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Ausgabe:

1895

Spalte:

235-237

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kraus, Franz Xaver

Titel/Untertitel:

Die christlichen Inschriften der Rheinlande. 2 Thle. in 3 Abthlgn 1895

Rezensent:

Ficker, Gerhard

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235 Theologische Literaturzeitung. 1895. Nr. 0. 236

fchnitt nennt er die berühmteften Nachfolger Symeon's,
die zugleich zu Heiligen erhoben find, den h. Daniel bei
Konftantinopel, einen jüngeren Zeitgenoffen des Meifters,
den jüngeren Symeon bei Antiochien im 6. Jahrh., den
h. Alypius, der im 7. Jahrh. in Adrianopel lebte, und den
jüngeren Lucas im 10. Jahrhundert. Einen fünften, den
h. Theodulos, der bereits vor dem älteren Symeon gelebt
haben foll, ftreicht er als unhiftorifch. Im Anfchlufs an
diefe Hauptvertreter wird fodann die Ausbreitung des
Stylitismus in den verfchiedenen Zeiten nachgewiefen.
Es ergiebt fich, dafs derfelbe vom 12. Jahrh. an abnimmt,
bis er im 16. erlifcht. Der örtlichen Ausbreitung nach
erftreckt fich die Erfcheinung über die femitifchen Völker,
die Griechen und die Aegypter. Im dritten und letzten
Capitel wendet fich der Gedanke den Lebensverhältnifsen
der Heiligen zu. Es kommen dabei viele intereffante
Einzelheiten zur Sprache, wie die Bauart der Säulen, die
Nahrungsweife, die Befchäftigung und Anderes. Ueberall
erhält man durch die ausgezeichnete Literaturkenntnifs
und die vorzüglichen Conibinationen des Verfaffers reichliche
Belehrung.

Erichsburg. Ph. Meyer.

Kraus, Frz. Xav., Die christlichen Inschriften der Rheinlande.

2 Thle. in 3 Abthlgn. Freiburg i. B., J. C. B. Mohr,
(gr. 4.) Kart. M. 80. —

Inhalt: I. Die altchriftlichen Infchriften der Rheinlande von den
Anfängen des Chriftenthums am Rheine bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts
. (IX, 171 u. 8 S. m. Abbildgn. u. 22 Taf. in Lichtdruck). 1890.
M. 30.—. — II. Die chriftlichen Infchriften von der Mitte des 8. bis
zur Mitte des 13. Jahrhunderts. I. Abtlg. Die Infchriften der Bisthümer
Chur, Bafel, Konflanz, Strafsburg, Speyer, Worms, Mainz u. Metz.
(160 S. m. Abbildgn.) 1892. M. 20.—. — 2. Abtlg. Die Infchriften der
Erzbisthümer Trier u. Köln. (XII u. S. 161 — 378 m. Abbildgn. u.
9 Taf. in Lichtdr.) .894. M. 30.—

Das Werk nahezu dreifsigjähriger Sammelthätigkeit
liegt nun vollendet vor. Niemand ift wohl in gleichem
Mafse für die Herausgabe der chriftlichen Infchriften der
Rheinlande geeignet gewtfen als Geheimrath Kraus.
Durch feine langjährige Befchäftigung mit den Kunft-
denkmälern von Elfafs-Lothringen (Kraus, Kunft und Alterthum
in Elfafs-Lothringen, 4 Bde., Strafsburg 1876—92)
und mit denen Badens (Kraus, die Kunftdenkmäler des
GH. Baden, I—III, Freib. i. Br. 1887—92) hat er fchon
fpeciell für das vorliegende Werk wichtige Vorarbeiten
geliefert. Dazu mufste ihm feine genaue Kenntnifs der
chriftlichen Archäologie, wie er fie einmal in der Roma
sotterranea, 2. Aufl. Freiburg 1879; und dann in der Real-
Encyklopädie der chriftlichen Akerthümer, Freiburg 2 Bde.
1882. 86 bewiefen hat, trefflich zu Hatten kommen. Des
Dankes und der Anerkennung aller Freunde des chriftlichen
Alterthums und Mittelalters in Deutfchland kann
der Herausgeber fich auch für das vorliegende Werk
verfichert halten.

Ich hebe gleich hier hervor, was ich für befonders be-
achtenswerth und verdienftlich halte: 1) dafs die Sammlung
der Infchriften bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts
fortgeführt ift und 2) dafs dem Werke 31 ausgezeichnete
Tafeln in Lichtdruck beigegeben find. Mit jenem ift der
Sammlung mittelalterlicher Infchriften ein verheifsungs-
voller Anfang gemacht; mit diefem ift Gelegenheit geboten
, als Erfatz für die Originale Paläographie zu
treiben — und die Publicationen controlliren zu können.

Ich gebe zuerft eine kurze Ueberficht des Inhaltes,
foweit es für die Zwecke diefer Zeitfchrift dienlich
erfcheint.

Beiden Bänden ift die Eintheilung nach Bisthümern
zu Grunde gelegt: vom Bisthum Chur rheinabwärts bis
zum Bisthum Köln. Die Infchriften Holland's find alfo
nicht in die Sammlung aufgenommen. Altchriftliche Infchriften
bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts werden unter

[315 Nummern vorgeführt (Bd. I Nr. 1—303; in den Nach-
! trägen Nr. 304—306; Bd. II, unter den Nachträgen S. 343
—346 Nr. 307—315); viele Nummern enthalten mehrere
Stücke: Nr. 254 6r, Nr. 117 fogar 128, Die meiften
Nummern fallen auf das Bisthum Trier Nr. 69—279.

Der 2. Band enthält die mittelalterlichen Infchriften
in 688 Nummern (Nr. 1 — 677; Nr. 678—688 in den Nachträgen
S. 350-353). Hier weift das Erzbisthum Köln
relativ die meiften Nummern auf. — Beide Bände führen
in je einem erften Anhange die von auswärts eingeführten,
in einem 2. die gefälfehten Infchriften auf: Bd. I, Anhang
I: 13 Nummern; dazu in Bd. II, S. 346 f. Nr. 14
und 15; Anhang II 20 Nummern; Bd. II, Anhang I
12 Numrmrn; Anhang II 54 Nummern. — Dazu kommen
noch Addenda und Corrigenda, Nachträge zu den einzelnen
Infchriften am Schluffe jeden Bandes; die 2. Abtheilung
des 2. Bandes enthält die Prolegomena, das
Verzeichnifs öfter angeführter Werke, die Indices in
15 Abtheilungen.

,Für die Anordnung des Textes war die in dem Corpus
Inscriptionum Latinarum zur Anwendung gelangte Ordnung
und Methode maafsgebend. Demnach folgen fich
regelmäfsig: Fundort, bzw. Fundbericht, Text der In-
fchrift, Litteratur, kritifcher Apparat und exegetifcher
Commentar, letzterer felbftverftändlich mit Befchränkung
auf das Nothwendigfte'. (Vorwort zum 1. Bde., p. IX.)
Alle diefe Grundfätze find durchaus nur zu billigen: hat
fich doch die Methode des CIL von Jahr zu Jahr mehr
bewährt; auch das ift zu billigen, dafs für den Text die
deutfehe Sprache gewählt worden ift. Auch die Anwendung
verfchiedener Typen für erhaltene, verloren
gegangene Infchriften etc. ift fehr nützlich.

Der erfte Band bietet zum gröfsten Theile Grabfchriften
. Ihr Werth wird dadurch bedeutend in Frage
geftellt, dafs unter ihnen fich nur fehr wenig datirte
rinden: nach dem Index nur 5 refp. 6; doch müffen auch
hier noch einige geftrichen werden. Der Werth diefer
Grabfchriften liegt hauptfächlich in den Eigennamen,
j welche fie bieten, und in ihren epigraphifchen Formeln.
Für die Ausbreitung des Chriftenthums in den Rheinlanden
zu irgend einer beftimmten Zeit erlauben fie keine
abfolut ficheren Schlüffe. Die wichtigfte unter allen chriftlichen
Infchriften der Rheinlande ift nach Kraus felbft
(Bd. I, S. 144) die Clematiusinfchrift (Nr. 294), deren
Echtheit neuerdings durch Duchesne in Zweifel gezogen
worden ift (vgl. Bd. II, S. 343).

Anders liegen die Verhältnifse bei den Infchriften
des zweiten Bandes. Datirungen find hier nicht fo feiten
(der Index zählt ca. 100 auf). Wir haben es auch nicht
mehr faft ausfchliefslich mit Grabfchriften zu thun: und
diefe find, trotzdem fie oft nur abgebrauchte Phrafen
bringen, reichhaltiger an hiftorifchen Angaben. Freilich
ift bei vielen, die nur handfehriftlich erhalten find, noch
erft zu unterfuchen, ob fie wirklich monumentale Verwendung
gefunden oder ob wir es nicht einfach mit
Versübungen zu thun haben. Daneben aber finden wir Infchriften
, welche ,von der Gründung oder Dedication von
Kirchen, von der Ausftattung derfelben, von dem Schmuck
kirchlicher Cultusgegenftände, von der auf allen Gebieten
i fichtbaren Verwendung der bildenden Kunft im Dienfte
j der Kirche' (Prolegomena, p. IX) berichten. Unter diefen
find einige von der gröfsten Wichtigkeit, fowohl für den
Kirchen- wie für den Kunfthiftoriker.

Zu beklagen bleibt, dafs Kraus an der Ausführung
feiner Abficht verhindert worden ift, der Paläographie
eine eingehende Darftellung zu widmen. Die Krankheit
des Verfaffers hat es ebenfalls verfchuldet, dafs die Indices
vieles zu wünfehen übrig laffen. Um andern eine Mühe
zu erfparen, zähle ich Folgendes auf: Concordanz der
Tafeln und des Textes (letzte Seite des 2. Bandes):
Taf. II2 entfpricht Nr. 24; VIIU = 110; VIII17 == 230;
IX211 ==93; x2=i28; X* = 234; X"1 = 104; X14=l83;
X20=2i6; X22=306; X2t=248; X"o=i73; XV 1 — II 359;