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Ausgabe:

1895 Nr. 12

Spalte:

302-305

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gesenius, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 12., völlig umgearb. Aufl 1895

Rezensent:

Siegfried, Carl

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3oi Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 12. 302

oben ift darauf hingewiefen, wie die Chronik für David's
Verdienfte um die Regelung der Verhältnifse der Priefter
und Leviten herangezogen wird; aus ihr werden wir
auch über die militärifche Organifation in der königlichen

ift eine nicht unbedeutende Zahl neuer hinzugefügt.
Angefichts der fehr beftrittenen Auffaffung des auf S. 1424
fich findenden Bildes hätte dasfelbe beffer befeitigt werden
follen.

Zeit unterrichtet und erfahren, dafs Divifionen von 24000 ; Strafsburo- i E. W Novvack

und Armeecorps von 3CHJOOO Mann gebildet wurden. -

Auch jetzt noch werden die 600 Gibborim von den ; . „.,.. ,. . ... , ... , .. .

Crethi und Plethi unrichtig unterfchieden. — Trotz der Gesenius', Wilh., Hebräisches und aramäisches Handworter-
exegetifchen Arbeiten der letzten Jahre über die^ Pro- buch über das Alte Testament. In Verbindung mit Proff.
pheten wird auf Grund von Hof. 7, t. 8, 5 f. 10, 5 Sama- Alb. Socin und H. Zimmern bearb. von Prof. Dr. Frants
rien nicht nur als politifcher, fondern auch als religiöfer Buh, J2 vöUj um?earb. Aufl. Leipzig, F.C W Vogel,
Mittelpunkt des nördlichen Reiches dargeftellt, und Hof. b ö ^ b

12. 10 für die Sitte angeführt, dafs man beim Laub- l895- 9^5 b. gr. 8.) M. 15. _

hüttenfeft wohl auch in Zelten zu wohnen pflegte. Die Nothwendigkeit einer völligen Umarbeitung und

In anderen Fällen ift der fchon früher vorhandene , andere betrübende Störungen haben das Erfcheinen diefer
Anfatz zu einer richtigeren Auffaffung von Baethgen , 12. Auflage des Gefenius'fchen Handwörterbuchs verunbenutzt
gelaffen. Riehm hatte völlig treffend darauf 1 zögert. Ältmeifter Gefenius würde aber nunmehr nicht
hingewiefen, dafs das Gefetz über das Sabbathsjahr der ! verftimmt fich von diefer Erneuerung feines Werkes ab-
Sabbathidee in einfeitiger theoretifirender Folgerichtig- ; wenden. Sie ift in feinem Geifte und nach rein wiffen-
keit, aber ohne Rückficht auf die Ausführbarkeit und fchaftlichen Grundfätzen ausgeführt worden. — Aeufser-
Zweckmäfsigkeit eine Anwendung gegeben hat, deren 1 lieh unterfcheidet fich die 12. Auflage von den vorigen
praktifch-religiöfer Werth mindeftens fehr zweifelhaft, wie durch die Durchführung der Trennung des aramäifchen
denn auch das Gefetz in der ganzen vorexilifchen Zeit ; Sprachfchatzes von dem hebräifchen und durch die Neu-
nicht zur Ausführung gekommen fei. Man follte meinen, 1 bearbeitung des deutfeh-hebräifchen Index durch Paftor
dafs diefe Erkenntnifs ihre Confequenzen auch für die i F. O. Kram er, welche denfelben nun erft zugänglich
Auffaffung des Jobeljahres haben müffe, das mit ihm 1 und nutzbar gemacht hat.

auf das Engfte zufammenhängt und über das Riehm Was zunächft die der Etymologie und femitifchen

einige Jahre früher ganz anders geurtheilt hatte; die i Sprachvergleichung angehörigen Partien anlangt, fo hatte
Vermuthung dürfte nicht zu kühn fein, dafs Riehm i ja das Gefenius'fche Lexikon von Haufe aus feinen Blick
diefe Confequenzen auch bei einer Neubearbeitung ge- | ebenfalls auf die verwandten Dialekte gerichtet. Es war
zogen, ja vielleicht die vorher ikizzirte Auffaffung des j aber in den fpäteren Auflagen desfelben eine Neigung
Charakters von P., wie er in dem Gefetz über das Sab- 1 zu dilettirendem und unmethodifchem Vergleichen ein-
bathjahr uns entgegentritt, auch nach anderen Seiten hin geriffen und dadurch, wie durch Nichtbeachtung der
verwerthet haben würde — Baethgen hat das leider j neueren Forfchungen auf diefen Gebieten, viel Falfches
nicht gethan. Riehm dürfte auch manche Begründung j hineingekommen, worüber man reichliche Belege in den
zurückgezogen haben, welche jetzt flehen geblieben ift 1 Göttinger gel. Anzeigen i884Nr. 7 S. 257—288 (de Lagarde)
z. B. die, dafs man das Buch Jona nicht über das 5. jhdt. , vgl. auch Th. Lit.-Ztg. 1883 Nr. 23 finden kann. Mit diefen
herunterrücken dürfe, weil es fonft ebenfo wenig wie Proteften konnte natürlich nicht gefagt fein, dafs man
Daniel in den Prophetenkanon gekommen wäre, oder die 1 derlei Beobachtungen und Vergleichungen überhaupt
andere, dafs P. nicht in der nachezechielifchen Zeit ent- | nicht anftellen und das Hebräifche in einer künftlichen
ftanden fein könne, weil nach dem Exil fich die Stellung Ifolirung erhalten folle. Es handelte fich zunächft nur
und Gliederung der Leviten in einem Stadium der Ent- { darum, feftzuftellen, dafs das Einzige, was wir abfolut,
wicklung befand, welche fich weder fprachlich noch fach- I und in den fchlimmften Fällen wenigftens annähernd'
lieh in diefer Gefetzgebung wiederfpiegelt. Nimmt man J ficher wiffen können, der Sprachgebrauch des A.T.'s fei,
die Abfaffung des Daniel um 167 an, vgl. S. 295, mit und dafs daher die erfte Aufgabe der hebräifchen Lexiko-
welchem Recht läfst fich dann jene Forderung erheben, j graphie bleibe, diefen zu eruiren. In diefem Sinne wurde
und bedenkt man, dafs unfere Nachrichten über die 1 in dem Lexikon von Siegfried-Stade die drs nesciendi
Stellung und Verhältnifse der Leviten in der nachezechie- durchgeführt. Wenn ein Kenner insbefondere des Ara-
Kfchen Zeit (abgefehen von P.) wefentlich auf die Chronik bifchen das Material der femitifchen Sprachvergleichung
d. h. den Anfang der griechifchen Zeit zurückgehen, wie mit rechter Vorficht und mit der rechten Methode hand-
läfst fich dann behaupten, dafs P. nicht in der nach- 1 habt unter Benutzung der hervorragenden neueren Ar-
ezechielifchen Zeit d. h. nach 520 abgefafst fein kann? | beiten, die wir auf diefem Gebiete befonders von Lagarde
Ich könnte meine Ausftellungen durch weitere Aus- j und J. Barth erhalten haben, fo kann dies auch für die
führungen über die Gefchichte der Stiftshütte, der Bun- | Erkenntnifs der hebräifchen Sprache nur förderlich fein.

deslade, den Dekalog, das Gebannte, den Bilderdienft,
das ebnnubium mit den Kanaaniten, über Israels do-
dekadifche Gliederung fchon in vormofaifcher Zeit, über
die Gerichtsverhältnifse in der Zeit des Mofe, über die

Einen folchen in Albert Socin, an Stelle des im Beginn
der Arbeit dahingerafften unvergefslichen Auguft
Müller, zu finden, hat der Verf. das Glück gehabt und
man kann die Hand diefes ausgezeichneten Arabiften

Afyl-, Priefter- und Levitenftädte u. a. m. begründen, doch , vorzüglich auch in der Befeitigung des Schiefen und
ich verzichte, weil ich überzeugt bin, dafs das Gefagte | Fehlerhaften fpüren, das die früheren Auflagen in den
zur Begründung der Behauptung genügen wird, dafs 1 dialektifchen Vergleichungen und in der Aufhellung der
Baethgen von dem durch die Verlagshandlung ihm zu- j fogenannten Grundbedeutungen boten. Genau kenntlich
geftandenen Recht nicht den Gebrauch gemacht hat, der > gemacht ift feine Mitarbeit äufserlich nicht, fo dafs uns
nöthig und zu erwarten war, um Riehm's Wörterbuch auf manchmal Zweifel befchlichen haben, ob diefes oder
der Höhe zu erhalten; jetzt haben wir in ihm ein Werk, ] jenes auf ihn zurückzuführen fein möchte. So können
das in vielen fehr wichtigen Artikeln den Stand der wir uns nicht zu der Ueberzeugung erheben, dafs die
wiffenfchaftlichen Arbeit vor zwei bis drei Jahrzehnten 1 Deutung des Namens Jahve ahf des .eintretenden, fich
reprafentirt, während andere, deren Verfaffer die Mühe | offenbarenden, lebendigen Gottes' (S. 296") von S. her-
derUmgeftaltung, wo es nöthig war, nicht gefcheut haben, J rühren könne oder dafs er aram. nffak .herausgehen'
in trefflicher Weife Orientiren. — Die Ausftattung des j und arab. a'fak .überragen' zufammengeftellt habe (S.
Werkes fowie fein Druck ift lobenswerth — nur wenig ! 64") u. a. m. Wie viel Unficherheiten für die Wortdeutung
Druckfehler find mir aufgefallen — an nicht wenig Stellen auch beim gediegenften Wiffen bleiben, zeigen die Artt.
find die alten Abbildungen durch beffere erfetzt, zugleich i (wo jetzt auf Etymologie verzichtet wird), j'riK (desgl.)

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