Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1894 Nr. 6

Spalte:

163-165

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pératé, André

Titel/Untertitel:

L‘archéologie chrétienne 1894

Rezensent:

Ficker, Gerhard

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

163 Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 6. 164

uaxu xa ngoaxax&Evxa /.cti sonioautv
xai [xto]v i[eQ£ttov] s[yecoait£&a zat]
10 [at-iotttsv vpag vnocrjiiEito]

aaod-ai rjftiv Öievc[v%slie]
aygif- avgog zat naaßtjg EniÖEÖto"
loidcoQog syg v ctvT aygj

Die Unterfchrift des Beamten fehlt leider. ZZ. 12. 13
find von zweiter Hand gefchrieben. Z. 13 ift aufzulöten:
imdcogog sygaxpa vtceq ccvxiov aygapiiaxiov. Der Ort Philadelphia
in Aegypten ift auch fönst bekannt, ebenfo die
Annahme des Namens ,Aurelius' feit Caracalla.

Dieter von einem Brüderpaar und ihren Frauen —
fie wohnten vor den Thoren Philadelphia's — flammende
Libellus ift auch nach dem von Krebs veröffentlichten
(f. meine Anzeige in diefer Zeitung 1894 Nr. 2) von
Wichtigkeit; denn er beftätigt:

1) dafs befondere Commiffionen zur Controle des
Opferns eingefetzt waren,

2) dafs die libelli in ftereotyper Form ausgestellt
wurden (die Differenzen find gering; man beachte besonders
das uel dvovteg xotg IrEotg disislsoaiisv und das
zat vvv),

3) dafs man es mit dem Gebot: nävxag ävögag <<iia
yvvaig~i (f. meine Wiederherstellung des decianifchen
Edicts, a. a. O. Col. 41) ernfl genommen hat,

4) dafs meine Conjecturen im Krebs'fchen Libellus
EOnsioa zat xcov ixgsicov Eyscaapry richtig gewefen find;
denn er bietet a) das sonioatiEv, b) das von mir geforderte
zat und macht es daher c) gewifs, dafs nach dem
Opfern (dafs diefes in dem Weffely'fchen Papyrus fehlt,
ift eine Breviloquenz) und Spenden das ,Effen! gestanden
hat. Das decianifche Edict lautete alfo wirklich fo wie
das fpätere fog. 5. Edict Maximin's. Man vgl. übrigens
jetzt auch die von Conybeare aus dem Armenifchen
veröffentlichten Acta Quadrati {p. 193): Jf they consented
to eat of the unclean meats offered to Idols, they were
then released zvithout torture and senl to their respective
hoiues1.

Berlin. A. Harnack.

Perate, Andre, L'archeologie chretienne. Paris, Ancienne
maison Quantin, Librairies-Imprimeries reunies, May u.
Motteroz, 1892. (368 S. 8.) fr. 3. 50.

Der vorliegende Band gehört zu der Sammlung der
Bibliotheque de l' Enseignement des Beaux-Arts. In ihr
find fchon einige auch den Theologen intereffirende

Werke erfchienen, z. B. Gerspach, La mosaique, Bayet, ! von Scherfchel (S. 232, Fig. 152) als chriftlich noch hat

Die ,Kunft der Bafiliken' (169—268) befpricht nur fehr
kurz die Architektur (bis S. 178); um fo ausführlicher
die altchristlichen Mofaiken.

Nach einem kurzen Abfchnitte über die Miniatur
(269—283) befpricht der Veifaffer im vierten Abfchnitte
la sculptuyc (284—366) die Statuen (288—93), die Sarkophage
(294—329), die Thür von Sta. Sabina (330—336),
die Elfenbeine (336—347), die Gläfer, Lampen etc.
(348T366).

Schon aus diefer kurzen Inhaltsangabe fieht man,
dafs in dem Buche mehr eine Reihe von Einzeldifferta-
tionen gegeben werden (vgl. auch die Einleitung) als ein
organifches Bild der Gefchichte der altchriftlichen Kunft.
Wahrfcheinlich mit Rückficht darauf ift der Titel gewählt
; dann ift es aber unerklärt, warum fich nicht auch
ein Abfchnitt über die altchristliche Kpigraphik findet.

Das Buch ift de Rofli gewidmet. Damit ift ungefähr
auch der Standpunkt gekennzeichnet, den der Verf. in
der Erklärung der altchriftlichen Bildwerke einnimmt.
Doch bringt er auch von de Roffi abweichende Anflehten
zur Geltung. Es kann nicht die Aufgabe diefer Anzeige
fein, dafs ich mich mit den Aufstellungen des Verf.'s auseinanderfetze
. Am meiften zum Widerfpruch hat mich
der erfte Theil über die Katakomben herausgefordert,
z. B. der folgende Satz: . . la crypte Vaticanc, oüfurent
ensevelis, jusqiien 203, les premiers papes autour du tom-
beau de saint Pierre, S. 25 und ähnliches.

Die Archeologie chretienne kann als ein gutes Mittel
zur Einführung in das Studium der altchriftlichen Kunft
bezeichnet werden. Zur Kritik an den Ausführungen des
Verfaffers wird ja jeder gerade durch die Sicherheit,
mit welcher die Behauptungen aufgestellt find, angeregt
werden. Vielleicht wäre durch ein Register die Brauchbarkeit
des Bandes noch erhöht worden. Die Literaturangaben
find nicht fehr reichlich; aber he genügen (auf
S. 8 find die Angaben nicht immer genau). Die zahlreichen
Abbildungen (256) laffen zwar Manches zu wün-
fehen übrig, find aber für den Zweck des Buches unentbehrlich
und im Grofsen und Ganzen als gut zu bezeichnen.

Mit Vorliebe hat der Verf. auf den Zufammenhang
zwifchen antiker und altchristlicher Kunst aufmerkfam
gemacht. Er ist aber bei den äufseren Anklängen stehen
geblieben. Die intereffantelte Frage, welche uns die altchristliche
Kunft (teilt, ift doch die: ob und inwieweit
in den Vorftellungen, welche den altchriftlichen Bildwerken
zu Grunde liegen, noch aufserchriftliche Elemente
fich finden. Sie ift von dem Verf. nicht beantwortet
worden. Gerade weil der Verf. auf die antike Kunft fehr
oft recurrirt, ift es mir unbegreiflich, wie er das Mofaik

l'art byzantin. Ihnen reiht fich würdig die Archeologie ! aufführen können. Das Mofaik ift von Cardinal Lavigerie
chretienne von Andre Perate an. j aufgefunden und publicirt worden. (Ich kenne die Schrift,

Der Titel des Buches entfpricht nicht genau feinem wo er es publicirt, De Vutilite d'une viission permanente
Inhalte. Wir find gewöhnt, den Begriff .christliche Archäo- | a Carthage, Alger 1881, leider nur aus Kraus, Real-Ency-
logie' weiter zu faffen, als es hier gefchehen ift, und clopädie II, S. 378). Lavigerie ift geneigt, in der darge-
würden einen Titel wie ,Altchriftliche Kunft oder Ge- stellten Perfon die hl. Perpetua zu erblicken (Kraus, a. a. ü.
fchichte der altchriftlichen Kunft' bevorzugen. Denn nur : S. 378). Das Mofaik ift gewifs noch keinem claffifchen
von den Erzeugnifsen der altchriftlichen Kunft refp. des j Archäologen unter die Augen gekommen, fonft würde
altchriftlichen Kunfthandwerks fpricht der Verfaffer. Er J es nicht in Büchern über christliche Archäologie fich
will die Anfänge der christlichen Kunft fchildern, und finden können. Es ftellt nämlich ganz unzweideutig einen

befchränkt fich zum guten Theile auf die abendländifche

Hermaphroditen dar. Ich kann mich hier nicht auf

Kunft (vgl. Vorrede S. 7). Nur bei der Schilderung der einen endgiltigen Beweis einlaffen und verweife deswegen
Mofaikkunft geht er bis in's 9. Jahrhundert herab (S. auf Heibig, Wandgemälde (Leipzig 1868, Nr. 1368 fr.) und
267. 268); fonft hält er fich innerhalb der Grenzen der j die dort angeführten Abbildungen. Wenn die Palme, die
fechs ersten chriftlichen Jahrhunderte. ,buccella der Drache auf der Wiedergabe des Mofaiks

Der erste Theil (bis S. 168) befchäftigt fich mit der j von Scherfchel (bei Kraus, Real-Encyklopädie II, S. 378,
Kunft der Katakomben. Nach einleitenden Bemerkungen , Fig. 215; Perate" Fig. 152) nicht von dem Copiften verüber
Entdeckung, Bau, Gefchichte der Katakomben wird : zeichnet, alfo dem Originale fremd find oder wenigstens
in ziemlich ausführlicher Weife über ihre Decoration in anderer Form fich auf dem Originale finden (wie ich
gefprochen. In den zwei Hauptabfchnitten (die Kata- ' vermuthe), bleibt nichts übrig, als eine fpätere christliche
kombenkunft vor und nach dem Frieden der Kirche) ; Ueberarbeitung des heidnifchen Originals anzunehmen,
wird der Stoff nach fachlichen Gefichtspunkten geordnet i Das ift aber von vornherein eine unwahrfcheinliche Vervorgeführt
. I muthung. Wahrfcheinlicher ift mir, dafs Attribute, welche