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Ausgabe:

1895

Spalte:

229-231

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Heinr. Aug. Wilh.

Titel/Untertitel:

Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. 10. Abth.: Die Thessalonicherbriefe. 5. u. 6. Aufl 1895

Rezensent:

Clemen, Carl

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22g

Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 9.

die ältere fei, die nicht-elidirende Analogiebildung I methodifche Unterfcheidung zwifchen folchen Aeufser-
nach dem ftarken Verbum. Der Verf. der erften Arbeit, j ungen des Apoftels, die auf eine beftimmte Veranlagung
Kerber, verfpricht an anderem Orte neue Hexaplafrag- [ hinweifen und andern, bei denen das nicht der Fall ift. Bei

mente zu Lev. und Deut, aus BH. zu veröffentlichen; fie
werden jedenfalls willkommen fein.

Ulm a. D. E. Neftle.

Meyer's, Heinr. Aug. Wilh., Kritisch-exegetischer Kommentar
über das Neue Testament, begründet v. M. 10. Abth.
Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1894. (gr. 8.)

M- 9 —1 8eb- M- I0- S°

Inhalt: Die Theffalonicherbriefe. 5. u. 6. Aufl. Völlig neu bearb. von

Prof. geiftl. Infp. Lic. W. Bornemann. (VIII, 708 S.)

Das vorliegende Werk fafst in trefflichfter Weife die
gefammte bisherige wiffenfchaftliche und praktifche Arbeit
an den Theffalonicherbriefen zufammen und wird | mittelbar verftändlich find, (z. B. txxXnola, xvqioq, ßaoiXsia,

I, 2 wird eine apologetifche Ablicht geleugnet, bei c. 3
behauptet, wenigftens als „Nebengedanke", wie ein folcher
auch fonft angenommen, aber faft immer erft eingetragen
wird. Bekenntnifs derSehnfucht nach perfönlichem Wieder-
fehen follte in einem echten Briefe überhaupt nicht .begründet
' zu werden brauchen! Schmidt, auch gegen Jülicher).
Bezüglich 2,3 ff. dagegen wird Lipfius, den B. viel zu fchnell
abthut, immer Recht behalten, wenn er fagt: Dafs diefe
Worte fchlechthin aller äufsern Veranlaffung oder Beziehung
entbehren follten, ift fchlechthin unglaubhaft (vgl. auch
Jülicher, Haupt, StKr 1895, 381 f., Franke, ebenda 432,
die aber an Verleumdungen durch Juden denken). Auch
einzelne Ausdrücke und Anfchauungen, die uns durch
Gewohnheit geläufig, aber im Grunde keineswegs un-

daher auf lange Jahre hinaus als Standard work über die- cldjja u. f. w. ü. f. w.) hätten erklärt werden follen. Theils
felben gelten können. Enthält es doch aufser der Einzel- getchieht das ja fpäter, beim zweiten Brief; aber fo an-

erklärung der beiden Briefe (S. 48—250. 326—400) und
ausführlichen Einleitungen und Rückblicken (S. 8—47.
150—326. 460—537) fowie einer gefchichtlichen Ueberficht
über die Deutungen des Abfchnitts II. Th. 2,1 — 12 (S.
400—459) endlich noch eine 170 Seiten umfaffende Ge-
fchichte der Auslegung der beiden Briefe, in der fowohl

gebracht eine folche Oekonomie auch in der Vorlefung
fein mag, im Commentar erwartet man doch jeden Ausdruck
da, wo er zuerft begegnet, erklärt zu finden. Abweichender
Meinung bin ich endlich, um hier nur die
wichtigeren Punkte anzuführen, über die Weglaffung der
Selbftbezeichnung Pauli als ästöoxoXoq in der Adreffe,

~ oiUpmcinpii fkizzirt als die ich wie Hofften erkläre, u. den Sinn diefes Titels über

che Entwicklung f^£^J^^5X fä^^ Haupt, über den eine abfchliefsende Unterfuchung noch

ihre einzelnen Erfchemungen im ganzen ntcnt wen g ^ dankenswerth wäre, über den Urlprung

als 137) durch verfch.edenartige Belege charaKterii.n g^^. ^ fich fchon T, fi£ ,( , apQC ßar.

78,2 findet, über IxXoySj I, 1,4, das von den grofsen Paulinen
aus auszulegen, methodifch unzuläffig ift, über die
Interpunktion in v. 8, die bereits Schmidt und Schmiedel
zuruckgewiefen haben. Die Auslegung von 2,9 ift gefacht;

werden.

Ich will zunächft gegen diefen Theil nicht einwenden,
dafs hier mancher Commentar und manche Exegefe der
wohlverdienten Vergeffenheit von neuem entriffen wird.
Denn auf der andern Seite macht diefe Ueberficht auf

eine ganze Reihe älterer und neuerer Arbeiten aufmerkfam. es handelt fich einfach um den im Griechifchen fo häufigen
aus denen fort und fort zu lernen ift. Namentlich gilt j Gebrauch, den Hauptgedanken im Participium auszu-
das von den englifchen Comentaren, die überhaupt in drücken. Ebenfo wird dem Ausfall gegen die Juden
Deutfchland viel zu wenig bekannt find. Selbft bei B. 1 V. 15 f. ein fremdes Motiv untergelegt; er erklärt fich
vermiffe ich noch eine felbftändige Benutzung eines der wie die ähnlichen Stellen act. 2, 23. 3, 13 ff. 4. 10 aus
wichtigften, nämlich des von Jowett, dem jüngft ver- der noch lebendigen Erinnerung an den Juftizmord an
ftorbenen Master of Balliol in Oxford. Weiterhin die An- ; Jefu. Dafs die &lhmq 3, 3 f. nicht die Theffalonicher

Ordnung, vermöge deren über einzelne Stellen (z. B. I.
Th. 4, 6) an über 100 Orten gehandelt wird, ift ja höchtt
unbequem und wird die Benutzung der Ueberficht für
andere fehr erfchweren; gleichwohl war fie kaum duren
eine andere zu erfetzen. Denn fo zahlreiche Sondermeinungen
liefsen fich auch nicht zu der Stelle felbft,
nicht einmal unter dem Text anführen. Sollte ,die berechtigte
hiftorifche Eigenthümlichkeit des alten Meyer,
der Charakter eines Repertoriums' gewahrt werden, fo
mufste im Texte (nicht, wie früher, eine möglichft voll-
ftändige Zufammenftellung aller bisher vorgetragenen, fondern
) eine Auswahl der wirklich in Frage kommenden
Erklärungen gegeben werden — denn, in Anmerkungen
verwiefen, treten diefelb en immer hinter der Meinung
des jeweiligen Herausgebers ungebührlich zurück; zu einer
Gefchichte der Auslegung verarbeitet aber gehören fie
überhaupt nicht in ein Paftoren- und Studentenbuch, das
fich auch fonft gröfserer Knappheit befleifsigen könnte.
Denn über 700 Seiten Kommentar zu 8 Seiten Text ift
etwas viel.

betreffen können, hat fchon Schmidt nach Erasmus gezeigt
und neuerdings auch Spitta anerkannt. Ganz unmöglich
ift die Zerlegung und Erklärung von 4, 4; denn
tlötvai heifst auch 5, 12 nicht: Rücklicht nehmen, xräoS-ai
aber kann kaum fo abfolut = dem Erwerb nachgehen
gebraucht werden und vor allen pafst dann v. 7 erft recht
nicht. Um desfelben und des in v.9 Folgenden willen mufs
man vielmehr mit manchen älteren und neueren Auslegern
auch v. 6 von Sunden in puncto sexti verliehen, wie
xieovsgla aufserdem IL Pe. 2, 3 ff. Eph. 4, 19 und vielleicht
auch 5, 3. 5 Kol. 4. 191. Cor. 5, 10 f. 6, 10 zu deuten
ift. Für 5, 1 ff. hätten Weftrik und Klöpper mehr ausgenützt
werden können; ebenfo für II, 1, 5 ff, wo B.,
obwohl er feine Auslegung als über allen Zweifel erhaben
bezeichnet, doch der fo überaus nahe liegenden Gefahr
verfallen fein dürfte, des Apoftels Worte nach modernen
Anfchauungen umzumodeln (vgl. Ritfehl 3II, 115 f.). Unbegründet
erfcheint mir die Herleitung von v. 70—10 aus
einem urchriftlichen Pfalm oder Hymnus; denn eine ähnliche
Digreffion fanden wir fchon I, 2, 14 ff., wirklicher

Die Behandlung der fog. Einleitungsfragen durch B. parallelismus membrorum aber ift hier nicht vorhanden
wird man im grofsen und ganzen durchaus gut heifsen j und das Sätzchen lOb hat wiederum fchon Klöpper richtig
können; auch ihre theilweifeBefprechung nicht vor, fondern erklärt. Sehr werthvolle und beachtenswerthe Anfätze zu
nach der Einzelexegefe verdient ohne Frage allgemeine einer wahrhaft hiftorifchen Auslegung finden fich dagegen
Nachahmung. Befonders beachtenswerth ift die Charak- zu c. 2. B. erkennt hier ein feltftehendes efchatologifches

teriftik des erften Briefs, während fich der Verf. betreffs
des zweiten durch Spitta etwas das Concept hat verrücken
laffen. Unter den Beftreitern ihrer herkömmlichen Reihenfolge
hätte noch Michelfen, ThT 1877, 217 genannt

Lehrftuck, das nicht im einzelnen zeitgefchichtlich gedeutet
werden dürfe, wenngleich er, in die literarkritifche
Methode zurückfallend, als feine Quellen Daniel und
einige Pfalmen bezeichnet, für das Judenthum aber hier

werden können. ; und anderwärts neben den fchon von Früheren citirten

Endlich bei der Einzelerklärung vermiffe ich trotz , Pfalmen Salomo's nur auf — Eifenmenger verweift. Con-
vorwiegender Uebereinftimmung mit B. vor allem eine [ fequenter hat Gunkel in feinem epochemachenden Buch: