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Ausgabe:

1895

Spalte:

35-37

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bousset, Wilh.

Titel/Untertitel:

Textkritische Studien zum Neuen Testament 1895

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1895. Mr. 2.

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Verfehen der Orthographie oder Druckfehler aufmerkfam
gemacht. Ueber Pi3?, na? Bd. 1 S. in ftatt na? na? vgl.
Siegfr.-Stade, hebr. Wörterb. s. v. u. Baer, Uber Genes.
S. 77 zu Gen. 18, 6; zu n^DIST fl. mplDT S. 243 f. Baer,
Uber lobi S. 49; S. 224 fleht ■pns als V. afo.; zu ver-
beffern in yT». — S. 147 fleht frti* flatt jVX. Nur mit
Artikel heifst 'es: JIHtH. — S. 162, Z. 4 ift ü^ffsüt ?-|T
verfchrieben ftatt D'ittOX 'T. S. 86 Oxixsg fl. Gxvixeg. —
Druckfehler find Bd.i, S. 90 yTin fl. ypfn. xcovcoxslov S. 86
fl. xcovcoscelov, ebenda Morqitos fl. Mosqitos; S. 155
Mereb fl. Merob; S.171, Anm.i. N.Schultz fl. H.Schultz;
S. 312, Anm. 2 Hexateichs fl. Hexateuchs. Bd. 2, S. 68
Graheberg fl. Gramberg; S. 75, Anm. i F. fl. T. Tobler.
S. 208 Z. 17 v. u. lies: ,die' fl. den (trunkenen Priefler).
Auf S. 98 (Bd. 1) mufs Z. 5 zu Z. i werden, damit Sinn
hineinkommt. — Wir haben nun 2 treffliche archäo-
logifche Handbücher. Hoffentlich fühlt Niemand den
Beruf, noch ein drittes aus beiden zufammen zu fchreiben,
was man in diefer Periode der Lehrbücherfammlungen
immerhin zu befürchten hat.

Jena. C. Siegfried.

Bousset, Privatdoc. Wilh., Textkritische Studien zum Neuen

Testament. [Texte u. Unterfuchungen zur Gefchichte
der altchrifllichen Literatur, hrsg. von O. v. Gebhardt
u. A. Harnack. IX. Bd., 4. Hft.] Leipzig, Hinrichs, 1894.
(III, VII, 144 S. gr. 8.) M. 4. SO

W. Bouffet's Buch liefert den fehr erfreulichen Beweis
, dafs auch unter den jüngeren deutfchen Theologen
der Sinn und das Gefchick für textkritifche Arbeit am
Neuen Teftament nicht ausgeftorben ift, obwohl derartige
Studien aufserordentlich mühfelig find und ihre Früchte
zunächft nur befcheidene fein können.

Eine amüfante Leetüre wird man freilich bei einem
Buche, wo ganze Seiten mit Variantentafeln gefüllt find,
nicht erwarten; der Verf. verfchmäht vornehm jedes
Mittel, um Lefer anzuziehen, die nicht von vornherein
bereit find, eine ähnliche Entfagung beim Studium feiner
Thefen zu üben, wie er fie früher hat anwenden muffen.
Einzelne Härten des Ausdrucks hätten wohl ohne Schädigung
der Schlichtheit vermieden werden können, z. B.
das häufige .Angabert geben', S. 6, 17 ,ehe' ftatt ,folange'
oder S. 72, 6 ,die aus dem XV. Jh. angehängte Hndfchr.
der Apok.' In der Orthographie ift Einiges Hörend, wie
die Schreibung: Kodices, Kodex rescriptus (neben Macarms
und Kosmas Indicopleustes), fogar von der kle-
mentinischen Ausgabe der Vulgata und einem Kureton'-
fchen Syrer bekommt man zu lefen.

Was aber bei textkritifchen Unterfuchungen in erfter
Linie zu fordern ift, abfolute Zuverläffigkeit bis in die
Minutien hinein, das wird man bei B. nicht vermiffen.
Die 3 Druckfehler in den 8 Zeilen des Verzeichnifses der
Abkürzungen machen ja mifstrauifch; nachher begegnen
folche feiten; S. 2, 8 n. 2 und 34 1. Haufsleiter fl. H ausl, S. 22
n. 3 Ausgaben fl. Angaben, S. 45 Ilctfirpttov fl. Haiupvlov,
S. 48 ooqxoxäxojv fl. ao(pox., S. 70, 11 Dennoch fl. Demnach
, S. 88 Evangeliarium, S. 97 Bobbiensis. Soweit ich
den Verf. controlirt habe, erwiefen fich feine Materialien
als mit höchfter Akribie gefammelt und vorgeführt.
Aeufserlt feiten werden Correcturen anzubringen fein,
für die er verantwortlich ift, — der mit der Sachlage Vertraute
weifs, dafs die bisherigen Collationen von Hand-
fchriften nichts weniger als fehlerlos find, und doch
mufste B. mit ihnen operiren —; kleine Irrthümer wie
S. 128 P. Pithaeus fl. Pithoeus und S. 47, 27 ein zu
ftreichendes avxov hat er aus Gregory übernommen.
S. 48, 6 fehlt hinter xa&oAixcöv ein tüiioxoXmv, S. 72, 3
lies m fl. w. S. 72, 5 1. XI. fl. VI. Jh., S. 73, 12 1. nat.
Gr. 61 fl. 58 — wenigftens nach Gregory, — ebenfo
wären S. 144, 5 ff. die Siglen 115 und 95 zu vertaufchen
und Z. 9 das ,4i4(?)' zu ftreichen. Irreführend wird S. 7

n. 1 g mit feinem ,in paradysi' neben den Zeugen für
die Lesart Iv pidcp xov jcagadeiGov genannt, er gehört
neben Cyprian als Vertreter des Textes sv xm sxapa-
ösioep. In dem Verzeichnifs der Handfchriften S. 72 f.
ift ohne Grund die Zeitbeftimmung vier Mal fortgelaffen
worden, und bei cod. 47 fehlt das an insula Chalcide', was
natürlich wichtiger ift als das ,in monasterio s. Tritt.' In
den Verzeichnifsen der Zeugen für gewiffe Lesarten verzichtet
B. oft abfichtlich auf Vollftändigkeit; doch werden
bisweilen hyperbolifch ,alle' oder omnes genannt, wo
man das Gegentheil fchon aus dem Context erfieht, z. B.
S. 53, 6, wo ,alle Min.' ein poi in I Cor. 10, 23 zufügen
follen, während ,17. 46. 67. 118. 179. al.' es fortlaffen.
Und wenn die Lesarten von g fonft regelmäfsige Berück-
fichtigung finden, dürften fie auch S. 28, 24 oder 41 n. 1
Z. 3 v. u. nicht fehlen, Cyprian vermiffe ich noch öfter,
z. B. S. 3 n. 3, S. 15. 32, und einen fo gewichtigen Zeugen
für das el xavyao&ai ösl II Cor. 12,1 wie Ambrofiafkr
hätte B. fich S. 52 nicht entgehen laffen follen. Ein blofs
erheiterndes Verfehen ift ihm S. 71 bei der Zufammen-
ftellung der gewonnenen Refultate paffirt: auf das zweite
folgt nämlich unmittelbar das vierte. Mit der einfehlägigen
Literatur ift der Verf. wohlvertraut, nur eine für feine
Zwecke bedeutfame Abhandlung ift, fo .viel ich fehe, ihm
entgangen, die von A. Ehrhard im Centralblatt für
Bibliothekswefen 1893, in der die Euthaliusfrage neu beleuchtet
worden ift.

Das Buch befleht aus 5, freilich in einem inneren
Zufammenhang flehenden Abhandlungen: 1 zur Textkritik
der Apokalypfe (S. 1—44) II der Codex Pamphili
(S. 45—73) III die Recenfion des Hefychius (S. 74—110)

IV die Gruppe KU(M) in den Evangelien (S. III—135)

V Zur Textkritik der Apoflelgefchichte (S. 136 —144).
In I behauptet B. im Gegenfatz zu B. Weifs (Texte und
Unterfuch. VII, 1), dafs unter den Majuskelhandfchriften
der Apokalypfe nicht P und Q (bei Tifchendorf B) zur
felben Claffe gehören, dafs vielmehr P mit einer Reihe
von Minuskeln (10. 17. 37. 49 etc.) zufammen eine be-
fondere, auf einen alten Archetyp (K) zurückgehende
Claffe repräfentirt, die dem Sinaiticus überhaupt nahe
fleht, deren Text aber befonders für den dritten Cor-
rector des Sin. (sc) mafsgebend ift. Die Claffe K wird
von S. 13 an eingehend charakterifirt, S. 41 ff. ihre Ent-
ftehungszeit beftimmt. Die zu Grunde liegende Recenfion
müffe älter als das 5. Jhdt. fein. — In II glaubt B. den
Weg gefunden zu haben, um an der Hand des cod. H
der Paulusbriefe und der zugehörigen Minuskeln wie
31. 37, ferner Mc und der euthalianifchen Tex^e den
Archetypus des Codex Pamphili zu reconflruiren; Pam-
philus foll um 300 eine Recenfion des Neuen Teflaments
veranftaltet haben, die für die Apok. in der Claffe K
vorliegt, für Acta und katholifche Briefe auch unfehwer
nachzuweifen fein wird. — In III fleht der Verf. die Ver-
wandtfehaft der ficher aus Aegypten flammenden Evangelienfragmente
T mit den Handfchriften BtfL und der
Minuskel 33 feft; er fchliefst daraus, dafs diefe Codices
alle — mehr oder minder rein — nur den in der ägyp-
tifchen Kirchenprovinz autorifirten Text des Neuen T.
enthalten, und dafs diefer Text (§) die Recenfion des
Hefychius (um 300) darfteile. Die Thefe ift von grofser
Bedeutung: denn, wenn Bouffet Recht hat, fo vertritt B,
der berühmte Vaticanus des 4. Jhdts., ,nur eine Local-
tradition von vielen, mit der abfoluten Bevorzugung B's
bei der Herftellung des Textes mufs gebrochen werden'.
S. 97 ff. wird als die Haupteigenthümlichkeit der Recenfion
§ die Vorliebe zu verkurzen nachgewiefen und der
Grundfatz aufgeftellt, dafs Lesarten, in denen § allein
oder faft allein fleht, nur als locale Tradition zu betrachten
und in der Regel nicht zu aeeeptiren find. —
Das Refultat der Abhandlung IV ift, dafs die Evangeliencodices
KlJw(M) mit ihrem Gefolge von Minuskeln
einen Text enthalten, in dem die Berührungen mit Ori-
genes auffallen, und der unter dem Einflufs der Biblio-