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Ausgabe:

1894 Nr. 9

Spalte:

238-241

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Voelter, Dan.

Titel/Untertitel:

Das Problem der Apokalypse 1894

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 9.

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Die hiftorifche Einleitung S. VIIff. wäre beffer weggeblieben
. Dadurch hätte hch der Verf. von meiner
Seite den Vorwurf erfparen können, dafs z. B. die erften
Abfätze S. VII und der 2. auf S. 8 von Verkehrtheit und
Unkenntnifs förmlich ftrotzen. Auf weitere Einzelheiten
kann ich mich nicht einlaffen.

Die ganze hebräifche Schulbuchliteratur würde mit
einem Schlage verfchwinden, wenn man fich in den mafs-
gebenden Kreifen der Einficht öffnen wollte, dafs es völlig
unnöthig und überflüffig ift, die jungen Theologen mit
dem Erlernen des Hebräifchen zu quälen1). Zur Einführung
in das Verftändnifs der Staats- und Religionsgefchichte
Israels reichen Ueberfetzungen aus. Von dem äfthetifchen
Werthe der betreffenden Literatur giebt der alte Luther
ein ausreichendes Bild, hat er ja z. B. in den Pfalmen das
Original nicht feiten übertroffen. Diejenigen aber, welche
behufs tieferer Erforfchung des Alten Teftaments die
Sprache des Originals verliehen lernen wollen, haben
dazu auf der Univerfität Zeit und Gelegenheit genug.
In diefem Falle iff es viel beffer, der Student kommt
ohne jede Vorkenntnifse, als mit fchiefen und verkehrten
Anfchauungen.

Strafsburg i Elf. Schwally.

Buhl, Prof. D. Frants, Geschichte der Edomiter. Programm.
Leipzig, A. Edelmann, 1893. (86 S. gr. 8.) M. 1. 80.

Es verdient Dank, dafs der Verfaffer fich der Mühe
unterzogen hat, einmal Alles zu fammeln, was Geographen
und Reifende über das Land Sei'r und was Infchriften
und Hiftoriker über das Volk Edom, feine Gefchichte
und Religion zu den Berichten der Bibel hinzugebracht
haben. Die allgemeine Geographie auf S. 2—20 flützt
fich befonders auf die zuverläffigen Reifeberichte von
Burckhardt, Laborde, Doughty u. A. Die durch Gn. 27, 39f.
folenn gewordene Anfchauung von der Unfruchtbarkeit
des Edomiterlandes wird doch angefichts der Belege von
S. 15 f., 43 etwas eingefchränkt werden müffen. So angenehm
wie im Gebirge Juda wohnte es fich in Sei'r
mindeftens auch. Auf S. 21—43 handelt der Verf. von
der Ausdehnung und Topographie des edomitifchen Gebietes
, S. 44—51 betreffen Landescultur, Handel, Ver-
faffung und Religion der Edomiter, S. 51—86 ihre
Gefchichte von den älteften Nachrichten an bis zum
Untergang des zweiten jüdifchen Tempels, mit welchem
Zeitpunkte auch die Edomiter aus der Gefchichte verfchwinden
. — An dunkeln Punkten fehlt es auf dem : in der erften refp. zweiten Auflage), die Karpokratianer
langen Wege, den uns der forgfame Verf. führt, nicht. 1 (=Nicolaiten) find ganz oder theilweife verfchwunden. Da

er die Form des Mafchal befprochen, geht er auf S.
9—22 näher auf die literarkritifchen Fragen ein. Er
fchreibt den 2. und 5. Theil des Spruchbuchs der Zeit
des Hiskia zu, befonderes Gewicht auf den Ausdruck
■ptn in 29, l8 legend (S. 13), aus dem doch fchwerlich
eine nothwendige Beziehung auf Hiskia's Periode hervorgehen
dürfte. Alles Uebrige verfetzt der Verf. in das
perfifche Zeitalter. Uns fcheint das ganze Buch ein
ftark fopherifches Gepräge zu verrathen. Die Darfteilung
des Gedankengehalts und die gut ausgewählten Proben
machen das Schriftchen zu einer angenehmen Leetüre.

Jena. C. Siegfried.

Voelter, Prof. D. Dan., Das Problem der Apokalypse. Freiburg
iB., J. C. B. Mohr, 1893. (VIII, 528 S. gr. 8.)
M. 10. —

Von neuem liegt eine umfangreiche und alle bisherigen
Arbeiten über die Apokalypfe berückfichtigende
Kundgebung des Gelehrten vor, der vor nun bald zwölf
Jahren der kritifchen Auffaffung der Apokalypfe Bahn
gebrochen hat. In ausführlicher und erfchöpfender Weife
giebt V. nach einer kurzen Einleitung dem Gang der
Apokalypfe folgend, Abfchnitt für Abfchnitt zunächft
einen Üeberblick über die gefammten kritifchen Auf-
ftellungen, dann fein eigenes Urtheil. Zwei Irrthümer
bezeichnet V. in der Einleitung als Urfache der in der
Kritik der Apokalypfe eingetretenen Verwirrung: Die
Compilationshypothefe und die Anfchauung von dem
wefentlich jüdifchen Charakter der Apokalypfe. Wenn
man jüngft vor einer zu fehr ins einzelne gehenden
Quellenfcheidung gewarnt habe, fo bezeichne das nur
die Unficherheit jenes falfchen Standpunktes.

Um mit der letzten Bemerkung V.'s zu beginnen,
fo mufs ich bekennen, dafs es von einem merkwürdigen
Glauben an die Allmacht der Kritik zeugt, wenn V. bei
fo gründlicher Beherrfchung der kritifchen Leiftungen
auf diefem Gebiet der Forfchung noch immer der Ueber-
zeugung ift, zu einer bis auf jedes Wort reinlichen Lö-
fung des vorliegenden Problems kommen zu können.
Ueber diefen Glauben läfst fich nicht ftreiten. Es foll
hier nur hervorgehoben werden, dafs V. doch in feinen
Behauptungen im ganzen vorfichtiger geworden ift. Ge-
ftalten wie Antoninus Pius und Alexander Abonoteichos,
Hadrian und Herodes Atticus (Deutung der beiden Thiere

Zu den verzweifeltften Fällen gehört die Gefchichte von
Hadad S. 57—61. Die Nachrichten find hier voller Lücken
und was vorliegt, ift meift unficher oder unklar. Auch
die neueften Arbeiten der Affyriologen, die diefes Gebiet
betreffen, hat der Verf. mit Sorgfalt genutzt, fo dafs der
Hiftoriker und Exeget des A.T.'s in diefer Schrift ein
fehr bequemes Nachfchlagebuch in allen Edom betreffenden
Fragen erkennen wird.
Jena. C. Siegfried.

für werden wir diesmal mit der Entdeckung überrafcht,
dafs Cerinth einen Theil der Apokalypfe gefchrieben.
Ich hoffe, auch Cerinth wird bei einer neuen Auflage
des Buches wieder verfchwinden. — Aber noch immer
hat V. die Kunft echter hiftorifcher Kritik nicht gelernt,
die Kunft, ficheres von unficherem einigermafsen abzugrenzen
. Die luftigften Combinationen werden mit der-
felben Sicherheit behauptet, wie die werthvollften Er-
kenntnifse. Und das fchädigt leider den Gefammtein-
druck der wirklich werthvollen Arbeit.

n ■ nr ,r*ir-,, ^ r Haft völlig ftimme ich V. darin zu, dafs die Behaup-

Baudissin, WolfWilh. Graf, Die alttestamentliche Spruch- tung eines jüdifchen Grundbeftandes der Apokalypfe ein
dichtung. Rede, gehalten beim Antritt des Rectorats Irrweg der neueften Phafe der Kritik war. Hinfichtlich
der Univerfität Marburg am 15. Octbr. 1893. Leipzig, Cap. 12 der Apokalypfe, aus dem einft Vifcher den
Hirzel, 1893. (24 S. gr. 8.) M. — 60 1 Hauptbeweis für feine Thefe gewann, meine auch ich,

y . . A . .. , ' ' '. . I dafs fich jene Befchreibung der Geburt des Meffias

In eurer beim Antritt des Rectorats in Marburg ge- immer noch beffer als chrimibches wie als jüdifches Stück
haltenen Rede zeichnet der Verf. ein Bild der alttefta- . begreifen läfst. Weder die Deutung Vifcher's noch die
menthehen^d.daktifchen D'cMung Von der allgemeinen , Spitta.s befriedigen in irgend einer Weife. - Anfprechend
Charakteriftik der hebräifchen Ue.sheit ausgehend, die ift die Deutung Völter's jener von Vifcher herangezoge-
nicht Philofoph.e fondern praktifch-fitthche Werth*: auf nen Thalmudftelle von dem plötzlichen Entrücktwerden
rehg,öfer Grundlage erzeugt habe, unterzieht der Verf. des Meffias vom Sturmwind. V. fieht hier nur eine Par-

das Spruchbuch einer näheren Unterfuchung. Nachdem

odie auf die Geburt Jefu in Armuth und Niedrigkeit
(170. 171). Es zeigt fich hier von neuem, wie bedenklich

1) Die Redaction will nicht Unterlagen, gegenüber den obigen Anfchauungen
ausdrücklich ihren Diflenfus zu erklären. 1 es •«> e,ne 10 fpate und vereinzelte Ihalmudftelle zur Er

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