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Ausgabe:

1895 Nr. 12

Spalte:

307-308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dausch, Petrus

Titel/Untertitel:

Der neutestamentliche Schriftcanon und Clemens von Alexandrien 1895

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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307 Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 12. 308

das neue Princip gleich überall rein durchzuführen. — , werden. Jene unftatthaften Abhängigkeiten liegen nicht
Hieran fchliefst fich die Behandlung der deuteronomifti- im Netzwerk feiner Arbeit: fie finden fich vielmehr fozu-
fchen Elemente, die von fpäteren Bearbeitern der älteren 1 fagen in dem'Füllfei, öfters in dem unbedeutendften,
Bücher hinzugefügt find. Alsdann wird Ezechiel vorge- [ feiten in Ausführungen, die für die Sache felbft unent-
führt; hierauf poetifche Stücke der vorexilifchen Zeit, behrlich find. Eine Erklärung des Thatbeftandes zu
Dies Beides wäre wohl umgekehrt zweckmäfsiger ge- fuchen, ilt nicht meines Amtes — aus Collectaneen i(t fchon
ordnet. — Es folgen: Dtjef. und andere unechte Stücke [ mancher Wechfelbalg entfprungen —; dem Verf. wird die
des Jefajabuchs, Hagg. und Sach. 1—8, Klagelieder und Sache, die er leicht hätte vermeiden können, jedenfalls
Obadja, die Quelle P und die Compofition des Hexa- i betrübender fein als feinen Recenfenten, und er wird fich
teuchs, Mal., Jona, Ruth, Joel, Jef. 24—27, und Sach. 9—14 ! eine Lehre aus ihr ziehen.

[hier fchliefst fich der Verf. an Stade's Kritik an], Spr. 1 In feiner Arbeit ift der Verf. zu Ergebnifsen gelangt,
und Hiob [die Elihureden gelten als echt nach Cornill], 1 die ungefähr die Mitte halten zwifchen dem von Zahn
Pfalter, der Chronift, Hohes Lied und Prediger, Daniel j und von mir Gefundenen. Da der Verf. fie felbft zufammen-
und Efther. — Einzelheiten hier hervorzuziehen und zu 1 geftellt hat, will ich fie nicht abfchreiben. Sein Urtheil
erörtern wäre unfruchtbar. Es handelt fich um die Frage, i ruht, foviel ich fehe, überall auf einer recht vollftändigen
ob die Durchführung des Princips gelungen ift, und das Benutzung der Thatfachen und auf gründlicher Erwägung,
ltehen wir nicht an, im Allgemeinen zu bejahen, trotz Neue Pfade zur Erreichung des Zieles hat er freilich
der oben berührten einzelnen abweichenden Fälle, trotz 1 nicht gefunden, und fo ift feine auf gebahnten Wegen
mancher Wiederholungen oder Antecipationen, zu denen 1 gehende Arbeit wefentlich eine Revifion der früheren,
der Verf. befonders bei der Hexateuchkritik genöthigt j S. 14 k fchreibt er: „Die als canonifch geltende Apoftel-
war. Das liegt in der eigenthümlichen Complication gefchichte fteht im fchlimmen Verdacht bei den modernen
gerade diefes Stoffes. Will man nicht zu dem Verbot der | Bibelkritikern. Harnack z. B. läfst die Gefchichte des
literarhiftorifchen Darftellung überhaupt fchreiten und zu 1 Buches erft um 180 beginnen". Der Verf. hat genug
der alten ,Einleitung' zurückkehren, fo wird man der- [ gelernt, um diefes thörichte Quid pro quo, dem ich immer
gleichen mit in den Kauf nehmen oder den Verfuch 1 wieder begegnen mufs, vermeiden zu können: über den
machen müffen, durch noch gefchicktere Anordnung der [ Urfprung und den gefchichtlichen Werth der Apoftel-
Befprechung der Quellenfchriften den Uebelftand auf ein | gefchichte ift damit fchlechterdings nichts behauptet, dafs
Minimum zurückzuführen. j man die Thatfache des fpäten Auftauchens diefes Buches

Die deutfche Ausgabe hat vom Verf. noch manche j in den Kirchen und als heilige Schrift betont. Diefes
Verbefferungen erhalten. Die Ueberfetzung lieft fich an- 1 fpäte Auftauchen aber ift kein ,fchlimmer Verdacht',
genehm. Hollandismen find uns nicht aufgefallen. — Wir 1 fondern eine Thatfache. Ferner wird meine Vorftellung
empfehlen das Werk einem jeden, der fich eine lebendige ; vom Urfprung der NTlichen Schriftenfammlung unvoll-
Anfchauung von der Entwickelung der hebräifchen Lite- ! ftändig und daher unrichtig wiedergegeben, wenn be-
ratur zu verfchaffen wünfcht. ; hauptet wird, ich liefse den Kanon um die Wende des

Jena. C. Siegfried.

2. zum 3. Jahrh. entftehen. Ich habe darüber keinen

Zweifel geladen, dafs das Neue Teltament ausgeprägte

und defshalb fafsbare Vorftufen fchon in der erden Hälfte

Dausch, Dr. P., Der neutestamentliche Schriftcanon und ; des zweiten Jahrhunderts gehabt hat. Dagegen fehe ich

Clemens von Alexandrien. Ein Beitrag zur Gefchichte | allerdings in der Schöpfung der dreitheiligen Sammlung

a t a.__„ tf-i. r„ „ u.,k;ia __„o-i,,:o- 1 einen bewufsten, daher auch nicht an mehreren Orten zu-

des neuteftamenthchen Canons. Habihtationslchntt. . . , ' ., u „. »t * j c ui r ..u r

gleich vollzogenen Portlchntt. Unter den Schlulsthefen

Freiburg i/B., Herder, 1894. (VII, 58 S. gr. 8.) M. 1.—

Der Verf. vorftehender Abhandlung unterfucht im
erden Theil die Stellung des Clemens zu den NTlichen
und anderen chridlichen autoritativen Schriften im Einzelnen
(S. 7—38), im zweiten unternimmt er es, die allgemeinen
Fragen nach der Sammlung und Geltung derselben
bei Clemens zu beantworten (S. 39—56). In einem
Schlufswort (S. 57. 58) dellt er die Ergebnifse feiner

des Verfaffers widerfprechen fich die 12. und 14. In der 12.
fchreibt er: ,Einen Unterfchied zwifchen dem A.T., den
Ew., den Paulinen und den anderen biblifchen
Schriften, was die Autorität betrifft, kennt Clemens
nicht'. In der 14.: ,Von Lucas, dem Evan-
geliden, und Johannes, dem Apodel, kennt er noch je
eine Schrift: die Apoftelgefchichte und die Apokalypfe.
Beide Schriften werden noch nicht fcharf unterStudie
zufammen. PL Kloftermann hat in einer An- ! fchieden von gleichartigen Erzeugnifsen der altzeige
in der Deutfchen Litteraturzeitung 1894^. 41 nach- chriftlichen Literatur'. Ift Letzteres, wie auch ich
gewiefen, dafs der Verf. an nicht wenigen Stellen feiner meine, richtig, fo ift die 12. Thefe falfch. Ferner in Thefe
Arbeit Stellen, Gedankengänge und Ausführungen Zahn's J 16 unterfcheidet der Verf. in Bezug auf das Anfehen
(Gefch. des Kanons) ftillfchweigend benutzt hat, und er j noch eine Claffe von Schriften: ,Sehr nahe an Anhat
den noch fchwereren Vorwurf erhoben, dafs Daufch I fehen ftehen den NTlichen Schriften bei Clemens fpeciell
an einigen Stellen diefe Abhängigkeit künftlich zu diffi- j noch der Barnabasbrief, I. Clem. und die Apoftellehre'.
muliren verbuche, ja — fährt er fort — ,ich meinerfeits Wenn dem fo ift, fo wird meine Thefe, dafs Clemens heilige

kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dafs D.'s Art,
Zahn zu citiren, fehr häufig eine ablenkende, ja geradezu
irreführende ift'. Die letzteren Anfchuldigungen- -kann
ich nicht für erwiefen erachten; gegen die erftere freilich
wird fich Daufch nicht vertheidigen können. Indeffen,
fo wenig ich im Stande bin, fein Verfahren zu entfchuldigen,
fo wenig fcheint es mir doch für feine Schrift charak-
teriftifch. Dafs er von Zahn nicht nur gelernt hat, fondern

Schriften von abgeftuftem Anfehen kennt, dafs diefe Ab-
ftufungen fich auch in das N.T. hineinziehen, und dafs
ihm auch die Ew. höher ftehen als die Paulinen, wohl
das Richtige treffen. Sehr fcharf hat ihr Sanday (Inspiration
1893 p. 65 ff.) widerfprochen, aber mit Argumenten
, die ich nicht für vollgültige halten kann.

Berlin. A. Harnack.

fich in der gröfseren Hälfte feiner Ausführungen in deffen Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum editum consilio

Frageftellungen und in dem von ihm gefammelten Mate- . •__. , ■„„ vm„~-,.__

■ 1 u j? <v,iko„0,a- av u a a »u » u„*. - u et impensis academiae ütterarum caesareae Vindobo

riale bewegt, war felbitverftandhch und darüber hat auch .r " ■ vvvt yyytv w m 1 i a

Daufch keinen Zweifel gelaffen. Dafs er die Werke des
Clemens felbft fleifsig ftudirt hat, geht neben Anderem
aus fehr zahlreichen Citaten hervor, die nicht übernommen
find. Dafs er Zahn's Aufftellungen forgfältig erwogen

nensis. Vol. XXXI et XXXIV. Wien, Tempsky. (gr. 8.)

M. 9. 20

XXXI. Sancti Eucherii Lugdunensis opera omnia. Pars I. For-
mulae spiritalis intellegentiae, instructionum libri II, passio Agau-

und kritifch geprüft hat, kann ihm nicht abgefprochen ! nensium martyrum, epistula de laude heremi. Accedunt epistulae