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Ausgabe:

1894 Nr. 2

Spalte:

513-515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Halmel, Anton

Titel/Untertitel:

Der Viercapitelbrief im zweiten Korintherbrief des Apostels Paulus 1894

Rezensent:

Weiß, Jürgen

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 20.

q>cüg zb otuzr'iQiov inozrzsvezai (plötzlicli hervorbrechender
Lichtglanz der Epoptie den Myflerien eigenthüm-
lich). Allein er meint, der fchon bei Juftin (ich findende
Ausdruck müffe (wie acpgctyig) urfprünglich eine andere
Wurzel haben, und verweift auf LXX und Stellen wie
Hebr. 6, 4; 10, 32. Diefe Verweifungen find am Platze;
allein fie decken m. E. nicht die terminologifche
Verwerthung des Begriffs für ,Taufe', und aufserdem hat
man fich zu erinnern, dafs der Verf. des Plebräerbriefs
ein ,Alexandriner' ift. Eine Entfcheidung darüber, was
im einzelnen Fall aus dem Milieu, was aus der Septua-
ginta — die übrigens felbft fchon in diefem Milieu fleht—,
und was aus directer Entlehnung flammt, ift ja fehr
fchwierig, und es ift der höchfte Vorzug diefer Arbeit,
dafs fie dem runden Begriff der Entlehnung gegenüber
fehr fpröde ift; aber dafs zwar nicht der Urfprung,
wohl aber die Bevorzugung des Ausdrucks cpiouoitög als
Terminus im kirchlichen Sprachgebrauch — und darauf
kommt es an — auf das Myfterienwefen zurückzuführen
ift, fcheint mir noch immer das Wahrfcheinlichfte.

Als befonders lehrreich hebe ich aus den Ausfüh-
uungen des Verf.'s alle die Abfchnitte hervor, die fich
auf die Arcan-Disciplin beziehen (fie ift nicht durch das
Katechumenats-Inftitut hervorgerufen), ferner die Unter-
fuchung über die alexandrinifche Gnofis, fpeciell über
die Haltung des Clemens Alex., fodann die Nachweife,
wie fich in der Kirche die Ueberzeugung gebildet hat, die
Dunkelheit fei das Kennzeichen der religiöfen Wahrheit
(wie weit zurück hier die Anfänge des ,Hellenismus' liegen,
darüber hat den Verf. und uns Jülicher [Parabeln Jefuj
belehrt), wie fich der kirchliche Sprachgebrauch allmählich
mit Terminis aus der Myfterienterminologie bereichert
hat, und wie das Myfterium, das nach Clemens
und Origenes die yväaig i/;g nitnmg umfchwebt, allmählich
auf die nloxig felbft übertragen wird. Vor allem
aber find die Unterfuchungen über Taufe und Abendmahl
lehrreich. Hier erhält man ftatt einer ,Lehre von
den Sacramenten' in der älteften Kirche das, was es
allein gegeben hat, nämlich eine Lebensgefchichte diefer
Myflerien, in der die Selbftändigkeit ihrer Entwicklung
ebenfo hervortritt, wie ihre thatfächliche Modelirung und
Erweiterung nach der Weife griechifcher Myflerien. Auch
noch im letzten Abfchnitt ,Die antike Kathartik im Chri-
ftenthum', wo die directe Abhängigkeit von der Antike
nachweisbar am ftärkflen ift, hat den Verf. die nüchterne
Erwägung nicht verlaffen, dafs manche diefer Gebräuche
ihre urfprüngliche religiöfe (luftrale) Bedeutung bereits
verloren hatten, als fie ihren Einzug in die Kirche hielten.
Berlin. A. Harnack.

Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, editum con-
silio et impensis academiae litterarum caesareae Vindobo-
nensis. Vol. XXVII. Wien, Tempsky, 1893. (gr. 8.)

M. 6.40

Inhalt: L. Caeli Firmiani La et an ti opera omnia. Accedimt
carmina eius quae feruntur et L. Caecilii, qui inscriptus est de
mortibus persecutorum Uber, recensuerunt Sam. Brandt et Geo. Laubmann
Partis II fasc. L Libri de opificio dei et de ira dei. Carmina
fragmenta. Vetera de Lactanlio testimonia. Ed. Sam. Brandt
(LXXXII, 167 S.)

Auf die vortrefflichen Arbeiten von Brandt über
Leben und Schriften des Lactantius ift in diefer Zeitung
wiedergeholt hingewiefen (1890, 8 und 1892, 12) und der
erfte Band feiner kritifchen Ausgabe diefes Schriftftellers
ausführlich befprochen worden (1890, 26). Das Lob, j
das diefem erften Bande gebührte, gilt gleicher Weife
von dem mir heute vorliegenden erften Theile des zweiten
Bandes. Die peinliche Sorgfalt, mit der der Apparat
zum Text der hier abgedruckten Schriften De opificio
dei, de ira dei, de ave Phoenice und de passione domini
behandelt ift, wird fich nicht leicht übertreffen laffen.

In der Textconftituirung aber fcheint mir Brandt fo
vorfichtig und befonnen, fo genau abwägend und ficher
entfeheidend zu verfahren, dafs wenigftens ich mich nicht
berufen fühle, hier nach Kleinigkeiten zu fpüren, und
das einem philologifch geübteren Urtheil und fchärferen
Augen überladen mufs, in der Ueberzeugung, dafs auch
fie kaum etwas Tadelnswerthes entdecken werden.

Es lohnt fich, ausführlicher über die Prologomena
zu berichten, die fich fchon durch ihre Reichhaltigkeit
vor manchen anderen in den Wiener Ausgaben auszeichnen
. Im erften Capitel giebt Brandt einen kurzen
Bericht über die Handfchriften von Opif. und Ira. Für
die erfte Schrift hat er den Codex Valentianensis, olim
Atnandinus, 133 saec. VIII (IX), der anfeheinend nur von
Erasmus für feine Separatausgabe (Bafil. 1529) benutzt
worden war, herangezogen und glaubt diefe Handfchrift
vor dem Cod. Parisinus 1662 saec. X und Cod. Bononien-
sis 701 saec. VI (VII) bevorzugen zu follen, mit denen
fie übrigens einen gemeinfamen Archetypus hat. Die
Schrift De ira dei ift nur in den beiden zuletzt genannten
Handfchriften überliefert. Das zweite Capitel bringt
einleitende Notizen zu den Gedichten. Vom Phoenix
exiftiren nur drei alte, auf einen Archetypus zurückgehende
Handfchriften, die Codices Parisinus 13048 saec.
VIII/IX, Veronensis 163 saec. IX und Leidensis Vossia-
nus Qu. 33 saec. X. Die zahlreichen jüngeren Handfchriften
kommen für die Geftaltung des Textes nicht in
Betracht. Seine Anficht über den Autor des Gedichtes
fafst Brandt, unter Berufung auf feinen Auffatz im
Rheinifchen Mufeum XLVII, 1892, 390—403 dahin zu-
fammen, dafs Lactanz es, bevor er Chrift wurde, ge-
Ichrieben habe. Ich habe nach öfterer Prüfung diefer
Frage zu einem ganz einwandfreien Refultat nicht kommen
können. Brandt fcheint mir zu weit zu gehen,
wenn er die Frage (Rh. M. 395), ob Lactanz auch als
Chrift noch in der Weife, wie es im Phoenix gefchieht,
einen antiken Stoff behandeln und fich fo völlig auf den
Boden der antiken Mythologie ftellen konnte, durchaus
verneint. Er will fich dem Gewicht, das Riefe und
Dechent (noch mehr Loebe) auf chriftliche Beziehungen
in dem Gedicht legen, dadurch entziehen, dafs er fchliefst:
entweder benutzte L. eine chriftliche Darfteilung oder
Deutung des Phoenixmythus, liefs aber jeden beftimmten
chriftlichen Zug weg, oder aber er hatte fchon eine ge-
wiffe Kenntnifs der Bibel erlangt; in beiden Fällen wäre
anzunehmen, dafs das Gedicht in die Zeit fiele, in der
er dem Chriftenthum näher trat (400). Der zweite Fall
ift ihm felbft unwahrfcheinlich, mir fcheint er unmöglich
zu fein. Br. entfeheidet fich für den erften.
Aber plaufibel macht er ihn eigentlich nicht. Es wäre
fehr willkommen, wenn in dem Gedichte Spuren einer
Benützung der Ueberfetzung des Clemensbriefes fich
nachweifen liefsen; indeffen die Berührungen gehen, fo-
weit ich fehen kann, nicht über das Selbftverftändliche
hinaus. Ein zwingender Grund, warum L. das Gedicht
nicht verfafst haben follte, läfst fich bisher nicht angeben
, und bekanntlich fpricht die Ueberlieferung energifch
für ihn; wann aber und unter welchen Verhältnifsen er
es verfafst habe, das zu entfeheiden fehlen uns die Mittel.
Brandt findet kaum eine einzige ganz unverkennbar
chriftliche Beziehung, und ich mufs geliehen, dafs die
Art, wie neuerdings Loebe {In scriptorem carminis de
Phoenice quod L. Caclii Firmiani Lactantii esse creditur
observationes, Brunsv. 1891) darauf gefahndet hat, mir
fehr übertrieben zu fein fcheint.

Einen befonders intereffanten Theil der Prolego-
mena bilden die Bemerkungen über die beiden entfehie-
den unechten Gedichte De passione domini und de resur-
rectione [domini). Von dem Erfteren, worin Chriftus
felbft fein Leben, Leiden und Sterben erzählt und unter
Hinweis auf den ewigen Lohn zu feiner Nachfolge auffordert
, führt Brandt überzeugend den Nachweis, dafs
es ein zwifchen 1495 und 1500 entftandenes humanifti-