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Ausgabe:

1894

Spalte:

65-67

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutschmid, Alfred v.

Titel/Untertitel:

Kleine Schriften 1894

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Preis

Erfcheint Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark,

alle 14 läge. ^v..^ *&

N£= 3. 3- Februar 1894. 19. Jahrgang.

Gutschmid, Kleine Schriften, 4. Bd. (Schürer).
A Concordance to the Septuagint by Hatch

and Redpath, Part III (Schürer).
Graetz, Emendationes in plerosque sacrae scrip-

turae Vet. Test, libros fasc. I et II (Stade).
Jäger, Gedanken und Bemerkungen zur Apoftel-

gefchichte, 2. Hft. (Holtzmann).
G w i 11 i a m, Anecdota Oxoniensia, The Palestiniau

Version of the Holy Scriptures (Schwally).
Texts and Studies ed. by Robinson II, 1: A Study

of codex Bezae by Harris (Harnack).
Völter, Die ignatianifchen Briefe, auf ihren

Urfprung unterfucht (Harnack).

Slater, The faith and life of the early church
(Harnack).

Overbeck, Ueber die Anfänge der Kirchen-

gefchichtsfchreibung (v. Schubert).
Grützmacher, Die Bedeutung Benedikts von

Nurfia und feiner Regel in der Gefchichte des

Mönchtums (Harnack).
Lehfeldt, Luthers Verhältniss zu Kunft und

Künftlern (Kawerau).
Pellikans Hauschronik, deutsch von Vulpinus

(Kawerau).

Braunsberger, Entftehung und erfte Entwicklung
der Katechismen des feiigen Petrus Ca-
nifius (Kawerau).

Stange, Die chriftliche Ethik in ihrem Verhältnis
zur modernen Ethik (Wendt).

Matter, Etüde de la doctrine chretienne (Lob-
ftein).

Duperrut, Le christianisme de l'avenir (Lob-
ftein).

Pfotenhauer, Die Miffionen der Jefuiten in

Paraguay, 3. Tl. (Wurm).
Monatshefte der Comenius-Gefellfchaft 1. u. 2.

Jahrg. (Kawerau).

Gutschmid, Alfr. v., Kleine Schriften. Hrsg. von Frz.
Rühl. 4. Bd. Schriften zur griechifchen Gefchichte
und Literatur. Leipzig, Teubner, 1893. (VIII, 631 S.
gr. 8.) M. 20. —

Diefer neue Band von Gutfchmid's Kleinen Schriften
enthält abermals umfangreiche Stücke, welche für den
Theologen von hervorragendem Intereffe find (vgl. die
Anzeige der früheren Bände Theol Litztg. 1891, 297.
1892, 513). Zugleich find es Stücke, welche bisher nicht
gedruckt waren. Das umfangreichfte, fad die Hälfte des
vorliegenden Bandes einnehmend, find die Vorlefun-
gen über Jofephus'Schrift contra Apionem (S.336
bis 589). Gutfchmid hat fich mit diefer Schrift vielfach
und eingehend befchäftigt und fich mit der Abficht einer
Separat-Ausgabe nebfj Commentar getragen. Kein Anderer
wäre dazu fo wie er befähigt gewefen. Gleich
manchen anderen Plänen ift auch diefer unausgeführt
geblieben. Der vorliegende Druck ruht auf dem von
Gutfchmid felbft für feine Vorlefung ausgearbeiteten
Hefte und der forgfältigen Nachfchrift eines Zuhörers.
Leider geht die Erklärung nur bis Buch I Cap. 22, um-
fafst alfo nur etwa ein Drittel der beiden Bücher des
Jofephus. Das letzte, was behandelt wird, ift das Fragment
aus Klearchus, während die intereffanten Fragmente
des Hekatäus von Abdera nicht mehr zur
Erklärung kommen. Von befonderem Werthe ift die
eingehende Erläuterung der umfangreichen Fragmente
des Manetho zur ägyptifchen Gefchichte (I, 14—16),
des Dios und Menander zur phönicifchen Gefchichte
(I, 17—18 und 21) und des Berofus zur chaldäifchen
Gefchichte (I, 19—20). Den Anfang der Vorlefung bildet
eine Einleitung über Jofephus überhaupt (S.336—384).
Ueber das Leben des Jofephus, feine einzelnen Schriften
und deren Ausgaben theilt hier Gutfchmid das Refultat
feiner tief eindringenden Studien mit. Die Urtheile über
die Ausgaben find zum Theil recht fcharf. Bekker's
Ausgabe ift ,eine der fchlechteften Leiftungen Bekker's,
eine Schande für die deutfche Wiffenfchaft' (S. 382),
Müller's Erklärung der Bücher gegen Apion .völlig werthlos
und trivial' (ebendaf.). Die Handfchriften werden nur
für die Bucher gegen Apion befprochen (S. 375 f.). Ueber
die Schriftftellerei des Apion, des Hauptgegners des
Jofephus, wird S.356—371 eingehend gehandelt. Gutfchmid
folgt hier noch der gewöhnlichen Annahme, dafs Apion
ein befonderes Buch xorr« 'lovdakov, nicht nur einen
antijüdifchen Excurs in feinen ^diyvnziaxü, gefchrieben
habe, eine Annahme, welche ich in meiner Gefch. des

jüdifchen Volkes II, 778—781 als irrig erwiefen zu haben
glaube. Erwähnt fei noch, dafs Gutfchmid das Zeugnifs
des Jofephus von Chrifto {Antt. XVIII, 3, 3) nicht für
unecht, fondern nur für interpolirt hält (S. 352—354).

Das zweite Stück, für deffen Mittheilung wir Theologen
dem Herausgeber zu Dank verpflichtet find, ift die
fehr eingehende Ueberficht über den Inhalt der
fibyllinifchen Orakel (S. 222—278). Es fcheint eine
Studie zu fein, die Gutfchmid zunächft nur zur eigenen
Orientirung angefertigt hat. Obwohl fie keine eigentliche
Forfchung bietet, ift der Abdruck doch fehr willkommen
zu heifsen, denn Gutfchmid hat hier alles hervorgehoben,
was für die Altersbeftimmung der einzelnen Bücher von
Belang und überhaupt für den Inhalt charaktei iftifch ift,
fo dafs die Arbeit namentlich für Anfänger als treffliche
Einführung in diefe Literatur dienen kann. Ueberdies
werden nicht feiten auch Vorfchläge zur Textverbefferung
geboten.

Die übrigen Stücke beziehen fich auf die griechifche
Gefchichte und die griechifche Literatur. Davon find
folgende bisher ungedruckt: Chronologifche Unterfuch-
ungen über die ältere griechifche Gefchichte (S. 1—79),
über die Beinamen der helleniftifchen Könige(S. 107—122),
Index fontiunt Herodoti (S. 145—187), aus Vorlefungen
über die Gefchichte der griechifchen Hiftoriographie
(S. 279—335). Der Band ift alfo befonders reich an bisher
ungedruckten Arbeiten. Hervorheben möchte ich
hier die Studie über die Beinamen der helleniftifchen
Könige, weil darin manches auf die Titulatur
der Seleuciden und Herodianer Bezügliche vorkommt.
Gutfchmid zeigt, dafs die älteften Beinamen urfprünglich
Beinamen des Gottes find, als deffen Incarnation der
König fich auffafst, z. B. Zeug Atxczwo, Idrtokfabv San ,...
So ift auch *Eni<pavrg, der Beiname des Antiochus IV,
fo viel wie Qeog Eir,upavrg ,der fichtbare Hülfe bringende
Gott'. ,Aus diefer Bedeutung erklärt es fich, warum die
erften Träger diefes Beinamens lauter Könige find, die
durch ihre Thronbefteigung einem herrfchenden Noth-
ftande ein Ende machten oder doch ein Ende zu machen
vorgeben konnten, warum gerade er mit Vorliebe von
folchen angenommen wird, die nicht auf ordnungsmäfsige
Weife zur Herrfchaft gelangt find' (S. 108 f.). Andere
Motive liegen den fpäter vorkommenden Beinamen zu
Grunde. Ueber die von den jüdifchen Königen Agrippa
I ^ und II geführten Titel ßaöikeug iityag (piköxaiaay
evaeßr/g xai (pilooioLiatog handelt Gutfchmid S. 116—119,
übrigens ohne fpeciell auf die beiden Agrippa zu exem-
plificiren.

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