Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1895

Spalte:

186-187

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Treitschke, Heinrich v.

Titel/Untertitel:

Gustav Adolf und Deutschlands Freiheit 1895

Rezensent:

Virck, H.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

!8: Theologifche Literaturzeitung. 1895. Nr. 7. 186

die Stücke hinzieht, die ficher oder fe'nr wahrfcheinlich
fpäter anzufetzen find: 19o1 19137 1937. u 1942.3. 19515.33.
Dagegen wechfelt in c. 8, zweimal auch in c. 9 und dann
wieder c. 12 die erfte Perfon debemus caveamus u. f. w.
mit der dritten Perfon, die fonft überall fleht, und fie
löft in dem Abfchnitt c. 17 von 19730 an die dritte Perfon
ab (sciamus; 198 2f. caveamus, custodiamus u. f. w. bis zum
Schlufs des Cap. 171. Ebenfo c. 19 wie in c. 22.

Ich möchte hieraus, fowie aus andern Gründen, von
denen ich hier abfehen kann, freilich mit aller Vorficht,
den Schlufs ziehen, dafs wir da auf Stücke ftofsen, die
ähnlich wie c. 4 mit dem, was fonft dazu gehört, ur-
fprünglich felbftändig waren und dann der Regel von
1221 eingefügt wurden. Sabatier, der mit Recht auf die
grofse Aehnlichkeit der Regel von 1221 mit den Ad-
vwnitiones des Heiligen aufmerkfam macht, hat S. 297 f.
eine etwas andere Löfung. Dafs aber folche felbftändige
Stücke zwifchen 1209 und 1221 entftanden find, fcheint
mir auch die Vorfchrift für die Brüder in Emeritorien zu
beweifen, die unter den ,Collatiouesl Franzens fleht.

In c. 17 heifst es: Nullus frat nun praedicet contra
fonnam et institutionem sancte ecclesie nisi concessum
fuerit sibi a suo ministro u. f. w. Ich fehe nach dem, was
ich oben gefagt habe, von den gerade hier fehr bedeut-
famen Varianten ab und mache nur darauf aufmerkfam,
dafs mit der Wendung ,contra formam u. f. w.' ebenfo
wie in c. 2 (19013 f.) auf ein directes päpftliches Gebot
hingewiefen ilt. Eine Bulle für den Orden, wie fie als
Vorausfetzung von c. 2 noch vorhanden ilt, haben wir
für c. 17 bisher nicht. Es läge daher nahe, an c. 3. Lat,

hoffe, bezeugen, mit welchem Genufs und Gewinn ich
diefes bedeutende Buch gelefen habe.

Breslau. Karl Müller.

Sabatier, Paul, Leben des heiligen Franz von Assisi.

Autorifirte und durch üriginalmittheilungen des Ver-
faffers bereicherte Ueberfetzung der 9. Originalaufl.
von M. L. Berlin, G. Reimer, 1895. (VI, LXVIII,
346 S. gr. 8.) M. 7. -

Seitdem ich obige Anzeige gefchrieben habe, ift
auch eine deutfche Ueberfetzung diefes Werks erfchienen.
Ich habe fie für die Correctur nicht mehr vollftändig
lefen können, aber was ich gelefen habe, ift vortrefflich
überfetzt, correct und fiüffig, nicht zu wörtlich und darum
lesbarer: nur geht dadurch auch hie und da ein Zug des
Originals verloren, den man nur ungern vermifst.') Der
Verf. hat die Ueberfetzung mit einigen Zufätzen aus-
geftattet, z. B. einem Hinweis auf die vorher von ihm
überfehenen vortrefflichen Arbeiten von Lempp über
Antonius von Padua und die Anfänge des Ciariffenordens,
vor allem aber mit einer neuen Entdeckung von höchftem
Intereffe. Schon im franzöfifchen Original S. XLIII hatte
er auf den eigenhändigen Segensfpruch des h. Franz für
Bruder Leo hingewiefen, der im Sacro Couvento aufbewahrt
wird. Br. Leo felbft hat diefen Spruch gleichfalls
eigenhändig beglaubigt und dazu beigefchrieben,
dafs auf der anderen Seite des Blattes, von Franzens
Hand gefchrieben, ein Lobgefang ftehe, den der Heilige
121; (=c. 13. *6 X. de haeret. [Vi]) zu denken. Das ift gelungen habe, als zwei Jahre vor feinem Tode die
beim Text des Iirmann ntum durch die Worte ,nisi con- I '
cessum fuerit sibi a suo ministro1 ausgefchloffen, aber bei

dem des Lib. confirm., der vor nisi ein et einfügt, nicht
ganz unmöglich.

Dafs die Curie an der Entwicklung der Genoffen-
fchaft fchon frühzeitig durch Cardinäle, vor Allem Hugolin,
betheiligt gewefcn fei, hatte ich bereits S. 69 f. hervorgehoben
. Sabatier hat diefen Einflufs noch weiter nach-
gewiefen und erheblich verftärkt. Aber nicht alles, was
er da fagt, dürfte die Probe beliehen: dafs Hugolin
den Gedanken gehegt habe, die beiden jungen Bettelorden
in einen zu verbinden, ift zwar S. 248 wie eine fefte Sache

behandelt, aber S. 245 doch nur fpielend wie eine Phantafie jreitschke, Heinrich v., Gustav Adolf und Deutschlands

S.'s eingeführt und in den Quellen nicht einmal ange- i r-Q:uQit ;„rtr,„ „Ov,.,if0„__„ ri ~u o

, . , ,. , 1 , r da t> a j r r i Freiheit. Vortrag, gehalten am q. December iScu in

Hentpi- Aptin irh hahen fich S 276 Reflexionen des Verf. ö> & v ».».iwu» luyij m

Stigmata empfangen habe. — Diefes Pergament ift aber
in ein Reliquienkäftchen derart eingelaffen, dafs die Rückfeite
verdeckt bleibt. In Affifi war in Folge deffen diefe
einzigartige Reliquie vollkommen vergehen! Sabatier
hat trotz aller Anftrengungen es nicht erreichen können,
dafs er fie unterfuchen durfte: auf der Rückfeite, fagte
man ihm, ftehe nichts gefchrieben. Inzwifchen hat S.
eine Abfchrift im ftädtifchen Archiv von Affifi gefunden,
die er nun abdruckt!

Breslau. Karl Müller.

deutet. Aehnlich haben fich S. 276 Reflexionen des Verf.
über das, was Hugolin gedacht und gethan haben könnte,
allmählich fo verdichtet, dafs fchliefslich eine ganze Ge-
fchichte daraus geworden ift. Auch dafs bei der Krifis,
die der Orden während Franzens Orientfahrt erlebt hat,
die Curie durch Hugolin treibend betheiligt gewefen
fei (S. 255 ff.), fcheint mir nicht fo ficher erwiefen; ich finde
nur dafür federen Anhalt, dafs fie die Vorkommnifse
nicht verhindert oder auch dafs fie fie ausgenutzt hat.
Möglich aber bleibt natürlich auch das erfte.

Dafs auch der Regel von 1223 längere Verhandlungen
vorausgegangen find, ift aufser durch Gregor's IX.
Bulle Quo elongati durch Ehrle's Quellen (Archiv III
601 ff.) ficher geftellt; dafs die Minifter vieles geftrichen
haben, was Franz aufgenommen wiffen wollte, hat Sabatier
323 aus dem Spec. vitae aufgenommen. Vgl. auch was
ich oben über LC9, 3 ausgeführt habe. Dafs er nach (oder
unmittelbar vor?) der päpftlichen Beftätigung noch einmal
den vergeblichen Verfuch gemacht hat, ein ihm
werthvolles Wort einzufügen, kann aus II Thom. Cel. 3,132
(S. 133) hinzugefügt werden.

S.'s Darfteilung fcheint mir aber endlich auch das
wahrfcheinlich gemacht zu haben, dafs Franz in den
letzten Jahren fich nicht blofs von der Leitung des Ordens

_.(■ J, . .. , , , r ■■ j_,„ A-,Cc 1... ,,,,,viir iiiuneu mein m. neust-, »ic ne zu meinen lcnemi, wen iranzonicne tiol-

mifsmuthig zurückgezogen habe, fondern dals er unmit- Uchk(;it auch vor fcdbÄ Namen ehi M fe&, Auch geht es ^ W( h,
telbar verdrängt worden ift. i Namen, wie den des englifchen Mönchs Matthaeus Paria in der fran-

der Sing-Akademie zu Berlin. Leipzig, Hirzel, 1895.
(29 S. 8.) M. 1. —

Das kleine Schriftchen, das einen Vortrag Treitfchke's
in der Berliner Sing-Akademie wiedergiebt, hat es be-
fonders darauf abr/efehen, dem Lefer den grofsen Zu-
fammenhang der Ereignifse ins Gedächtniss zurückzurufen
, in denen G. A. eine fo bedeutende Rolle fpielt.
Wir fehen, wie der erfte Wafa, indem er das Land von den
Dänen und der drückenden Herrfchaft der Hanfa befreit,
das nationale Königthum gründet und den Staat in fo
enge Beziehung zu der evang. Lehre fetzt, dafs er mit
derfelben fleht und fällt; wie dann die ältere Linie des
Gefchlechtes in Folge der Gewinnung der polnifchen
Kro ne und ihres Uebertritts zum Katholicismus aus
Schweden vertrieben wird, und das Land, nunmehr
unter der Führung der jüngeren proteft. Linie, zu
Polen in feindlichen Gegenfatz tritt. Während des polnifchen
Kampfes entfteht in Guftav Adolf der Plan eines
fkandinavifchen Grofsreiches, das alle Geftade der Oftfee
umfaffen foll. Durch die Niederwerfung der Proteftanten
in Deutfchland aber und das Vordringen der kaiferlichen

1) Der verehrten Ueberfetzerin bemerke ich, dafs ich mit Vornamen
nicht M. heifse, wie fie zu meinen fcheint, weil franzöfifche Höf-

Ich breche damit ab. Mein Bericht wird, wie ich ; zöfifchen Form Matthieu wiederzugeben.