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Ausgabe:

1894 Nr. 5

Spalte:

141-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bruce, Alexander Balmain

Titel/Untertitel:

Apologetics 1894

Rezensent:

Hartung, Bruno

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 5.

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fönlichkeit hatte der Papft in den feltenften Fällen im
Auge'.

Wenn auch mit der vorliegenden Arbeit die Unter-
fuchung der in Rede flehenden Frage noch keineswegs
als abgefchloffen betrachtet werden kann, fo bietet die-
felbe doch einen anerkennenswerthen Beitrag, auf dem
die fernere Forfchung weiter zu bauen hat.

Kiel. Frantz.

Bruce, Prof. Alexander Baimain, D.D., Apologetics; or,

christianity defensively stated. [International theolo-
gical library.] Edinburgh, T. & T. Clark, 1892. (XVI,
522 S. 8.) geb. 10 s. 6 d.

Kaum erinnere ich mich ein gröfseres apologetifches
Werk mit folchem Intereffe gelefen zu haben, wie das
vorliegende. Selbft einzelne Abfchnitte, die ich nur
überflogen hatte, weil ich Bekanntes und kaum in neuer
Weife zu Sagendes darin erwartete, habe ich nachträglich
noch ordentlich durchgelefen. Das ift die Art Apologetik,
wie wir fie brauchen.

Das Buch ift ein Theil einer gröfseren Sammlung

theologifcher Mandbücher, die die Verlagshandlung von | der Gott des Chriftenthums Wahrheit ift, 'das Entfcheidende

......... 1 1 f;;- ^.tk«;j;„„__u„.....:„r.;i______

own household1 (S. 37) — eine fehr richtige Bemerkung,
denn fo lange es eine wiffenfchaftliche Apologetik giebt,
hat fie nur auf folche gewirkt, die fchon eine Neigung
zum Chriftenthum haben; doch werden wir, dahin mufs
diefe Bemerkung ergänzt werden, darunter auch folche
verliehen, die fich diefer Neigung nicht bewufst find.
Ihr Zweck ift not so ntuch scientific as practical (S. 42).
Sie mufs alfo zuerft das Wefen des Chriftenthums darlegen
. Unter einem Abfchnitt ^Christian facts' ift als
Literatur angeführt: The Gospcls of Matthew, Mark and
Luke — nicht John! — weiter nichts (S. 46). Die Grund-
thatfache ift die Perfon Chrifti als des Sünderheilandes:
diefe Thatfache in ihren Vorausfetzungen, ihren ge-
fchichtlichen Vorbereitungen und ihrem eigentlichen Inhalt.

Unter den Vorausfetzungen (S. 47—164) wird die
chriftliche Welt- und Lebensanfchauung, wie die chrift-
liche Gotteslehre, im Verhältnifs zu Pantheismus, Materialismus
, Deismus, Agnofticismus dargeftellt. Denn fei
das Chriftenthum auch keine Philofophie, fo habe es
doch gewiffe philofophifche Anfchauungen zur noth-
wendigen Vorausfetzung. Dabei fei aber nicht der einfache
Satz, dafs ein Gott ift, fondern, was Gott ift, ob

Clark in Edinburg herausgiebt, ähnlich alfo dem bekannten
Unternehmen der Mohr'fchen Verlagshandlung
in Freiburg i/B., an das es auch fonft erinnert, nur international
und interconfeffioncll foll es fein; inwieweit das
möglich ift, wird der Erfolg lehren. International ift das
gegenwärtige Buch, indem es in anerkennenswerthefter
Weife vvenigftens die deutfche Literatur, zumal die über
das alte und neue Teftament, beherrfcht. Hier bietet es
dem Deutfchen mindeftens ebenfoviel, wie dem Engländer
. Wie fleht es mit der ,Interconfeffionalität'? Der
Verf. gehört der fchottifchen Freikirche an. Gegenftand
feiner Vertheidigung ift in der That das Chriftenthum,
wie es allen Confeffionen gemeinfam ift, dennoch
würde die römifche Kirche diefen Schild der Apologetik
fich kaum gefallen laffen, nicht nur weil, fo weit ich fehe,
ihre umfangreiche apologetifche Literatur kaum berück-
fichtigt ift, fondern auch, weil vieles, was über Kirche,
Schrift u. a. gefagt ift, gegen ihr Dogma ift.

Vieles fuchen wir in diefer Apologetik umfonft, lange
Auseinanderfetzung über Defcendenztheorie, Schöpfungs-
gefchichte, halb naturwiffenfchaftliche Erörterungen, ob-
fchon eine Bemerkung wie auf Seite 97, dafs der Materialismus
in Deutfchland auf dem Wege fei, zur
Monadologie zu werden, beweift, dafs ihm auch diefe
Literatur nicht fremd ift. Dagegen ift zu fehr, wie es
mir fcheinen will, das apologetifche Moment in der Ge-
fchichte bei Seite gelaffen, über das doch der Theolog
auch mit reden kann. Damit hängt auch zufammen,
dafs die eigentlich apologetifche Literatur fehr wenig
benutzt, kaum angeführt ift. Dagegen finden wir mehr
als fonft in ähnlichen Schriften die eigentlich theologifche,
zumal exegetifche, berückfichtigt, befonders auch aus
dem Lager der deutfchen Theologie, foweit fie mit den
Namen Ritfehl und Wellhaufen verknüpft ift. Man kann
indeffen daraus nicht auf des Verfaffers perfönliche
Stellung fchliefsen. Gegen die Folgerungen des letzteren,
zumal einzelner feiner Anhänger, fpricht er fich ent-
fchieden aus. Vielmehr will er damit die Pofition ver-

theidigen, auf die feiner Anficht nach die Apologetik {J^'&L ändern durch die der Apoftel hat Chriftus°"die
lieh zurückziehen kann. Dasfelbe wird man urtheilen j y_ir-he-gegründet^ und zu der apoftolifchen Predigt gehört

für Vertheidigung und Beweisführung.

Das zweite Buch — die gefchichtliche Vorbereitung
auf das Chriftenthum — hat es nur mit dem alten Teftament
und dem Volke Ifrael zu thun (S. 165—336). Hier
vermiffen wir entfehieden die Beziehung auf die Völker-
gefchichte, in deren Rahmen Vorbereitung und Erfüllung
hineinfällt. Aber fehr dankenswerth ift, dafs das alte
Teftament fo ausführlich befprochen wird mit vorurteilsfreiem
Blick für literargefchichtliche Fragen und unter
voller Würdigung feiner religiöfen Bedeutung. Gegenüber
der mafslofen Kritik in diefen Dingen und den noch
mafsloferen Folgerungen, die von Halbgebildeten und
für Halbgebildete daraus gezogen werden, wüfste ich
keine Darftellung, die geeigneter wäre, auch Ferner-
ftehende in dies Gebiet einzuführen, wie die vorliegende,
die ihren Ausgangspunkt in der prophetifchen Anfchau-
ung von Ifrael und feinem Berufe nimmt, dann nach
einander Mosaisw, Prophctisin, the night of Legalism
und dann die Literatur des alten Teftaments befpricht.

Das dritte Buch (S. 347—514) behandelt ,die Urge-
fchichte des Chriftenthums' {the Christian Origins). In
5 Abfchnitten — Jefus, Jefus der Chrift, Jefus der Gründer
des Gottesreichs, Jefus der Auferftandene, Jefus der Herr',
giebt der Verfaffer, in dem er fich fort und fort mit
gegnerifchen Anfchauungen auseinanderfetzt, ein Lebensund
Charakterbild Jefu von feinem Erdenleben bis zu
feiner Erhöhung, das eigentlich Dogmatifche bei Seite
laffend. Zwei weitere Abfchnitte (Paulus, das Urchriften-
thum) Hellen das Werden der chriftlichen Gemeinde dar,
woran fich auch hier literarifche Firörterungen (über die
Evangelien) fchliefsen. Das vierte Evangelium ift, wenn
nicht von Johannes felbft, fo doch unter feinem unmittelbaren
Einflufs verfafst. Gewifs hat Verf. Recht, wenn
er, vom fynoptifchen Chriftus ausgehend, manchen Theologen
den Vorwurf macht, fie hätten hinter Johannes die
Synoptiker, hinter Paulus die Evangelien zurückgeftellt.
Er felbft neigt zu der entgegengefetzten Einfeitigkeit.
Denn es bleibt doch dabei, nicht durch feine eigene

lieh zurückziehen kann, ^mciuc «»u ^fCf'~l~Ä ! docn aucn> was die Apoftel felbft von Chrifto geglaubt,

können, wenn er auch fonft die dogmatilcnen satze , det> gefchrieben haben.

Formulirungen zurücktreten läfst. Sie find tur inn ^ ^ fhg Woyl^ [o ift der Schlufsabfchnitt

Gegenftand der Apologetik. ; überfchrieben, der dem Chriftenthum feine Stelle unter

Womit hat es die Wiffenfchaft der Apologenx _ ; ^ Weltreljgionen und Chrifto feine Stelle im Chriften-

thun? Sie will — das fagt fchon der Name — aasea , thum zuweifi Nicht die Kirchej aucn die Schrift nicht,

Itenthum vertheidigen, aber der Kind, gegen den e ■ , fondern Chriftus ift das Licht der Welt, das fpricht Ver

vertheidigen ift, ift nicht Jhe dogmatic infidcl wno nu^ j ^ ^ nrnndorpH;)nkpn fpines WerW

finally ntade ///> Ais mind that Christianity is a delusion,
'hut anti- Christian thought in the belicving
man's own heart. A maus foes shall be they qf ins

damit als den Grundgedanken feines Werkes und das
Ziel feiner Beweisführung aus.

LeiPzig- Härtung.