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Ausgabe:

1894 Nr. 2

Spalte:

41-44

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Raabe, Richard

Titel/Untertitel:

Die Geschichte des Dominus Mâri, eines Apostels des Orients 1894

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 2.

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wurde, von der Opferfpeife zu effen, fo folgt, dafs | Apoftel des Orients'heifst Märi bei den Syrern, fo wenig
das 5. Edict Maximin's mindeftens theilweife wie Bonifatius apostolus Germanorum oder Melanchthon

eine wörtliche Nachbildung der nqoaxayuaxa
des Decius gewefen ift1). Das fo lange gefuchte
und von Aube {L'eglise et Fetat dans la seconde moitie
du III. siede 1885 p. 15 ff. 23) fo oberflächlich und ungenügend
reftituirte Edict mufs feinem Kerne^ nach gelautet
haben: wg {ovoiiaoxi) ndvxag avdqag^ aua yvvai^i
xai oixexaig /ort avxoig v/xouaUoig naioi irveiv xai aniv-
öeiv, avxwv xe dxqißwg xüv livouöv dnoyeleoliai2). Diefe
Faffung entfpricht dem libellus des Diogenes und Cypr.

praeceptor Germanica, ,ein Apoftel der Deutfchen, ein
Lehrer Deutfchlands', fondern ,der Apoftel des Oftens',
wobei für einen deutfchen Lefer Offen eigentlich in Anführungszeichen
zu fetzen wäre, damit er dabei nicht an
das denkt, was wir den Orient heifsen, fondern was bei
den Syrern unter Kryj-ja verftanden wird, die öftlich von
Edeffa gelegenen Theile Mefopotamiens. Im erften Satz
der Einleitung wird fodann gefagt, er habe auf Grund
der genannten Beobachtung die kleine, 1885 von Abbe-

dc taps. 25. Aber auch die Strafen, welche das 5. Maximin- j loos fyrifch mit lateinifcher Ueberfetzung edirte Schrift,
Edict enthielt (f. d. Acta Vari, 19. Octob. Bolland. p. 428), die den Titel trägt: .Gefchichte des Apoftels Dominus
find, wie man aus den Urkunden für die Decianifche Märi'zur Uebertragung gewählt. Wer auf diefe ungenaue
Verfolgung lernen kann, dem Edict des Decius nach- Angabe hin auf irgend einer Bibliothek das fyrifchc
gebildet: wäre ndrtag xovg Xqiaxiavovg eni&veiv xoig Original verlangen wollte, um es mit der Raabe'fchen
freolg xai daolveodai, xovg de dvxiltyovxag xoig nqoo- Ueberfetzung zu vergleichen, würde lange warten müffen.

xdyuaoi uex alxtouwv xai ßaodvwv noix.ii.iov ßupet xai
nvqi dvaiqeia&ca (f. die Acta Acacii, 8. Mai, Bolland.

291 und die Acta Theodori, 9. Nov. f. oben). Zu diefem
,dvzt).iyoixag' ,contradicebanF f. Acta Pionii 16: ,iussi
estis, contradicentibus non vim inferre, sed mortem;
ep. Luciani {Cypr. ep. 22, 2): ,cum iussi sumus secun-
ciuvi praeceptum imperatoris fame et siti necari'

Factifch ift es dem Ref. trotz der viel genaueren Titelangabe
S. 34 feiner fyrifchen Bibliographie früher mit
diefer Schrift fo gegangen, weil in feinen bibliographi-
fchen Quellen nicht angegeben war, dafs die Abbeloos'-
fche Veröffentlichung in Bd. IV der Brüffeler Analecta
Bollandiana zu fuchen und zu finden ift. Dafs der-
felbe Text feither 1890 im 1. Band von Bedjan's Acta

Acta Pionii 20: ,Et recitari iussit ex tabula: Pionium sacri- [ Martyrum et Sanctorum noch einmal veröffentlicht wurde,
legae virum nientis, qui se Christianum esse confessus est, unter Vergleichung einer Hdf. von Mävan und eben
ultricibus flammis iubemus incendi1. Zu diefen Be- ! derfelben Berliner Hdf., Sachau 222, die Raabe beizog,
ftimmungen kamen im Edict des Decius noch zwei, : war in Nr. 1 der ThLZ des vorigen Jahres zu lefen und hu.:e

nämlich 1) die Anordnung der Verftärkung der localen
Behörden durch eine Commiffion von fünf Männern (f. o.),
2) die Androhung von fchweren Strafen in Bezug auf

vom Herausgeber, wenn er es nicht vorher wufste, daraus
noch nachgetragen werden follen. Aus diefer Veröffentlichung
hätte er gleich zu feiner erften Anmerkung Märi

die Beamten, welche in der Ausführung des Edicts läffig i ift wohl kein femitifcher Name' — was für einer dann?
fein würden {Gregor Nyss., Vita Greg. Thaum. 1. e. Mit die Notiz entnehmen müffen, dafs der Name in der ge-
diefen nqooxdypaxa wird das Edict des Decius erfchöpft nannten Handfchrift Märu slStt gefchrieben wird. Wenn
gewefen fein (über Guterconfiscationen f. Cypr. ep.66,4). j Märi weiter in der Ueberfchrift,einer von den Siebenzig'
Dem neu entdeckten libellus haben wir es zu verdanken, j genannt wird, fo lautet hierzu Raabe's zweite Anmer-
dafs wir es nun kennen. — kung ,Der Abfchreiber verwechfelt Mari mit Addai'.

Der der Publication beigegebene Lichtdruck ift ganz I Ganz gewifs nicht. In der Biene des Salomo von Bafra

vortrefflich; er erfetzt das Original. Dem kundigen
Herausgeber fagen wir den betten Dank für die glückliche
Entzifferung der Urkunde, die jeder Freund der

(S. 114 ed. Budge) werden wir belehrt, dafs 12 Jünger
aus der Zahl der 70 geftrichen worden feien, weil fie auf
Anftiften des Cerinth die Gottheit Chrifti leugneten, und

älteften Kirchengefchichte mit Bewegung in die Hand i dafs 12 andere an deren Stelle gekommen feien; unter
nehmen wird. Nicht nur an die Leidenszeit, deren Zeuge j letzteren ift Mär Märi ausdrücklich genannt. Vielleicht
fie gewefen ift, wird er denken, fondern auch an die erfahren wir noch weiteres darüber, wenn die von Geizer
grofse Umwälzung der kirchlichen Bufsdisciplin, die durch i zu hoffende kritifchc Ausgabe des Dorotheus erfchienen
diefe Zettel bewirkt worden ift. Diefer libellus eines fein wird, die Lipfius (Apokr. Apoftelgefchichten I, 194)
hbellaticus und ein beliebiger Ablafszettel vom Jahre ; fchon 1883 als ,demnächft zu veröffentlichend' in Ausficht
1893 — fie find durch ein gefchichtliches Band mit ein- ; geftellt hat1). — Nach S. 21 hat der König von Arbel
ander verknüpft. die .Löwenkrankheit (Ausfatz) des Achasja'. Raabe be

Berlin. A. Harnack.

merkt dazu: ,Der Verf. verwechfelt vielleicht Achasja
mit Hiskia, obwohl die Krankheit des letzteren nicht
Ausfatz, fondern wie es fcheint die Peft war'. Bedjan
Raabe, Richard Die Geschichte des Dominus Märi, eines denkt doch an Gehazi, der wenigftens den Ausfatz hatte;
Apoftels des Orients. Aus dem Syrifchen überfetzt Je Ausgabe von Oft1** wie Bedjan allemal

, . f , L t . . tt- • v ,0 „ ,t,c „, gl druckt, ift mir nicht zur Hand, aber offenbar hat auch
und unterfucht. Le.pzig, Hinnchs, 1893. (63 S. gr. ».) ^ alg ^ njcht fo ^ Bibelkenntnifs

M. 2. — habt, um an 2 Chr. 26 (Ozias, Azarias) zu denken. Die-

Auf die Ueberfetzung der Apologie des Ariftides (f. ! felbe Verwechslung zwifchen Ozias und Ohozias liegt
ThLZ. 1893 Nr. 7) läfst Richard Raabe, etwas rafch, eine i vor, wenn in Lagarde's Septuagintaftudien M 247 C 346

Ochozias mit fortitudo gedeutet ift2). — Ueberfetzt ,und

IÖQ

weitere Ueberfetzung aus dem Syrifchen folgen, weil er

die Beobachtung machte, dafs fyrifche Schriften, auch unterfucht' fleht auf dem Titel; aber die Unterfuchung
wenn ihnen eine lateinifche Ueberfetzung beigegeben ift, befchränkt fich auf 12 Seiten .Einleitende Bemerkungen',
nicht diejenige Beachtung finden, die fie ihrem Inhalt die zum Theil fehr allgemeiner Art find, und erläuternde
nach verdienen könnten. Es wird gut fein, den angehen- j Anmerkungen unter dem Text. Nicht einmal G. Hofif-
den Schriftfteller ein für allemal durch einige Beifpiele zu i mann's unentbehrliche ,Acten perfifcher Märtyrer' find
etwas gröfserer Umficht und Pünktlichkeit zu mahnen, genannt oder nachgefchlagen. Diefelben hätten fofort
Schon der Titel erfordert eine Befferung. Nicht ,ein durch ihr Regifter — ein folches fehlt bei Raabe gänz-
—__ j lieh — auf die Gefchichte der Märtyrer von Karka geil
Die Nachbildung auch anderer älterer Edicte in der Verfolgungs- —- . „ „ «.. . . j „ . ,

zeit von 303-308 ift evident und längft bemerkt. }> Dle N?''z; ßa{s Clemens wie die Crefchichte der 12 Apoftel, fo

2) In Zeile 18, wo Krebs pv{o) lieft, glaube ich yev(o) . . - = : d'% d" 72 8Seb,eninfiu,?t (fX) ln Guldl s Bemerkungen zum

yevSuevov lefen zu können. Damit erhält die Lefung Z. 12 eine weitere ' erften Bande Bedjan < ZDMG 46 (1892) s. 745-

Beftätigung, und die mifsliche Hypothefe von Krebs, dafs es f.ch hier * Auch der S 22 A. 4 hervorgehobene Ausdruck (lammt aus d

um einen zweiten Namen handelt (f. o.). wird überflüffig. 1 BlDel 12 Ke%- 5' ,*>

er

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