Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1895 Nr. 21

Spalte:

544-546

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Carroll, H. K.

Titel/Untertitel:

The religious forces of the United States, enumerated, classified, and described on the basis of the government census of 1890. With an introduction on the condition and character of American christianity

Rezensent:

Eck, Samuel

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

543 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 21. 544

Sehr reichhaltig ift die Bibliographie, bei der Loefche
dankbar auf die Vorarbeiten von Chriftian Müller und
Wolkan verweilt. Das ganze Werk verdiente Nachahmung
, was für Loefche die befte Anerkennung wäre.

Nabern bei Kirchheim u/Teck. G. Boffert.

Petit, Conservator Louis D., Bibliographische lijst der
werken van de Leidsche hoogleeraren van de oprichting
der hoogeschool tot op onze dagen. Uitgegeven met
ondersteuning von het universiteitsfonds. Faculteit
dergodgeleerdheid. 1. aflevering. (1575—1619). Leiden,
van Doesburgh, 1894. [Leipzig, Harraffowitz.] (XVI,
224 S. 4.) fl. 3. 50

Der Herr Verfaffer, ,Confervator' an der Leidener
Univerfitäts-Bibliothek, bietet hier dem gelehrten Publicum
die (224 S. in 40 ftarke) erfte Lieferung eines nur
durch Unterstützung des Univerfitäts-Fonds möglich gewordenen
weitfchichtigen Werkes dar, welches ,eine mög-
iichft vollftändige Ueberficht aller Werke, die von den
Profefforen der Leidener Hochfchule herausgegeben
worden find, nebft Aufzählung aller Ausgaben ^Neudrucke
' und ,Nachdrucke', p. VIII), Bearbeitungen und
Ueberfetzungen derfelben' (p. VII) geben will. Die Un-
maffe der Schriften nöthigte zu einer Trennung des
,Verzeichnifses' in 5 Haupttheile, d. i. in die Schriften
von Profefforen: i.der theologifchen, 2. der juriftifchen,
3. der medicinifchen, 4. der mathematifch-naturwiffen-
fchaftlichen, 5. der literarifch-philofophifchen Facultät.

Die uns hier vorliegende 1. Lieferung des erften
Haupttheils (= Schriften der Leidener Theologen) um-
fafst die von Errichtung der Univerfität (1575) bis zu
ihrer ,Reinigung' (1619), alfo von J. C. Colhaes (cf.
p. 3—11) bis zu dem i. J. 1619 feiner Profeffur entfetzten
und verbannten berühmten Sim. Episcopius (cf. p.
119—134), veröffentlichten theologifchen Bücher; und fie
bringt dann in einem ,Anhang' (p. 137—224) noch ein
bibliographifches Verzeichnifs der Rectoren und Unter-
Rectoren des ,Staaten-Collegs (= Stifts, Convicts)' von
1592—1619 fowie des ,Wallonifchen (= Belgifch-Fran-
zöfifchen) Collegiums'.

Aufgenommen in fein ,Bibl. Verz.' hat Petit auch die
Angabe der faft zahllofen, zur Uebung der Studenten
angeftellten disputationes sub praeside, von denen,
bezw. den ihnen zu Grunde liegenden Thefen fich nach
feiner Mittheilung eine reiche Sammlung in der Leidener
Univerfitäts-Bibliothek befindet.

Bei der mit einem ,Entdeckungszuge' vergleichbaren
Ausarbeitung feiner Bibliographie wurden nicht nur viele
bisher ganz unbekannte Bücher-Ausgaben aufgefunden,
fondern es ward auch mehr und mehr die intereffante
Thatfache feftgeftellt, dafs der weitaus gröfste Theil
neuer Ausgaben von Büchern Leidener (theolog.) Profefforen
und Rectoren, felbft fo berühmter wie eines
G. Joh. Voffius (cf. p. 161 —192), im Ausland er-
fchienen ift, ein Beweis dafür, wie hoch angefchrieben
fie dort waren! Aufser den holländifchen Bibliotheken,
in erfter Linie der Leidener Univ.-Bibl., haben dem Verfaffer
am meiften die deutfchen, dann die von Gent,
die Nationalbibliothek von Paris, die des britifchen Mu-
feums in London, die Oxforder, endlich die Univerfitäts-
bibliotheken von Upfala und Lund reiche Ausbeute geliefert
. (Dafs der Verfaffer hier befonders das freundliche
Entgegenkommen der deutfchen Bibliotheks-
Verwaltungen rühmt, p. XII, notirt Ref. fehr gerne.) Diefe
Ausbeute war für Petit um fo erwünfchter, als die
Leidener Univ.-Bibl. ,verhältnifsmäfsig arm' an den von
ihren eigenen Profefforen gefchriebenen Büchern ift.
Diefe auffällige und auf den erften Blick unerklärliche
Thatfache erklärt der Verfaffer 1. aus der knauferigen
Darreichung von Geldmitteln an die Bibliotheks-Verwaltung
, die darum in erfter Linie tüchtige ausländ ifche

] Schriften anfchaffte, da die Leidener fonft zur Hand
waren, 2. aus der für die Culturgefchichte intereffanten,
für den Ethiker aber fehr betrübenden Thatfache, dafs,
da bis 1617 alle Profefforen, die meiften Studenten, ja
felbft die Leidener Prediger Schlüffel zur Bibliothek be-
fafsen und alfo nach Herzensluft fich dort Bücher holen

I und mitnehmen konnten, viele derfelben nicht mehr zurückkamen
, und fo ,in den erften 30—40 Jahren viele
Bücher verloren gegangen find' (p. XIII).

Auf die fich von felbft dem Lefer aufdrängende
Frage, was ein fo umfangreiches Werk neben den vielen

; biographifchen Wörterbüchern u. a. dgl. eigentlich noch
folle, antwortet der Verfafler, dafs, da diefe Wörter- und

J fonftigen Bücher ,fehr unvollftändig' feien, erft durch

: ein Werk, wie das feine, ein .deutliches Bild von der aufser-
ordentlichen (literarifchen)Thätigkeit der erften Profefforen
unferer Univerfität und von der hohen Achtung, die man
ihren Schriften im Ausland erwies, gegeben fei', und formt
,ein nicht unintereffanter Beitrag zu ihrer Gefchichte'
geliefert werde (p. VIII).

Referent fteht nicht an, der Gelehrfamkeit, dem eifer-
nen Sammlerfleifs und der bei ihren Entdeckungsfahrten
unermüdlichen Ausdauer Petit's aufrichtige Huldigung zu
Theil werden zu laffen; und er zweifelt auch nicht daran,

! dafs aus Petit's Arbeit für die glanzvolle Gefchichte der
Univerfität Leiden —der fich auch Referent als Leidener

j doctor theologiae dankbar und enge verbunden weifs ■—■
und damit für die Gefchichte des gelehrten Unterrichts
überhaupt ein gewiffer Gewinn und für Culturgefchichte,
Bibliographie, Bibliothekskunde und Bibliotheksbenutzung

1 Befruchtung und Förderung erwachfe. Aber andererfeits

j will es Referenten doch bedünken, als ob die Aufwendung
von fo viel Fleifs, Zeit und geiftiger Kraft, wie fie zur

I Fertigftellung eines folchen .bibliographifchen Verzeich-
nifses' erforderlich find, angefichts der im Allgemeinen

j genügenden fonftigen ,bibliographifchen' Hülfsmittel doch
nicht im richtigen Verhältnifs zu dem damit erhofften
wiffenfchaftlichen Gewinn ftehe. Ift doch das Durchlefen
eines folchen vollftändigen Verzeichnifses, in dem die
fämmtlichen Schriften der Leidener Profefforen (zunächft
der theologifchen), der unberühmten wie der berühmten,
der bald und fchon zu ihrer Zeit vergeffenen und der noch
jetzt mit Ehren genannten, promiscue gebucht erfcheinen,
faft gleich einer Wanderung über einen grofsen Kirchhof
mit feinen zahllofen verwifchten Kreuzen für das
,vulgus sine nomine'1. Und follte eine kritifche Auswahl
der wirklich und dauernd werthvollen Namen und
Schriften Leidener Profefforen (hier Theologen) nicht
zweckdienlicher und für Wiffenfchaft und Gefchichte er-
fpriefslicher fein als ein folches, Gröfsen ganz ungleichen
Werthes coordinirendes, rein regiftrirendes Verfahren?

Mögen Andere anders urtheilen; Referent kann, bei
allem Refpect vor Fleifs, Gründlichkeit und Tüchtigkeit
der Petit'fchen Leiftung, für eine folche Art bibliogra-
phifcher Verzeichnifse fich nicht begeiftern.

Friedberg i. Heff. Wilh. Weiffenbach.

Carroll, H. K., LL. D., The religious forces of the United
States, enumerated, classified, and described on the
basis of the government census of 1890. With an
introduction on the condition and character of American
christianity. NewYork, The Christian Literature
Co., 1893. (LXII, 449 s- gr. 8.) Geb. M. 12. 50

Auf Sp. 188 ff. diefes Jahrgangs hat G. Kawerau
über den Plan und zugleich den 4. Band der American
Church History Series berichtet. Der hier zu be-
fprechende 1. Band darf, meine ich, in jeder Beziehung
als eine Mufterleiftung bezeichnet werden. Er giebt das
ftatiftifche Material für den Gefammtumfang der kirchlichen
Gemeinfchaften der Unionftaaten, mit Einfchlufs
I von Chinefen, Juden, Altruists, EtJäcal-Culturists u. a. zum