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Ausgabe:

1895

Spalte:

249-252

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delitzsch, Friedrich

Titel/Untertitel:

Assyrisches Handwörterbuch. 1. Lieferung 1895

Rezensent:

Jensen, Peter

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. ScflÜrer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N£c 10.

11. Mai 1895.

20. Jahrgang.

Delitzfch, Affyrifches Handwörterbuch, 1. Tl.
(Jenfen).

Josephi Opera ed. Niese, vol. VI. De hello
Judaico edd. Destinon et Niese (Schürer).

Jelski, Die innere Einrichtung des grofsen
Synedrions zu Jerufalem (Schürer).

Strack, Einleitung in den Thalmud, 2. Aufl.
(Schürer).

Optati Milevitani libri VII rec. Ziwsa (Corpus

Script, eccl. lat. vol. XXVI] (Preufchen).
Amelung, Johannes Mathefius (Bollert).
Loefche, Johannes Mathefius, 1. Bd. (Der!.).

Arndt, Delibris prohibitis commentarii(Reufch).
Riehl, Religiöfe Studien eines Weltkindes
(Wendt).

Meinhold, Wider den Kleinglauben (Fay).
Steudel, Der religiöfe Jugendunterricht I, 1
(Kautzfeh).

ch Prof Dr Friedr, Assyrisches Handwörterbuch. I geglaubt hat, den Arbeiten Anderer geringeres Intereffe
uemzsen, rroi. uv. tncin , i entgegenbringen zu dürfen, fo bedauerlich ift es gerade

1. Tl.: 8 bis 1 Leipzig, Hinrichs, 1894. (230 ö. gr. 0., ^ ^ {^ h^ Hinein?rbeitung

der Refultate Anderer erheblich gewinnen können.

Hierzu kommt ein Zweites. Delitzfch ift auch an
vielen Textpublicationen zu achtlos vorübergegangen.
S. A. Smith's Miscellaneons Texts, Publicationen in der
Zeitfchrift für Affyriologie, Auszüge in Bezold's
Catalogue z. B. hätten z. M. eine weit gröfsere Berück-
fichtigung verdient als fie ihnen Delitzfch zu Theil
werden liefs. Aber nicht nur die genannten Texte, auch
das grundlegende Werk, die Western Asia Inscriptions
fcheinen mir nicht vollfländig verarbeitet zu fein. Nur
fo kann ich mir z. B. erklären, dafs für den Vogelnamen
ittidü wohl die Vocabularftelle II R 37, 16 f., aber nicht
der zufammenhängende Text IV R 11 (48 obv.) citirt
wird, dafs für amu (wohl = Laube, Pavillon oder etwas
Aehnliches!) wohl ein Londoner Vocabular, aber nicht
die zusammenhängenden Texte, 82 — 5 — 22, 1048 (obv.
17 f.) veröff. und befprochen von Pinches in dem J. R.
A. S. 1891, p. 393 ff. und K 2866 (obv. 1 v. u.), veröff. von
S. A. Smith in f. Mise. Texts p. 17 ff., angeführt werden.

Die gerügten Mängel, die Unzulänglichkeit menfeh-
licher Erkenntnifs, an der wir alle leiden, vielleicht auch
eine gewiffe Zähigkeit im Fefthalten an liebgewonnenen
Kindern der Phantafie und der Combination find fchuld
daran, dafs fich an der im Ganzen vortrefflichen Arbeit
gar Mancherlei verbeffern läfst. Ich führe hier nur Einiges
an, das nicht nur die Affyriologen von Fach intereffirt:
Für ublu — ,(venerifches) Gefchwür' dürfte wegen des
hebr. b&y uplu zu lefen fein. — Ibilu ifl nach Zimmern
(Z. f. Affyr. V, 387 Anm. 2) wohl = ,KameeP und mit
arab. Jjl = .Kameele' zufammenzuflellen. — Uhulu, von
Delitzfch annähernd richtig für ,Alkali' oder dgl.
erklärt, wird wegen des fyr. rC'AjJr«' = .Lauge' = .Lauge
oder .Laugenpflanze' fein. — Unter bbx = .fpielen' (von
bbn!) fehlt milultu = ,Mufik', — zwifchen uku und
Hp8 ikbu mm apy = ,Lerfe' (Z. f. Affyr. IX, '122, 1),
— zwifchen. irkfi und nrkarinnu irkallu = .Unterwelt'
(IV R2, 6o*C. obv. 27; S. A. Smith, M. Texts 16, in
Rm. 343). - Eine Radix ttht? (von urfpr. ©12), wovon irrTsu
= .Landmann' = 80"nX, mit der Bedeutung .pflanzen'
giebt es nicht: irisu heifst .bewäffern'. Daher mirisu =
.Bewäfferungseimer', aber auch (? ,Bewäfferung' und) =
,ein bewäffertes Stück Land'. — Line Wurzel -l-r = ,be-
gnadigen' ift nicht nachweisbar. Die von Delitzfch
citirten Textftellen legen die Bedeutung .Acht geben auf'
nahe, K 9880 (f. Bezold, Catalogue p. 1047), wonach
Sin, der Mondgott der asiru des dannlnu, der Erde ift, ift
Delitzfch's Auffaffung nicht befonders günftig. Ob dazu
Aslur gehört, ift nicht auszumachen. Ein Permanfivum
asnr giebt es nicht. Wie follte das zum Femininum ßtar
(III R 65, 18) gehören können? Uebrigens heifst der Gott

M. 14. —

Mit den erften 3 Lieferungen feines Affyrifchen Wörterbuchs
hatte Delitzfch der affyriologifchen Forfchung
einen kräftigen Impuls gegeben. Aber das Werk litt an
zwei Schwächen: Es war kein Wörterbuch bequem zum
Nachfchlagen, fondern eher eine alphabetifch geordnete
Sammlung von kleinen Auffätzen mit zahlreichen lofe
anhängenden Excurfen und war zu grofs angelegt, um
in abfehbarer Zeit zur Vollendung gelangen zu können.
Man darf es daher mitFreude begrüfsen, wenn Delitzfch
die Fkortfetzung des Buchs einftweilen aufgefchoben hat,
um als Lrfatz dafür ein affyrifches Handwörterbuch
zu bieten, deffen Vollendung, wie uns beftimmt verfichert
wird, nicht lange auf fleh warten laffen wird. Dies Buch
ift in der That, was fein Titel befagt. Wenn fich auch
über feine Veranlagung nicht durchweg Günffiges fagen
läfst, fo hat doch Delitzfch allen technifchen Anforderungen
entfprochen, die man billiger Weife an ein
affyrifches Wörterbuch im Jahre 1894 Hellen konnte. Die
ausgedehnte Belefenheit, die Solidität und Selbftzucht,
der Scharflinn Delitzfch's haben ein Werk aufgebaut,
deffen Einzelheiten wir allerdings vielfach bemängeln
dürfen, das in feiner Gefammtheit aber kaum Jemand
beffer machen könnte.

Es hiefse den Verfaffer geringfehätzen, wollte man
zu Allem, was er geliefert hat, ja fagen. Es heifst ihn
in feiner Bedeutung würdigen, wenn man auf einige
wunde Punkte der Arbeit den Finger legt, in der Hoffnung
, einen Anftofs dazu zu geben, dafs Derartiges in
den folgenden Lieferungen vermieden wird.

Wenn Delitzfch feit der Zeit der allererften Anfänge
der Keilfchriftforfchung fern von dem geräuschvollen
Treiben der Affyriologen auf einer weltentlegenen
Infel, z. B. auf der Ofterinfel, entziffert hätte, fo würde
es uns interefliren, nur zu erfahren, was er allein durch
eigenes Nachdenken herausgebracht hat. Das hat Delitzfch
aber nicht gethan. Er hat vielmehr im Strome
des geiftigen Verkehrs gearbeitet. Er ift zwar ein hervorragender
Forfcher, aber andere haben auch ihr bescheidenes
Theil geleiftet und der Oeffentlichkeit zugänglich
gemacht. Daraus folgt, dafs er nicht nur feine
Erklärungen geben, fondern auch die gefammte Literaturdurcharbeiten
mufste, um jedes Goldkörnchen aufzu-
lefen. Delitzfch hat allerdings Manches von Anderen
gelefen. Er citirt auch hie und da Gewährsmänner. Es
wäre aber beffer gewefen, wenn dies ganz unterblieben
wäre. Denn es erweckt, was Delitzfch nicht bedacht
hat, den Anfchein, als wenn er nur hie und da Lernender
gewefen wäre. So begreiflich es ift, dafs Delitzfch,
der den Keilfchriftftudien mit gröfserer Ausfchliefslich-
keit feine Zeit zugewandt hat, wie irgend ein Anderer,

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