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Ausgabe:

1895

Spalte:

533-537

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Josephson, H.

Titel/Untertitel:

Das heilige Abendmahl und das Neue Testament. Vortrag 1895

Rezensent:

Lobstein, Paul

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das nouTv avni {sc. die Gebote) aus der a. t. Stelle befchränkt fich im Wefentlichen auf zwei, durch die Ar-
herausfchneidet und die Schlufsworte (der LXX): y.ai beiten feiner drei Vorgänger befonders in den Vorder-
b> tctis yc-ooiv ow, noitlv aviö ,als für feinen Zweck grund gerückte Fragen: die eine, ob Jefus mit der
ief. p. 189: für feine Beweisführung) ganz unbrauch- heiligen Handlung, die er in der Nacht des Venraths
bar wegläfst' (p. 176). In Rom. II, 26 ff. (Aus Zion ! vorgenommen hat, eine eigentliche .Stiftung' beabfich-
kommt Israel's Retter)'hat P. das ,für Zion' (Jef. 59,20) j tigt, d. h. ihre Wiederholung den Jüngern zur Pflicht
mit aus Zion' vertaufcht und giebt dann fogar ,einen i gemacht oder feinerfeits nur an einen einmaligen Act
anderen Inhalt des Bundes mit Israel an, als Jef. 59, ; gedacht hat, ohne deffen Wiederholung in's Auge zu
21 fleht' fp 183); in 1. Kor. 14, 18 ff. (das andersfprachige faffen; die andere nach dem Sinn der von ihm voll-
Volk) verwendet'er das Schriftwort Jef. 28, II ,fo frei' [ zogenen fymbolifchen Handlung. — Der Verf. beginnt
und von Urtext wie LXX abweichend, dafs ,man fogar feine textkritifche Unterfuchung der Einfetzungsworte
auf andere Quellen gerathen hat' (p. 199); und in | mit der durch gcfchichtliche Erwägungen allgemeinen

1 Kor 15, 54b_55 (Tod, wo ift dein Stachel?) endlich Charakters begründeten Bemerkung, dafs die Eruirung

ift das .cit'irte' Original Hof. 13, 14 kaum noch wieder- I des urfprünglichen Wortlauts der Einfetzung des Abendzuerkennen
{cf. p. 203). Will CL auch hier und, wenn mahls nur zu relativen Ergebnifsen führen und die uns
wir weiterhin bei den Stellen Ephef. 4, 8; 5, 14; 6, 2 f. hier befchäftigende Frage nur approximativ beantwortet
fort und fort von .durchgreifenden Veränderungen', von j werden kann. Hierauf prüft er zunächft den in fehr verfreier
Combination mehrerer Schriftftellen dem Sinn 1 fchiedener Geftalt überlieferten Lucastext (XXII, 15—20),
nach und aus dem Gedächtnifs', von .abfichtlicher deffen urfprüngliche Form er in dem Codex Cantabrigiensis
Weglaffung einer unbrauchbaren näheren Beftimmung' , findet, in welchem v. 19b und 20 fehlen; diefe fo gern
a. dgl. zu hören bekommen (p. 218 f. 220. 223), feinen | Haltete, von den anderen Berichternattern völlig unab-
Kanon .Anführung einer erfüllten Weisfagung auf j hängige Ueberlieferung könne aber fachlich vor den
den N. 13.' aufrechterhalten? Und leidet derfelbe nicht ; anderen keinen Vorzug beanfpruchen. In der Begründung
vollends Schiffbruch gegenüber der geradezu fouveränen J diefes Satzes wendet fich H. gegen Spitta, welcher die bei
Art wie der Hebräerbrief im Geifte alexandrinifcher Lucas vorkommende Voranftellung des Kelches auf eine

Allegoriftik das A. T. ,citirt' und verwendet? Wir er
innern z. B. nur daran, wie er (1, 7 f. u. ö.) fich ,für berechtigt
hält, das, was das A. T. von Jehovah ausfagt,
auf den wefen sgieichen Sohn übertragen zu dürfen'

ältere.angeblichauch noch bei Paulus felbft zu conflatirende
Tradition zurückführte. Sowohl in der Bekämpfung diefer
Hypothefe, als auch in dem pofitiven Nachweis, dafs
Lucas auf feine Voranftellung des Kelches nur durch

(p. 231), oder wie er in 2, 5 ff. das in Ps. 9 vom Menfchen I eine irrthümliche Auffaffung der von ihm benutzten
als fol'chem Gefagte auf ,Chrifti Erniedrigung' an- Quelle gekommen fei, fcheint mir H. gegen Sp. im Recht,
wendet, dadurch dem Pfalm auch nach dem Verf. .einen Die forgfältige Erörterung der Paulusrecenfion tritt der
neuen Sinn' gebend (p. 233), und wie er nicht minder Anfchauung, wonach der Bericht des Apoftels von vorn-
in 10, 5—7 der a. t. Stelle (Pf. 40, 7—9) einen vom Ori- , herein den Vorzug der Genauigkeit vor den übrigen haben
ginal total verfchiedenen Sinn beibringt (r/p. 241 f.), ! foll, mit gewichtigen Gründen entgegen. Die Summe der
oder wie er endlich in 10, 37 f. das vom Sturz der Unterfuchungen über die Ueberlieferung der Abendmahls-
chaldäifchen Weltmacht redende Propheten-Wort worte zieht H. dahin, dafs es als Forderung methodifcher

Befonnenheit anzufeilen fei, von dem auszugehen, was
den verfchiedenen Berichten gemeinfam ift und fich dadurch
als gewifs authentifch darftellt. — Nach Erledigung

Habak. 2, 3 f. auf die toto coelo davon verfchiedene
,Wiederkun ft Chrifti und die Rettung vor dem Gericht'
in .freier Anführung' — .anwendet' {cf. p. 243 f.).

Die angegebenen Beifpiele dürften genügen, um die der kritifchen und fachlichen Prüfung der Abendmahls^
Unhaltbarkeit der über fich felbft hinaus- und auf eine worte unterwirft H. die Erklärungsverfuche Harnack's

innerlich freiere hermeneutifche Methode hinweifen
den ,pneumatifchen' Betrachtung des A. T. darzuthun
Damit foll dem Fleifs, der Sorgfalt und der Gründlichkeit
der Cl.'fchen Arbeit, die allein fchon durch die

und Spitta's einer eingehenden Unterfuchung, indem er
auch auf Jülicher's Abhandlung gelegentlich einige Seitenblicke
wirft. Gegen Harnack und Spitta hält er die
Beziehung des Abendmahls auf den Tod Jefu feft; gegen

pünktliche Vorlegung des einfehlägigen Materials und Jülicher betont er nicht nur die Elemente, fondern auch

durch eine eingehende und überfichtliche Confrontation das Effen und Trinken derfelben. Die pofitiven Er^eb-

der n. t. Stellen mit Grundtext und LXX fich als ein [ nifse Haupt's zeichnen fich weniger durch Neuheit und

werth- und verdienftvolles Hulfsmittel für das Studium Originalität als durch feine pfychologifche Begründung

des N. T. darflellt, gewifs nicht zu nahe getreten werden. , aus, und erinnern an die fchönen, im zweiten Jahrgang

Aber auch diefem neueflen Verfuche .biblifch-organifcher' der Chrifilichen Welt (1888) herausgegebenen Paffions-

Schriftbetrachtung gegenüber bleibt es bei dem, was bilder des Verfaffers. Weniger glücklich dürfte die etwas

fchon de Wette (Pfalm.-Comm., ed. Baur, p. 250) fo allgemein gehaltene Umfchreibung des Sinnes der Abend-

fchlicht gefagt hat: ,Der n. t. Meffiasglaube fucht und | mahlsworte fein: ,Meine Perfon ift Träger der Kräfte

findet im A. T. Beftätigung1, und was der Leipziger eines höheren Lebens, welches fo angeeignet werden und

Buhl neuerdings (A. Ev. Luth. K. Z. 1895, p. 577) mit den j fo zu einem Beftandtheil euerer Perfonen werden will

finnverwandten Worten ausdruckt: ,Die n. t. Schriftfteller j wie dies bei der irdifchen Nahrung der Fall ift. Dies

citiren das A. T., um die Wahrheit des N. B. zu be- gilt aber ganz befonders auch von meinem bevorftehenden

weifen und ihren Gedanken einen autoritativen 1 Tode, gerade die Dahingabe meiner Perfönlichkeit wird

Ausdruck zu geben'. j euch die in ihr befchloffenen Lebens- und Heilskräfte
Friedberg i. Heff. W. Weiffenbach.

im vollften Mafse erfchliefsen und zu gute kommen
laffen'. — Von diefem Refultat aus tritt H. an die zweite

1. Haupt, Erich, Ueber die ursprüngliche Form und Bedeu- 1 ?W hera,n- °AbJefus Jas Abendm hl als'eine dauernde
1 V .u . . 11 11 /—* l Stiftung ins Auge gefafst hat oder die Wiederho un"
tung der Abendmahlsworte. Programm. Halle, Gebauer- der H|ndlung n%r uf ejnem ^^S?

Schwetfchke'fche Buchdr., 1894. (28 S. gr. 4.) ; Jünger beruhte. Sehr entfehieden fpricht fich der Verf.

2. Josephson. Pfr. H., Das heilige Abendmahl und das Neue {ür die erfte, durch die gemeinfame Tradition der chrift-
Testament. Vortrag. Gütersloh, Bertelsmann, 1895. hcven'Kirche feilgehaltene, von Jülicher und Spitta an-
C,2 S 8 l M — co Sefocntene> auch von Gräfe angezweifelte Alternative aus.

m. . 5 uer Zufatz des Paulus tovto nnulie sie ti}v hrip avau-
nxrtv erkläre fich nicht aus der Herübernahme einer
Abendmahlsliturgie, deren einheitlich fixirte Form im

1. Die mit den Forfchungen Harnack's, Jülicher's und
Spitta's fich auseinanderfetzende Abhandlung Haupt's