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Ausgabe:

1895

Spalte:

201-204

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baumann, Victor

Titel/Untertitel:

Hebräische Relativsätze. Ein Beitrag zur vergleichenden Syntax der semitischen Sprachen 1895

Rezensent:

Stade, Bernhard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack. Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N°- 8.

13. April 1895.

20. Jahrgang.

Haumaun, Hebräifche Relativfätze (Stade).

B ran dt, Die evangelifche Gefchichte und der
Urfprung des Chriltenthums (Link).

Lisco, Paulus Antipaulinus (Schmiedel).

Arnold, Caefarius von Arelate und die gallifche

Kirche feiner Zeit (Loofs).
Acta martyrum et sanctomm, syriace ed. Bedjan

t. IV (Neftle).

Zahn, Studien über Johannes Calvin (Kawerau).
Francke's Grofser Auffatz, hrsg. von Fries
(Kawerau).

Erichfon, Das theologifche Studienftift Colle-
gium Wilhelmitanum 1544—1894 (Ficker).

Baumann Dr. Vict. Hebräische Relativsätze. Ein Beitrag I mehr kenntlich gemacht werden kann, doch virtuell, im

. . , ,' c ,.„„ j„ fomlfifrliPTi Snrachen i gleichen Cafus wie diefes flehen. Sie gehören daher

zur vergleichenden Syntax der lemitucnen opracncn. t> ____ &

*» ' o / c 8 M r do "enau befehen dem fyntaktifchen Gefuge des Haupt-

Leipzig, Harraffowitz, 1894. (50 b. gr. ö.j m. t- uu , faUes an nehmen fchon defshalb eine vöUig andere

In diefer Arbeit, einer Leipziger philofophifchen
Doctordiffertation, unterfucht der Verfaffer nicht nur die
durch die fogenannten Relativa lOS, O, IT, PIT, PI eingeleiteten
Sätze, fondern, was vom Standpunkte der
femitifchen Sprachen aus betrachtet allein richtig ift, alle
Sätze, weiche als Ausdruck des attributiven Verhältnifses
einer Ausfage zu einem Regens nominaler Natur zu betrachten
find. Er behandelt alfo, um die Kunftausdrücke
der arabifchen Nationaigrammatiker zu gebrauchen, nicht
nur die Sila, in der allein das attributive Verhältnifs der
Ausfage durch ein Relativum kenntlich gemacht wird,
fondern auch die Sifa, die eine unmittelbar dem Bezugswort
beigeordnete Ausfage vorftellt. Schon in dem
Nebeneinanderbeftehen von Sila und Sifa verräth fleh ja,
dafs die femitifchen Relativfätze anders zu bcurtheilen
find, als die indogermanifclien, und dafs die femitifchen
Relativa in ihrer Natur verkannt werden, wenn man fle
als blofse Medien der Beziehung auffafst, die als Com-
plement eines Pronomen separatum oder suffixum bedürfen
. Bei der Vorführung der Sila aber befchränkt
fleh der Verf. zunächft auf folche Beifpiele, in denen als
Relativpronomen nc'S verwandt wird. Die feltneren und

fait durchweg der jüngeren Literatur angehörenden Re- jectivifch, fondern fubjectivifch gebraucht wird

lativfätze mit o', W. ITT, PI verfchiebt er fleh für den
Schlufs der Arbeit. Sie 'ftimmen in ihrem Bau völlig zu
den an den Sätzen mit -iE'!* gewonnenen Refultaten.
Die an diefen wie an der Sifa des Hebräifchen gemachten
Beobachtungen werden weiter erläutert und geprüft an
dem Gebrauche der verwandten Sprachen, an den Sätzen
mit ^(XJt, .3 u. f. w., ?, za, 'enta, 1'ela im Aethio-
pifchen wie an der Sifa, foweit fle fleh in diefen Sprachen
erhalten hat, denn diefe ift zwar im Arabifchen
auf das feinfte von der Sila abgegrenzt, im Edeffenifchen
aber nahezu verfchwunden. Nicht herangezogen wird
das Affyrifch-Babylonifche. Nicht berückfichtigt werden
die Sätze mit ftö.

Zum Ausgangspunkt der Unterfuchung wählt der
Verf. die Sifa. Da fle eine, in der Sila in völlig gleicher
Befchafferiheit wiederkehrende, Ausfage enthält und von
diefer fich nur durch das Fehlen des Relativum unter-
feheidet, fo fchliefst er mit Recht, dafs für das femitifche
Sprachgefühl das attributive Verhältnifs, in dem eine
Ausfage zu einem Regens nominaler Natur fleht, durch

völlig

Stellung ein, als die Relativa der indogermanifchen
Sprachen. Es ift der demonftrative Charakter der femitifchen
Relativa und ihr appofltionelles Verhältnifs zu
dem Regens des Hauptfatzes von den Arabiften fchon
mehrfach hervorgehoben worden, für die hebräifchen
Relativa glaubt beides der Referent in feiner Grammatik-
ausreichend betont zu haben.

An die Befprechung der unfelbfländigen Relativfätze,
d. h. alfo nach dem Erörterten der Fälle, in denen eine
Ausfage mit (Sila) oder ohne Beziehungswort {Sifa) auf
ein Regens folgt, fchliefst der Verf. von S. 16 an die
Unterfuchung der felbftändigen Relativfätze, d. h. der
Fälle, in denen TOS einen felbftändigen Satz einleitet, fo
dafs an eine demonftrative Appofltion desfelben zu einem
vorhergehenden Nomen nicht gedacht werden kann. Er
zeigt, dafs in diefen Sätzen weder eine Ellipfe vorliegt,
noch ein Demonftrativum zu ergänzen ift, dafs man fich
die Conftruction aber auch nicht durch die Annahme zu
erklären hat, dafs das Relativum einen Demonftrativ-
begrift" in fich enthalte (derjenige, welcher). Vielmehr
ftellen die Relativa auch hier ein Demonftrativum vor, das
jedoch nicht wie beim unfelbfländigen Relativfatz ad-

Von S. 26 an wird der Gebrauch des rückbezüglichen
Pronomens (al- aid) näher unterfucht, insbefondere feine
Unterdrückung in der Sifa, in der SV/n und im felbftändigen
Relativfätze. Den Schlufs der Abhandlung aber bilden,
wie oben bemerkt, die durch O, s»t, PIT, PI eingeleiteten
Relativfätze. Bei Befprechung "des etymologifchen Verhältnifses
von O zu TOS tritt der Verf. auf die Seite
derer, welche TOS für eine auf dem Wege der Compofition
mit anderen Deutewurzeln (s und b) entftandene Weiterbildung
aus der Demonftrativwurzel sa (erhalten auch
in OO) anfehen, und bekämpft die Hypothefe, dafs O wie
phön. OS aus TOS verkürzt feien, wie die Herleitung
von TOS von einem Nomen in der Bedeutung Ort (vgl.
arm. -ins, Sendfchirli IOS).

Wer heutzutage Fragen aus der Syntax des Hebräifchen
bearbeitet, befindet fich in zwiefacher Hinficht
vor einer befonderen, durch den augenblicklichen Stand
der Wiffenfchaft bedingten Aufgabe. Er hat die fprach-
lichen Ei fcheinungen aus ihrer Eigenart zu erklären und
dabei den Sprachgebrauch der verwandten Sprachen zur

die blofse Beiordnung zum Ausdrucke kommt, und dafs Controle und Erläuterung forgfältig heranzuziehen, und

das Regens im beigeordneten Satze durch das fogenannte j er hat darauf zu achten, dafs er nur gefichertes Material

zurückweifende Pronomen {al-aid oder ar-rägi' der 1 zur Unterlage für feine Schlüffe verwende, daher genau
arabifchen Grammatiker) vertreten wird. Die Relativa | in Anfchlag bringe, was fich in unferem Bibeltexte aus

aber find eigentlich, was für die meiften ja fchon aus den Schickfalen feiner Ueberlieferung erklärt, oder mit

ihrer Form zu erfchliefsen ift, Demonftrativpronomina, andern Worten: Textkritik zu treiben. Der erften Auf-

die in Appofltion zu dem Regens des Hauptfatzes und gäbe entfpricht der Verf. in ficherer und methodifch

daher, wenn das durch die grammatifche Form nicht richtiger Weife. Seine Arbeit verräth tüchtige Schulung.

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