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Ausgabe:

1894 Nr. 13

Spalte:

337-338

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Burton, Ernest de Witt

Titel/Untertitel:

Syntax of the Moods and Tenses in New Testament Greek 1894

Rezensent:

Blass, Friedrich

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 13.

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Der erfte Abfchnitt ift auch lehrreich, namentlich 1 freuen. Doch mufs ich mit Robertfon bekennen (vgl.
durch die Beobachtungen über die Oekonomie des Ab- | auch fchon diefe Zeitung 1893, Sp. 359), dafs mir Drä-
fchnitts Iren. I, 22—27 und über die ganz irenäifche feke's Gründe nicht zureichend zu fein Rheinen, die
Sprache. Dennoch wage ich nicht zu behaupten, dafs I Autorfchaft des Athanafius zu bemängeln. Den uner-
der Verfaffer hier abfchliefsende Ergebnifse vorgetragen 1 müdlichen Forfcher hat feine Luft am Umtaufen diesmal
hat. Man mag auf ,Hygin den 9. Bifchof kein Gewicht i entfchieden in die Irre geführt.

legen und auf manches andere Einzelne, aber das Ver-
hältnifs von c. 22—27 zu 28—31 giebt doch zu Bedenken
gegen die Annahme Anlafs, c. 22—27 fei ganz felb-
ftändig entworfen. Woher denn die merkwürdige Zweitheilung
? Der Verfaffer freut fich, den Schatten des jufti-
nifchen Syntagmas, den man refultatlos befchworen habe,
wieder ins verdiente Grab — ,ad dignam mediocritatem',
wie er fich ausdrückt — zurückgeführt zu haben. Aber
diefer Triumph fcheint mir doch etwas zu früh zu kommen.
Wer die vereinzelten Angaben über Ketzer bei Hegefipp,
den Alexandrinern, den Apoftol. Conftit. und fonft nicht
unterfucht hat, der triumphirt vielleicht zu früh. Doch
— darin hat der Verfaffer Recht: was Irenaus dem jufti-
nifchen Syntagma etwa verdankt, läfst fich nicht mehr
ermitteln, und aus Hippolyt's Syntagma und Tertullian
läfst fich nichts gewinnen. Ich vermuthe, der Verfaffer
ift mit diefem Zugeftändnifs auch zufrieden. — S. 60 Z. 6v.
u. ift ftatt Jlippo/ytus1 vielmehr ,Hilgcnfeldius' zu lefen.
S. 62 ift die Conjectur ,ange/is' für Iltis1 anfprechend;
S. 77 fehlt die Angabe, wohin die zweite Note gehört.

Berlin. A. Harnack.

Robertson, Archibald, St. Athanasius on the incarnation.

The Greek text edited for the use of students. 2. ed.
based on the codex Seguerianus. London, Nutt, 1893.
(XIII, 89 S. gr. 8.) geb. M. 3. -

Diefe erftmalig im Jahre 1882 erfchienene Ausgabe
der claffifchen Schrift des Athanafius hat Harnack
(f. diefe Zeitung 1883, Nr. 16, Sp. 366) als handlich, gut
gedruckt und billig willkommen geheifsen. Damals hatte
Robertfon den Text der Benedictinerausgabe zu Grunde
gelegt und nur an ein paar Stellen Lesarten der Bodle-
janifchen Handfchrift Saec. XVI mitgetheilt. Ueber die
Grundfätze, die ihn bei der neuen Auflage geleitet haben,
entnehme ich der Vorrede Folgendes:

Der Text ift nach der heften, zur Zeit erreichbaren
Handfchrift, dem Codex Seguerianus, jetzt Coislinianus45
der Parifer Nationalbibliothek, Saec. XII, abgedruckt.
Der Herausgeber ift der Anficht, dafs neben diefem
Manufcript der Codex Goblerianus, jetzt im Britifchen
Mufeum (Harl. 5579, Paläograph. Society No. 133), ann.
1321 als unabhängiger Textzeuge nicht in Betracht kommen
könne, da beide Handfchriften einem gemeinfamen
Archetypus entflammen. Andere Manufcripte find coila-
tionirt oder doch eingefehen worden. Robertfon weifs,
dafs feine Arbeit nur einen Schritt vorwärts zur Her-
ftellung eines endgültigen Textes bedeutet, mit der Rev.
J- Wallis in Cambridge, dem R. für Beihülfe feinen
Dank ausfpricht, befchäftigt ift. Wefentliche Aenderungen
find freilich nicht mehr zu erwarten. Auch Robertfon s
Text weicht von dem überlieferten faft nur in Kleinigkeiten
ab. R. erwähnt als wichtig zwei Verbefferungen:
in Cap. 45, 2 ift yfj in dem Citat aus Jef. 11, 9 I"ter/

Die wenigen fachlichen Anmerkungen der erften
Ausgabe hat Robertfon jetzt ganz weggelaffen; er giebt
nur textkritifche Noten und verweift im Uebrigen auf
feine, 1891 in zweiter Auflage erfchienene englifche Ueber-
fetzung, die aufser Einleitung und Inhaltsangabe auch
ein Verzeichnifs der Schriftftellen und ein Namen- und
Sachregifter enthält, während R. jetzt nur ein Wörterre-
gifter bietet. Offenbar fetzt er bei feinen Studenten den
Befitz auch der Ueberfetzung voraus. Doch kann ich
das Bedauern nicht unterdrücken, dafs wenigftens die In-
dices nicht herübergenommen wurden, zumal die Schriftftellen
auch unter dem Text nicht angegeben find. Von
diefem Mangel abgefehen, darf die Ausgabe nur empfohlen
werden, zumal die Ausftattung vortrefflich und
von höchfter Sauberkeit ift, und es ift dringend zu wün-
fchen, dafs fie auch unter unferen Studenten Verbreitung
finde. Wir haben aufser ihr keine empfehlenswerthe
Sonderausgabe. Darüber aber dürfte doch jetzt Einver-
ftändnifs erzielt fein, dafs die Schrift von der Menfch-
werdung des Logos wie kaum eine zweite geeignet ift,
in das Wefen griechifch-chriftlicher Frömmigkeit einzuführen
.

Giefsen. G. Krüger.

Berger, Samuel, et Paul Durrieu, Membres residants de
la Societe" nationale des Antiquaires le France, Les
notes pour l'enlumineur dans les manuscrits du moyen äge.

Extrait des Memoires de la Societe nationale des Antiquaires
de France, t. LIII. Paris, 1893. (30 S. 8.)

Die kleine Schrift gewährt einen in mancher Hinficht
intereffanten Einblick in die Herftellungsweife illuftrirter
Handfchriften im fpäteren Mittelalter. Aus ficheren Merkmalen
ergiebt fich, dafs nur ausnahmsweife der Schreiber
mit dem Illuminator identifch gewefen ift. In der Regel
liefs erfterer den Raum für die bildliche Darftellung frei,
und Sache des Buchmalers war es, diefe nachträglich
einzufügen. Er erhielt dazu beftimmte Anweifungen,
welche am Rande beigefchrieben wurden, um nach Vollendung
des Werkes ausradirt oder vom Buchbinder entfernt
zu werden. Glücklichem Zufall ift es zu danken,
dafs nicht feiten die Vernichtung unterblieben oder nur
unvollftändig ausgeführt worden ift. Was fie bei jahrelanger
Forfchung von folchen Ueberbleibfeln meift in
franzöfifchen Handfchriften gefunden, haben die Verfaffer
gefammelt und in anfprechender Form gefchildert, nicht
ohne die bemerkenswertheften Beifpiele im Wortlaut mit-
zutheilen. Die Theilung der Arbeit gefchah in der Weife,
dafs Berger die biblifchen, Durrieu alle übrigen illuftrirten
Handfchriften übernahm. Die mitgetheilten Anweifungen
bezeichnen bald nur kurz den darzuftellenden Gegen-
ftand (fo namentlich bei den typifch gewordenen Darftellungen
in Bibelhandfchriften, z.B.i'Satnt Jehan quiescrit
as VII eglises', oder nur 'Saint Jaques l'apostre), bald
polation, und in Capp. 47, 2 und 55, 4 ift rpavraaioxonsiv , geben fie genaue Details (in dem Pontificale der Parifer

ftatt qjavzaoioOKoneiv zu lefen. Die letztere Correctur ift [ Nationalbibliothek, aus welchem fchon Delisle eine An-
infofern von Bedeutung, als das Wort fich (aufser in zahl folcher Beifchriften veröffentlicht hatte, lieft man z. B.:
Ecclus. 4, 3o(?) und bei Eufeb. Demonstr. Evang. III, 6, 6) 'Hic pingatur papa genuflexus. Hic ponatur nna mulier
anfcheinend nur noch in dem Synodalfchreiben der an- genuflexa in habitu viduali, tenens paternostres in mani-
tiochenifchen Synode gegen Paul von Samofata (Euf. VII, ' bus. Ad pennellumpingatur stola etc.). Leider finden fich
30,9) und bei Eustathius de Engastr. (ed. Jahn in den j nur feiten auf die Perfon des Buchmalers bezügliche
Texten und Unterfuchungen II, 4, S. 37, 17) findet, alfo im ; Daten, wie z.B. in dem von Oudin de Carvanay um
Bereich der antiochenifchen Schule. Dräfeke, der im j 1393 gefchriebenen Cod. 823 der Nationalbibliothek, wo
vorigen Jahre (Stud. und Krit. 251—315) hat nachweifen i der auch fonft bekannte Illuminator Pierre Remiet durch
wollen, dafs unfer Tractat nicht von Athanafius, fondern die Weifung 'Remid, ne faites neu cy car je y ferai
von Eufebius von Emefa verfafst fei, wird fich hierüber ! une figure quiy doit estre' kenntlich gemacht id.