel! Ich habe oben den Haupttitel buch-
ftabengetreu copirt; kein Menfch erfährt aus demfelben,
was der Band enthält. Auch nicht aus den übrigen
Titeln. Der Umfchlagtitel, welchen Bücherliebhaber gerne
miteinbinden laffen, lautet nach den drei fyrifchen Worten,
die wörtlich ,Lehre der fyrifchen Väter' bedeuten, accurante
R. Graffin Patrologia Syriaca Pars prima ab initiis
usque ad annum 350. Tomus primus; ähnlich der foge-
nannte Schmutztitel, nur dafs bei diefem accur. R. Gr.
wegbleibt; auf feiner Rückfeite fleht das Imprimatur vom
25. Juli 1894 ausgeheilt von Prauascus, Cardmalis Richard,
Archicpiscopus Parisiensis, und die Angabe des Druckortes
der Firma Mesnili ad stratam. Die letzte Seite
des Umfchlags enthält fyrifch die Bemerkung ,zu Ende
ift der erfte Band des erften Theils. Verkauft wird es
in der Stadt Paris im Haufe VP1 "ptHS' und, wie die
Vorderfeite, um den Rand herum die Worte Jede Zunge
foll bekennen, dafs Jefus Chriftus der Herr fei'. Nur
auf dem Rücken fleht Aphraatcs und erft auf der Rückfeite
des Haupttitels findet der Bibliograph und Bibliothekar
den Elenchus rerum quae in hoc totno continentur
nämlich Ad lectorem. Praefatio. Aphraatis demonstrationes
I—XXII. Das ift fo unpraktifch als möglich; ich hoffe,
dafs der im Centraiblatt für Bibliothekswefen von mir
veröffentlichte Wunfeh nach Befferung nicht ungehört
verhallt.

Laffen wir die Einleitung zum Ganzen und zum
erften Theil zunächft bei Seite, und fchlagen den Text

j auf, fo macht der Druck einen wirklich vornehmen Eindruck
. Die eigens für das Werk gefchnittenen fyrifchen
Typen find zwar nach ihrem Vorbild, den Affemani'fchen,
etwas fteif und breit; aber 27 fyrifche und 31 lateinifche
Zeilen bei einer Spaltenhöhe von faft 20 cm — Migne
hat bei gleicher Höhe über 50 Zeilen! — erlauben reichlichen
Durchfchufs. Sehr viel fleht deswegen nicht auf
einer Seite; und zwar um fo weniger, als das Werk in
Spalten gedruckt ift, je eine fyrifche und lateinifche
Spalte auf einer Seite. Der Columnendruck hat feine
entfehiedenen Vorzüge, aber bei orientalifchen Schriften,
bei denen nach alter Theorie nicht abgefetzt werden
darf, den Nachtheil, dafs bei dem dadurch nöthig
werdenden häufigen Sperren viel Raum verloren geht —
das belle Beifpiel liefert die Cambridger Ausgabe des
Sinai-Syrers. Die fyrifche Spalte hat vernünftigerweife
Zeilenzählung; aber finnlos ift es, dafs Spaltenzählung
eingeführt wurde, noch unbegreiflicher, dafs nicht das
Syrifche auf die eine, die Ueberfetzung auf die andere
Seite kam. Will ich nun eine Stelle citiren, fo mufs ich
je für den fyrifchen und für den lateinifchen Text eine
befondere Zahl nennen, ja wenn ich auch nur einen Text
anführen will, aber eine Stelle, die über eine Spalte hin-

[ überläuft, mufs ich zwei Zahlen nennen; beifpielsweife
für usuramfae-nusve Sp. 167. 170. Auch konnte es nicht
ganz vermieden werden, dafs das Lateinifche ftellenweife
über beide Spalten gedruckt ift, wie dies bei den Varianten
des fyrifchen Apparats durchgehends der Fall ift.
So ift der Hauptübelftand diefer Druckeinrichtung der,

j dafs er die Möglichkeit benimmt, zwei beziehungsweife
drei Ausgaben gleichzeitig herzuftellen, eine Separatausgabe
des fyrifchen Textes, eine Separatausgabe der
Ueberfetzung neben der vereinigten. Das hätte lieh doch
wahrhaftig gelohnt (vgl. Migne und die v. Gebhardt'fche
Diglotte); und dafs nun gar die letzte Seite, die als
Spalte 1055 und 1056 gezählt fein müfste, als Seite 1053
gezählt wurde, follte einem Haufe wie Firmin Didot
nicht paffiren (oben in der Bibliographie Spalte 383).

Anzuerkennen ift weiter, dafs am untern Rand im
Apparat regelmäfsig angegeben ift, auf welchen Hand-
fchriften der Text ruht. Aber hier hätte viel gröfsere
Genauigkeit walten follen; die fyrifchen Kirchenväter
ruhen meift auf wenigen, dafür um fo befferen Hand-
fchriften, warum nun deren Seitenzahlen nicht angeben?
Die von Dujardin trefflich ausgeführte Tafel giebt vier
Facfimiles der drei Hdff. ABC; es ift mir nicht möglich,
diefelben mit dem Text zu vergleichen, weil auf der
Tafel die Seitenzahlen des Textes, im Text die der Hdff.
fehlen. Das follte bei einem umfichtig vorbereiteten
Werke nicht vorkommen: de Lagarde hat in diefer Hinficht
wieder einmal umfonft ein Vorbild gegeben.

In anderer Hinficht ift fein Vorbild befolgt, in der
Vocalifirung des Textes und der Wahl der griechifch-
jakobitifchen Vocalzeichen. Aber gerade hier theile ich
die Bedenken, die auch von Andern fchon ausgefprochen
wurden. Die Vocalfetzung ift ein Theil der Exegefe;
wenn nun der Exeget irrt? Und die jakobitifchen Vocalzeichen
find bequem: wie aber, wenn es fich um nefto-
rianifche Texte handelt? Doch kann hier auf diefe Frage,
weil fie mehr das Philologifche angeht, nicht weiter eingegangen
werden. Ebenfo laffe ich die Frage beifeite,

| ob es fich verlohnte, all die orthographifchen Kleinigkeiten
fo zu behandeln, wie es S. LXXIV folgende ge-
fchehen ift; ein Zuviel ift hier ja immer beffer als ein
Zuwenig. Erfreulich ift die Ankündigung: Lexicon vocum
omnium quae in textu syriaco inveniuntur Seriem efficiet,
secundum singidas radices m suis grammaticalibus formis
dispositam. Postca index latinus, quantum fieri potuil
copiosus et accuratus . . . Instipcr exempla e scriptura alle-
gata aut significata. Alfo eine Concordanz, ein Sach-
regifter und ein Verzeichnifs der Bibelftellen. Die erftere
hat für den Philologen, das andere für den Theologen

i Werth. Ob das aber die Patrologie nicht gar zu fehr