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Ausgabe:

1895 Nr. 18

Spalte:

474-475

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kühn, E.

Titel/Untertitel:

‚Der Meister ist da und rufet dich‘. Evangelische Predigten 1895

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 18.

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die neueften Lehrpläne von 1892 berufen kann (S. 143). [ der Beurtheilung der modernen Beftrebungen zu Gunften

Aber wie fleht es mit der Volksfchule? Er hat fich einer gleichen Bildung für die Männer und Frauen

darüber nicht geäufsert. Wenn man die Simultanfchule, j follte man doch nicht überfehen, dafs es gewifs nicht

mit der man im ehemaligen Herzogthum Naffau und in zufällig, fondern in der Natur der Sache begründet ift,

der Provinz Pofen gute, hier in Crefeld gerade für uns wenn bisher an keiner Stätte der Kunft und Wiffenfchaft

Evangelifche keineswegs erfreuliche Erfahrungen gemacht
hat, als das eigentliche Ideal der Volksfchule anfieht,
dann wird auch für fie die Mutterfprache ,der domi-
nirende Unterrichtsftoff' fein muffen. Hält man hingegen
gerade um des confeffionellen Friedens willen an der
vom Staate beauffichtigten, confeffionellen Volksfchule
feft, fo wird man nicht umhin können, der Re-

oder in einem anderen Zweige der Cultur von Frauen
Entdeckungen von bahnbrechender Bedeutung gemacht
find oder fchöpferifche Gedanken zuerfl ausgefprochen
find .... Nicht die Prämeditation fondern die Poft-
meditation ift das Charisma des weiblichen Gefchlechtes
und es geht nicht an, dafür die Gefellfchaft verantwortlich
zu machen, die der Frau bisher die Gelegenheit zur

ligion den erften Platz einzuräumen. Eine Vermehrung , Entfaltung ihrer Kräfte nicht gegeben habe' (S. 173).
der Religionsftunden über die jetzt vorgefchriebene Zahl i ,Wir haben nichts dagegen einzuwenden, wenn begabten
hinaus ift dazu nicht nöthig, auch wünfchen wir keines- i Mädchen auch die Bahn für ftreng wiffenfchaftliche Stu-
wegs, dafs die Kinder mit religiöfem Gedächtnifsftoff ' dien geöffnet wird und ihnen der Zugang zu gewiffen
vollgepfropft werden, aber das follen untere Volksfchul- j praktifchen Berufsarten, die ihrer Beftimmung nicht zu-
lehrer lieh ftets vor Augen halten, dafs alle formale wider find, unverfchloffen bleibt .... Was wir perhorres-
Bildung der ihnen von den Eltern anvertrauten Kinder | ciren, ift die Erziehung von felbftfüchtigen Mannweibern,
nichts werth ift, wenn fie nicht befeelt ift von dem warmen | neben denen nur noch fchwächliche Weibmänner be-
Hauche wahrhaft chriftlicher Religiofität. Das ift, nach flehen können; während doch der Mann berufen ift, voll
allem, was unfer Verfaffer über das Ziel der Erziehung ' perfönlichen Selbftvertrauens mit den Mächten des „feindwiederholt
bemerkt, gewifs auch feine Meinung, die wir [ liehen Lebens" in die Schranken zu treten und mit that-
in Beziehung auf die Volksfchule beftätigt finden, wenn es j kräftiger Hingebung an dem Friedenswerke des Gottes

S. 215 heifst: ,In keiner Nation hat die allgemeine Volks
bildung die Höhe erreicht wie bei uns; an uns wird es
fein, fie auf diefer Höhe zu erhalten, womöglich fie noch
zu fteigern. Bei allen dahingehenden Beftrebungen ift
aber feilzuhalten, dafs es die nationalen Bildungselemente
— zu ihnen gehören auch die deutfehe
Bibel, der deutfehe Katechismus, das deutfehe
Kirchenlied — fein und bleiben müffen, aus welchen
fich diefe Bildung immer wieder aufs Neue zu erzeugen
hat. Nur fo legt man einen feiten Grund für die nationale
Erziehung des gefammten Volkes'.

Wir müffen es den eigentlichen Fachmännern über-
laffen, die Ausführungen des Verfaffers über die didak

reiches mitzuarbeiten' (S. 173. 174). An diefem ,Friedens-
werke des Gottesreich.es' aber wollen wir Männer, ob
alt oder jung, ob noch im frifchen Wirken oder im
ftillen Ruheftande mitarbeiten bis zum letzten Athemzug,
dann hat die Erziehung, die uns felbft einft von trefflichen
Vätern und Lehrern zu Theil geworden ift, Früchte
gebracht zum ewigen Leben.

Crefeld. F. R. Fay.

Kühn, Paft. E., ,Der Meister ist da und rufet dich'. Evangelifche
Predigten. Gütersloh, Bertelsmann, 1895. (VII,
dfcne'Ord^ I IQ2 S- gr- 80 M. 2. —; geb. M. 2. 50

Unterrichts (<j 19) und die Unterrichtsform (§ 20) ein- | Herr Paftor Kühn fagt in der kurzen Vorrede nicht,
gehender zu beurtheilen, find aber vollftändig mit ihm j unter welchem Gefichtspunkt er feine Predigten zufam-
einverftanden, wenn er bei Gelegenheit der Schilderung | mengeftellt habe. In dem von ihm herausgegebenen
der Unterrichtsmethode das Verdient! der Anhänger ,Kirchl. Monatsblatt für die evang. Gemeinden Rhein-
Herbart's, namentlich auch Rein's, gebührend hervor- j lands und Weftfalens' bringt er feine Sammlung felbft
hebt. ,In (das) bunte Allerlei von Methoden, die fich j mit folgenden Worten zur Kenntnifs: ,Diefe Auswahl,
gegenfeitig zu bekämpfen und auszufchliefsen fchienen, [ welche zumeift aus den letzten Jahren flammt, enthält
fuchten die Anhänger Herbart's Einheit zu bringen, in- 22 Sonntags- und Feftpredigten, aufserdem 4 Predigten,
dem fie diefe Methoden auf ihre Verwandtfchaft unter j welche ich an Jahresfeften chriftlicher Anftalten und
einander prüften' (S. 152). So kamen fie zu der .Theorie 1 Vereine gehalten habe. In dem Titel habe ich auszu-
der formalen Stufen', nach ihrer Meinung zu einer ,ein- ; drücken gebucht, dafs diefen Predigten ein werbender
heitlichen' Methode, dem alten Ideale von Comenius j Zug gemeinfam ift. Wer immer nur zu „Chriften" redet,
und Peftalozzi. Knoke weicht hierin von ihnen ab. j leitet die Seelen irre; es ift eine grofse Aufgabe, dafs
Auch er will kein ,buntes Allerlei', wohl aber zwei | wir werden, was wir heifsen. Man wird unfehwer er-
,Typen', zwei .Methoden'. ,Es find dies die darfteilende j kennen, dafs diefe Predigten auf dem eigenartigen Boden
und die entwickelnde Methode' (S. 153). Ob eine, ob 1 des Siegerlandes gewachfen find. In diefer Eigenart des
zwei mögen die beiden von uns hoch verehrten Männer Siegerlandes fleckt mehr Allgemeingültiges, als meiflens
unter fich ausmachen, uns ift die Hauptfache, dafs beide | zugeftanden wird'. In der Vorrede fchien mir charakte-
auf der von Comenius und Peftalozzi gewiefenen , riftifch die Bemerkung, dafs Predigten, die die rettende
hellen und fchönen Bahn wandeln, den Schüler von der | Gnade und den gekreuzigten Chriftus zum Gegenftand
dunkeln Anfchauung zum klaren Begriffe zu führen. hätten, nicht .modern' feien, ,aber immer zeitgemäfs'
Aus der Lehre von der Erziehung (S. 167—220), I K. ift durch feine Stellung als Herausgeber des genannten
in der über die Stufen der Erziehung, die Mafsregeln , Blattes naturgemäfs einer der Führer in der gegender
Erziehung, durch welche das äufsere Wohlverhalten j wärtigen Bewegung gegen die .moderne Theologie'. Ich
des Zöglings beftimmt wird, die pädagogifchen Factoren ; fand daher in jenem Zufatz einen leifen Hinweis auf
der inneren Selbftbeftimmung und fittlichen Charakter- j eine Pointe diefer Predigtfammlung wider die .moderne
bildung des Zöglings und fchliefslich über die Formen 1 Predigt'. K. will auch wohl wirklich helfen, diefer einen
der Erziehung noch vieles Treffliche gefagt wird, greifen ; Damm entgegenzufetzen. Nun ift der Begriff .moderne'
wir nur noch einen zeitgemäfsen Gegenftand heraus, Theologie oder Predigt ja nicht einhellig. Ich möchte
nämlich die Frauenfrage. Knoke äufsert fich darüber daher mit Herrn Paftor K. nicht darüber ltreiten und
in dem die Lehre von der Erziehung eröffnenden § 21, J rechten, wen er wirklich treffe und wen nicht. Ich
der ,die Erziehungsaufgabe im Lichte des Erziehungs- j meine, Prediger, die den perfönlichen Gott kennen, die
Zieles und der pädagogifchen Hindernifse, welche ver- j die Noth der Sünde verftehen und wiffen, dafs wir einen
borgene Miterzieher verurfachen', darfteilt. Was fagt er i Heiland befitzen, denen der Himmel die Heimath ift, der
nun? Nach unterer Meinung: das allein Richtige! ,Bei | wir entgegengehen, ich meine, folche Prediger werden