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Ausgabe:

1894 Nr. 25

Spalte:

636-638

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mielziner, M.

Titel/Untertitel:

Introduction to the Talmud. Historical and literary introduction 1894

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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Ö39

Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 25.

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gegenwärtigen Stande der Wiffenfchaft entfprechenden
Erläuterungen gewifs im Wunfche vieler gelegen. — Die
hier anzuzeigende Arbeit von Lazarus Goldfchmidt ent-
fpricht den billigerweife zu {teilenden Anforderungen nur
theilweife. Allerdings enthält die Einleitung viel zur
ürientirung Nützliches, auch verdient der auf die Bibliographie
verwendete Fleifs Anerkennung. Ferner war es
ein guter Gedanke, den überlieferten Text durch ver-
fchieden grofsen Druck, durch Klammern und durch
Anwendung oder Weglaffung der Vocale in vier Beftand-
theile (ficher echte, zweifelhafte, ficher unechte Sätze,
eingedrungene Erklärungen) zu zerlegen. Aber diefen
Vorzügen ftehen Mängel gegenüber. Die verfchiedenen
Recenfionen, in denen der Text überliefert ift, mufsten,
mit Hülfe der Handfchriften und der Commentare, erft
einzeln geprüft und dann hinfichtlich ihres Werthes verglichen
werden, während der Herausgeber ein wefentlich
eklektifches Verfahren gewählt und Handfchriften nicht
verglichen hat. Die erklärenden Anmerkungen flehen
fehr unbequem am Schlufs des Buches und find an nicht
wenigen Stellen zu dürftig: Raum für eine erheblich
gröfsere Zahl von Erläuterungen war ohne Vergröfserung
des Umfangs fehr leicht durch eine weniger Raum ver-
fchwendende Einrichtung des Satzes zu gewinnen. Für
völlig mifsglückt halte ich den Verfuch des Nachweifes,
dafs ,das Buch der Schöpfung' fchon im zweiten Jahrh.
vor Chr. verfafst worden. An den Thalmudftellen, welche
eines msi 1B0 gedenken, ift der erfte Abfchnitt des
erften Buches des Pentateuchs gemeint. Die Befchaffen-
heit der Sprache zeugt pofitiv gegen fo hohes Alter:
Iii« ift trotz S. 85 ficher «/jo; vgl. ferner J103b« Ao£w
V, $ 2 u. VI, $ 4. Wörter wie wnn (Sinnen, Phantafie),
O'iüajp (Beifchlaf), 1V3 (Häfslichkeit), pH« (angebunden)
und ändere find im Hebräifchen jung, ebenfo die Phrafe
ii-lia-b? 121 "PttJPn (etwas klar Mellen) I, § 4 u. IV, g 5,
an welchen'Stellen G. gegen die meiften Zeugen 11112
lefen will.

Zur Bibliographie. S. 37 fehlt: ,Sepher Yetzirah.
The Book of Formation and the thirty-tivo Paths of
Wisdom. Translated . .by W.W. Westcoti' (2. Aufl., London
1893). S. 40 fehlt der Commentar des Gedalja Lipfchütz
in 5«l©i riOJD (Breslau 1818). S. 44 (Pfeudo-Sa'adja) und
fonft war M. Steinfchneider's Katalog der hebr. Handfchriften
in München zu erwähnen. In der Ueberfetzung
S. 56 f. find Iii« (Luft) und nil (Wind) nicht regelmäfsig
unterfchieden. Der Satz in III, § 4, nach den Recenfionen
C, D: ,Das Feuer ift oben, das Waffer unten, und die
Luft ift eine fchwankende Satzung zwifchen ihnen' findet
fich auch VI, § 6 in den Recenfionen A, B, wird alfo als
echter Beftandtheil des Textes angefehen werden dürfen.
S. 84, Levy im neuhebr. Wörterbuch fagt von nbiJH,
dafs Herleitung aus dem Griechifchen nicht zuläffig fei,
alfo das Gegentheil von dem, was G. ihn fagen läfst.
S. 90, für ibl ,Waffermann' citirt Levy (a.a.O.) Jalqut I,

S 418 u. 11, s 185.

Störende Druckfehler. S. 9, Anm. 6 lies: Mifchne
Thora; S. 35, Anm. 2 lies: Vigilien; S. 63, § 15 lies:
Wüften; S. 86, Nr. 46 fetze nach ,dunkel' einen Punkt.

Von demfelben Verfaffer erfchien im J. 1892: ,Das
Buch Henoch aus dem Aethiop. in die urfprüngl. hebr.
Abfaffungsfprache zurückübersetzt' (Berlin), im J. 1893:
,Bibliotheca Aethiopica. Vollftändiges Verzeichnis und
ausführl. Befchreibung fänimtlicher Aethiopifcher Druckwerke
' (Leipzig). Im J. 1894 hat er fich den, freilich
mifsglückten, Verfuch einer Myftification erlaubt, indem
er eine angeblich uralte Baraita veröffentlichte:
,'13 pitt)«13 ^WQ~ «pni3. Baraita demasse bereschit,
h. e. Mnndi intra sex dies creationis narratio, quam ara-
maice scripsit Arzelai bar Bargelai, nunc primum e codice
antiquissimo edidit . . . L. Goldsclimidt1 (Strafsburg). ,Arzelai
bar Bargelai' ift durch Buchftabenumftellung aus
,Eliezer bar Gabriel' gemacht und niemand anders als
Goldfchmidt felbft; der Text ift — die von diefem L.G.

gefertigte aramäifche Ueberfetzung des ,Hexaemeron des
Pfeudo-Epiphanius', welche Schrift E. Trumpp im J. 1882
äthiopifch mit deutfeher Uebertragung herausgegeben
hat (München)! — Bis ift zu wünfehen, dafs der fehr
fleifsige und begabte junge Mann in ernfter Selbftzucht
und unter dem erziehlichen wie bildenden Einfluffe eines
B'orfchers wie Theod. Nöldeke zu einem auch in metho-
difcher Hinficht wohlgefchulten Gelehrten heranreife.

Grofs-Lichterfelde. D. Hermann L. Strack.

Luther's Erklärung der heil. Schrift. IV. Die Apoftel-
gefchichte und der Brief an die Römer. Zufammen-
geftellt von Paft. E. Müller. Gütersloh, Bertelsmann,
1894. (S. 445—619). M. r. 50

Wie in der Befprechung der drei erften Lieferungen
diefes Werks gezeigt wurde, geht Müller in den Fufs-
ftapfen des Schwaben Eberle. Doch finden fich in der
vierten Lieferung neue Elemente, für welche aber nirgends
der Fundort angegeben wird.

Unpraktifch ift der Abdruck des Luthertextes nach
dem Vorbild Eberle's. Das Werk fchwillt dadurch an
und wird zu theuer. Es läfst fich doch vorausfetzen,
dafs der Lefer den Luthertext zur Hand hat. Die Art,
wie Müller den gefammten Stoff flehtet, daraus aufnimmt
und ausfeheidet, erregt manchmal einiges Bedenken. So
ift nicht recht verftändlich, warum die eigenartige Bemerkung
Luther's zu Acta 5, 29 und die fchöne Stelle
Rom. 6, 7 von dem kleinen Tödlein und dem Zuckertod
der Chriften, die doch für Luther's Art bezeichnend ift,
wegbleiben, während nicht zutreffende Erklärungen wie
die des Namens Elymas Acta 13, 8 und der Syrten Acta
27, 17 und veraltete Ausdrücke, die ohne Erklärung un-
verftändlich find, wie Thyriakskrämer, Freiheten Acta
17, 18 und Finanzer Römer I, 28—31 beibehalten werden.

Nabern. G. Boffert.

Köhler, Oberkonfift. R. D.Karl, Das Apostolikum als Tauf-
u. Konfirmationsbekenntnis. [Hefte zur .Chriftl. Welt'
Nr. 13.] Leipzig, Grunow, 1894. (22 S. gr. 8.) M. —.40

Ein werthvoller und zu beherzigender Beitrag zur
Symbolfrage und zum Agendenftreit. Nach einer um-
faffenden hiftorifchen Rundfchau, aus welcher fich er-
giebt, dafs das Apoftolicum in den deutfehen Landeskirchen
mit wenig Ausnahmen als Tauf- und Confir-
mationbekenntnifs in Gebrauch ift, wirft K. die BTage
auf, ob es darin einer Reform bedarf. — Was zunächft
die Taufe betrifft, fo wünfeht der Verf. allen, die bei redlicher
Meinung in den Sätzen des Symbols nicht mehr
den Ausdruck ihrer Ueberzeugungen zu erkennen vermögen
, die Möglichkeit zu wahren, ohne inneren Wider -
ftreit, es fei als taufende Geiftliche oder als bekennende
Pathen, bei den Taufhandlungen der Kirche mitzuwirken.
Diefer Forderung würde die Aufftellung einiger im benannten
Sinn gefafsten Parallelformulare entfprechen.
— In Bezug auf die Confirmation ftehen zwei Fragen
zur Verhandlung: einmal, foll von den Confirmanden
überhaupt ein Bekenntnifs und ein damit in Beziehung
flehendes Gelöbnifs gefordert werden? fodann, im bejahenden
Fall, foll diefes Bekenntnifs unfer apoftolifches
fein? K. ift der Anficht, dafs mit einem wirklichen
Glaubensbekenntnifs als Ausdruck frommer Gerinnung,
herzlichen Vertrauens, den Confirmanden nichts zuge-
muthet wird, was über ihre Jahre hinaus läge. ,£i.n
redlicher Vorfatz, fich an Jesus zu halten und bei ihm
allein das Heil zu fuchen, im freudigen Vertrauen auf
die durch ihn erfchienene Liebe Gottes, das ftimmt gar
wohl für ein jugendliches Gemüth'. Die zweite Frage
dagegen vermag der Verf. nicht ohne weiteres bejahend
zu beantworten: es follen vielmehr die den Confirman-