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Ausgabe:

1894

Spalte:

233-236

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Barth, J.

Titel/Untertitel:

Etymologische Studien zum semitischen, insbesondere zum hebräischen Lexicon 1894

Rezensent:

Stade, Bernhard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Pre's
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 9. 28. April 1894. 19. Jahrgang.

Iiarth, Etymologifche Studien zum semitifchen,
insbeibndere zum hel)räifchen Lexicon (Stade).

Prill, Einführung in die hebräifche Sprache
(Schwally).

Buhl, Gefchichte der Edomiter (Siegfried). | * ^yer)

IlanaöorcovXoQ Kega/uvs, Magxvgiov xojv

dytwv t^xovxu vLwy /xagxvgtvv (Meyer).
'I'ujxiov xo negl xov xdipov xov xvglov rjfiwv

lijoov Xgioxov vnoiivrjfickiov (Meyer). (
reötwv, "Eyypcupoi Xid-oi xal xegägua

Baudi f fin, Die altteflamentlicheSpruchdichtung
(Siegfried).

Völter, Das Problem der Apokalypfe (Bouflet).
Weinberg, Die Gefchichte Jofefs (Neftle).

'AvxwvidSov, Xgvodv&ov, MsXixrj fall xov
xavovtxov ätxaiov xrjg op&oööl-ov uvaxo-
Xuetjf txxXrjoiac (Meyer).
Kolde, Martin Luther, 2. Bd. 2. Hälfte (Boffert).

Landwehr, Bartholomäus Stofch (fCawerau).
Güttier, WirTen und Glauben (Glogau).
Caird, Einleitung in die Religionsphilofophie
(Derf.).

Seydel, Religionsphilofophie im Umrifs (Derf.).

Scharling, Chriftliche Sittenlehre (Nitzfeh).

Köhler, Die fogenannte ethifche Bewegung und
die Sozialdemokratie (Fay).

Buchrucker, Der Schriftbeweis im Katechismusunterrichte
(Baffermann).

Barth, J., Etymologische Studien zum semitischen, insbesondere
zum hebräischen Lexicon. Leipzig, Hinrichs,
1893. (IV, 76 S. gr. 8.) M. 4- 50-

Der Verfaffer giebt Beiträge zur Vergleichung femi-
tifcher Wurzeln. Insbefondere behandelt er ,hebräifche
Wurzeln mit ihren femitifchen Correfpondenzen'. Nun
fcheint es mir freilich beim jetzigen Stande der Wiffen-
fchaft viel dringlicher, dafs wir uns um Verftändnifs und
Deutung deffen bemühen, was wirklich im A.T. lieht.
Doch gebe ich zu, dafs auch die etymologifche Vergleichung
des hebr. Wortfchatzes mit dem anderer fem.
Sprachen ihr berechtigtes Intereffe hat. Der Verf. hat
viel Stoff zufammengetragen. Er behandelt zunächft
Metathefen, dann Lautverfchiebungen und zwar in der
Reihenfolge: Gutturale, Lippenlaute, Gaumenlaute, Dentale
, Liquidae, Zifchlaute; diefen fchliefsen fich als ,Varia'
Worte und Wurzeln an, die in diefen Abfchnitten nicht
unterzubringen waren.

Mit Recht geht der Verf. überall von älteren Beobachtungen
aus. Auf Metathefen hat man fchon länger
geachtet, auch Eigentümlichkeiten der Wurzeln mit
Gutturalen, Gaumenlauten, Lippenlauten, Dentalen und
Zifchlauten find fchon früher beobachtet worden. Zu
den Zifchlauten enthalten die Arbeiten der arab. Grammatiker
und Lexikographen viel Material, das zu fammeln
und zu fichten fich lohnen würde, und bei den Liquidae
mufs man von vornherein auf allerhand Unregelmäfsig-
keiten gefafst fein.

Auch das ift zu loben, dafs der Verf. fich überall
bemüht, die Complicationen der Confonanten aufzuzeigen,
unter denen fich der von ihm angenommene Lautwandel
vollzieht. Wenn feine Refultate trotzdem nicht überzeugen
, fo liegt das theils daran, dafs es ihm nicht gelingt
, die beobachteten Erfcheinungen genau abzugrenzen
und beftimmte Regeln des Lautwechfels nachzuweifen,
theils an feiner Methode. Er läfst fich viel zu fehr von
den Lauten leiten, ohne das zu feinen Schlüffen verwandte
Material auf feine Zuverläffigkeit und auf feine
Bedeutung genau genug unterfucht und ohne entgegenflehende
Möglichkeiten ausgefchieden zu haben. ifl nicht nur als a. I. zu etymologifche'n Verfuchen unge-
Metathefen find freilich nicht feiten. Aber es mufs eignet, es ift auch unficher vgl. LXX. Unficher find zum

veranlafst haben. Und es ift dabei wie bei jedem Lautwandel
zwifchen dem aus der femitifchen Urzeit flammenden
Materiale und den Entlehnungen aus anderen
femitifchen oder fremden Sprachen fcharf zu fcheiden.
Lautwandel, der in der 2. Gruppe beobachtet wird, gilt
nicht ohne weiteres für die erfte. Der Verf. macht auf
Fremdwörter mehrfach aufmerkfam, in andern Worten
vermifst man es, z. B. bei FnB3 9L3!. Die Identität

lautlich naheftehender Wurzeln ferner folgt noch nicht
daraus, dafs fie als Synonyma aufgefafst werden können.
Lautlich ähnlich klingende Worte, die dasfelbe bezeichnen
oder zu bezeichnen Rheinen, können von ganz ver-
fchiedenen Wurzeln flammen, da dasfelbe Ding von
verfchiedenen Eigenfchaften benannt fein kann. Da fich

tXL=>- etymologifch mit JuL=> zufammenllellen läfst, fo
entfällt jeder Grund, heranzuziehen. Gleichungen wie

-Bjr}, !>=> S. 25, juc Ttag S. 26, bsn, Jus S. 27, nnba,

<L®j S. 30, TVa», Jl* S. 40 und viele andere fchweben

in der Luft. Ifl aber wie bei pbfi, ^_yJ^ eine normale

Gleichung vorhanden (yaJLs*. II und V, (jaJUs?), fo ifl
die abnorme Gleichung widerlegt.

Vorfichtige Prüfung des benutzten Materiales vermifst
man befonders bei den a. t. Worten. Dl"üJ> Spr.
26, IO fleht in dunkler, wahrfcheinlich verdorbener Stelle
— v. 17 ifl kein Grund fichtbar, 132 anders als in der
gewöhnlichen Bedeutung zu faffen — und bevor man
i^-c vergleicht, ift zu überlegen, wie dies zu "V23, "173
fich verhält. Das die hebr. Lautgefetze durchbrechende
"171 Spr. 21, 8 ifl ein fehr zweifelhaftes Wort. Die paläfti-
nenfifche Tradition hat darin 1T1 gefunden; der Vers ifl
in Unordnung, und es befleht' der Verdacht, dafs das
Wort durch Dittographie des folgenden Wortes (IT* ent-

ftanden ifl. Ein Verweis auf hilft daher fo wenig,

wie die alte Zufammenftellung mit ö.'. tfOttrl Jef. 64, 1

hierbei der Antheil des Fremdwortes genauer ausgefchieden
und beachtet werden, dafs Metathefe eines nom.
oder einer einzelnen Verbalform zwar fich auf die ganze
Wurzel ausdehnen kann, aber dies nicht braucht (vgl.
■Band. mJ^b neben Verb bS""l, bf* neben -jb"1 im Ethpeel
und im Nomen). Die Annahme einer Metathefe wird bei
Vergleichung von Wurzeln erft plaufibel, wenn die Formen
und die Lautverhaltnifse nachgewiefen find, die fie

minderten die Bedeutungen in Qi^3"h3 Spr. 7,16. 31, 22 und
-BD» 1 K. 20, 38. 42. fßh Hi. 17,6) gewöhnlich Ausfpeien
überfetzt, fleht in einer Stelle, deren Unverfehrtheit
zweifelhaft ift. S. 29 wird das hebr. Lexikon mit einer
Wurzel srip verkündigen auf Grund von Pf. 19, 5.
40, 2. 52, ii; Jef. 28, 10. 13 bereichert. Allein Pf. 19, 5
ifl wahrfcheinlich, 52, 11 ficher verdorben, 40, 2 reicht die
wirkliche Bedeutung von mp völlig aus und Jef. 28, 10. 13

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