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Ausgabe:

1894 Nr. 25

Spalte:

629-630

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smith, W. Robertson

Titel/Untertitel:

Das alte Testament 1894

Rezensent:

Marti, Karl

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 25.

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fchon die Zeitfchrift Monat-Rofen erwähnt wurde, und
letzteres wird nur als = Friedrich Delitzfch, Wo lag
das Paradies? errathen, weil die daneben erfcheinenden
Citate darauf führen können. Taprobane war dem Referenten
bisher nur als Name einer Infel bekannt, natürlich
ift auch in dem S. 275 citirten Capitel (Plinius,
Historia naturalis, VI, 24) nicht von einem Menfchen,
fondern von der Insel Taprobane die Rede. Dafs der
Verfaffer auch in Pf. 31 (hebr. 32), 6 den Namen für
Sintfluth findet, verdankt er dem Umftande, dafs er, wie
fein Gewährsmann Calmet, die Vulgata und nicht den
Grundtext im Auge hat (S. 3). — Möchte es dem
Verfaffer vergönnt fein, rüftig die Veröffentlichung
feiner Studien zu fördern, und wenn diefe auch in gedrängterer
Darfteilung ohne die wörtliche Wiedergabe
des Verhörs fämmtlicher Zeugen gefchehen müfste, würde
der Lefer dem kundigen Führer auf dem kürzeren Wege
gewifs ebenfo gerne folgen.

Muttenz bei Bafel. Karl Marti.

Laroche, anc. Medecin Dr. Em., Questions chronologiques
concernant la premiere carte historique. Chronologie
des Israelites. Chronologie des Egyptiens. L'Exode.
Angers, Lachese&Cie, 1892. [Paris, E. Leroux.] (176 S.
m. 9 Taf. Lex.-8.)

Der Verfaffer vorliegender Schrift, ein praktifcher
Arzt, hat hiftorifche Karten, d. h. fynchroniftifche Tabellen,
herausgegeben und fucht hier feinen Anfatz des Jahres
1492 für den Auszug der Juden aus Aegypten zu begründen
. Die Zahl ergab fich ihm aus der ,üblichen
heiligen Chronologie': 1012 (Tempelbau Salomonis) -f-
480 (Jahre zwifchen diefem und dem Exodus). Auf die
Zahl 480 könne man fich verlaffen, da die Juden gewifs
in Aegypten fich die .Kenntnifs der Schrift erworben
und demzufolge alte hiftorifche Dokumente befeffen
hätten. Als Stütze des Anfatzes dient die ägyptifche
Chronologie. Freilich wird der Exodus in ägyptologi-
fchen Werken meift an das Ende der 19. Dynaftie, um
1300 gefetzt; dagegen polemifirt aber der Verfaffer, oft
ganz gefchickt. Nach ihm fiel das Ereignifs in die religiös
bewegte Zeit des Königs Amenophis IV Chu-en
äten. Beweife dafür findet er u. A. in dem Königsnamen
Amenophis in der Exodus-Parallele bei Manetho und in
Sayce's Lefung des Namens Mofis in einer Teil elAmarna
Tafel. Pithom und Ramfes wurden 100 Jahre vor dem
Exodus, unter Hatäfu gebaut, die ziegelformenden Gefangenen
des bekannten Reliefs aus dem Grabe des
Rechmärä find allem Anfcheine nach die Juden u. fi f.;
Confequenzen, welche die Wahrfcheinlichkeit der Auf-
ftellungen des Verf.'s nicht eben erhöhen. Derfelbe hat
fich in Folge feiner äufserft geringen Literaturkenntnifs
die Bearbeitung der Frage gar zu leicht vorgeftellt, und
ift es ihm überhaupt nicht zum Bewufstfein gekommen,
wie grofs thatfächlich die Schwierigkeiten find, welche
jedem Verfuche entgegenftehen, für das zweite Jahrtaufend
v. Chr. fefte chronologifche Haltepunkte zu gewinnen
. Das Buch ift gut gemeint, die Exodusfrage
bringt es ihrer Löfung nicht näher.

Bonn. A. Wiedemann.

Delitzsch, Prof. Dr. Frz., Biblischer Kommentar über die
Psalmen. 5. Überarb. Aufl., nach des Verfaffers hinter-
laffenemDruckmanufkript hrsg.vonFriedr. Delitzfch.
[Biblifcher Kommentar über das Alte Teftament. Hrsg.
von C. F. Keil und F. Delitzfch. 4. Tbl.: Poetifche
Bücher. I. Bd.] Leipzig, Dörffling & Franke, 1894.
(XII, 861 S. gr. 8.) M. 18. —

Die Anzeige diefer neuen Ausgabe von Franz De-
litzfch's Pfalmen kann fich kurz faffen, da im wefent-
lichen nur ein neuer Abdruck der 4. Auflage vorliegt,

über welche Nowack in Jahrgang 9 (1884) Nr. 7 diefer
Literaturzeitung berichtet hat. Dem ausdrücklichen Willen
feines entfchlafenen Vaters gemäfs hat der Herausgeber
fich alles Eingreifens in die Auslegungsarbeit enthalten;
nur in Bezug auf das Sprachliche war ihm freie Hand
gelaffen. Er hat diefe Erlaubnifs dazu benutzt, allerlei
unfichere Etymologien, nicht zur Sache gehörige Erklärungen
arabifcher Wörter, fowie endlich unfichere
oder gar falfche affyrifche Parallelen einfach zu ftreichen.
Auch das, was der Herausgeber aus feiner eigenen reichen
Kenntnifs affyrifcher Sprache und Literatur zur Erläuterung
hätte beitragen können, hat er dem Commen-
tar nicht einverleibt, und will vielmehr alles hierher Gehörige
unter dem Titel ,Affyriologifche Gloffen zum alt-
teftamentlichen Pfalter' in befonderer Abhandlung er-
fcheinen laffen.

Den durch die Streichungen gewonnen Raum hat
der Herausgeber dazu benutzt, Baer's .Accentuations-
fyftem der poetifchen Bücher' in revidirter Geftalt aus
der erften Auflage wieder abdrucken zu laffen. Wenn
diefe Abhandlung auch nicht mehr ,die einzige Quelle
ift, aus welcher fich gründliche Belehrung über diefes
fchwierige Stück hebräifcher Grammatik fchöpfen läfst',
fo ift der Neudruck doch fehr erwünfcht und dankens-
werth, da befonders unter den Studirenden nur wenige
Wiekes' Tdame 'e/net/i zu Rathe ziehn werden. Da
Baer's Arbeit in der neuen Auflage abgedruckt ift, fo
ift die Citationsweife auf Seite 30 Anmerkung 2 übrigens
irreführend.

Dafs Franz Delitzfch bis zu feinem Tode an feinem
Pfalmencommentar weitergearbeitet hat, verlieht fich von
felbft. Indeffen find die Aenderungen, welche diefe neuefte
Auflage im Verhältnifs zu der vorhergehenden aufweift,
nicht im entfernteften zu vergleichen mit der letzten
Auflage des Geneflscommentars und befchränken fich
auf verhältnifsmäfsig fehr wenige Einzelbemerkungen zu
etwa 80 Pfalmen (darunter 50 mit ,je einer oder einigen
wenigen Bemerkungen'). In Bezug auf die Gefammtauf-
faffung der Pfalmen hat fich Delitzfch's Urtheil, wenn
ein argumentum e silentio geblattet ift, abfolut nicht geändert
. Für die einleitenden Capitel hat der Herausgeber
fo gut wie gar keine Nachträge vorgefunden, und auch
die Einleitungen zu den einzelnen Pfalmen find, fo viel
ich fehe, faft ganz unverändert geblieben. Pf. 22 z. B.
gilt nach wie vor für davidifch, Pf. 90 für mofaifch; die
mir fehr unwahrfcheinlich erfcheinende Möglichkeit, dafs
ein ,hochbegabter Dichter ihn frei aus Mofe's Situation
und Seele heraus producirt habe', war fchon in
der 4. Auflage zugegeben. Die Frage, ob und wie weit
die Pfalmen urfprüngliche Gemeindelieder find, ift nicht
zufammenhängend erörtert. Die Behandlung der Textkritik
weift gegenüber der 4. Aufl. nur ganz geringe Fort-
fchritte auf; doch ift beifpielsweife die Lesart der LXX
zu 72,5 (Tn&OI ftatt TiKTii) erwähnt, wenn auch nicht
aeeeptirt. Endlich ift die Gefchichte der Pfalmenaus-
legung nicht bis auf die Gegenwart fortgeführt. Man
kann zweifeln, ob Franz Delitzfch, wenn es ihm vergönnt
gewefen wäre, felbft noch die 5. Auflage für den Druck
fertig zu ftellen, nicht doch in diefer oder jener Beziehung
die neueftenForfchungen mehr berücksichtigt haben
würde, als es jetzt in feinem opus posthumum gefchieht.
Aber der Herausgeber hat Recht gethan, der Verfuchung,
bald hier bald da nachbeffernd einzugreifen, zu wider-
ftehen. Geiftesproducte fo ausgeprägten Charakters wie
die des verftorbenen Franz Delitzfch können von keinem
And ern neu bearbeitet werden, ohne ihre Eigenart ein-
zubüfsen. Wir fchulden dem Herausgeber Dank für feine
felbftverleugnende Arbeit, durch die er uns in den Stand
gefetzt hat, Franz Delitzfch's .letztes perfönliches Urtheil'
in Sachen des Pfalters und der Pfalmen kennen zu lernen.
Den vielen Freunden Delitzfch'fcher Exegefe wird der
Band eine willkommene Gabe fein.

Greifswald. Friedrich Baethgen.

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