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Ausgabe:

1895 Nr. 2

Spalte:

508-510

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

McCurdy, James Frederick

Titel/Untertitel:

History, prophecy and the monuments. Vol. 1. To the dowmfall of Samaria 1895

Rezensent:

Jensen, Peter

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507 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 20.

nach Wahrheit und Wiffen aber hat er durch feine
Conftructionen nicht befriedigt.

Die Ueberfetzung, die Jeremias (auf p. 88 ff.) von
Nahum 2, 2 bis 3, 19 liefert, giebt zu allerlei Bedenken
Anlafs, zumal wegen eines Punktes. Nach Jeremias —
oder zufolge p. 89, Anm. Billerb eck? — foll Cap. III,
12—15 a feinen Platz urfpr. zwifchen Cap. II, 4 und II, 5
gehabt haben. Durch eine dem entfprechende Umftellung
erhalten Jeremias und Billerbeck eine Reihenfolge
von Ereignifsen, wie fie bei einer Belagerung denkbar
wäre, und darin liegt für fie der Beweis für ihre Noth-
wendigkeit. Wenn fich nicht Vers 12 in Cap. III aufs
Schönfte an Vers 11 ibidem und Vers 15 b in Cap. III ganz
augenfcheinlich an Vers 15a anfchlöffe: pij^O tfpStl in Vers
15 a hält die beiden Verstheile zufammen. Das fcheintauch
Jeremias klar gewefen zu fein und darum — fo fcheint
es — wirft er fie — ganz ftillfchweigend, ohne auch
nur einen Ton darüber zu verlieren, — unter den Tifch.
Dadurch, dafs Wellhaufen die Worte beanftandet hat,
fcheint mir dies Schweigen nicht genügend gerechtfertigt.
Wellhaufen's Conjectur, dafs pb*2 tpjpifrl zu ftreichen,
ift möglicherweife richtig, aber nicht nothwendig, und
darum läfst fich darauf Nichts aufbauen.

Gegen die (p. 90 ff.) folgenden Abfchnitte über Nahum
und die Abfaffungszeit feiner Schrift ift weniger zu fagen.
Die Parallelen aus den affyrifchen Infchriften in den
affyriologifchen Randbemerkungen zu Nahum's Spruch
wider Niniveh (p. 96 m) find z. Th. höchft müfsig. Allerlei
affyriologifche Verfehen wären zu berichtigen. So z. B.
fleht II R 48, 38 a nicht dipsar (f. p. 106) fondern dimsar,
welches die Affyrer als ,Schrifterfinder' deuten (V R 43,
33 cd), und die feltfame Lefung izpäni (p. 106) (nach
Jeremias, der Formen wie p^S"" vergleicht)!), eine Variante
von manzaz päni!) ift durch AM1LU (ISU) KASTU (fprich
kassatui) d. i. Bogenfchütz zu erfetzen. Hier möchte
ich auch für Hebraiften bemerken, dafs der von Jeremias
ohne jeden Grund an der Richtigkeit der herkömmlichen
Ueberfetzung von Ü2DÜ geäufserte Zweifel (p. 111)
im Affyrifchen keine Unterftützung erhält. Massaku, das
er damit zufammenftellt, bedeutet nicht ,Götterfchrein'
fondern ,Gemach' fchlechthin und fleht (wie masikii) für
älteres mastaku, das zu (120X3 weder als Prototyp noch
als urverwandt gehören kann. — Ich freue mich, bei
Jeremias (p. 106) eine fchüchtern geäufserte Vermuthung
über die Etymologie von "iTSÄ zu finden, die mir auch
fchon durch den Kopf gegangen ift. ifStJ kann recht
wohl als Lehnwort aus dem Babylonifchen zu massaru
= ,Wächter' gehören. Im Babylonifchen konnte aus
urfprünglichem massaru mazzaru, daraus (wie aus aggaru
— für urfpr. agru-angaru-ayya^oq) manzaru werden.

An die genannten Erörterungen haben Jeremias
und vor Allem Billerbeck eine Reihe von Unterfuch-
ungen angefchloffen, die nur in einem fehr lofen Zu-
fammenhang mit dem Titel flehen. Jeremias giebt eine
Ueberficht über die Stadtgefchichte Niniveh's, gegen die
ich nur einen Proteft erheben möchte: Dafs eine gewiffe
von Gudea genannte Stadt unfer Nineveh ift, ift höchft
unficher und recht unwahrfcheinlich.

Der verdienftvollfte Theil der-Arbeit flammt von
Billerbeck. Nach den verfchiedenen Forfchungen an
Ort und Stelle entwirft er in Cap. II, Nr. 2 ein aufchau-
liches Bild von den alten Befeftigungsanlagen von Niniveh,
in Cap. II, Nr. 3 ff. von der näheren und der ferneren
Umgebung. Ganz befonders dankenswerth ift Cap. II,
Nr. 6, in der er die nach Niniveh führenden grofsen
Strafsen befchreibt. Auch Cap. III, mit einer Unter-
fuchung über den affyrifchen Feftungskrieg, wefentlich
nach affyrifchen Sculpturen und mit beigegebenen erläuternden
Holzfchnitten entfpricht einem Bedürfnifs, das
Billerbeck als alter Officier beffer als ein Affyriologe
befriedigen konnte, wenn er auch bisweilen zu ficher
urtheilt. Drei Karten, von der Umgebung Niniveh's, von

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deffen Feftungsanlagen und von deffen fernerer Umgebung
mit den dorthin führenden grofsen Strafsen find
fehr willkommen. Ich habe fie nicht näher geprüft. In
Karte III fehlt der Name Karatfchok für den Theil der
Hamrinkette, der fich zwifchen Kerkuk und Altünköprü
und weftlich davon hinzieht. Das kann einen Lefer von
p. 134 irre führen, der nicht weifs, dafs fich zwifchen
dem Batmandagh und dem Elimdagh ein zweites Karatfchok
befindet.

Marburg. P. Jenfen.

McCurdy, Prof. James Frederick, History, prophecy and the

monuments. Vol. I. To the downfall of Samaria. New
York and London, Macmillan & Co., 1894. (XXIV,
425 S. m. 1 Karte, gr. 8.) Geb. 14 s.

Der Verfaffer hat fich laut der Vorrede in dem oben
genannten Werke das Ziel gefleckt, in möglichft einfacher
Weife die Gefchichte der alten femitifchen Völker
darzuftellen. Er will darum keine blendenden Hypo-
thefen und gelehrten Einzelunterfuchungen liefern, fondern
nur das Sichere oder verhältnifsmäfsig Sichere und
Hauptfächliche. Im Grofsen und Ganzen hat er feine
Abficht erreicht und darf daher fein klar und verftändig
gefchriebenes Buch dem gebildeten Laien mit gutem
Gewiffen empfohlen werden als vielleicht das befte Werk
feiner Gattung.

Freilich dürfen wir nicht verfchweigen, dafs es nicht
in allen Beziehungen dem entfpricht, was man ein Ge-
fchichtsbuch zu nennen pflegt. Wenn er auf die blofse
Auctorität der Bibel hin an Therach als Vorfahren der
Hebräer fefthält und ihn aus Babylonien auswandern
läfst (p. 25, p. 26) oder gar kein Bedenken trägt, an die Ge-
fchichtlichkeit des in Gen. Cap. 14 Erzählten zu glauben
(p. 129, p. 136, p. 138), fo dürfte das nicht im Einklang
mit den Grundfätzen moderner Gefchichtsforfchung flehen.
Erfreulich ift es, das McCurdy trotz der angedeuteten
Stellung zum Alten Teil, der Keilfchriftforfchung und
ihren Ergebnifsen foviel Vertrauen entgegenbringt. Er-
frifchend aber ift es zu lefen, dafs er als fchlagendften
Beweis für die Richtigkeit der affyrifchen Eponymenliften
auf p. 410f. anführt, dafs die Notiz über eine Sonnen-
finfternifs im Siwän 763 — deren Jahr doch erft von Aftro-
nomen berechnet ward — fich durch aftronomifche Berechnungen
als richtig erwiefen habe!

Der Verfaffer hat fich bereits als Affyriologe bethä-
tigt und er konnte die Keilfchriften fogut wie das alte
Teftament ohne Mittelperfonen benutzen. Doch zeigen
Einzelheiten wie Kasse für Kassi (p. 143 dreimal), Tukläti-
apal-esarri für Tuklat{i)-apil-esara (p. 219 f.), sakan für
Sabin (p. 332), dafs er den affyrifchen fprachlichen Dingen
nicht bis auf den Grund gegangen ift, und es fcheint
daher die Annahme berechtigt, dafs auch feine Kennt-
nifse vom Sumerifchen nicht fehr tief, nicht fo tief find,
dafs fie ihm ein felbftändiges Urtheil über die fumerifche
Frage geftatten könnten. McCurdy ift nämlich Anti-
fumerer etwa von der Art wie DeÜtzfch und bringt,
um feinen Standpunkt zu rechtfertigen (p. 89 ff.), allerlei
Nichts beweifende Gründe dafür vor, dafs das fogenannte
Sumerifch Nichts als eine Kunftfprache ift, die fich fo
nach und nach aus dem ideographifchen Schriftfyftem
entwickelte. Dafs diefe Sprache, wenn auch — wie unfer
Küchenlatein mit Germanismen — ftark mit Semitismen
durchfetzt, einen von dem des Babylonifchen gänzlich
verfchiedenen Sprachbau hat, dafs fie eine grofse Anzahl
lautlicher Entwicklungen zeigt, die dem Semitiften die
Haare zu Berge treiben müfsten, wenn ihm zugemuthet
würde, für fie femitifche Provenienz in Anfpruch zu
nehmen, und die im Babylonifchen auch nicht nachweisbar
find, — das ift für McCurdy ganz irrelevant. Aber
er weifs, dafs das fog. Sumerifche — und das fcheint
ihm von befonderem Gewicht — gerade diejenigen Laute