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Ausgabe:

1894 Nr. 8

Spalte:

213-214

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ruzic, Dusan

Titel/Untertitel:

Die Bedeutung des Demetrios Chomatianos für die Gründungsgeschichte der serbischen Autokephalkirche 1894

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung. 1894. Nr. 8.

214

des Germanos v. Cond, und Symeon v. Theffalonich ge-
fchöpft. Doch ift die Zufammenftellung zur Erklärung
der Liturgie bei Nikolaos fehr vollfländig und abgerundet,
fo dafs das Werk dem Stoffe nach wirklich die Zahl
der Auflagen verdient, die es erlebt hat. So ift auch
die Ueberfetzung gerechtfertigt, die nun erfchienen. Sie
fcheint den Sinn des Originals auch fehr gut wiederzugeben
. Ich habe an vielen Stellen den Text von
1852 verglichen. Sicherer war es natürlich, wenn der
Ueberfetzer diefe Ausgabe auch wirklich zu Grunde
legte und nicht die hochgriechifche Ueberfetzung von
1861. Wie fchon bemerkt, hat Bromage feine Vorlage
ganz überfetzt, auch die neue Einleitung der Griechen
von 1861 und die Anmerkungen des Mawrommatis. Einige
kleinere Anmerkungen find vom Ueberfetzer hinzugefügt,
meift Citatnachweifungen. Die gröfsere Anm. S. 139
fcheint auch von ihm herzurühren, obwohl fie nicht be-
fonders bezeichnet ift. Bei Mawrommatis fehlt fie. Was
ich dem Ueberfetzer zum Vorwurf mache, ift, dafs er
die Ausgabe nicht mit einer kritifchen Einleitung ver-
fehen hat. Er hat fich offenbar bei der der Griechen
von 1861 beruhigt. Diefe ift aber viel zu erbaulich, um
kritifch fein zu können. Es fehlen in ihr verfchiedene
biographifche Notizen über Bulgaris und eine genaue
bibliographifche Befprechung der Ausgaben der Kaiy-
Xr/atg. Es fehlen in ihr endlich die Angaben über die
Heterodoxie des Verfaffers. Vielmehr wird feine Orthodoxie
gewaltig herausgeftrichen. Und zwar gefchieht das
im verfchwiegenen aber ficheren Gegenfatz zu Mawrommatis
, deffen Ausgabe fie ja benutzten.

Nun hat der Ueberfetzer zwar mehr einen praktifchen
Zweck vor Augen gehabt, nämlich den, die Union mit
der griechifchen Kirche zu fördern, die er die mother of
all churches nennt. Darum läfst er feinem Buch auch
Empfehlungsfchreiben vorangehen, und zwar von Nikodemus
, früherem Patriarchen von Jerufalem, von Blyth,
englifchem Bifchof von Jerufalem, von Bifchof Haie,
datirt von Cairo, Illinois, U. S. America, dem altkatho-
liken Bifchof Reinkens und dem Ruften Orloff, der Lehrer
feiner Sprache am Kings College in London ift, leider
alle in englifcher Sprache, während er das griechifche
Schreiben wenigftens hätte im Original geben können.
Aber auch ein praktifcher Zweck konnte bei einer reellen
wiffenfchaftlichen Einleitung beliehen. Und es ift Zeit, dafs
die neugriechifche Theologie, fei es zu welchem Zweck,
zugleich auch immer wiffenfchaftlich angefafst werde.

Mit den gemachten Einfchränkungen ift m. E. das
Buch von Bromage aber fehr zu empfehlen. Die Trefflichkeit
der Ueberfetzung mag vielen das Original er-
fetzen, das gewifs nicht in vielen Bibliotheken zu finden
fein wird.

Erichsburg. Ph. Meyer.

Ruzic, Dr. Dusan, Die Bedeutung des Demetrios Chomatianos
für die Gründungsgeschichte der serbischen Autokephal-
kirche. Jena, G. Neuenhahn, Univerfitäts-Buchdruckerei,
1893. (47 S. 8.)

Der Verfaffer, ein ungarifcher Serbe, dankt im Nachworte
Herrn Profeffor Dr. H. Geizer in Jena für die
Anregung zu der Arbeit und für mancherlei Beihülfe.
Es ift fehr erfreulich, dafs Geizer, unzweifelhaft in Deutfch-
land gegenwärtig der belle Kenner der byzantinifchen
Reichs- und Kirchengefchichte, zumal der hiftorifchen
Geographie der zu Öftrom gehörigen Kirchengebiete,
Gelegenheit hat, junge Orientalen und Slawen zur Forfch-
ung mit heranzuziehen. Die vorliegende Studie ift weder
fo umfangreich, noch fachlich fo werthvoll, wie die von
Ter Mikelian unter Gelzer's Anleitung verfafste Arbeit
über eine Epoche der armenifchen Kirche, doch aber
auch fehr willkommen. Die Kirchengefchichte der flawi-
fchen Theile der Balkanhalbinfel liegt noch grofsentheils

fo im Dunkeln, dafs jeder Beitrag, der aus den Quellen,
zumal den Quellen, die in der Nationalfprache verfafst
find, fchöpft, für werthvoll anerkannt werden darf. Der
Titel des Schriftchens von Ruzic fcheint mir kein glücklicher
. Zwar ift der Brief des Erzbifchofs Demetrios
Chomatianos von Achrida an den h. Sava die wichtigfte
neu verwendete Quelle, aber es fleht doch nicht fo, dafs
fich die Arbeit lediglich oder wefentlich um diefen Brief
bewegte. R. bietet überhaupt Unterfuchungen über die
Anfänge der ferbifchen Autokephalkirche. Begründet
wurde der ferbifche unabhängige ,Archiepifkopat' (nicht
zu verwechfeln mit dem erft ein Jahrhundert fpäter errichteten
,Patriarchat') durch den jüngften Sohn desStephan
Nemanja, des ,Sammlers der ferbifchen Länder'(J 1192),
der auf dem Athos Mönch geworden und als folcher fich
Sava nannte. Der h. Sava ift der Stifter des erften
Slawenklofters auf dem Athos, Chilendar '). Nach Ruzic's
Annahme hat Sava 1220 die Löfung der Kirche der
Serben von dem bulgarifchen Archiepifkopat in Achrida
erreicht und war dann felbft bis 1234 erfter Erzbifchof
der Landeskirche. Er hat diefe Kirche organifirt, indem
er, wie R. beweifen zu können glaubt, zehn (nicht zwölf
oder acht, wie andere behaupten) Bifchofsfitze errichtete.
Vor ihm hatte es für die ferbifchen Lande nur einen
Bifchof gegeben, den von Rafa, der zudem ftets ein
Grieche war, dem ferbifchen Volke alfo naturgemäfs
fern (fand. Ehe Sava daran dachte oder dazu überging,
fich mit Hülfe des Kaifers von Byzanz und des oekume-
nifchen Patriarchen zum Haupte einer ferbifchen Autokephalkirche
erklären zu laffen, hatte er fchon zwanzig
Jahre in den politifchen Streitigkeiten feiner Brüder als
Vermittler, zumal aber auch als Reformator der fittlichen
und culturellen Verhältnifse des Volkslebens gewirkt; er
wird um feiner vielfeitigen Thätigkeit willen, die überall
getragen war von nationalen Impulfen, mit Recht als
der eigentliche Fortfetzer und Vollender des Werkes
feines Vaters angefehen.

Giefsen. F. Kattenbufch.

Wen dt, Prof. Hans Hinrich, Die Aufgabe der systematischen

Theologie. Academifche Antrittsvorlefung in Jena, gehalten
am 28. Octbr. 1893. Göttingen, Vandenhoeck &
Ruprecht, 1894. (24 S. gr. 8.) M. —. 6b.

In feiner am 28. October 1893 gehaltenen akademi-
fchen Antrittsvorlefung konnte Wendt felbftverftändlich
nicht alle Probleme behandeln, die die Feftftellung der
Aufgabe der fyftematifchen Theologie in fich fchliefst;
er hebt einige Gefichtspunkte hervor, nach denen in
unferer Zeit das chriftliche Lehrfyftem ausgeführt werden
mufs, um der Aufgabe der von ihm behandelten Disci-
plin gerecht zu werden. Die heute für die fyftematifche
Theologie brennende Frage, wo die entfcheidende Er-
kenntnifsquelle und Norm für die chriftliche Lehre liegt,
berührt der Verf. nur ganz kurz, da er fich hiefür auf
feine in der Theolog. Lit.-Ztg. bereits befprochene (Jahrgang
1893, Nr. 17) Schrift: ,Die Norm des echten Chri-
ftenthums' berufen konnte. Indem er den Grundfatz
aufftellt, dafs als diefe entfcheidende Norm die
religiofe Lehre Jefu felbft zu betrachten ift, erblickt
er die Aufgabe der fyftematifchen Theologie darin, die
religiöfe Gefammtanfchauung, die Jefus in feiner Zeit,
unter den ihn umgebenden gefchichtlichen Verhältnifsen,
mit Rückficht auf die an ihn herantretenden befonderen
Fragen und Aufgaben verkündigt, und zwar in populärer
Form verkündigt hat, in wiffenfchaftlicher
Form und in fyftematifchem Zufammenhange für unfere
Gegenwart zu begründen und zu entwickeln. Der
wichtigfte und umfangreichfte Theil der Vorlefung Wendt's

1) S. auch das vortreftliche Werk von Ph. Meyer, Die Haupturkunden
für die Gefchichte der Athosklöfter (1894), S. 48 fr.