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Ausgabe:

1895 Nr. 20

Spalte:

513-514

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haupt, Paul

Titel/Untertitel:

The book of Ecclesiastes 1895

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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513 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 20. 514

_ Die dritte Abhandlung, überfchrieben ,Entwürfe und faffer ift kein Theolog, fondern ein durchaus weltlicher

Ausführung', S. 34—48 weift auf die Erfcheinung hin, der '. Schriftfteller (probably a physician). Seine Interpolatoren,
wir im Ezechielbuche öfter begegnen, dafs der Prophet die um Salomo's Namens willen das Buch gern in den
ein angefchlagenes Thema fpäter wieder aufnimmt, aber Kanon bringen wollten, corrigirten nach Kräften Gottes-
demfelben dann nicht eine blofse Variation, fondern eine furcht in ihn hinein und machten einen derartigen
reichere Ausführung oder auch mehrere derartige folgen Januskopf aus ihm, dafs Heinrich Heine den Qohelet
läfst. Dies zeict der Verfaffer in fehr feiner Weife an ! das Lied des Zweifels, Franz Delitzfch ihn das Lied der
dem Verhältnis von c. 3, 17—21 c. 18 und c. 33. — Der j Gottesfurcht benennen konnten. Eine Probe feiner
vierte Abfchnitt, ,ein pr'ophetifches Schema', S. 49—55 1 Wiederherftellung des echten Qohelet giebt der Verfaffer
geht von der Beobachtung aus, dafs wie die In- S. 15 ff., wo er folgendermafsen ordnet: 09,7—10511,
fchriften fo auch die Prophetien gewiffe fefte Schemata i i—3; 10, 8—Ii; 11, 4. 6. 9». 10; 12, 1—5». 6. 5b; 11, 8a.
zu zeigen pflegen, für welche Parallelifirung allerdings Aulserdem giebt er in Ueberfetzung den Schlufsgefang des
der Schablonenmenfch Ezechiel, der den Lefer mit feinem : Qohelet nach folgender Anordnung: 11, 9 10; 12, 1—5». 6.
ftereotypen: ,du Menfchenkind', ,fo fpricht Jahve' zuletzt l 5b. 8: 11, 8b ,6". — Wir wollen ihm hier nicht dreinreden,
halbtoll vor Ungeduld macht, ein fehr dankbares Bei- ; Unfere Abficht ift lediglich, auf diefe intereffante und
fpiel war. Der Verfaffer weift befonders auf das in ! jedenfalls höchft beachtenswerte Arbeit des Verfaffers
c. 6, 2. 3a.*3b—7". 7b- 10. c. 36, 1. 4a. 4b—10.11. 36. c. 35. 2. 3. die Aufmerkfamkeit zu richten.

8*f.'10. 15. c. 32, 2a. 2b, 3. 5. 15 hervortretende Schema hin jena c Siegfried.

und zieht S. 55 auch Joel 4 und Arnos 9 zur Vergleichung , _f__

heran. Manche diefer Stellen benutzt der Verfaffer zur .

Rettung des MT gegen Cornill. — Intereffant ift Ab- ; Koenig, Xavier, Essai sur la formation du canon de l'Ancien
fchnitt fünf S. 56—62, in dem die häufige Ezechielifche Testament. Paris, Fischbacher, 1894. (74 S. gr. 8.)
Wendung ,von den Leichen und Erfchlagenen auf den Der Verfaffer diefer fleifsigen Differtation beabfich-

Bergen und Hügeln, Schluchten und Thalern auf die , ü te (S_ ^ für die theologifchen Studirenden in Frank-
Keilinfchriften als Quelle zurückgeführt wird. Die rdch dasfdbe zu th was Ryle Bunl und Wildeboer

1 1- 1 1 • * . _ ■ J__ .... 1......1 .. fun mt- n ArHinrre _ ... - 7 » .

Aehnlichkeiten in den Ausdrucksweifen find allerdings
auffällig. Doch könnte bei der Allgemeinheit der Ausdrücke
das ZufammentrefTen auch ein zufälliges fein.
Dafs Ez. fleh follte Keilfchriften haben vorlefen laffen

für diejenigen ihrer Länder gethan haben. Man darf
ihm zugeftehen, dafs ihm das im Allgemeinen gelungen
ift, doch es darf dabei nicht vergeffen werden, dafs es
eben beträchtlich leichter war, diefe Aufgabe zu löfen,

(S. 56), halten wir nicht für wahrscheinlich. Was kümmert : nachdem fie von den Genannten bereits gelöft war und
fleh ein Judäifcher Prophet um die Literatur der Goj.m. | auch anderweite gediegene deutfehe Vorarbeiten in nicht
Aehnlich fcheint es uns auch mit der Aehnlichke.t der , ■ Zahl vorlagen. Nachdem in der Einleitung die
S. 59 f- mitgeteilten Affurban.pal-Infchrift mit Jer. 27 zu Auf |be begrenzt und die Gefchichte ihrer Behandlung
flehen. - Immerhin ift des Verfaffers Schrift reich an vor|etragen ift disponirt der Verfaffer mit franzöfifcher
feinen und intereffanten Beobachtungen. Nettigkeit und Klarheit: / la legende, II Vhütoire,

Jena. C. Siegfried. 1 III conclusion. — Im erflen Theil werden nacheinander

-_ _ I abgehandelt: die Legende von der grofsen Synagoge,

, _. , _ , . , . _ . , von Efra, von Nehemia und Judas Maccabaeus. Im

Haupt, Paul, The book of Ecclesiastes. (Aus: ,Onental zweiten Theil wird die Gefchichte der Bildung der drei
studies of the oriental club of Philadelphia' 1894.) 1 Canones des Gefetzes, der Propheten und der Hagio-
(36 S. 8.) graphen vorgeführt. Das Hauptverdienft diefer Ab-

,r c rr , , handlung ift die Ueberfichtlichkeit und gute Gruppirung

, ^rI T'm dCm7ir T f?i Tt5 gC" des Materials, in deffen Vorführung wir nichts Wefent-
le.teten Bibel werk {The sacred books of the O. T a cm- Hches vermifst hab

tical edition oj the Hebrew text etc. Baltimore [Leipzig,

Hinrichs] 1893 ff.) die Bearbeitung des Qohelet zu er- j Jena. C. Siegfried,
warten haben, hat in dem vorliegenden Vortrage ein das -—- -——-__.

lebhaftefte Intereffe erweckendes speeimen feiner bevor- : Gebhardt, Ose. v., 'Terror ItoXo^vzo?. Die Pfalmen

flehenden Erklärung des genannten Buches geboten. c ,__' _ ' f *

Die allgemeinen Erörterungen über die verfch.eden- Salomo s. Zum erflen Male mit Benutzung der Athos-
artigen Auffaffungen, die dies biblifche Buch erfahren, handfehnften und des Codex Casanatensis hrsg. [Texte
über die Gefchichte feiner Kanonifirung, über die Stellung u. Unterfuchungen zur Gefchichte der altchriftl. Lite-
des N. T.'s zu demfelben, über feinen Peffimismus und j ratur, hrsg. von O. v. Gebhardt u A Harnack 13 Bd

leff£n, Ve-hält-ifsrzu dff(°,ftige" Anfchauungen des , 2_ Hftj Lej . Hinrichs, 1893. (VII 151 S gr 8)

A. T.'s, über die literarkntifchen Fragen, zu denen es J r &' ' y5 ' l->1 T 9T' '

Veranlaffung giebt, beweifen nicht blofs die Sicherheit, mit M. 5. —

der der Verf. das gewaltige Material, was Kritik und Exe- Seit mehr als zwanzig Jahren hat v. Gebhardt eine

gefe über dies Buch aufgehäuft haben, beherrfcht, und Ausgabe der Pfalmen Salomo's vorbereitet. Sie follte

die Eleganz, mit der er es zu ordnen weifs, fondern auch nach dem urfprünglichen Plane ,die Vorarbeit und

die Selbftändigkeit des Geifles, durch die es ihm gelungen Grundlage bilden für eine Rücküberfetzung ins Hebräifche,

ift, den Dingen gegenüber eine eigenthümliche Anfchauung welche Franz Delitzfch herauszugeben beabfichtigte',

zu gewinnen und zu begründen. Die Grundzüge der letz
teren find folgende. Das Buch Qohelet verdankt feine
Aufnahme in den Kanon den zahlreichen Zufätzen fpäterer
Hände, die beinahe die Hälfte feines jetzigen Beftandes

Immer wieder aber glaubte Gebhardt die Arbeit zuruck-
ftellen zu follen in der Hoffnung, dafs fleh fein hand-
fchriftliches Material noch vermehren liefse. Jetzt endlich,
nachdem in der That noch die letzten Jahre eine Beausmachen
(S. 3. 13). Diefe Bearbeiter haben aber nicht reicherung desfelben gebracht haben, hat er fleh zur
nur Einfchübe (Interpolationen) gemacht, fondern auch Herausgabe entfchloffen. Dafs uns damit eine voll ausVerkürzungen
des urfprünglichen Textes vorgenommen, gereifte PVucht dargeboten wird, braucht hiernach nicht

fowie Umftellungen, welche nicht durch einen unglück
liehen Zufall (Bickell) entftanden fein können, fondern
offenbar beabfichtigt find. Die echten Theile, foweit
wir fie noch herflellen können, find zwar nicht irreligiös
und unmoralifch, aber durchaus antibiblifch. Ihr Vermehr
gefagt zu werden. Die neue Ausgabe Hellt alle
bisherigen weit in Schatten, obwohl die beabfichtigte
Beigabe einer Rücküberfetzung ins Hebräifche infolge
von Delitzfch's Tod nicht mehr zur Ausführung gekommen
ift.