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Ausgabe:

1894 Nr. 10

Spalte:

279-281

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Siedersleben, Ed.

Titel/Untertitel:

Geschichte der Union in der evangelischen Landeskirche Anhalts 1894

Rezensent:

Köhler, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 10.

284

eingenommen haben, d. h. nach heutigen Verhältnifsen
auf dem linken Flügel der Verfammlung. Es ift fchwer,
feine Stellung in einer der zur Zeit patentirten Theo-
logenfchulen einzuregiflriren. Zu einem Ritfchlianer kann
man ihn nicht wohl ftempeln; wohlthuend fühlt man
fich hin und wieder von einem Hauch vom Geifte
Schleiermacher's berührt. Was er fagt, ift gedankenvoll
und wahrhaft chriftlich, fromm und frei im Verein. Die
Grundfrage, um die es fich für ihn handelt, ift die nach
dem Verhältnifs von Frömmigkeit und Kirche. Die Kirche
ift die Gemeinfchaft der Frömmigkeit (oder der Religion,
beides gilt ihm mit Recht als gleichbedeutend); ein Wi- !
derftreit zwifchen Kirche und Frömmigkeit kann dadurch i
entftehen, dafs die Formen, welche die Frömmigkeit fich
in der Kirche giebt, mit der Zeit erftarren und fo für
den in unaufhörlicher lebensvoller Bewegung befindlichen
Inhalt zur Feffel und Schranke werden. Aber das Lebenselement
der Kirche ift und bleibt nicht das zum Gefetz
gewordene Dogma, fondern die in allen ihren echten j
Gliedern, fei es auch unter fcheinbar widerfpruchsvollen
Formen, gleichartig lebende Frömmigkeit. Diefes Einheitsband
fehlt nicht in der Kirche deutfcher Reformation
. ,Mir ift es — fagt der Verf. fehr treffend S. 42, —
je länger fchon und je mehr ich meine Aufmerkfamkeit
auf die verfchiedenen Richtungen innerhalb unferer ev.
Kirche richte, defto mehr fo erfchienen, dafs wir ev.
Chriften viel mehr eins find im Geifte, als es manchem, j
der unfere Bruderzwiftigkeiten nur von aufsen anfleht,
bedünken will, und viel mehr eins find im Geifte, als
felbft mancher Bruder bei einfeitiger Befchäftigung mit
einer Lieblingsmeinung es Wort haben mag'. Schön und
gut heifst es weiter unten (S. 45): ,Ich habe mich in der
Predigt von rechtgläubigen wie von freifinnigen Brüdern
erbauen können, wo ich nur die Liebe Chrifti verkündigen
hörte aus warmem Herzen. Dagegen vermochte
ich mich weder bei den Freifinnigen noch bei den Rechtgläubigen
wahrhaft zu erbauen, wenn mir der Prediger
durch feine Erörterungen über theologifche Streitfragen
fich das Anfehen geben zu wollen fehlen, als habe er
alle Vertreter einer anderen Richtung liegreich aus dem
Felde gefchlagen'. üb die vom Verf. bezeugte Frömmigkeit
ausreiche, um auch bei freier Stellung zu dem
Wortlaut eines gefchichtlich gewordenen Bekenntnifses
das Bürgerrecht in der ev. Kirche zu begründen, das ift
die Frage, um die es fich zur Zeit handelt. Die Zukunft
unferer Kirche hängt daran, dafs fie die rechte Antwort
findet. ,Möge nicht unfere ev. Kirche durch Aufrichtung
einer neuen Unfehlbarkeit fich in einen Wettftreit mit
der römifchen Kirche einlaflen. Für die Erkenntnifs von
den Folgen haben wir an Rom genug'. Wir ftimmen I
diefem Wunfeh des Verf.'s mit ganzem Herzen bei. In
Bezug auf einige der zunächft vorliegenden Fragen macht
er fchliefslich ein paar wohlerwogene, beherzigenswerthe
Vorfchläge: er warnt davor, die Lehrverpflichtung der
Ordinanden, wie von einigen Synoden beantragt wurde,
noch zu verfchärfen durch Hereinnahme des Apoftoli- j
cums in das Ordinationsformular, er wünfeht eine Erweichung
der Verpflichtung auf das Apoftolicum bei
der Taufe und Confirmation und bei dem Gebrauch des-
felben in der Liturgie durch Zufügung von Eingangs- j
formein, welche die Vorftellung, dafs die juridifche Bindung
an den Wortlaut des Symbols gemeint fei, abwehren
, oder durch eine Parallelform des Bekenntnifses.
Das Ganze ift ein Wort zu feiner Zeit. Es fei ihm ernfte
Beachtung und Beherzigung gewünfeht. Das Schlimmfte, |
was uns im gegenwärtigen Augenblick widerfahren könnte, j
wäre, wenn die vorausfichtlich orthodoxe Mehrheit der j
bevorftehenden Generalfynode fleh berufen erachtete, von
der Macht, welche die Mehrzahl giebt, rückfichtslofen Gebrauch
zu machen um die gegnerifchen Richtungen nieder-
zuftimmen.

Darmftadt. K. Köhler.

Berichtigung.

1. In der Anzeige meines Werkes (Theol. Litztg. Nr. 7) berichtet
der Ref., dafs S. fich Harnack anfchliefst, wenn er annimmt, dafs die
P.S. und die beiden Abhandlungen den Severianern angehören. Der Ref.
hat leider meine Refultate falfch wiedergegeben. Denn H. hat in feinem
Buche über die P.S. der Severianer mit keinem Worte gedacht, vielmehr
habe ich zum ernten Male diefe Secte für die P.S. herbeigezogen
und zum ernten Male darauf hingewiefen, dafs die Worte iv
avtoxüzu) jltQtaiv bei Epiph. h. 45 auf Ober-Aegypten (Thebais) zu
beziehen feien (S. 584).

2. Die Worte des Ref.: .Davon freilich, dafs das von Plotin bekämpfte
Syftem mit dem in dem zweiten Werke entwickelten identifch
fei, habe ich mich nicht überzeugen können, wenn fchon fich einzelne
Berührungspunkte finden', könnten bei manchen Lefern die Annahme
erwecken, als ob ich diefe Identität behauptet hätte. Meine Refultate
aber lauten (S. 659): .Freilich können wir nun nicht behaupten, dafs das
von Iren, benutzte üriginalwerk unfer koptifch-gnoftifches fei, noch dafs
aus jenem Plotin gefchöpft habe, vielmehr zeigen alle drei bei
mancher Uebereinftimmung wieder bem erkens werthe Abweichungen
; dafs aber alle drei fich auf eine und diefelbe
gnoftifche Secte beziehen, wer möchte dies bezweifeln?'
Das ift m. hl. dasfelbe, was der Ref. fcheinbar als feine Meinung mir
entgegenhält.

Die übrigen Bemerkungen des Ref. werde ich hoffentlich an einem
anderen Orte richtig (teilen können.

Berlin. Carl Schmidt.

In der Befprechung von Völter, Das Problem der Apokalypfe
(Nr. 9), find folgende Irrthümer zu berichtigen: Sp. 238 Abf. 2 Z. 14t
lies: Dagegen hält V. auch jetzt noch an der Entdeckung feil. Sp. 240
(Mitte) find in dem Satz: ,Die erltere Anfchauung ift die urfpriingliche,
die letztere eingetragen', die Worte erftere und letztere umzuftellen.

W. Bouffet

Bibliographie

von Bibliothekar Dr. Johannes Müller.

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Inhalt: Die altchriftlichc Literatur u. ihre Erforfchung fi-it z88o. Allgemeine
Überficht u. 1. Literaturbericht (r88o—1884). Von A. Eh r har d. (XIX, 239 S.)
Patrttm apostolicorum Optra. Textum ad fidem codiatm et graecorum

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