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Ausgabe:

1895 Nr. 17

Spalte:

451-452

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kolde, Theodor

Titel/Untertitel:

Andreas Althamer, der Humanist und Reformator in Brandenburg-Ansbach. Mit einem Neudruck seines Katechismus von 1528 und archivalischen Beilagen 1895

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 17.

452

avzwv zzegi zwv navaylwv ngoanwr^iaziov. S. 405—463.
Der Verfaffer war Hegumenos und Secretär des h. Grabes
und fchrieb 1834. Er fcheidet die Bewohner des heiligen
Landes in 12 Gaffen. Die erften find die Völker der
alten Zeit. Dann geht es das Mittelalter hindurch, bis
in die Neuzeit. Intereffanter werden die Berichte erft
aus der türkifchen Zeit, namentlich aber bringt er aus
den neueren Tagen anziehende Details über die Streitigkeiten
um die heiligen Stätten.

XIV. Nsotpvzov Kvngiov tceqi Agaßoy.azoi.fxwv rj
Ovviziöv. S. 464—478. Die Schrift handelt von der Ent-
ftehung der Unirten in Paläftina und erftreckt fich über
die Jahre 1717—1844. Der Verfaffer ift derfelbe wie von
XIII. Wiederum viele hübfche Einzelheiten.

XV. Avd-itxov [lovaxov zov e£ Ayyialov ygaiiviazdog
zoi Koivov zov ITavayiov Tacpov. S. 479—481. Die Schrift
handelt von den drei heiligen Steinen im Tempel der
heil. Thekla im Klofter der Hagiotafiten. Der eine flammt
aus dem Allerheiligften des alten Tempels, der zweite
ift der, auf dem Jefus fafs, als er verurtheilt wurde, der
dritte ift ein Stück vom Deckel des Grabes Jefu.

Ein ausführliches Verzeichnifs der Eigennamen erhöht
die Leichtigkeit des Gebrauchs des vorliegenden
Buchs. Möge es dem Herrn Verfaffer, der jetzt Profeffor
in Petersburg ift, wenn ich nicht irre, gelingen, fein grofs
angelegtes Werk in der begonnenen Weife zu Ende zu
führen.

Erichsburg. Ph. Meyer.

Kolde, Prof. D. Th., Andreas Althamer, der Humanift und
Reformator in Brandenburg - Ansbach. Mit einem
Neudruck feines Katechismus von 1528 und archiva-
lifchen Beilagen. (Verm. Sonderdr. aus: ,Beiträge zur
bayer. Kirchengefchichte'.) Erlangen, Junge, 1895. (VI,
138 S. gr. 8.) M. 2. —

Die Biographie Althamer's von Kolde ift ein erfreulicher
Beweis für die von Kolde neu geweckte Liebe
zur provinzialen Kirchengefchichte, wie fie in den von
Kolde ins Leben gerufenen Beiträgen zur bayerifchen
Kirchengefchichte zu Tage tritt. Kolde's Arbeit ift zu-
erft in diefen Beiträgen erfchienen. Sie beweift, wie der
Auffchwung der provinzialen Kirchengefchichte immer
auch der allgemeinen Kirchengefchichte Gewinn bringt.
Und vielleicht in keinem Land liegen noch fo viele ungehobene
Schätze befonders für die Reformations-
gefchichte, wie in Bayern.

Althamer ift keine befonders hervorragende Perfön-
lichkeit, aber fchon als Humanift verdient er Beachtung
mit feinem Commentar zu Tacitus' Germania. Intereffant
ift der Entwicklungsgang des Humaniften, der nach mehrfacher
Thätigkeit an Schulen in Hall und Reutlingen und
einer Sturm- und Drangperiode als Prediger in Gmünd
zum tüchtigen Diener der evangelifchen Kirche und zum
Reformator in der Markgraffchaft Brandenburg-Ansbach
fich herausbildet, dann aber plötzlich vom Schauplatz
verfchwindet, ohne dafs es bisher gelungen wäre, auch
nur die leifefte fichere Spur über fein Ende zu finden,
wie das leider noch bei verfchiedenen Perfönlichkeiten
der Reformationszeit der Fall ift.

1740 hatte J. A. Ballenftedt in einer Vita A. Althamen
zwei Briefe von ihm und dreifsig an ihn, aber vielfach
mit falfcher Datirung aus einem Wolfenbüttler Codex
gegeben. Es wäre wohl der Mühe werth gewefen, die
Quelle Ballenftedt's noch näher anzufehen, aber Kolde
mufs klagen, dafs die Verwaltung der Wolfenbüttler
Bibliothek die Benützung der Handfchriften, fo weit fie
nicht an Ort und Stelle gefchieht, fo fehr erschwert, dafs
die Wenigften ihre Bedingungen erfüllen können. Was
feitdem an Kenntnifs von Althamer's Leben hinzugekommen
, ift nicht viel. Seine Thätigkeit in Gmünd hat
der wackere Hiftoriker der Reformation in Gmünd, Pfarrer

Em. Wagner in Neckarthailfingen, in den Blättern für
württb. Kirchengefchichte 1891, S. 75 ff. u. 1892, S. 4ff. u.
10 ff. actenmäfsig dargeftellt. Althamer's Katechismus
hatte Jul. Hartmann der Aeltere 1844 in feiner Schrift
,Aeltefte catechetifche Denkmale der evangelifchen Kirche'
wahrfcheinlich nach einem Nürnberger Nachdruck herausgegeben
, aber feine Textwiedergabe fcheint an der mangelhaften
Pünktlichkeit zu leiden, welche jener Zeit anhaftet.

Vielfach ift es Kolde gelungen, das Leben Althamer's
in ein neues Licht zu rücken. Befonders dankenswerth
ift der Nachweis der Schwierigkeiten, welche der Fortgang
der Reformation nicht nur unter Markgraf Kafimir,
fondern auch noch unter dem Bekenner Georg fand,
wie fo manche widrige Strömungen fich geltend machten
und Georg auch ein Mann der Rückfichten war. Ganz
befonders werthvoll ift der Einblick, den Kolde in Althamer
's fchriftftellerifche Thätigkeit giebt. Hatte doch
Hegler in feinem Sebaftian Frank die Aufmerkfamkeit
aufs Neue auf die von Frank deutfch bearbeitete Dial-
lage Althamer's gelenkt, und Kawerau's Unterfuchungen
über die Schickfale des Jakobusbriefes mufsten auch Althamer
's Annotationes zu diefem Brief wieder in den Vordergrund
rücken. Man ftaunt über die Kühnheit der Kritik,
welche Althamer in ftarker Uebertreibung von Luther's
Urtheil an dem Brief übt, fo dafs er in einer zweiten Bearbeitung
Vieles zurücknehmen mufste. Kolde giebt eine
eingehende Analyfe von Althamer's Schriften und im
Anhang eine forgfältige Bibliographie nebft ungedruckten
Briefen und Acten. Ganz befonders dankenswerth ift,
dafs Kolde den Katechismus Althamer's nach dem Ur-
druck nebft der Sammlung von Kirchengebeten wieder
abdrucken liefs, welche den Anhang des Katechismus
bilden. Hartmann, dem bei feiner Arbeit nur die kateche-
tifche Entwicklung der evangelifchen Heilswahrheit am
Herzen lag, hat diefes Stück in feiner Ausgabe weggelaffen.
Denn dafs fie in feiner Vorlage fehlten, ift kaum anzunehmen
. Diefe Collecten dürften die Beachtung der
Liturgen verdienen und in neuen Agenden Berückfichti-
gung finden.

Aber auch Althamer's Aufenthalt und Wirkfamkeit
in Nürnberg, feine Haltung im Abendmahlsftreit und befonders
feine Wirkfamkeit in Ansbach treten in eine ganz
neue Beleuchtung.

Für das Ende Althamer's dürfte vor allem feftzu-
ftellen fein, ob nicht nach dem Vorbild des Crailsheimer
Weifs auch in Ansbach fchon 1532 Kirchenbücher angelegt
wurden, die einiges Licht bieten; dann dürften die Rathsrechnungen
und Stiftsrechnungen von Ansbach unter dem
Capitel ,Verehrungen' Auskunft bieten, wer etwa an auswärtigen
Gälten bei Althamer's wahrfcheinlichem Begräb-
nifs in Ansbach anwefend war und eine Verehrung an
Wein empfing. In den Stiftsrechnungen dürften auch
Althamer's letzte Gehaltsbezüge genannt fein. Jedenfalls
ift unfer Althamer nicht der gleichnamige Wittenberger
Student, der 1542 infcribirt und 1545 Magifter wurde,
denn deffen Heimath ift Freifing (S. 75). Diefer letztere
dürfte der Leutkircher Pfarrer am Schlufs der Interimszeit
, ein Schützling Gerwig Blarer's von Weingarten, fein
(vgl. mein ,Interim in Württemberg' S. 203). Zu den zwei
Ellwanger Märtyrern, deren Andenken Althamer in feinem
Jacobuscommentar feiert, vgl. die Weifsenhorner Chronik
(Publ. des lit. Ver. 129,108), Theol. St. a. W. 1, 189 und befonders
Befchreibung des Oberamts Ellwangen S. 496 ff.
Krefs, der Dr. theol. war, war nicht Pfarrer, fondern
Stiftsprediger, der von Kolde nicht nachgewiefene Mundt-
bach, Mumbach (S. 34) war Pfarrer in Ellwangen. Es
wäre fehr zu wünfchen, dafs Kolde in der Lage wäre, uns
bald ein ähnliches Lebensbild von Althamer's Mitftreiter
Joh. Rurer zu geben und überhaupt die reichen Kornkammern
der bayerifchen Kreisarchive wie des Reichsarchivs
in München für die Reformationsgefchichte auszubeuten.

Nabern bei Kirchheim u/Teck (Württ.) G. Boffert.