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Ausgabe:

1894 Nr. 25

Spalte:

633

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Laroche, Ém.

Titel/Untertitel:

Questions chronologiques concernant la première carte historique 1894

Rezensent:

Wiedemann, Alfred

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637 Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 25. 638

ProfelTor der Talmudkunde am Hebrew Union College und
hat fchon feit geraumer Zeit dankenswerthe Beweife für
fein VViffen und feinen Fleifs veröffentlicht: die Verhält-
nifsc der Sklaven bei den alten Hebräern, Kopenhagen
(Leipzig) 1859; The talmudic syllogism or the inference of
Kai vechomer, Cincinnati 1880 (in: The HcbrewReview 1);
The Jcwish law of marriage and divorce, Cincinnati
1884. Sein neueftes Werk befteht aus zwei Haupttheilen.
Der erde, ,hidorifche und literarifche Einleitung' betitelt
(S. 1 —114), behandelt wefentlich denfelben Stoff wie
meine Einleitung, aber in fehr viel kürzerer Art (der
Inhalt der Mifchna z. B. id bei M. auf 5 % Seiten angedeutet
, bei mir auf 33 Seiten). Der zweite Haupttheil
dagegen, welcher der Hermeneutik, der Terminologie
und der Methodologie gewidmet ift (S. 115—264), zeigt
den Verfaffer auf dem Hauptgebiete feiner Special-
dudien und bietet daher eine recht nützliche Ergänzung
zu meinem Buche, in dem auf diefe Themata näher einzugehen
es mir auch bei der zweiten Auflage an Zeit
gebrach. Freilich id die Eintheilung des Stoffes etwas
kündlich und id daher Manches an mehrere Stellen
zerdreut, was übcrüchtlicher an Einer dände; auch id
nicht feiten, wenigdens wenn der Verfaffer an chridliche
Lefer gedacht hat, zu viel an Vorkenntnifsen vorausgefetzt
(nur wenige nichtjüdifche Lefer werden z.B. MST
und Srr:n S. 243 oder i-pX) S. 250 verdehen); in der
Hauptfache aber hat der Verfaffer es erreicht, dafs auf-
merkfame Lefer mit dem von ihm gebotenen Material
eine richtige Vordellung von der Art der im babylo-
nifchen Talmud verzeichneten Argumentationen fich ver-
fchaffen können. — Den Schlufs des Buches bildet (S.
265 — 280) eine Skizze der talmudifchen Ethik. Sie be-
deht aus einer, übrigens gefchickt geordneten Sammlung
der durch viele Apologien des Talmuds bekannten
,Perlen' und giebt kein unparteiifch.es Bild von den fehr ver-
fchiedenartigen und verfchiedenwerthigen Aeufserungen,
die man aus dem Talmud zufammendellen kann. Auch
id die Ueberfetzung nicht tendenzlos. Eine oft angeführte
Barajtha Gittin Blatt 6ia fagt, dafs man die Armen
der Nokhrim (Nichtisraeliten) mit den Armen Israels
ernähre, die Kranken der Nokhrim mit denen Israels
befuche, die Todten der N. [gleichzeitig, nicht an gleicher
Stelle, f. Rafchi] mit denen Israels begrabe; fie fchliefst
aber mit der Bemerkung, das thue man Dlb© 'OY1 "»3äDla
.wegen der Wege des Friedens', und diefe doch nicht
unwichtigen Worte hat der Verf. (S. 279) einfach ausgeladen
. Ueber die Frage, ob ,die Frommen der Völker
der Welt' Antheil an der ewigen Seligkeit haben (S. 280),
vgl. die forgfältige Zufammenftellung bei Zunz, Zur Ge-
fchichte und Literatur, Berlin 1845, S. 371 ff.

Einige Einzelheiten. S. 9, der dritte Traktat der erden
Mifchna-Ordnung ifl wahrfcheinlich Dammaj, nicht Demaj
zu fprechen. S. 15, die Einleitung des Maimonides bezieht
fich nicht fowohl auf die erfte Ordnung als vielmehr
auf die ganze Mifchna. S. 25, der Vorffeher der
Prieflerfchaft hiefs: Chananja, nicht: Chanina; der Vater
des Dofa: Archinos, nicht: Harchinas. S. 31, dafür dafs
Ardiscus ,nahe bei Damaskus' gelegen habe, fehlt jeder
Beweis (f. Blumenthal, Rabbi Meir 1888, S. 124f.). S. 35,
der Name Eli'ezer ben Jakob ifl beffer bezeugt als:
El'azar. S. 35, Anm. 2, die angeführten Stellen beweifen
nicht, dafs Simeon Sohn des Gamaliel II den Titel
.Rabban' gehabt hat (vgl. die Einleitungen zur Mifchna von
Frankel S. 184 und von Brüll I, S. 203). S. 43, dafs Jofua
ben Lewi ein Enkel des Sifi gewefen, ifl beweislofe Ver-
muthung (f. Bacher, Agada der paläft. Amoräer I, S. 124).
S. 43, Simlai fiedelte nicht nach Nehardea über, fondern
flammte von dort (Bacher I, S. 552 f.). S. 46, das gute
Verhältnifs zwifchen Rab Chisda und Rab Huna wurde
wiederhergeftellt (f. Bacher, Agada der babylon. Amoräer
S. 61). Rab Schefcheth war fchwerlich ein Schüler Rab's
(Bacher (S. 76). S. 56 war zu erwähnen, dafs der Ausdruck
Gemara in dem jetzt gewöhnlichen Sinne in den

Talmud erft durch die Cenfur eingedrungen ift (meine
Einl.2 S. 3). S. 64, Z. 6, an den drei angeführten Stellen
[lies übrigens: Mo'ed qatan 26b, nicht: 26a] fleht ,Ebel
Rabbathi, nicht, wie ,the same title1 vermuthen läfst:
,Semachoth'. S. 64, ob der Tractat Kalla im babylon.
Talmud erwähnt wird, ifl zweifelhaft (vgl. Chanan'el in
Levy's tieuhebr. Wörterbuch II, S. 331). S. 65, Rabbenu
Chanan'el hat um die Mitte, nicht am Anfange des
11. Jahrh. geblüht (f. Berliner, Migdal Chananel 1876,
S. VIII). S. 68 die Buchflaben n"l, mit denen und folgendem
Anfangswort man den Talmudcommentar Tofa-
photh zu citiren pflegt, werden gewöhnlich bTTHTEn lia'l
ausgefprochen. S. 70, für Ifaak ibn Gabbaj darf" nicht
,17. Jahrh.' angegeben werden, da fein Commentar zur
Mifchna fchon 1609 gedruckt ifl. S. 72, der Beiname
des Simon tfifcrp flammt fchwerlich von der Stadt Cairo.
S. 78, nicht Schiller-Szineffy, fondern W. H. Lowe hat
,The Mishna on which the Palestinian Talmud rests'
herausgegeben. S. 79, das über die Amfterdamer Talmud
-Ausgabe 1644(1. und die Cenfurlücken-Sammlungen
Bemerkte bedarf der Berichtigung. Die Kunflausdrücke
■p-pf) S. 239 und prrp S. 254 kommen nicht im Talmud
vor.

Fehlende Literaturangaben: S. 15, F. Hillel, Die
Nominalbildungen in der Mifchnah, Frankfurt a. M. 1891-
S. 64, M. Goldberg, Der tal mudifche Traktat Derech Erez
Rabba, 1. Heft, Breslau 1888; S. 82, M. Schiefinger, Das
aramäifche Verbum im Jerufalemifchen Talmud, Berlin
1889, u. f. w.

Druckfehler find leider ziemlich häufig. S. 19, die
Mechilta-Ausgabe von J. H. Weifs ifl 1865, nicht 1885
erfchienen. S. 39 lies: epithct ftatt: epithel. S. 44 Ende
lies: Bekhoroth 49" ftatt: 49b. S. 63 lies: Tauffig, nicht:
Taufik. S. 67 Mitte lies: grandsons (Plural). S. 83, Nr. 3
lies: 1647 ftatt: 1657. S. 84 lies: Oppenheim, nicht:
Oppenheimer. S. IOO, Z. 7 v. u. lies: Spruchkunde ftatt:
Sprachkunde. Und dergl. mehr.

Die angeführten Mängel hindern uns jedoch nicht
unfer Urtheil dahin zufammenzufaffen, dafs Hr. Mielziner
Allen, die des Englifchen kundig find und den babylc-
nifchen Talmud im Original lefen wollen, ein recht
fchätzbares Hülfsmittel geboten hat.

Grofs-Lichterfelde. D. Herrn. L. Strack.

Goldschmidt, Lazarus, Sepher Jesirah. Das Buch der
Schöpfung. Nach den fämmtlichen Recenfionen mög-
lichft kritifch redigirter und vocalifirter Text, nebft
Ueberfetzung, Varianten, Anmerkungen, Erklärungen
und einer ausführlichen Einleitung. Frankfurt a/M.,
[Kauffmann), 1894. (VIII, 92 S. gr. 4.) M. 8. —

Das Sepher Jxira ,Buch der Schöpfung' ift zumeilt
durch feine Verwendung feitens der Kabbaliften bekannt
geworden, ift aber nicht eine eigentlich kabbaliftifche
Schrift, fondern fpricht über die Beziehungen, welche
zwifchen der Zehnzahl und dem in Gruppen von drei

(©äs), fieben (rnSD-jjü) und zwölf (pÄräib^nriri) Buch-
ftaben zerlegten Alphabete einerfeits und der Schöpfung
(Welt, Zeit, Menfch) andererfeits anzunehmen feiern
Schon um feines hohen Alters willen (bereits Sa'adja
Gaon hielt es für von Abraham verfafst, vgl. noch Dav.
Rofin, Jetuish Quartcrly Revieiv VI, S. 483) verdient die
kleine Schrift Beachtung. Da die durch Joh. Friedr.
von Meyer im J. 1830 beforgte Ueberfetzung längft vergriffen
, überdies ungenügend ifl und da in neuerer Zeit
die Commentare des Schabbathaj Donnolo (durch D.
Caftelli, Florenz 1880), des Jehuda aus Barcelona (Berlin
1885) und des Sa'adja Gaon (arabifch mit franzöf. Ueberfetzung
, durch M. Lambert, Paris 1891) herausgegeben
worden find, hat die Veranftaltung einer kritifchen Textausgabe
mit guter deutfcher Ueberfetzung und dem