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Ausgabe:

1894 Nr. 19

Spalte:

484-488

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zöckler, Otto

Titel/Untertitel:

Biblische und kirchenhistorischen Studien 1894

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 19.

488

Vielmehr ifl, wie Z. fehen konnte, Tiqög zoig % eine, vom
Syrer (S. 2639) ausgelaffene Gloffe. In den capita pract.
haben wir alfo beftenfalls verfchiedene Trümmer des
urfprünglichen zu erblicken. Von den anderen, unzweifelhaft
echten Schriften find im Originale nur Bruch-
ftücke erhalten, nämlich vom rvojozr/.dg bei Socr. h. e.
IV 2300—71, von den aqoyvioozr/.a ngoßXnfidza bei Maxim.
Conf., Schal, ad Dion. Areop. (Mg. III, 75. 174.) und
zwei weitere, von den Hrsgbb. und demnrtch auch von
Z. überfehene bei Barfanuphius, doctr. de Orig., Evagr.,
et Didymo (Montfaucon, bibl. Coisl. p. 394; Mg. LXXXVI,
893 aus ,riwoTi/.ä' Cent. II, c. 64. 69). Die Zugehörigkeit
der übrigen Evagriana zu E. unterliegt Bedenken.
Die rationes monachal. rer. (Mg. I.e. 1252 sqq.) flehen zwar
in der Hf. unter feinem Namen, unterfcheiden fich aber
in charakteriftifcher Weife von dem echten E., indem fie
die fjovzia (nicht auautiu) empfehlen und als Motiv
nirgends die Bekämpfung der finnlichen Luft, fondern
nur die Vermeidung einer Störung der Contemplation
angeben. Z. hat auch hier den Thatbeftand verdunkelt.
Die capiiula XXIII per gradus und die verfchiedenen
,geiftlichen Alphabete' (für letztere war die Ausgabe von
Elter, index leett. Bonnens. 1892, WS, zu benutzen,
aus deffen Prolegom. Z. manches hätte lernen können)
flehen in den Hf. meift oder ausfchliefslich unter dem
Namen des Nilus, dem fie vielleicht zugehören. Das
Fragment Big zn 1JII11 (die Ausgabe von Lagarde,
onom. sacra, 229h kennt Z. nicht) hat mit E. ebenfalls
nichts zu thun.

Mehr, als der griechifchen Ueberlieferung, verdankt
man den Ueberfetzungen. Die beiden Sziyrtgä find la-
teinifch erhalten und edirt (Mg. /. c. 1277 sqq.). Ob noch
anderes lateinifch vorhanden ift (vgl. Gennad. Catal. Ii),
vermag ich nicht zu fagen. Alle echten Schriften und
vielleicht auch die meiften unficheren find fyrifch erhalten
, aber noch unedirt.

Ob noch andere Schriften des E. exififirten, als
Socr. und Gennad. aufzählen, ift möglich, aber erft. nach
eindringenderer Unterfuchung auszumachen. Briefe waren
jedenfalls vorhanden (z. B. an Greg. Naz., wie aus deffen
Brief [Abhandlung] nqbg Evdyqiov iior. negi l/iöirgog
hervorgeht; fyrifche Hff. enthalten 63 Briefe Z. S. 40).
Aber was hat es mit den capitt. pract. c. 14 (C. 1237 C)
citirten yieqxxXata negi 7igoatvyrlg auf fich? Waren fie
eine bef. Schrift (Affemani nennt einen Sermo de orat.:
bibl. Orient. III, 172), oder ein Theil des fllovayog}
Ueber alle diefe Dinge habe ich mich bei Z. vergeblich
zu belehren gefucht.

Eine Darftellung der Lehre des E. zu unternehmen,
wird man bei dem gegenwärtigen Stande der Ueberlieferung
für verfrüht halten müffen. Man wird dafür erft
die Zugänglichmachung der fyrifchen Ueberfetzungen
abzuwarten haben. Z.'s Unterfuchung hat zudem dadurch
gelitten, dafs er die unficheren, m. E. unechten Schriften
, wie die rationes rer. monach. unbedenklich mit verwertet
.

Der Anhang wendet fich hauptfächlich gegen die
Hypothefe von Lucius (Ztfchr. f. KG. VII, 1885,16314.,
dafs Rufin, Soz. und Pallad. für die Gefchichte des
ägyptifchen Mönchthums eine gemeinfame Quelle vorgelegen
habe. Die vorläufigen Bemerkungen von Z.
gegen diefe Hypothefe find ziemlich belanglos, und fein
Verfuch, die Petroniushypothefe Tillemont's bezüglich
Rufin's hist. monach. neu zu beleben, ift recht unglücklich
, wie fchon aus dem von J. de Byc, Act. Sand., Od.
II, 428 sq. Auseinandergefetzten zu lernen war. Ueberhaupt
fcheint es mir nicht an der Zeit, mit Hypothefen über
Palladius ans Licht zu treten, fo lange die historia Lau
siaca nicht genauer hinfichtlich ihrer Ueberlieferung
unterfucht ift und bef. folgende Fragen beantwortet find:
ift der landläufige Text (Mg. XXXIV, 995 sqq.) der ur-
fprüngliche, oder liegen in verfch. Hff. verfchiedene Re-
cenfionen desfelben Werkes vor? In welchem Verhält-

nifs fteht die, unter dem Namen des Hieronymus oder
anonym überlieferte historia monach. Aegypt. (oder Pa-
radisus) zur historia Lausiaca? Was ift aus der fyrifchen
Ueberlieferung zu lernen? Vorläufig erfcheint
die Hypothefe von Lucius in der That die probabelfte
Löfung des Problems, der auch Z. (Art. Palladius RE2
XI, 174) ehedem nicht fo gar ferne ftand.

An Einzelheiten wäre Vieles zu erinnern (z. B. IVU
Scithium ift wohl das von Ptolem. IV 535 genannte
Syuairts; der ,Antioch. Abb.1-, der nach Fontanini [bei
Ml XXI] citirt wird, ift der Antioch. man. S. Sabae; die
Stelle =Pandect. CXXX, Mg. LXXXIX, 1848 A.) und
das Druckfehlerverzeichnifs S. X liefse fich leicht verzehnfachen
. Die deutfehe Sprache hat durch das Buch
viele fchöne neue Wörter gewonnen (z. B. ,etw. bezielen'
= auf etw. abzielen I 7168, ,vereinerleien' I 41; ,Vereiner-
leiung' V47; .grundleglich' IV 57; fbeinahig' V 10 u. a.).

Giefsen. Erwin Preufchen.

Tlanaöonovkog - Kegafievg, LV., ' IsqoaoXvinziyq
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e/.dolrttoa dvaXdiiaoi zov Avzoy.gazogixov ogEodölgov
HuXaiazivov avXXnyov. Tniiog ngeozog. Ev LJezgov-
noXei, 1891. [Leipzig, Harraffowitz.] (XVIII, 623 S.
gr. 8.) M. 30.—

Die Bibliothek des griechifchen Patriarchates in Jeru-
falem fetzt fich aus drei Fonds zufammen: den Hand-
fchriften des h. Grabes (S. Sepulchri), denen des Klofters
Mär Säbä (S. Sabae) und denen des Kreuzklofters (S.
Crucis). Erft durch die Bemühungen des 1890 abgegangenen
Patriarchen Nicodemus I ift der erfte Fonds auf
feine jetzige Anzahl gebracht, und find die beiden andern
Fonds aus ihren Klöltern, wo fie nicht immer genügend
gefchützt waren, 1887 nach Jerufalem transportirt
worden; Nicodemus hat auch die Herftellung diefes Kata-
loges durch Papadopulos veranlafst. Der vorliegende
erfte Band befchreibt die 645 Handfchriften X. Sepulchri,
drei folgende Bände werden die 706 Hff. X. Sabae, die
107 X. Crucis, die 17 aus dem Privatbefitz des Patriar-
i chen und die 850 Hff. des Jerufalemifchen Klofters in
Konftantinopel befchreiben. Der Katalog ift mit Unter-
ftützung des Grofsfurften Sergius Alexandrowitfch auf
j Kotten des ruffifchen Paläftina-Vereins gedruckt, höchft
opulent ausgeftattet und mit 15 Lichtdrucken verfehen,
die übrigens nicht alle abendländifchen Anfprüchen genügen
. Auf zweierlei mufs ich hinweifen, da der Ver-
faffer es nicht hervorhebt: 1) Es finden fich unter diefen
.griechifchen' Hff. mehrere nichtgriechifche: Sep. 27 ift
lateinifch Eutropii historia et Pauli Diaconi continuatio,
Sep. 478 und 530 find lürkifch in griechifcher Transkription
, Sep. 124 und 404 find theilweife arabifch, Sep. 173
zum Theil flavifch, Sep. 29 n. 3 ift griechifch und arme-
nifch. 2) Der Werth diefer Bibliothek ift viel geringer,
als man nach der Bändezahl vermuthen mufs. Denn im
Orient ift die Production von Hff. durch die Erfindung
der Buchdruckerkunft nicht geftört worden; fo gehört
denn bei weitem der gröfste Theil diefer Hff. den letzten
vier Jahrhunderten an. Diefe modernen ,Handfchriften'
find nicht fämmtlich werthlos; gerade unter den modern-
ften finden fich wichtige Archivalien für die Gefchichte
der Patriarchate Jerufalem und Antiochien; aber der Pro-
centfatz des Brauchbaren in diefer Claffe ift doch fehr
gering. Es flehen hier auch gedruckte Bücher mit einigen
handlchriftlichen Zufätzen, fo Sep. 245, 261, 277, 352,
488, und fogar Abfchriften von gedruckten Büchern, fo
Sep. 363 und 383. Aelter als das Jahr 1500 find unter